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utopival, der Mitmachkongress bringt Menschen zusammen,um die zentrale Frage: “Wie stellen wir uns eine zukunftsfähige Gesellschaft von morgen vor?” zu beantworten. Gemeinsam soll ein Mitmachraum geschaffen werden, um utopiegtaugliche Alternativen zu diskutieren und zu leben. utopival 2015 wird nach den begleitenden Motiven geldfrei, vegan, ökologisch und solidarisch organisiert und verwirklicht und dadurch zum Perspektivwechsel auf verschiedenen Ebenen einladen.

Interview mit Pia vom utopival-Team

Sein.de: Liebe Pia, im August veranstaltet ihr den Mitmachkongress utopival. Für was steht utopival und was soll dort genau passieren?

Pia: Die „Utopie“ in utopival hat einen großen Stellenwert: Uns ist es wichtig, dass sie nicht als neue Gesellschaftsform zu verstehen ist, sondern als Wegweiser*in, als Motivation und Prozess. Die Utopie ist ein Freiraum, in dem Bedenken wie „Das kann ich mir nicht vorstellen!“ oder „Das hat noch nie funktioniert!“ keinen Platz haben.

Der Name erinnert ja ein bisschen an „Festival“…

…ja! Wir betonen auch immer wieder gerne, dass das utopival ein Mitmachkongress ist und nehmen die Assoziation mit dem angenehm lockeren, freien Charakter eines Festivals gerne an. Dennoch: Das utopival hat ein anderes Format. Wir möchten während der fünf Tage gemeinsam mit 100 Menschen ernsthaft über utopietaugliche Alternativen zum Jetzt reden und sie möglichst schon heute erlebbar werden lassen.

Das utopival organisieren und verwirklichen wir nach den begleitenden Motiven: geldfrei, vegan, ökologisch und solidarisch. Es fließt also direkt kein Geld in der Verwirklichung des Kongresses: er lebt von der Solidarität, dem Tatendrang und der Motivation aller Mitwirkenden. Für uns ist das ein gesellschaftliches Experiment, mit welchem wir zeigen möchten, dass Ansätze der share- und gifteconomy schon heute lebbar sowie das Prinzip „Leistung – Gegenleistung“ überwindbar sind.

Die Teilnehmer*innen dürfen sich in 25 Workshops zu der Frage „Wie stellen wir uns eine zukunftsfähige Gesellschaft von morgen vor?“ austauschen – bezogen auf die Themenstränge Wirtschaft, soziales Miteinander, Kreativität, Bildung und Ernährung. Und das „Drumherum“ bietet viel Raum und Möglichkeiten, utopie-taugliche Alternativen im Kleinen schon heute zu erleben.

Das ist ja nicht euer erster Kongress – was war das Fazit des ersten und wie war die Resonanz?

Die Resonanz 2014 war unglaublich. Drei Monate vor Beginn waren alle 100 Plätze vergeben und es standen Menschen auf der Warteliste. Damit hatten wir überhaupt nicht gerechnet! Es war das erste Mal, dass wir alle einen Kongress organisierten und das dann auch noch geldfrei – eine Veranstaltung, die normalerweise mit mehreren Tausend Euro organisiert wird!

Eines unserer Fazits ist, dass wir dieses Jahr nicht mehr „first come, first serve“ machen, sondern die 100 Plätze verlosen werden, das ist einfach fairer. Ein anderes wichtiges Fazit ist für uns die Erkenntnis, dass es nicht nur um die fünf Tage selbst geht, sondern dass wir möglichst viele Interessent*innen (momentan sind es so um die 700) da abholen möchten, wo sie sind: Wir möchten weitere Partizipationsmöglichkeiten schaffen. Sei es durch andere Projekte oder durch eine wunderschöne Dokumentation, um auch über andere Wege in die Inhalte und Atmosphäre des utopivals einzutauchen.

Veranstalter ist „living utopia“ – kannst du etwas mehr darüber erzählen? Was sind eure Hauptziele?

living utopia versteht sich als Projekt- und Aktionsnetzwerk mit ganzheitlichem Anspruch. Durch unsere Projekte werden Mitmachräume geschaffen, in welchen Ideen zum Wandel hin zu einer zukunftsfähigen Gesellschaft entstehen und gelebt werden können. Um Alternativen zu leben, dürfen wir uns gleichzeitig den Missstände dieser Gesellschaft bewusst werden. Allerdings möchten wir den Fokus auf solidarische, zukunftsfähige Wege legen und sie somit in den gesellschaftlichen Diskurs bringen. Durch die Verbindung von theoretischen Ideen gezielt mit praktischen Umsetzungsmöglichkeiten möchten wir zeigen, welche Utopien schon heute gelebt werden können. Wir möchten damit zu einem Perspektivwechsel anregen und zeigen, dass wir nicht auf irgendwelche vermeintlichen Autoritäten warten, sondern loslegen und den Wandel jetzt gestalten sollten.

All unsere Projekte werden geldfrei, vegan, ökologisch und solidarisch organisiert und verwirklicht. Oft werden wir gefragt, ob so die Utopie für uns aussieht. Das ist schwer zu beantworten, da eine Eigenschaft der Utopie ist, dass sie nicht direkt greifbar ist. Dennoch: Wir möchten schauen, wo unsere jetzige Gesellschaft versagt, wodurch Leid, Ausbeutung und Unterdrückung existieren. Durch die begleitenden Motive möchten wir Räume schaffen, in welchen wir zeigen: Es geht auch anders!

Ist eine geldfreie Gesellschaft denn realistisch? Wie sähen die möglichen Alternativen aus?

Es gibt in allen Lebensbereichen so unglaublich viele Alternativen, diese jetzt aufzuzählen, würde wohl den Rahmen sprengen. Es geht uns aber auch gar nicht darum, dass unsere Gesamtgesellschaft von heute auf morgen oder generell geldfrei wird. Es geht darum, geldfreier zu werden: Unabhängiger von Lohnarbeit und anderen Zwängen und sich zu fragen „Was ist eigentlich mein Herzensthema? Wie möchte ich leben?“

Es geht uns auch darum, unser soziales Miteinander zu überdenken: Wie gehen wir eigentlich miteinander – mit menschlichen, nicht-menschlichen Wesen und der gesamten Mitwelt – um? Und wie könnte das anders aussehen? Wir möchten dazu anregen, den Leistungszwang sowie das Prinzip „Leistung – Gegenleistung“ zu überdenken und in eine Haltung kommen, aus der heraus wir mit Freude und Motivation unsere Talente schenken und uns fragen: „Was können und möchten wir beitragen? Können wir aus unserer Starre erwachen und versuchen, unsere Utopien schon im Heute zu leben?“

… das macht ihr ja mit utopival bereits, denn auch der Kongress selbst ist geldfrei gestaltet – was bedeutet das für die Veranstalter, Referenten und Teilnehmer?

Das bedeutet, dass das utopival von der Solidarität, dem Tatendrang sowie der Motivation aller Beteiligten lebt. Gemeinsam können wir viel bewegen. Die geldfreie Organisation des Kongresses führt zu einem anderen Miteinander und zu wesentlich mehr sozialer Interaktion. Sie zeigt, dass wir alle voneinander abhängig sind und dass wir solidarisch viele Träume Wirklichkeit werden lassen können.

Es ist auch nicht mehr so, dass wir eine bestimmte Summe für den Posten „Referent*innen“, für den Ort und so weiter haben, dann diese Summe anonym überweisen und diese Menschen uns – womöglich vor allem durch die Motivation des Geldes – dann ihre Dienstleistung erweisen. Alle Menschen, die bei uns mitwirken, tun dies aus Freude, weil sie zur Verwirklichung der Idee beitragen möchten.

Um ein Beispiel zu nennen: Der liebe Achim vom Findhof, wo das utopival dieses Jahr stattfinden wird, hat uns letztes Jahr, als wir ja noch gar keine Referenzen hatten, angeschrieben und gebeten: „Mögt ihr das utopival 2015 bei mir machen? Ich finde die Idee klasse!“ Und somit darf unser Mitmachkongress dieses Jahr auf einem wunderschönen Seminarhof im bergischen Land stattfinden.

„Mitmachkongress“ klingt nach aktiver Teilnahme der Besucher. Was kann man auf dem Findhof erwarten?

Wir möchten versuchen, die Rollen „Teilnehmer*in“ und „Referent*in“ aufzulösen und den gesamten Kongress sehr partizipativ und hierarchiearm zu gestalten. Deswegen laden wir alle Referent*innen auch explizit dazu ein, an allen Tagen teilzunehmen. Wir alle haben Ideen und Talente!

Für die utopivalist*innen gibt es die Möglichkeit, auch spontan ihre Herzensthemen im open space zu teilen, sich im Drumherum (DoItYourself-Zelt, Kleider- und Dingeschenkspot etc.) auszuleben, sowie sich beim Schnippeln nicht mehr verkäuflicher Lebensmitteln für unsere veganen Mahlzeiten einzubringen. Außerdem haben wir den Anspruch, dass alle Workshops sehr partizipativ und bedürfnisorientiert und nicht „vortragend“ gestaltet werden.

Ihr habt nur 100 Plätze frei – das Interesse an eurem Kongress ist ja aber sehr viel größer…

Ja, und obwohl wir die 100 freien Plätze verlosen, gibt es einen Anmeldebogen mit reflexiven Fragen. Damit möchten wir vor allem herausfinden, ob die Erwartungen und Wünsche der sich anmeldenden Menschen mit dem übereinstimmen, was sie auf dem utopival erwarten wird. Nebenbei kann das Ausfüllen des Formulars auch ein reflexiver Moment sein, der vielleicht neue Erkenntnisse und Ideen bringt. Für uns ist es aber wichtig, dass eine Anmeldung als verbindlich angesehen wird.

Wir möchten die Teilnehmer*innenzahl bei 100 Menschen lassen, um eine intensive Austauschatmosphäre und einen gruppendynamischen Prozess zu ermöglichen. Uns ist es wichtig, dass die Menschen, die sich anmelden, auch wirklich motiviert sind, beim utopival dabei zu sein.

Was erhofft ihr euch als Ergebnis von utopival 2015?

Ganz viel Motivation, Inspiration, Vernetzung und neue Ideen! Damit wir gemeinsam den Wandel hin zu einer zukunftsfähigen Gesellschaft von morgen gestalten können.

Liebe Pia, vielen Dank für das Interview!

 

Das Interview führte Uschi Rapp/sein.de


 

 

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Der geldfrei gestaltete Mitmachkongress findet vom 3.-7. August 2015 nahe Köln statt und wird sich mit der Frage „Wie stellen wir uns eine Gesellschaft von morgen vor?“ auseinandersetzen. Für das inhaltliche Programm mit 25 Workshops konnten unter anderem Prof. Dr. Niko Paech, Dr. Friederike Habermann und Van Bo Le-Mentzel als Referent*innen gewonnen werden.

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