Anzeige

„Das Paradies ist da, wo ich bin.“ (Voltaire)

Nun ist seit unserem ersten Bericht von der Arche ein ganzes Jahr vergangen, und auf dem ehemals königlichen Weinberg von Gräbendorf südöstlich Berlins haben inzwischen bedeutsame Wandlungen stattgefunden. Das ehemalige Ferienheim des Kombinats Robotron auf dem markanten Endmoränenhügel im Naturpark Dahme-Heideseen ist aus dem Dornröschenschlaf erwacht und entpuppt sich mehr und mehr als historisch bedeutsames Gelände, wo einmal ein Hohenzollernprinz sein privates Arkadien mit einem repräsentativen Landhaus aus Zedernholz erschaffen ließ. Auf den Spuren der Vergangenheit haben wir vielfältige Entdeckungen gemacht. Das Nachhaltigkeitsprojekt „Arche Weinberg“ nimmt auf zehn Hektar Fläche immer mehr Form an. Eine „soziale Plastik“ im Sinne von Joseph Beuys ist im Entstehen. Viele Menschen finden sich hier bereits ein, um vor den Toren der Stadt in einem großen Gemeinschaftsgarten naturnahes Leben zu erfahren – besonders auch Kinder und Jugendliche.

Das Gartenoktogon

Auf einer Ackerfläche am Südwesthang des Weinbergs ist seit dem Frühjahr ein großer Gemeinschaftsgarten in Form eines Oktogons mit 10.000 Quadratmetern entstanden. Als raumzeitliches Gebilde ist es Kompass und Kalender zugleich und markiert die Himmelsrichtungen und die Jahreszeiten. In einer Sieben-Felder- Wirtschaft werden die verschiedenen Pflanzenfamilien wie Wurzelgemüse, Kohlsorten, Blattgemüse, Salate, Paprika und Chili, Tomaten, Kräuter angebaut. Das achte Feld ruht und dient zur Humusbildung durch Terra Preta aus Pflanzenkohle und effektiven Mikroorganismen. In der Mitte ragt eine Holzsäule in Form eines Erddrachens heraus, umgeben von einem Innenraum mit Rankgittern für Kletterbohnen und Kapuzinerkresse. Auf dem 300 Meter langen Erdwall, der unseren kreativen Naturtempel umgibt, wachsen Dicke Bohnen und Erbsen. Im äußeren Bereich des Oktogons werden in den frostfreien Tagen Kürbisse, Zucchini und Gurken angepflanzt. Ein besonderer Schwerpunkt unseres Biogartens werden vom Aussterben bedrohte Kulturpflanzen sein. Die angrenzende Ackerfläche kann für solidarische Landwirtschaft1 eingesetzt werden.

Der I-Ging-Garten

Das Oktogon bietet allerdings neben den angebauten Nutzpflanzen eine tief geistige Dimension und stellt ein sehr großes I-Ging-Symbol dar. Das I Ging, das chinesische „Buch der Wandlungen“ gilt als ältestes Buch der Welt. Chi, die universale Lebensenergie, teilt sich in der Mitte des geistigen Gartens in Yin und Yang, dann sternförmig in die acht Himmelsrichtungen. Aus den acht Trigrammen Himmel, Erde, Feuer, Wind, Donner, Wasser, Berg und See entfalten sich wiederum 64 Hexagramme, die wir in Form von trapezförmigen Beeten im äußeren Kranz des Gartenoktogons angeordnet haben. Diese Hexagramm-Gärten mit etwa 35 Quadratmeter Fläche können durch das Werfen von Münzen für eine oder mehrere Personen bestimmt werden, und die Gärtnerinnen und Gärtner befassen sich ein Jahr lang mit diesem Stück Erde und dem damit verbundenen Wandlungsthema.

Mein eigener Abschnitts ist beispielsweise das Hexagramm 11 (Thai, der Frieden oder die Durchdringung). Mit ihm habe ich mir ein besonderes Lebensthema kreiert. Der untere Teil des Hexagramms symbolisiert den Himmel, der obere Teil die Erde. Es geht hier um die geistige Durchdringung von Yang und Yin in Form von Harmonie, Frieden und Gedeihen. Meine Aufgabe besteht darin, das Kleine zu verabschieden und das Große kommen zu lassen. Als Schöpfer des Gartenoktogons trage ich diese hohe Verantwortung. Das Energiefeld zwischen Himmel und Erde möchte in Jahreszeiten eingeteilt und in Himmelsrichtungen unterschieden werden. Auf diese Weise werde – so das I Ging – die Natur in ihrer überwältigenden Fülle der Erscheinungen beschränkt und gebändigt. Doch auf der anderen Seite müsse die Natur in ihren urwüchsigen Hervorbringungen gefördert werden. Für das tägliche Gärtnern bedeutet dies, zwischen dem wuchernden Wildkraut und den räumlich organisierten Kulturpflanzen eine wechselseitige Durchdringung herzustellen und auf achtsame Weise in den natürlichen Wachstumsprozess einzugreifen. Die geistige Übung besteht darin, den sich entfaltenden Garten und die darin wirkenden Menschen im Wechsel der Jahreszeiten in ihrem Tun zu unterstützen. Manche Gärtner greifen tief in die Erde ein und gestalten Landschaften, andere bescheiden sich mit minimalen Eingriffen und lassen die Wildwiese wuchern.

Mein Zen-Garten

Universal GardeningIch habe mich für einen Zen-Garten entschieden. Umrahmt von uralten Granitsteinen aus der Tiefe der Erde, bildete sich aus meiner Intuition eine hügelige Landschaft mit zwei Ruheplätzen, einer massiven Baumscheibe als Naturaltar, einem solarbetriebenen Wasser – spiel und einer Yin-und-Yang-Holzinstallation. Durch den Garten schlängelt sich ein mit Granitsteinen gesäumter und mit ockerfarbenem Sägemehl ausgelegter Wandelpfad. Mein Zen-Garten wird nun mit einer Vielzahl von Kräutern und Blumen besät und bepflanzt und soll mit einer Botschaft des Friedens und der Durchdringung von Geist und Natur auf das Gartenoktogon ausstrahlen und seine harmonisierende Wirkung für das Ganze hinterlassen.

Macht mit!

Viele Menschen haben bereits als Mitglieder unseres Fördervereins einen Hexagramm-Garten angelegt, in dem sie nun sowohl individuell als auch als Teil einer Gemeinschaft durch das Gartenjahr gehen. Einige Hexagramme sind noch unbewohnt und warten auf ihre geistige Transformation. Daneben bietet das Projekt Arche Weinberg viele weitere Entfaltungsmöglichkeiten, zum Beispiel in der Pflege bedrohter Haustierarten. „Eine Herde rauwolliger pommerscher Landschafe sowie ein Wollschwein und ein Hängebauchschwein erfreuen uns täglich mit ihrem Dasein. Hühner, Enten und Gänse sollen bald folgen“, freut sich Vereinsvorstand Alexandra Jedrych schon auf den tierischen Zuwachs. „Auch naturnahe und nachhaltige Berufe und Projekte sind bei uns herzlich willkommen“, betont sie. „Es gibt bereits einen Imker, und weitere Handwerke und kreative Projekte dürfen folgen.“

 


Aktionstag im Universalen Garten: jeden Sonntag von 10 bis 18 Uhr
Tag der Offenen Tür: 1. Mai 2016, 10 bis 18 Uhr

Info und Kontakt unter Tel.: 0163-842 62 29 oder info@arche-weinberg.de
www.facebook.com/archeweinberg

Mehr Infos zum Thema im SEIN-Sonderheft „WE GO PARADISE“

 

Hinterlasse einen öffentlichen Kommentar

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

*