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Viele Menschen entscheiden sich aus ethischen oder gesundheitlichen Gründen für eine vegane Ernährung. Doch noch ein weiteres Argument spricht dafür, Fleisch, Fisch, Eier und Milch von seinem Speiseplan zu streichen: Die industrielle Tierhaltung ist für eine Vielzahl der heutigen Umweltprobleme mitverantwortlich und hat teilweise sogar den größten Anteil daran. Wer sich vegan ernährt, kann daher einen wichtigen Beitrag zur Lösung von Umweltproblemen leisten.

Gülle, Ammoniak und Grundwasserbelastung

Auf deutschen Feldern werden jedes Jahr rund 191 Millionen Kubikmeter1 flüssiger Wirtschaftsdünger verteilt – in den meisten Fällen besteht dieser Dünger aus Gülle, also dem Kot und Urin landwirtschaftlicher »Nutztiere«. Das darin enthaltene Ammoniak hat gravierende Auswirkungen auf die Umwelt: Ammoniakausgasungen gelangen als »saurer Regen« in den Boden und sind dann laut der Umweltschutzorganisation Robin Wood eine der Hauptursachen für das Waldsterben – bereits 64 % aller Waldbäume in Deutschland sind geschädigt.2 Der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik beim Landwirtschaftsministerium schätzt, dass über 90 % der deutschen Gesamtemissionen von Ammoniak auf die Tierhaltung und die Mineraldüngung zurückgehen.3

Auch die Wasserbelastung durch Gülle ist äußerst besorgniserregend: Die Ausscheidungen der Tiere belasten das gesamte Wassersystem. Schädliche Stoffe gelangen in Bäche und Flüsse und darüber bis ins Meer. Der Nitratbericht der Bundesregierung zeigt, dass sich die Qualität des Grundwassers in Deutschland durch die Unmengen an Gülle bereits stark verschlechtert hat.4 Demnach weisen knapp die Hälfte von 162 ausgesuchten Grundwassermess – stellen eine hohe Nitratbelastung auf. Dies ist bedenklich, da aus dem Grundwasser auch Trinkwasser gewonnen wird, dessen Qualität durch einen erhöhten Nitratgehalt beeinträchtigt werden kann.5

Auch Rückstände von den Tieren verabreichten Arzneimitteln wie Antibiotika finden durch die Düngung mit tierischen Ausscheidungen ihren Weg in die Böden und ins Grundwasser. Anschließend können sie von Pflanzen aufgenommen werden (und durch deren Verzehr auch von Tieren oder Menschen). Die enthaltenen antimikrobiellen Substanzen wirken sich außerdem schädlich auf die Bodenflora aus.

Treibhausgase und Klimawandel

14,5 % aller durch den Menschen verursachten Treibhausgasemissionen sind auf die Tierhaltung zurückzuführen.6 Damit gehört sie zu den stärksten Verursachern des Treibhauseffekts und damit des Klimawandels. Studien zeigen deutlich, dass die Treibhausgasemissionen durch einen geringeren Konsum von Fleisch und Milchprodukten deutlich reduziert werden können. Laut WWF sind rund 70 % der direkten Treibhausgasemissionen unserer Ernährung auf tierische Produkte zurückzuführen, auf pflanzliche Produkte hingegen nur knapp ein Drittel.7

Eindrücklich ist in diesem Zusammenhang eine Umrechnung der verschiedenen Ernährungs – weisen in zurückgelegte Autokilometer und die damit zusammenhängenden Emissionen. Eine (Bio-)Ernährung, die sämtliche Tierprodukte einschließt, läuft auf eine Pro-Kopf-Jahresstrecke von Berlin nach Bagdad (Irak) hinaus. Demgegenüber macht eine pflanzliche Ernährung ohne Fleisch und Milch gerade einmal eine Strecke von Berlin nach Nürnberg aus.8 Kurz gesagt: Je pflanzlicher die Ernährung, desto klimafreundlicher ist sie.

Regenwald, Böden und Wasserreserven

Dem wachsenden Fleischhunger fallen weltweit riesige Landflächen und Ökosysteme zum Opfer. Jede Sekunde wird auf der ganzen Welt eine Waldfläche in der Größe eines halben Fußballfeldes vernichtet. Die Flächen werden vor allem als Weideflächen und zur Produktion von Futtermitteln für die »Nutztierhaltung « benötigt. Dies betrifft allein 80 % der bisher gerodeten Fläche im Amazonasregenwald. 9

Der Regenwald wird allerdings nicht umsonst die »grüne Lunge« der Erde genannt. Dadurch, dass die dort beheimateten Pflanzen das klimaschädliche Gas Kohlendioxid binden, spielt er eine entscheidende Rolle bei der Reinigung der Luft. Durch die Rodung großer Flächen werden diese Pflanzen jedoch zerstört, und durch ihr Abbrennen entsteht zudem neues Kohlendioxid, das in die Atmosphäre gelangt.

Die intensive Bewirtschaftung von Böden zur Futtermittelproduktion, wie sie in der industriellen Landwirtschaft gang und gäbe ist, hat weitreichende negative Konsequenzen – nicht nur für den Regenwald, sondern weltweit: Bereits ein Drittel der globalen Ackerböden ist mittelgradig bis stark geschädigt, ein weiteres Drittel leicht.10 Sollte sich dieser Trend fortsetzen und diese Degradation der Böden immer weiter voranschreiten, können immer schlechtere Anbaubedingungen durch eine Verminderung der Fruchtbarkeit des Bodens und somit weltweite Hungerkrisen die Folgen sein.

Auch die weltweiten Wasserreserven werden durch die Erzeugung tierischer Lebensmittel stark beeinträchtigt. Der Großteil des in der Landwirtschaft benötigten Wassers fließt in die Tierhaltung und hierbei besonders in die Fleischerzeugung. So benötigt man für die Produktion von einem Kilogramm Fleisch je nach Tierart bis zu 15.400 Liter Wasser.11 Andere tierische Produkte wie Butter und Milch schneiden in ihrem Wasserverbrauch ebenfalls deutlich schlechter ab als ihre pflanzlichen Alternativen.

Vegane Ernährung und Umwelt

Unsere Ernährungsweise hat nicht nur entscheidenden Einfluss auf die menschliche Gesundheit, sondern auch auf die Gesundheit unserer Umwelt. Dies haben mittlerweile nicht nur Umwelt- und Tierschutzverbände erkannt. Auch offizielle Behörden veröffentlichen erfreulicherweise immer häufiger entsprechende Stellungnahmen. So schreibt beispielsweise das Umweltbundesamt (UBA) in einem kürzlich veröffentlichten Bericht, dass »für die Erzeugnisse tierischen Ursprungs wie Fleisch und Milchprodukte und Eier mehr Fläche und Wasser erforderlich sind und durch sie mehr Treibhausgas- Emissionen verursacht werden als durch Erzeugnisse pflanzlichen Ursprungs«.12 Das UBA empfiehlt der Bundesregierung, die Transformation des Ernährungssystems voranzutreiben – allen voran mit der Reduzierung des Verbrauchs tierischer Produkte.

Ob und wie die Bundesregierung den Empfehlungen des UBA folgen wird, ist fraglich. Klar ist jedoch, dass jeder Konsument bereits heute auf dem eigenen Teller Tier- und Umweltschützer zugleich sein kann – mit der Entscheidung für eine pflanzlichere Ernährung. Die vegane Ernährung ist hier ein guter Ansatz, der zudem gesundheitliche Vorteile haben kann und auch aus ethischer Perspektive zu empfehlen ist.

 


 

https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/Wirtschaftsbereiche/LandForstwirtschaftFischerei/Produktionsmethoden/Tabellen/Landwirtschaftliche-BetriebeWiDuenger.html
http://www.robinwood.de/german/wald/waldsterben/index.htm
http://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Ministerium/Beiraete/Agrarpolitik/GutachtenNutztierhaltung.pdf?__blob=publicationFile
http://www.bmelv.de/SharedDocs/Downloads/Landwirtschaft/Klima-und-Umwelt/Nitratbericht-2012.pdf?__blob=publicationFile
http://www.umweltbundesamt.de/themen/wasser/gewaesser/grundwasser/nutzung-belastungen/naehr-schadstoffe
http://www.fao.org/ag/againfo/resources/en/publications/tackling_climate_change/index.htm
http://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/Klimawandel_auf_dem_Teller.pdf
http://vegan-taste-week.de/hintergruende/umwelt
http://www.greenpeace.org/international/en/publications/reports/slaughtering-the-amazon/
10 http://www.fao.org/nr/water/news/solaw_launch.html
11 http://waterfootprint.org/media/downloads/Hoekstra-2012-Water-Meat-Dairy.pdf
12 https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/378/publikationen/daten_zur_umwelt_umwelt_haushalte_und_konsum_1.pdf

Eine Antwort

  1. Atanjeo

    Hallo Rieke, da gebe ich Dir Recht. Die Treibhausbelastung der industriellen „Tierproduktion“ dürfte allerdings in der Gesamtberechnung noch viel höher sein. Allein die Wald – und Bodenzerstörung, maßgeblich auch verursacht durch das Verwenden der Flächen für Kraftfutterproduktion (Soja etc.) soll laut für ca. 50% der weltweiten CO² Entstehung verantwortlich sein (H. Oeschger,B. Messerli,M. Svilar).
    Und genau so läuft ja der Kreislauf: Viele Millionen Hektar an Böden werden durch Monsanto – verseuchte Pflanzen – Monokulturen (Soja, Mais, aber auch Palmöl für die Tiere) komplett zerstört, wodurch hier schon gigantische Mengen an CO² bindenden Humus vernichtet werden. Dann wird das Giftzeug per Schiff u. LKW quer über den Ozean in unsere Ställe transportiert und in Form von Überproduktion wieder übers Wasser woanders hingeliefert. Allein die Schifffahrt mit ihren Drecksmotoren verursacht ja mehr Schaden als alle Autos zusammen. Alles so krank!

    (H. Oeschger,B. Messerli,M. Svilar

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