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Als Mutter einer zweijährigen Tochter bin ich seit einiger Zeit sehr intensiv mit der Thematik der Kinderbetreuung konfrontiert. Ab welchem Alter ist es angemessen, sogar sinnvoll, sein Kind in eine externe Betreuung zu geben? Welcher Druck wird direkt oder indirekt von der Gesellschaft ausgeübt? Und der wichtigste Aspekt: Wie wirkt sich eine Trennung von Mutter und Kind auf die frühkindliche Bindung aus? Fragen, die sich mir in diesem Zusammenhang förmlich aufdrängten. Da es sich insbesondere bei der Krippenbetreuung nach wie vor um ein kontrovers diskutiertes Thema handelt, möchte ich gleich zu Beginn darauf hinweisen, dass es sich bei meinen Ausführungen um meine individuelle Sichtweise, gepaart mit meinen eigenen gefühlten und erlebten Erfahrungen handelt. Jede Entscheidung hinsichtlich der Betreuung eines Kindes hängt von dem jeweiligen Einzelfall ab. Und doch gibt es einige Aspekte, die allgemeingültig sind.

 

Geschichte der Kinderkrippen

Während in Westdeutschland bis zur Wiedervereinigung Kinderkrippen ein Randphänomen bildeten, war in den vom Sozialismus geprägten Ländern des Ostblocks die Unterbringung in Kinderkrippen obligatorisch. Oft mussten die Mütter schon nach der 6. Lebenswoche ihre Beschäftigung aufnehmen und ihre Säuglinge in die Obhut der Kinderpflegerinnen in den Krippen geben. Die angestrebte Geschlechtergleichstellung in der DDR wurde vor allem in der Erwerbstätigkeit der Frau gesucht, daher wurden zur Ermöglichung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie nicht nur ein abdeckendes Krippennetz geschaffen, auch gehörten Wochenkrippen zum Angebot dazu, in denen z.B. Schichtarbeiter ihre Kleinkinder von Montag bis Freitag durchgehend in einer entsprechenden Einrichtung unterbringen konnten. In Westdeutschland prägte ein eher konservatives Familienbild den Alltag, die Frau sah sich für einen erheblich längeren Zeitraum in der Rolle der Hausfrau und Mutter, was den Bedarf an Unterbringungsmöglichkeiten für unter Dreijährige kaum entstehen ließ.

Insbesondere in Westdeutschland wird daher seit der Wiedervereinigung eine flächendeckende Versorgung mit Krippenplätzen angestrebt. In manchen Bundesländern ist die Versorgungslücke auch heute noch so extrem, dass es bereits für ungeborene Kinder lange Wartelisten gibt.

 

Karriere-Mutter kontra Glucke

Der steigende Bedarf nach Betreuungsplätzen für Kleinkinder deckt sich auch mit meinen Erfahrungen. Der sozialen Trend unserer Gesellschaft geht dahin, dass das Bild einer fürsorglichen Mutter, die sich entscheidet, für einen längeren Zeitraum, also über das erste Lebensjahr hinaus ganztägig mit ihrem Kind Zeit zu verbringen, negativ besetzt ist. Mütter, die sich gegen den zeitnahen Ausbau ihrer Karriere und für die eigene Betreuung ihrer kleinen Kinder entscheiden, werden in unserer kapitalistischen Gesellschaft vielfach an den Rand gedrängt, nicht nur finanziell.

Was im ersten Lebensjahr in den Kindertreffs noch als vorbildlich gilt – eine fürsorgliche 24-Stunden-Mutter – zieht spätestens mit Beendigung des staatlichen Elterngeldes nach 12 Monaten ein mitleidiges Lächeln und inneres Kopfschütteln nach sich: Mütter, die nicht Loslassen können – sogenannte „Glucken“. Tatsächlich ist die Mehrzahl aller Mütter selbst der Meinung, ihr Nachwuchs bräuchte mit einem Jahr soziale Kontakte, Abwechslung und Förderung, die allein die Mutter nicht bieten könnte. Das ist der Zeitgeist, der bei Müttern, die tief in sich die Sehnsucht spüren, die sensible Bindung zu ihrem Kind nicht durch eine Unterbringung in einer Krippe abrupt abzubrechen, Unsicherheit und Selbstzweifel auslösen kann. Ich habe selbst erlebt, wie eine Mutter, die sich bewusst entscheidet, länger Zeit mit ihrem Kind zu verbringen, sich immer wieder in einer Rechtfertigungsposition wiederfindet.

Schmerzlich für Mutter….

Dabei ist es sowohl für die junge Mutter als auch für das so kleine Kind ein erheblicher emotionaler Stress, den diese viel zu frühe Trennung mit sich bringt. In unserer Gesellschaft ist es schon schwer genug, unsere Urinstinkte in Bezug auf das Muttersein überhaupt zu beleben, mit der Mutter in uns in Kontakt zu kommen und in sich – fernab von der tsunamiartigen Überhäufung mit Ratgebern und Babyzeitschriften – eine ganz eigene Wahrheit und Liebe zu seinem Kind entstehen zu lassen. Wenige, das ist mein Erleben im Kontakt mit den vielen verunsicherten Müttern, haben je die wirklich gespürt, was sie für ihr Kind bedeuten, haben je zu einem tiefen Vertrauen in ihre weiblichen Fähigkeiten als Mutter gefunden.

All das stellt sich nicht von heute auf morgen ein. Es kostet Zeit ohne Druck. Oft bleibt den Müttern aber im Idealfall ein Jahr, bevor sie in den absoluten Wahnsinn aus Beruf, Familie und Haushalt einsteigen, indem oft nur noch Raum fürs Funktionieren bleibt. Die emotionale Trennung beginnt viel früher, da der Termin der tatsächlichen Trennung schon lange absehbar ist. Für viele Mütter führt diese so frühe Trennung von ihrem kleinen Kind zu einer großen seelischen Belastung, da Schuldgefühle gegenüber dem Kind aufgrund des Verlassens dem Funktionsanspruch unserer Gesellschaft, Familie und Arbeit zu verbinden, gegenüberstehen. Da prallt der Verstand auf das Herz. Nicht selten habe ich erlebt, wie diese Mütter ihr Herz gegenüber ihrem Kind teilweise verschließen, um diese unglaubliche Diskrepanz nicht länger spüren zu müssen.

 

… existenziell für das Kind

Für die Kinder in den ersten drei Lebensjahren, insbesondere umso kleiner die Kinder sind, bedeutet diese früh kindliche Trennung von der Mutter eine existenzielle Konfrontation mit dem Schrecken des Alleinseins. Die natürliche Beziehung zur Mutter, die grundlegende erste Seins-Erfahrung in Bezug auf Sicherheit, Geborgenheit, Verlässlichkeit bis hin zur Ausbildung des Urvertrauens wird empfindlich gestört. Im Idealfall werden in den ersten Jahren der körperlichen Geborgenheit und des engen Kontakts zwischen Mutter und Kind die Grundbausteine für die zukünftige Bindungsfähigkeit gelegt. Umso präsenter und verlässlicher die Mutter für das Kind ist, umso sicherer wird das Kind sich in seinem eigenen, der natürlichen Entwicklung angepassten Tempo von ihr entfernen, immer mit dem sich versichernden Blick, dass der vertraute Hafen der Mutter noch in greifbarer Nähe ist und jederzeit erreicht werden kann. Dieser Prozess geht natürlicherweise vom Kind aus und unterliegt einem individuellen Zeitplan. Wird dieser Zeitplan gestört oder wird diese Loslösung zu früh und unter Druck forciert, entstehen irreparable Störungen in der Bindungsfähigkeit, dem Urvertrauen und in dem Sicherheitsgefüge des Kindes.

Die Psychoanalytikerin Ann-Kathrin Scheerer über diese „forcierte Trennnung“: „Vergessen wir nicht, dass stundenlange/stundenweise Trennung von der Mutter im Krippenalter eigentlich immer forcierte Trennung ist, die den kindlichen Entwicklungsschritten noch nicht entspricht. Natürlich hat das Kind selbst auch ein Separationsbedürfnis – es wendet den Blick, den Kopf ab, möchte erforschen, sich wegbewegen, aber zur Freude daran gehört der eigene Antrieb. Wir verleugnen gerne diese Forcierung und dass sie bedeutet, dass das Kind dann im Nachhinein, also nach dem Krippenleben, viel Hilfe bei der Regulierung seiner Trennungsstresssymptome braucht“.

Bei vielen indigenen Völkern werden Kinder über ein Jahr direkt am Körper getragen, was den natürlichen Bedürfnissen des Kindes sehr zu entsprechen scheint – von einem Weggeben in organisierte Fremdverwahrung ganz zu schweigen. Forscher wie Jean Liedloff haben festgestellt, dass viele psychische Störungen in diesen Gesellschaften nicht nicht existieren und die Kinder zu ungewöhnlich freundlichen, friedlichen und selbstbewussten Menschen heranwachsen.

Auch die beste Krippenerzieherin ist ein schlechter Mutterersatz

Selbst wenn eine Krippe fachlich und personaltechnisch gut ausgestattet ist, kann die Krippenbetreuerin niemals die eins-zu-eins Betreuung einer Mutter ersetzen. Auch wenn sich eine Betreuerin „nur“ um fünf Babys gleichzeitig kümmern muss (die Realität liegt oft bei 10 Kleinkindern für eine Betreuerin), bedeutet dass immer noch Zeiten, in denen das Kind psychisch alleine ist, weil die Bedürfnisse der gesamten Gruppe befriedigt werden müssen. Davon unabhängig wird eine Erzieherin sich im Idealfall gut um die natürlichen Bedürfnisse des Kindes nach Förderung und Pflege kümmern, aber sie wird sie nicht lieben. Das ist auch gar nicht der Anspruch, den sie erfüllen muss. Der emotionale Spielraum ist im Gegensatz zur Mutterliebe daher erheblich eingeschränkt. Die Folge sind Kinder, die in ihrem sehr eigenen Gefühlsleben traumatisiert sind, die das Gefühl vom Verlust der Mutter, dass wiederkehrende Loslassen der wichtigsten Bezugsperson in einem Alter erleben, das Loslassen in dieser Form und Dauer natürlicherweise nicht vorsieht.

Affektkontrolle

Oft wird argumentiert, dass Krippenkinder hinsichtlich ihrer „Affektkontrolle“ Familienkindern voraus sind. Die Häufigkeit des Weinens wird häufig als Indikator angesehen, ob die Kinder sich in der Umgebung wohl fühlen. Gerade in Säuglingsgruppen wird aufgrund der Affektansteckung (ein Kind weint, alle anderen stimmen ein) der Affektausdruck des Einzelnen unterdrückt, auch um die Gruppe für die Betreuer umgänglicher zu halten. Die Unterdrückung des Affektausdrucks geht aber zulasten des natürlichen und spontanen Gefühlsausdrucks des Kindes. Sie fördert die Anpassung und unterdrückt mehr und mehr das Ausleben des momentanen individuellen Lebensgefühls – in einer Phase, in der das Kind null Toleranzschwelle für die Bewertung von Außen hat. Diese unnatürliche Anpassung ist für alle Kinder, besonders jedoch für sehr kleine Kinder ein unglaublicher Stressfaktor, der ihnen nach kurzer Zeit nur eine Möglichkeit lässt – ihr Urvertrauen aufzugeben zugunsten einer Welt voller Rituale und Regeln. Dies ist der Beginn eines traumatischen Prozesses der Entfernung von der eigenen Natur, dem eigenen Körper mit seinen Impulsen. Anstelle dessen suchen diese Kinder in ihrem natürlichen Sicherheitsbedürfnis diese nun in der Struktur, die sie umgibt, sobald diese für sie irgendwie erkennbar wird – mit langfristigen Folgen.

Ich wage in diesem Zusammenhang die Behauptung, dass die entstandenen frühkindlichen Bindungsstörungen in Verbindung mit der vorgenannten Anpassung in unserer Gesellschaft und ihrem System in bestimmten Aspekten gewollt sind. Kinder, die frühe Anpassung und Affektkontrolle unter existenziell bedrohlichen Umständen gelernt haben, werden sich auch später besser gesellschaftlich einfügen und kontrollierbarer leben.

Der Preis für die betroffenen Kinder und späteren Erwachsene ist hoch. Teile der Verlorenheit, die die Trennung für das Kind mit sich bringt, halten unter Umstände lebenslang an. Man muss nicht weit schauen, um die Verlorenheit unserer Gesellschaft zu spüren, eine Verlorenheit, die ihre Wurzeln oft in der frühesten Kindheit hat. Den wenigsten Menschen, die ich kenne, ist es heute spontan möglich, aus sich heraus ihrer Seele Ausdruck zu verschaffen, auch weil wir oft sehr früh schon mit Konditionierungen gelernt haben, uns möglichst konform zu verhalten. Wir haben Menschen hervorgebracht, die ihre inneren Impulse und Affekte zugunsten einer gesellschaftlichen Anpassung kontrollieren können, um möglichst lange reibungslos zu funktionieren. Menschen, die sich scheuen, die Regeln und Normen der Gesellschaft infrage zu stellen, die ihre einzige Sicherheit geworden ist.

Die gefühlte Mutter

Ich denke, in diesem Zusammenhang geht es auch darum, dass wir uns neben dem Menschenbild mit unserem Bild des Mütterlichen auseinandersetzen. Sind Kinder tatsächlich nur der erfolgsverzögernde Faktor unseres Berufslebens? Oder sind sie der natürlichste Ausdruck unserer Weiblichkeit? Die ersten Jahre mit dem Kind kommen nie wieder. Welchen Preis zahlen wir hier als Frauen und als Gesellschaft?

Ann-Kathrin Scheerer spricht von einer „geschürten Gegnerschaft“ von Mutter und Kind: „Das Schüren der Gegnerschaft geht mit ihrer Verleugnung einher, wenn wir heute hören, dass es kein Problem mehr sein soll oder darf, Kind und Karriere unter einen Hut zu bringen. Wenn man nicht aufpasst, geht diese Verleugnung immer gegen das Kind und seine Abhängigkeitsbedürfnisse aus. Die Notwendigkeit, eine Weile auf etwas verzichten zu müssen, wird öffentlich stets verleugnet, obwohl es die sicht- und fühlbare Wirklichkeit ist. (…) Unser Kind schreit danach, buchstäblich, dass wir uns für eine Weile wieder auf „Mütterlichkeit“ festlegen sollen und wir reagieren, neuer Freiheitsrechte beraubt, sehr ambivalent darauf bis hin zum unterschwelligen Hass auf das Kind. Oder wir versuchen, Mutterschaft zu idealisieren, was nur eine andere Art ist, auf den abverlangten Verzicht, der mit ihr einhergeht, zu reagieren“

Dieses Auseinandersetzen mit dem natürlichen Fluss der Mutterliebe erfordert ein kritisches Hinterfragen all der gesellschaftlichen Normen, mit denen Mütter viel mehr als andere konfrontiert werden. Es bedeutet absolut keine Umkehr zu einem archaischen Frauenbild, vielmehr die Öffnung in uns selbst durch unsere Kinder, um diese wieder mehr fühlen zu können. Daraus ergibt sich eine natürliche Prioritätensetzung, daraus ergibt sich auch die Möglichkeit, die kindlichen Bedürfnisse, all die unausgesprochenen Gefühlsregungen, die sie mit uns auf der einzigartigen nonverbalen Verbindung zwischen Mutter und Kind kommunizieren., besser wahrzunehmen Und es gibt uns die Möglichkeit, darauf zu reagieren, anstatt unseren natürlichen Schmerz und unsere Schuldgefühle einem System zuliebe einzuschließen, dass uns unser Natur immer mehr entfremdet, indem Leistung und das Recht des Stärkeren dominieren. Wenn es einen Wandel der Gesellschaft geben soll, beginnt er bei unseren Kindern.

 

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Bilder

Umarmung: Myles Grant, cc-by-sa
DDR-Krippe: Bundesarchiv, Bild 183-73583-0003 / CC-BY-SA
Tragetuch: Ian Riley, cc-by
Weinen: Crimfants, cc-by-sa
Mutter und Sohn: Jason Regan, cc-by

 

14 Responses

  1. Marie

    Vielen Dank für den wunderbaren Artikel

    Ich arbeite in einer Krippe und da ich ebenfalls einen Sohn habe, habe ich mich mit dem Thema sehr gründlich auseinandergesetzt. Wer weiß schon was Kinder brauchen außer den Kindern? Ihr Artikel lässt sich durch wissenschaftliche Argumente sowohl widerlegen als auch untermauern. Es gibt durchaus Kinder denen es in der Krippe nicht gut geht, das wird aber in der Erzieherinnen/ Krippenwelt nicht thematisiert. Sobald sie aufhören zu schreien gelten sie als integriert. Es wird nicht vorkommen dass eine Erzieherin den Eltern rät ihr Kind später oder gar nicht in die Krippe zu geben. Eigentlich mag ich meinen Job aber unter den gegebenen Bedingungen ist es unmöglich den Kindern gerecht zu werden. Auch das wird hingenommen, was bleibt einer Erzieherin auch anderes übrig? Entweder kündigen oder das Beste aus schlechten Umständen machen auch wenn daraus für die Kinder gefährlichen Bedingungen entstehen. Ich meine damit die unzureichenden Betreuungsschlüssel (und die Öffentlichkeit kriegt schon die statistisch beschönigten Zahlen), die schlechte Ausbildung (alles was mit Kleinkindpsychologie zu tun hat musste ich mir selbst anlesen, bzw. Learning-by-Doing), was sich dann in teilweise unangemessenem Verhalten der Erziehrinnen niederschlägt, besonders wenn sie jung sind und/oder selbst keine Kinder haben. Die Argumente für Krippenerziehung lassen sich im Alltag nicht halten. Natürlich brauchen Kinder ihresgleichen und beeinflußen sich gegenseitig positiv wie es ein Erwachsener nie tun könnte. Aber eben nicht nur. Sozialverhalten wird auch in der Interaktion mit bereits sozial kompetenten Menschen gelernt. Am Besten und sinnvollsten eins zu eins und mit den Bindungspersonen die ein Leben lang bleiben. Ich könnte jetzt noch mehr schreiben aber das würde hier glaube ich den Rahmen sprengen. Mein Sohn ist mit 1 1/2 Jahren zu einer Tagesmutter gekommen und er soll dort bleiben bis er 6 ist. Besonders schön finde ich ihren Absatz zur Affektkontrolle. Erziehungsanstalten haben immer den gesellschaftlichen Status Quo wiedergespiegelt und gefestigt. Diese Seite zeigt im allgemeinen eine Haltung zum Leben die ich als sehr positiv empfinde. Eltern müssen sehr lange suchen um eine Bildungsanstalt (egal für welches Alter) zu finden, die diese Haltung umsetzt. Denn das hat nichts mit fachlicher Ausbildung zu tun sondern mit spiritueller Haltung und Charakterbildung.

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  2. nehle

    Danke!! für diesen Beitrag. Aus eigener Erfahrung weiß ich um die bitteren Folgen einer zu frühen Fremdbetreuung. Bei mir waren die Auswirkungen im Erwachsenenalter lebensbedrohlich.

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  3. Eike

    Interessanter Artikel, wenn auch vollkommen unwissenschaftlich. Im Grunde muss jeder selbst entscheiden wann und ob sein Kind von vermeintlich Fremden betreut wird. Dennoch zeigen Erfahrungen, dass es Kindern in Krippen mit guten Eingewöhnungsmodellen (Bspw. Berliner) und einer hohen Betreeungsquote durchaus gut geht. Grade Einzelkinder schauen sich viel von den Großen ab und das Immunsystem wird gestärkt. Des Weiteren hat auch nicht jeder eine Wahl, wenn der Mann nicht der Familienernährer ist. Sehr bedenklich wie hier sinnlos Angst geschürt wird.

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  4. xxx

    Ich weiß nicht, ob man heute überhaupt noch ein Kind bekommen sollte. Im Endeffekt geht es bei der Krippendiskussion nur noch um Ökonomisierung und darum, die Frauen möglichst in die Billiglohnjobs auf den Arbeitsmarkt zu treiben.

    Ich selbst hab zwar einen unbefristeten Vertrag, aber man weiß ja nie, wie es einem mal geht.

    Ich hab mitbekommen, dass man teilzeitarbeitende Frauen, die nebenbei ergänzende Sozialleistungen wg. niedrigen Einkommen beziehen, mittlerweile oft gezwungen werden sich eine Vollzeitstelle zu suchen, auch zu miesesten Konditionen.

    Das schreckt auch mich total ab. Nicht das man mal in eine solche Situation kommt und nur weil das Angebot da ist, wird man gezwungen gegen seine eigenen Interessen dieses nutzen zu müssen.

    wenn das in DE so weiter geht, bleib ich allein deshalb schon kinderlos. Diesen Druck Niedriglohnjobs annehmen zu müssen und ein Kind dann Vollzeit abzuschieben, würd ich nicht standhalten.

    Noch dazu hab ich im Internet Krippen gefunden, mit 49 Std-Woche Vollzeitabgabepflicht.

    Es ist doch nachher wie in den USA: 24 h Kita, Frauen werden gezwungen sich in den McJoobs zu Niedriglöhnen Volleit zu versklaven, Kind in Vollzeitkrippe. Wozu eigentlich noch ein Kind?

    Das ist nicht die Gesellschaft, die ich möchte. Lasst uns ein BGE einführen und Teilzeit für alle fordern. Denn das Arbeitsvolumen sinkt aufgrund von Rationalisieuung und Automation. Zurück bleiben die McJobs.

    eine femininistische Gesellschaft macht Gesellschaften in Wirklichkeit maskuliner — lt. TAZ sollen sich die Mütter ja jetzt auch voll in den Konkurrenzkampf um gut bezahlte Stellen werfen.

    Warum wollen FRauen sich an Männer anpassen? Richtiger wäre wohl, eine Teilzeitgesellschaft zu entwickeln, dass ist eine feminine Gesellschaftsform.

    Holland ist ein gutes Modell dafür: 76% arbeiten schon Teilzeit, auch bei den Männern über 30%. Das Rentensystem ist mit einer guten Grundrente entkoppelt von Vollzeiterwerbszwang. Auch teilzeitarbeitende Mütter und Hausfrauen bekommen die Grundrente, zzgl. kommen bei Arbeit noch andere Renten hinzu – auch bei Teilzeit.

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  5. Gitta

    Ich habe gerade einen interessanten Artikel in Kopp-online gefunden

    „Deutsche Krippenlüge: Frankreich hat viel weniger Kitas!“

    „Für deutsche Demographieexperten und Politiker sind Länder wie Frankreich gemeinhin der Himmel. Eine Geburtenrate bei annähernd zwei Prozent, davon kann man hier nur träumen, wo frau bei uns doch in der Regel nur knapp 1,4 Kinder zur Welt bringt. Deswegen wird uns immer gerne das französische Modell der groß ausgebauten Krippenbetreuung in Frankreich unter die Nase gerieben, als Vision und Vorbild. Doch es stellt sich heraus: Diese Behauptungen sind eine Lüge. Das ergeben Zahlen der französischen Botschaft.“

    http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/deutschland/birgit-kelle/deutsche-krippenluege-frankreich-hat-viel-weniger-kitas-.html;jsessionid=65069854143C6491F272A389EFEA4215

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  6. Inge

    Psychologie Heute äußert erhebliche Bedenken gegen Krippenbetreuung von Kleinkindern

    Die Zeitschrift des Beltz-Verlages (Ausgabe Juni 2008), sicherlich kein Hort wertkonservativen Denkens, hat erhebliche Bedenken gegen den massiven Krippenplatzausbau, der von der gegenwärtigen Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen mit Verve vorangetrieben wird.

    Hauptkritikpunkt ist im wesentlichen die mangelnde Reife und soziale Kompetenz der Kleinkinder zum Zeitpunkt der Trennung von den Eltern. Diese Trennung, die mit Schmerz verbunden ist, könnten die Kinder weder emotional noch geistig verarbeiten, was zu Streß führt. Je nach Charakter der Kinder äußert sich die Überforderung unterschiedlich. Gerade ruhige Kinder seien unter Umständen stärker gefährdet, weil sie „alles in sich hinein schlucken“. Sie reagieren sich nicht ab und leben so unter Dauerstreß.

    „Psychologie Heute“ schreibt: „Das „Urvertrauen“, Grundlage für Selbstwertgefühl und Beziehungsfähigkeit, wird gerade in dieser Zeit der vollkommenen Abhängigkeit von der verläßlichen Fürsorge und dem Einfühlungsvermögen der Eltern erworben und befähigt später zum Beispiel auch dazu, Frustrationen und Krisenzeiten besser zu bewältigen. … Einfühlsame Exklusivität (Durch das Verhältnis zu den Eltern, vor allem zur Mutter, Anm. d. Redaktion) oder unterbrochene und beliebige Beziehungsangebote prägen sich dem Gehirn als bleibende Erfahrungsmuster ein.“

    „Psychologie Heute“ erläutert anhand von Fallbeispielen (13, 18 und 24 Monate alte Kinder), was in einem Kind vorgeht, das die Trennung nicht bewältigen kann. Dabei ist wichtig, die „Signale“, die das Kind aussendet, richtig zu bewerten. So können Aggressivitäten Ausdruck von Streß und nicht von schlechter Elternerziehung sein. Kinder reagieren nämlich auf den Trennungsstreß mit einem erhöhten Wert des Streßhormons Kortisol. „Psychologie Heute“: Lebhaftere Kinder können ihre Gefühle im Spiel eher ausagieren und finden einen anderen Weg, mit ihrer Verlassenheitsangst und dem Trennungsschmerz umzugehen“.

    Dieser Sachverhalt wird an dem 18monatigen Daniel anschaulich gemacht, der laut lacht und sich manchmal aggressiv gegen die Betreuerinnen verhält. Diese müssen dieses Verhalten richtig einordnen und dem Kleinkind das Vokabular geben, damit es seine Empfindung verarbeiten kann.

    Die Streßsituation ermüdet die Kinder rasch: „Ab Mittag zeigen krippenbetreute Kinder verstärkt Erschöpfungssymptome, die sich in gesteigerter Empfindlichkeit, Reizbarkeit und in einem verstärktem Anlehnungsbedürfnis äußern. …. Die Kortisolwerte im kindlichen Organismus steigen im Verlauf des Krippennachmittags im Vergleich zur häuslichen Situation stärker an, was die psychische Anstrengung bei längerer Dauer der Fremdbetreuung widerspiegelt.“

    Dieser Beitrag von „Psychologie Heute“ ist zu begrüßen, weil es sachliche Argumente einer Debatte liefert, die fast ausschließlich aus ideologischen und ökonomischen Sicht geführt wird und was das Wohl des Kindes dabei keine Rolle spielt.

    Antworten
  7. Basia Bonner

    Es ist einfach unmenschlich, unmoralisch und unverantwortlich kleine Kinder in eine fremde Obhut zu geben. Auch ist wissenschaftlich erwiesen, daß Kinder in fremder Obhut leiden, erkranken und massive Bindungsprobleme haben. Dem entsprechend ist unsere Gesellschaft stark bindungs- und kommunikationsunfähig. Die Unsicheren sollten nicht auf Lobbyisten und Politiker hören, sondern auf unabhängige Fachleute wie diese:

    Bindung – Die Sechs Phasen der Bindung – Dagmar Neubronner
    www.youtube.com/watch?v=NV8pOd36nVU&feature=related

    Kinderkrippen zerstören ihre Kinder
    www.youtube.com/watch?v=d7A0Oc59A2Y

    Das verlassene Kind – Bindung, Bildung, Persönlichkeit
    www.youtube.com/watch?v=kVR4mQzL_Rs

    Appell für die Stiftungsinitiative „Für Kinder“ – Wolfgang Bergmann
    www.youtube.com/watch?v=qZBWwjfcsQM&feature=related

    Maria Steuer: Auslaufmodell Familie?
    www.youtube.com/watch?v=MQ-J8WncFJA

    Antworten
  8. Inaniel

    Nein! Ein ganz klares Nein!

    Ich selbst bin Krippenkind, es geht mir gut. Meine Geschwister sind Krippenkinder, es geht ihnen gut.

    Der Artikel ist voll von Pauschalisierungen und vermeintlichen Zusammenhängen, die keine sind. Nur weil in einer Gesellschaft, in der Mütter ihre Kinder ein Jahr am Körper tragen weniger psychische Störungsbilder auftreten als in westlichen Kulturen, heißt das noch lange nicht, dass das Eine die Ursache vom Anderen ist. In Deutschland ist Krippenbetreuung nicht üblich. Geht es uns deswegen besser?

    Seit Jahrzehnten weiß man in der Bindungstheorie, dass sich Bindungsverhalten im Kindesalter (ob sicher oder unsicher oder amibvalent, egal) nicht einfach so bis in das Erwachsenenalter überträgt. Hier spielen viele Faktoren eine Rolle.

    Eine Mutter ist keine schlechte Mutter, nur weil sie ihr Kleinkind in Betreuung gibt. Eine unzufriedene Mutter, die ihre Unzufriedenheit auf das Kind überträgt, ist eine schlechte Mutter.

    Ein Kind braucht nicht primär seine Mutter. Ein Kind braucht eine stabile Bezugsperson. Das kann auch der Vater sein. Nicht eine 24-h Mutter ist für das Kind entscheidend, sondern ein stabiles Zuhause.

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  9. Nicoletta

    Die Kinderverkrippelung und die Frühsexualisierung läuft seit Jahren auf Hochtouren, bloß die Eltern und die Gutmenschen haben das noch nicht gemerkt und liefern ihre Kinder weiter aus. Statt dagegen zu kämpfen, kämpfen sie um Kindergartenplätze und zahlen noch viel Geld dafür.

    „In Deutschland wird die frühkindliche Sexualerziehung seit geraumer Zeit mit staatlicher Unterstützung vorangetrieben. Eltern, die sich weigern, ihre Kinder in den obligatorischen Sexualkunde-Unterricht zu schicken, werden bestraft und sogar in Erzwingungshaft genommen, falls sie die auferlegten Bußgelder nicht bezahlen…“

    Lese weiter Artikel
    „Sexualerziehung für Kinder: Die Schweiz nähert sich Deutschland an“
    http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/europa/david-scholl/sexualerziehung-fuer-kinder-die-schweiz-naehert-sich-deutschland-an.html;jsessionid=C34537A16462F8650CD5F3B8B1F00682

    „Basler Sexkoffer: Post stoppt Porno-Heft für 4-Jährige“
    http://www.20min.ch/news/basel/story/16883717
    http://www.volksschul-sexualisierung-nein.ch/
    http://www.human-life.ch/

    Antworten
  10. Pogodni

    In Kindertagesstätten und Schulen drohen noch andere viel schlimmere Gefahren wie z.B. die „Staatliche Sexualisierung der Kindheit“, welche von der Initiative Familienschutz angeprangert wird. Es wäre wichtig diese perverse Kindersexualisierung schnellstens zu unterbinden und zumindest diesen Bürgerprotest im abgeordneten-check.de zu unterstützen.
    http://www.abgeordneten-check.de/kampagne/78-staatliche-sexualisierung-der-kindheit-schutzt-uns-davor.html

    Antworten
  11. Jonathan

    Liebe Autorin, liebe Kommentatoren,

    dieser Beitrag verwundert mich sehr, weil ich nicht gedacht habe, daß man heute noch solch eine Überzeugungsarbeit und Nachhilfe leisten muss, um Kinderkrippen als kinderfeindlich zu erkennen. Als ob nicht jeder schon immer wüßte, daß jegliche Fremdunterbringung ob Kita oder Schule (und nicht nur in den ersten 2 Jahren) weitgehend kinderschädlich ist.
    Wir als Gesellschaft werden jedoch alle Formen der Fremdunterbringung weitertreiben und sogar ausbauen, weil wir ja UM JEDEN PREIS ARBEITSPLÄTZE SCHAFFEN wollen. Alle Erzieher und Pädagogen würden ja sofort ARBEITSLOS, wertlos und geldlos sein, wenn wir ihnen unsere lieben Kinder entziehen würden.

    Die einzige mir bekannte Lösung des Problems liegt im Konzept BEDINGUNGSLOSES GRUNDEINKOMMEN, weil damit der Arbeitszwang und die milliardenteuere Armutsverwaltung abgeschafft werden wird.

    Grundeinkommen – Ein Filmessay von Daniel Häni und Enno Schmidt
    http://www.forum-grundeinkommen.de/filme-bge/grundeinkommen-filmessay-daniel-haeni-enno-schmidt

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  12. reinhard worbs

    …mutiger Beitrag, der meine volle Unterstützung findet.
    Als “alt 68iger“ mit 4 Kindern und 40ig jähriger Berufspraxis als Sozialpädagoge bin ich nach wie vor der Überzeugung, daß die ersten beiden Lebensjahre eines Kindes dem Aufbau von Bindung und Urvertrauen gehören und alle vitalen Grundbedürfnisse am Besten durch liebevolle, kompetente und nicht wechselnde Eltern oder Bezugspersonen gesichert werden.

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  13. Andreas

    Sehr guter Artikel, dazu gibt es auch wunderbare Literatur vom leider verstorbenen Kinderpsychologen Wolfgang Bergmann.
    Natürlich hat jeder Mensch das Recht dies nach seinem Weltbild zu gestalten und auch nach seinen Möglichkeiten. Das fatale ist das Eingreifen des Staates und das drängen möglichst alle Kinder so früh wie möglich in die Aufbewahrungsstätten zu bringen, Nahles, Schleswig und von der Leyen sind glühende Verfechter dieses Wahns. In anderen Ländern hat man längst erkannt, welche katastrophale Folgen die frühzeitige Trennung von Mutter und Kindern hat. Die Frauen haben es schwer weil man ihnen von früh bis abends einredet, nur Mutter zu sein ist nichts Wert, deshalb hecheln viele nach Karriere, um den politisch korrekten Weltbild zu entsprechen. Dabei hat es die ganzen Jahrzehnte nur an der Anerkennung für die großartige Leistung, Aufgabe gemangelt eine junge Seele ins Leben zu führen. In einer Pseudoemanzipation hat man den Mann gegen den Chef getauscht. Die Frauen sollten auf Ihr Herz hören nicht auf die kranken Chefideologen der Politik und Medien. Sicher ist es entwicklungsmäßig unterschiedlich ob ein Kind mit 2,3 oder 4 Jahren die tägliche Gemeinschaft mit anderen Kindern in einer KITA benötigt, dies können Eltern am besten entscheiden. Aber ich kann mir kein einziges Argument zum Wohle des Kindes vorstellen, ein Kind mit 6- 8 Monaten den ganzen Tag in einer Krippe abzugeben um eigene Karrierewünsche zu erfüllen. Welche Mutter mit einen liebenden Herz tut dies mit einem guten Gewissen? Es wird sicher immer Extremsituationen geben, aber in der Regel ist dies sicher nicht notwendig.

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