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Milch – das ist die erste Nahrung nach der Geburt. Eine Mutter, die ihr Kind nährt, mit Muttermilch den Weg bereitet – ein schönes Bild, wenn ein Baby gesäugt wird. Auch im Erwachsenenalter bleibt die Sehnsucht nach aufbauender Lebensnahrung. In den klassischen Ayurvedaschriften finden sich seitenweise Lobeshymnen zum Thema Milch, aber auch sorgfältige „Benutzerhinweise“.

Im Ayurveda spielt Milch eine wichtige Rolle

So wird die Kuhmilch sehr positiv als wichtiges Rasayana (Regenerierungs- und Aufbaumittel), als Immunstärker, Aphrodisiakum und in ihrer Eigenschaft als süß, schwer, leicht kühlend beschrieben. Von der Wirkung auf die Psyche wird vor allem der energetische Aspekt „Sattva“ – der Reinheit, welcher harmonisierend und befriedend auf den Charakter wirkt, hervorgehoben. Physiologie und Charakter können positiv wie negativ beim Milchgenuss beeinflusst werden.

Nicht jedem bekommt Milch

Es ist ein Unterschied, von wem, wann und wie die Milch getrunken wird. Zudem spielt es eine große Rolle, von welchen Tieren die Milch stammt, auf welchem Boden diese grasen, welche Jahreszeit vorherrscht, zu welcher Tageszeit sie gemolken werden und zu welchen unterschiedlichen Milchprodukten die Milch weiterverarbeitet wird. Milch und Milchprodukte werden daher unterschiedlich auf die Konstitutionstypen wirken.

Die Milch der heutigen Zeit, die industriell verarbeitet wird, bietet zum Sattva-Aspekt immer auch einen „Rajas“-Aspekt (Prinzip der Leidenschaft). Sie wird uns nicht nur Reinheit, sondern auch einen Funken Feuer mitliefern. Wenn sie pasteurisiert und auf Jahre hinaus haltbar in der Packung daherkommt, dann schleicht sich auch noch „Tamas“ (Prinzip der Trägheit) in die Milch. Wenn Sie eine Kuh im Stall haben und mit den Händen noch selbst Ihre Milch melken – dann sind sie wahrlich gesegnet und eine Ausnahmeerscheinung!

Wird die Milch zu unrecht verteufelt?

Es gibt viele Menschen, die Milch heute bereits komplett ablehnen. Entweder weil sie diese aus ethischen Gründen nicht zu sich nehmen möchten, weil sie eine Milchallergie (Laktoseintoleranz) diagnostiziert bekommen haben, sich vor „Verschleimung“ fürchten oder weil ihnen die Milch einfach nicht schmeckt.

Interessant ist, dass die Evolution in Nord- und Mitteleuropa vor etwa 7500 Jahren den Menschen vielfach die MilchVERträglichkeit (Laktasepersistenz) geschenkt hat. Eine Erscheinung, die sich zeitlich ungefähr mit dem Aufkommen der Herdenhaltung bei unseren Vorfahren in der Jungsteinzeit deckt.

Das war nicht immer so, denn die Aufspaltung von Milchzucker in Laktase verliert sich vielfach nach dem Säuglingsalter, so dass reine Milch nicht mehr verdaut werden kann. In Studien* wurde diese Genmutation beim Menschen in den nördlichen Ländern Europas mit fast 90% festgestellt. In den südlichen Ländern liegt der Anteil nur bei ca. 20%. Das bedeutet, je nördlicher man in Europa kommt, umso besser vertragen die Menschen dort Milch. Milchprodukte wie Ghee, Käse, Joghurt, Sauermilch, Buttermilch hingegen werden von allen Menschen vertragen.

Milchgenuss: Warm oder kalt?

Trinken Sie warme Milch!** Warme und gekochte Kuhmilch fördert die Immunität, besänftigt alle drei Doshas, stimuliert die Verdauung, lindert Rheuma und löst Blockaden im Zirkulationsprozess. Kalte Milch hingegen sollte generell nicht getrunken werden – sie blockiert alle drei Doshas und ist verantwortlich für die Entstehung von Rheumatismus, Polyarthritis, verstopft die Shrota (feine Körperkanäle) und sorgt für Amabildung (Ansammlung von Giftstoffen).

Jedem Dosha seine Kuh

Wie bei den Lebensmitteln, so lassen sich je nach Gattung und Farbe einer Kuh die Dosha-Eigenschaften (ayurvedische Konstitutionstypen) typgerecht ableiten. Vata-Dosha profitiert von der Milch einer schwarzen Kuh, Kapha-Dosha von der Milch einer weißen Kuh. Eine hellbraune Kuh liefert für Pitta-Dosha die beste Milch. Gefleckte Kühe mit allen Farben sind demnach Tridosha-Kühe! Eine mögliche Erklärung, warum es heute viele Unverträglichkeiten der Milch gibt: Der industriell stark bearbeitete Milchmischmasch von verschiedenen Kühen kann wahrscheinlich nicht mehr von jedem Dosha vertragen werden.

Alternativen zur Kuhmilch

Wer Milch nicht verträgt, kann natürlich auf Milchersatz zurückgreifen, der heute in vielen Sorten industriell hergestellt wird. Empfohlene, typgerechte Sorten:
Vata-Dosha: Hafer-, Dinkel-, Weizen-, Mandelmilch.
Pitta-Dosha: Dinkel-, Reis-, Hafermilch.
Kapha-Dosha: Soja-, Lupinen-, Reismilch.

Ayurveda-Tipp: Trinken Sie typgerechte Milch und schlecken Sie den Milchbart mit Genuss von Ihren Lippen.

 


 

*Studien des University College London und der Johannes Gutenberg-Universität Mainz 2009
**Caraka Samhita in Materia Medica of Ayurveda

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Über den Autor

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Seit 18 Jahren in Europa als Ayurveda-Expertin und vorher 20 Jahre als diplomierte Krankenschwester tätig. Sie lebt mit ihrer Familie vorwiegend in der Ostschweiz.

Durch ihre einfachen Erklärungen verstehen auch Ayurveda-Anfänger die komplexen Zusammenhänge, lassen sich von Ayurveda begeistern und anstecken.

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unter www.ayurvedarhyner.com

 

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„Europäische Ayurveda Küche“
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ISBN 978-3-86826-139-4
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Eine Antwort

  1. Sebi
    Wir schauen zu viel in die vergangenheit

    Sehr viele ajurvedaärzte kommen sehr bald zur yogaernährung, da auch sie probleme verursacht. Yogaernährung ist auch nicht mehr zeitgemäß….eher vegane rohkost und lichtnahrung. Tradition ist nicht schlecht, aber, sie kann manipuliert werden und vorallem, wir verlassen uns darauf ohne zu hinterfragen. Man sieht ja, wozu das geführt hat. Und dass inder ihre milch sattvischer finden als in anderen teilen der welt ist einfach nur naiv und das illusorisch. Fast überall dort essen die viecher plastik. Die illusion von gesundheit ist das nächste! Wir glauben, wir sind gesund, nur weil wir probleme seit unserer kindheit verdrängen, auch körperliche, und diese bleiben meist bis zum ausbruch lebensbedrohender erkrankungen im unterbewusstsein. Hab mehrere Fälle erlebt, in denen DMT nur geraucht das erkennen, und loswerden von krankheiten(gastritis, verschleimung, entzündungen) in mehreren tagen ausgelöst hat, von denen die jeweilige person davor nicht mal wusste oder sich bewusst schlecht gefühlt hat
    . Und jeder meinte, er hätte im rausch etwas gefunden was raus musste. Und das was noch nicht mal ayahuasca! Also ich würde so ein wissen nicht einfach so blind übernehmen. Wir leben in einem sich entwickelnden universum, wahrheit erweitert sich und es gibt immer eine höhere. Eine seite wie eure sollte dieses niveau besser dem zentrum der gesundheit überlassen

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