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Wirkliche Veränderung entsteht nicht im Kopf und aus einem angespannten Wollen, sondern hat ihren Ursprung auf einer tieferen Ebene. Den Kontakt zu dieser Ebene können wir nicht machen, er geschieht durch Loslassen, eben durch Kapitulation des „ich will“. Nicht immer ein ganz einfacher Prozess.


„Die Welt verbessern, lass mich damit bloß in Ruhe. Erstens ist da sowieso nicht viel zu retten, und zweitens will ich selber erst mal glücklich sein.“ So könnte eine heftige Reaktion auf den Titel dieses Heftes aussehen. Oder etwas milder: „Ich weiß ja, man müsste sich irgendwie engagieren, aber ich habe mit meinem eigenen Leben schon mehr als genug zu tun.“

Dieses Gefühl der Überforderung angesichts des krisenhaften Weltgeschehens und auch der Mühe mit dem eigenen Leben kennen wir wohl alle zeitweise. Dann gibt es wieder Momente von Idealismus und schwungvoller Tatkraft. Denn im Grunde genommen sehnen wir uns alle nach einer besseren, harmonischen Welt. Und das Bedürfnis, mit dem eigenen Leben zum Gelingen der größeren Gemeinschaft beizutragen, ist tief in uns angelegt.

Ich kenne beide Seiten der Medaille gut: meine Ruhe haben wollen und idealistischen Tatendrang. Doch spätestens wenn die Begeisterung durch Hindernisse und Misserfolge die selten ausbleibenden Dämpfer erhält und ich womöglich wieder in den „ach lass mich doch in Ruhe“-Modus pendle, wird es wichtig, mich wieder auf eine Lebenshaltung einzustimmen, die die beiden Pole von Abgrenzung und Idealismus in sich aufnimmt, von innen heraus wandelt und einen neuen dritten Weg entstehen lässt: den Weg der Annahme, des „Wu-Wei“. Das ist ein chinesischer Ausdruck für „Tun im Nichttun“, was soviel heißt wie: Die richtige Handlung ergibt sich aus tiefem Loslassen.

 

Einfühlen in sich selbst

Auch beim Schreiben dieses Artikels musste ich durch einen Prozess des Haderns und Zweifelns zu diesem Punkt des Loslassens gelangen. Das ist nicht immer bequem, aber immer sehr lohnend! Was es dazu braucht, ist eine Wachheit im Moment. Mich in der Kunst zu üben, mir selbst, der Umwelt und dem Leben wirklich zu begegnen. Indem ich immer tiefer wahrnehme, was ich in einer Situation empfinde und ob ich das genau so annehmen kann, ob das so sein darf, entwickle ich eine Haltung der Bewusstheit. Und egal ob ich die Situation und meine Gefühle dazu dann annehmen kann oder nicht – dieser Akt des Einfühlens in mich selbst, dieses Für-mich-da-Sein, wird mit der Zeit Eigenverantwortung, Klarheit und eine Annahmebereitschaft wachsen lassen.

Ich fange an, meine gewohnheitsmäßigen Reaktionsmuster zu durchschauen – und zu merken, wie wenig effektiv sie sind. Fliehen, mich ablenken oder betäuben, mir oder anderen Druck machen oder mir sogar „eins drauf geben“, die Opferrolle spielen und manipulieren… All das hält mich nur in den ewig gleichen Spielabläufen gefangen.
Wenn ich lerne, einfach nur da zu sein, mich in mich einzufühlen, mir immer tiefer zu erlauben, in das hinein zu entspannen, was ist – es wirklich zu fühlen, ohne Widerstand, dann werde ich offener für den „heiligen Moment“, der auch ein heilender Moment ist.

In jedem guten therapeutischen Prozess, auf jedem spirituellen Weg und in jeder schwierigen Lebenssituation, der ich mich wirklich stelle, gibt es diesen Moment der Kapitulation, der tieferen Annahme: nichts mehr ändern können und wollen… loslassen. Hieraus erwächst ein Friede und ein Einklang, aus dem heraus ich plötzlich weiß, was dran ist. Mein natürliches Potenzial und das Potenzial des Moments finden sich.

 

Mitgefühl mit mir = Mitgefühl für andere

Wer aus der inneren Präsenz lebt, gibt sich dem Leben so, wie er ist, und daraus lebt und webt sich unser gemeinsames höchstes Wohl. Wenn ich so wacher für mich selbst und mein Leben geworden bin, bekomme ich automatisch tieferes Mitgefühl für andere und lasse mich auch leichter von den Hilferufen und Unstimmigkeiten meiner kleinen und großen Mitwelt berühren. Durch meine Hingabe an die Berührbarkeit lebe ich aus dem Einklang mit „Gott und der Welt“. Das Leben geschieht durch mich… gleichsam persönlich und überpersönlich, als ob meine authentische Antwort aufs Leben von einem universellen Evolutionsimpuls gelenkt wird.

Es ist schön, dass wir in einer Zeit leben – und in Berlin auch in einem anregenden Umfeld –, wo Wegbegleitung, Inspiration und Methoden, um diese Lebenshaltungen einzuüben, reichhaltig angeboten werden. Nach meiner Erfahrung lässt sich das am besten in einer Gruppe lernen. Wer regelmäßig mitkriegt, wie andere aus der Gruppe sich in ihren Schwächen zeigen, und wie sie dann – statt der oftmals befürchteten Ablehnung – sogar Mitgefühl erhalten und daran wachsen, der wird es immer öfter auch wagen, sich zu zeigen, sich anzunehmen und sich dadurch auch in seinem Potenzial zu entfalten. Gruppenerfahrungen tragen, spiegeln und nähren uns, und die tiefere Wahrheit, der wir uns dort öffnen, kann uns freimachen!

Der Menschheit stehen große Wandlungen bevor… Wenn wir wach und präsent sind, können wir – immer genau jetzt – diesen Wandel mittragen und in fließender Liebe leben, statt im Stakkato von Angst und Angespanntheit.


Abb.: © Olga Panina – Fotolia.com

Über den Autor

Avatar of Katharina Knitsch

ist Heilpraktikerin und Psychotherapeutin mit Praxis in Berlin Zehlendorf. Sie arbeitet u.a. mit Methoden der Gestalttherapie, EFT- Meridianklopfen (Emotional Freedom Technique) und der Aurawahrnehmung (n. R. Strücker) am Auffinden und Lösen von Blockaden und Schwierigkeiten. ­Spirituelle Anbindung und bei Bedarf energetische Körperarbeit helfen dabei, zentrierter, mit neuem Schwung und mehr Bewusstheit die nötigen Schritte zu tun.

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