Anzeige

Effektive Psychotherapie muss nicht kompliziert sein – über die Einfachheit erschließt sich oft die größte Tiefe und das höchste ­Potenzial. In der Begleitung eines feinfühligen Therapeuten mit der Fähigkeit hoher Präsenz und einem weitreichenden Schatz eigener Erfahrungen ist für den Klienten nicht nur die Heilung ­frühkindlicher Traumata möglich, sondern auch das ­spontane Betreten spiritueller Ebenen. Jörg Engelsing sprach mit der Traumatherapeutin Christine Lemmrich darüber, was moderne Psychotherapie ausmacht.

 

Wir befinden uns gegenwärtig in einer speziellen menschlichen Evolutionsphase – viele nennen sie die Neue Zeit. Immer mehr Therapiemethoden werden entdeckt und entstehen, auch Psychotherapie ändert sich und profitiert von diesem Wandel. Welche Qualitäten und Erfordernisse sind heutzutage wichtig, um einen Klienten optimal begleiten zu können?
Was ich in der Arbeit erlebe, ist, dass es vieler verschiedener Methoden bedarf, um mit Klienten wirklich vernünftig arbeiten zu können. Mein Vorteil dabei ist sicherlich, dass ich eine sehr feine Wahrnehmung habe und dadurch auch sehr schnell mitbekomme, wo es im Prozess hakt, warum es nicht weitergeht, wo die Ursache liegt. Das kann vielleicht ein Anteil sein, der keine Heilung will, das können Glaubenssätze sein, die verborgen sind, das kann ein Grundmuster sein, das noch nicht gesehen wurde, oder ganz banal ein Krankheitsgewinn – was übrigens meistens vorliegt, je länger eine Erkrankung, auch psychischer Natur, besteht. Dadurch kann ich sehr schnell umschalten und die Methode wählen, die im Moment passend ist. Primär arbeite ich als Traumatherapeutin und nutze dabei vor allem „Somatic Experiencing“ (SE), nach Dr. Peter Levine. Dabei wird ganz rational am Nervensystem gearbeitet, weil genau dort das Trauma gebunden ist. Obwohl ich ja auch sehr spirituell arbeite, bevorzuge ich diese Art der Arbeit, weil sie wirklich Erfolg bringt, das Trauma sehr sicher aus dem Nervensystem holt und damit die Symptome des Betroffenen heilt. Im Grunde handelt es sich um reine Neurobiologie, die absolut beweisbar und nachvollziehbar ist, auch wenn jedes Nervensystem anders „tickt“ und damit immer wieder für Überraschungen sorgt.

Wenn Menschen zu mir kommen, die eine Monotraumatisierung, zum Beispiel einen Unfall haben, dann kann man damit ganz gezielt ansetzen und das auch relativ schnell lösen. Haben Menschen eine komplexe Traumatisierung, wenn also mehrere Traumata vorhanden und miteinander verbunden sind, kann es sein, dass in der einen Sitzung primär an einer Vergewaltigung gearbeitet wird und in der nächsten Sitzung etwas komplett anderes an die Oberfläche kommt, beispielsweise Bilder und Körperempfindungen einer Mandel-OP.  Das lässt man dann auch so laufen und arbeitet damit.

Schwierig wird es, wenn ein Mensch schon als Kleinkind oder Baby emotionale Traumatisierungen und später noch andere Traumata erlebt hat, wenn da also gar nichts ist, was ihn hält, vielleicht nicht mal eine nette Lehrerin, die Unterstützung gab. Dann sind da kaum Ressourcen, auf die ich bauen kann. Genau die sind aber notwendig für den Heilungsprozess, sprich: Hier muss ganz anders gearbeitet und langsam Aufbauarbeit betrieben werden. Oft kommen dann noch Glaubenssätze wie „Mir kann keiner helfen“ hinzu, weil dem Klienten als Kind tatsächlich keiner geholfen hat. Was so ein unbewusster Glaubenssatz bei dem Traumatisierten anrichten kann, ist klar: Er rennt von Therapie zu Therapie und ihm kann wirklich keiner helfen oder nur partiell. Das gibt es sehr oft. Ich mache diese Arbeit gerne, aber es ist wirklich oft Detektivarbeit, gerade bei Menschen, bei denen sich mehrere Thematiken zeigen.

Da müssen beide – Therapeut und Klient – die Geduld behalten und dürfen nicht aufgeben. Denn wenn es nicht weitergeht, dann hat das einen Grund. Das alles aufzulösen ist nur möglich, wenn man wirklich eine Methodenvielfalt und eine große Sensibilität als Therapeut hat. Es gibt auch Klienten, mit denen man erst einmal gar nicht über den Körper arbeiten kann. Andere wollen eine schnelle Lösung. Sie kommen vielleicht, weil sie ein Vorstellungsgespräch und eine solche Angst davor haben, dass sie einfach nicht hingehen können. Dann arbeite ich unter Umständen mit anderen Methoden wie NLP, die auch viel bewirken. Sie bleiben zwar mehr an der Oberfläche, aber der Klient kann vielleicht nach zwei Sitzungen sein Vorstellungsgespräch erfolgreich absolvieren.

Das Spannende finde ich an der Traumaarbeit mit SE, dass man von ganz normalen Körperempfindungen ausgeht, von denen aus es dann sehr schnell tiefer geht in emotionale Bereiche, in denen sich die Traumata in kurzen oder auch längeren Sequenzen zeigen. Ich finde es überraschend, dass der ganze Horror letztendlich so gut zugänglich ist über eine sehr simple Arbeit. Es ist im Grunde eine Aufmerksamkeitsarbeit, bei der eigentlich immer das, was da ist, bejaht wird. Wie kann es sein, dass der Zugang so einfach ist?
Auf eine Art hast du Recht, auf eine andere Art ist es nicht ganz so einfach. Der Klient muss in der Lage sein, seine Aufmerksamkeit gezielt zu steuern und zu halten. Und ich als Therapeutin darf keinen Moment abschweifen, ich muss die ganze Zeit präsent sein, hören, fühlen und sehen, was da beim Klienten abläuft, denn wenn ich das nicht tue, kann ich einen entscheidenden wesentlichen Impuls nicht wahrnehmen, zum Beispiel eine in den Händen entstehende Bewegung, die der Klient noch gar nicht bemerkt, oder eine Übelkeit, die aufsteigt. Es kann dann sogar zu einer für den Klienten gefährlichen Situation kommen, in der er überflutet wird und das, was auftaucht, nicht mehr halten und verarbeiten kann. Das geht bei Traumata ganz schnell.

Mein Vorteil ist sicher, dass ich durch die feine Wahrnehmung, mit der ich arbeite, von einem Klienten Informationen auf einer Ebene bekomme, die ich vielleicht sonst erst nach mehreren Stunden hätte. Ich kann schon am Anfang wahrnehmen, in was für einem Zustand der Klient ist, wie es ihm wirklich geht, auch ohne dass er es mir sagen oder der Körper das zeigen muss. Ich arbeite ja auch am Telefon, mit Menschen, die nicht die Möglichkeit haben, in die Praxis zu kommen, – das könnte ich gar nicht machen, wenn ich nicht in der Lage wäre, wahrzunehmen und zu fühlen, was der Klient gerade fühlt.

In welchen Zeiträumen bewegen sich Traumatherapien? Wie viele Sitzungen braucht man beispielsweise, wenn man eine sehr frühe Traumatisierung erlebt hat?
Das kann man nicht pauschal sagen. Es hängt davon ab, ob es ein Monotrauma ist oder ein komplexes Trauma, es hängt davon ab, wie viel Vorarbeit an Therapie und Ähnlichem jemand schon geleistet hat. Und es hängt auch davon ab, ob der Mensch bereits im Mutterleib die Traumatisierung erlebt und das Nervensystem dadurch überhaupt nicht gelernt hat sich zu regulieren. Das muss man ganz anders angehen als bei einem Menschen, der durchaus liebevolle Eltern hatte, so dass eine Basis entstehen konnte von Liebe, also eine Ressource, auf die er zurückgreifen kann. Denn in der Traumatherapie brauche ich erst Ressourcen bzw. muss diese aufbauen, bevor ich in die Tiefe gehen kann.

Heißt denn Heilung, dass ich wirklich dann von diesen Traumata befreit bin oder dass ich einfach  mit ihnen besser umgehen kann?
Teils, teils. Wichtig ist, dass die Aktivierung aus dem Nervensystem rausgeht.

Was bedeutet das?
Bei einer Traumatisierung wird extreme Energie im Nervensystem freigesetzt. Diese Energie wird nicht abgeführt, sondern bleibt im Nervensystem gebunden und verursacht die verrücktesten Symptome. Dazu kommen nicht abgeschlossene Kampf- und Fluchtreaktionen und noch andere Aspekte, die vervollständigt werden müssen. Wenn ich das zum Abschluss bringe, wenn ich tröpfchenweise die Aktivierung herausbekomme, dann wird sich im Leben des Betroffenen sehr viel ändern. Ich habe selbst vor Jahren eine Retraumatisierung erfahren und obwohl ich SE sehr spät kennengelernt habe, hat sich sehr viel Positives getan. Menschen werden durch die Arbeit bindungsfähig, Phobien verschwinden, Süchte und Autoaggressionen verabschieden sich etc. Das alles wandelt sich. Es sind nur eben oft eine Reihe von Sitzungen nötig, weil wir einfach nicht wissen, wie lange das System für den Heilungsprozess braucht.

Sind prinzipiell alle Traumata ­heilbar?
Ich finde es vermessen, da ein abschließendes Urteil abzugeben, weil keiner von uns wissen kann, warum bestimmte Menschen einen bestimmten Weg gehen müssen, der auch schrecklich sein kann, aber vielleicht zu etwas Bestimmtem hinführt.

Es ist zudem unterschiedlich, welche Symptome ein Nervensystem aufgrund einer Traumatisierung ausbildet und in welcher Stärke. Mancher entwickelt zum Beispiel aufgrund eines sexuellen Missbrauchs erstmal „nur“ leichte Symptome und lebt mit diesen recht gut, ein anderer entwickelt eine heftige Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) und ist deshalb schon Jahre erwerbsunfähig. Wieder andere werden vielleicht psychotisch. Ich habe Klienten, die kommen schon im jungen Alter von 21 Jahren zu mir und da ist ganz viel inneres Potential da, trotz aller Traumatisierung, und da weiß ich ganz klar, die werden definitiv noch ein gutes Leben haben. Das kriegen wir hin. Bei anderen mit PTBS, seit Jahren erwerbsunfähig, geht es nicht mehr darum, sie für eine erwerbsorientierte Gesellschaft kompatibel zu machen – wovon ich sowieso nichts halte –, sondern darum, dass sie sich mehr und mehr aus den Klauen des Traumas befreien, Freude entwickeln, U-Bahn fahren können, in Menschenmassen wieder Luft bekommen und Ähnliches.

Wie erklärst du dir, dass sich in den Prozessen, wie von mir erlebt, sehr viele verschiedene Ebenen –  beispielsweise frühere Inkarnationen – sehr schnell zeigen,  obwohl das gar nicht beabsichtigt war?
Diese Unterscheidung ist für mich nicht wirklich relevant. Das System zeigt einfach, was gerade dran ist und gelöst werden will. Wenn das ein vergangenes Leben ist, ist das auch okay, dann wird damit gearbeitet und dann kann auch das wieder losgelassen werden. Wichtig ist einfach nur, dass es zu einer Lösung kommt.

Was musst du als Therapeutin noch an ­Fähigkeiten mitbringen?
Man muss einfach viel über das Leben wissen und über bestimmte spirituelle Phänomene. Man muss selbst durch Schweres durchgegangen sein, die entsprechende Lebenserfahrung inklusive spiritueller Erfahrungen haben, um wirksam arbeiten zu können. Zum Beispiel erlebe ich immer öfter, dass sich Menschen, bei denen die Grundtraumatisierung mehr oder weniger gelöst wurde, auf einmal in die Richtung eines Aufwachens in tiefere Seinszustände wie Frieden, Stille und Liebe bewegen. Das erkenne ich aber nur dadurch, weil ich mich einige Zeit intensiv mit der Arbeit des aufgewachten spirituellen Lehrers und Psychotherapeuten Christian Meyer beschäftigt und mich hier auch ausbilden lassen habe. Das hilft mir, genau diese Ebene zu erkennen und mit ihr zu arbeiten. Ich hatte beispielsweise eine Klientin, die sechs Jahre stabil aufgewacht war, aber dann durch ein OP-Trauma wieder aus diesem Zustand herausgefallen ist. Hier ging es darum, diese Traumatisierung zu lösen und sie dann mit der von Christian Meyer entwickelten Bewusstheitsübung wieder in den Zustand des aufgewachten Seins zu bringen, in dem bei ihr Stille, Gedankenstopp, Leere und Liebe vorherrschten.

Die Arbeit mit Traumata ist sehr vielschichtig. Ist das alles alleine zu ­machen oder arbeitest du auch mit anderen Therapeuten zusammen?
Das ist für mich ein sehr wichtiger Punkt. Das zukunftsweisende Stichwort heißt Vernetzung! Das bedeutet, dass ich nicht mehr alleine vor mich hinwerkele, sondern ein Team von Experten habe, auf die ich zurückgreifen kann. Das zeigt sich auch darin, dass ich keine Einzelpraxis habe, sondern in einer großen Praxis, dem Therapeium, zusammen mit einer ganzheitlich arbeitenden Allgemeinmedizinerin und einem ebenfalls ganzheitlich arbeitenden, sehr erfahrenen Psychiater arbeite. Gerade mit Letzterem arbeite ich eng zusammen. Mit dieser Zusammenarbeit ist ein alter Wunsch von mir in Erfüllung gegangen, denn es ist doch immer wieder mal nötig, Fälle gemeinsam zu besprechen oder bestimmte Parameter labordiagnostisch abzuklären und auszuwerten und hier, wenn nötig, gezielt medikamentös zu unterstützen. Damit meine ich nicht zwingend Antidepressiva, sondern andere, alternative Möglichkeiten. Für mich ist erst damit das Gesamtpaket, das ich meinen Klienten anbieten kann, rund.


Abb: © NLshop – Fotolia.com – Raus mit dem Durcheinander: Traumatherapie befreit Gehirn und Nervensystem von oft jahrzehntealten psychischen Belastungen und öffnet die Tür für eine positive Lebensgestaltung – bis hin zu spirituellen Öffnungen.
Abb 2: © Roman Gorielov – Fotolia.com

Christine Lemmrich ist Heilpraktikerin für Psychotherapie, hat eine fast abgeschlossene Ausbildung in SE, ist Dipl. Sozialpädagogin und Autorin des Buches „Theta-Balance“, MensSana 2012

 

 

Info und Kontakt:
Tel.: 030-544 616 14 oder 0177-871 83 05
christine.lemmrich@googlemail.com
www.traumatherapiepraxis-berlin.de

Dieser Artikel ist Teil der Themenseite(n):

,

Über den Autor

Avatar of Christine Lemmrich

arbeitet als Traumatherapeutin in eigener Praxis in Berlin- Schöneberg. Sie ist Heilpraktikerin (Psychotherapie), Dipl. Sozialpädagogin und Autorin. 2012 erschien ihr Buch „Theta-Balance“ bei MensSana. Darüber hinaus bietet sie im deutschsprachigen Raum auch Sitzungen am Telefon und über Skype an und leitet Traumatherapie-Seminare. Im Einzelfall führt sie auch Hausbesuche durch. Sie ist in diversen Verfahren ausgebildet, u.a. in „Somatic Experiencing“, einer speziellen Traumatherapieform nach Dr. Peter Levine.

Kontakt
Tel.: 030-54461614 oder 0177-8718305

Hinterlasse einen öffentlichen Kommentar

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

*