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Es hat mir einen Kick gegeben, mich als „spiritueller Mensch“ anzusehen. Es machte mich interessant und tief und zu etwas Besonderem … und mein Ego mochte das sehr!

 

Spirituelles Ego

Um ehrlich zu sein, hat es mir einen Kick gegeben, mich selbst als „spiritueller Mensch“ anzusehen. Es definierte mich als irgendwie interessant und tief, als jemand, der eindeutig das spannende Feld eines mystischen und göttlichen Lebens erforschte.

Dass ich aufgewacht war und auf dem Weg zur Erleuchtung, dass ich dabei war, mein Ego zu transzendieren, und dass ich einige große Wahrheiten, gefunden hatte – all das machte mich in irgendeiner Weise zu etwas Besonderem … und mein Ego mochte das sehr!

 

Kurse, Bindis und New-Age-Spiritualität

In den letzten fünfzehn Jahren habe ich unzählige Selbsthilfe-Bücher gelesen, habe Tarot gelegt, kaufte Kristalle und kleidete mich wie wie ein Hippie. Ich bereiste Indien, buchte zahllose Retreats, Kurse und Konferenzen, reinigte meinen Körper mit verschiedenen Entgiftungs-Kuren, lebte vegan, arbeitete mit zahlreichen Therapeuten, studierte ganzheitliche Therapien, ertrug Schwitzhütten, vernebelte meine Wohnung mit weißem Salbei, lies mir aus der Hand lesen, trug ein Bindi und tat all das, was wohl die meisten Menschen irgendwann tun, wenn sie glauben, auf dem „spirituellen Weg“ zu sein.

Diese Art von New-Age-Spiritualität ist heute überall, selbst Prominente folgen irgendeiner Art von makrobiotischer Diät, haben einen Guru, trinken täglich Säfte und praktizieren Yoga und Achtsamkeit. Aber für mich kam eine Zeit, in der mich das Gefühl beschlich, dass diese Art von New-Age-Spiritualität das Potenzial hat, ziemlich oberflächlich zu sein.

Jeder kann diese Dinge tun und sich im Internet, oder bei anderen Menschen so viel Wissen anlesen wie er nur will – es ist heute überall. Aber ich begann zu sehen: Wenn wir nicht tief in unsere Schmerzen und Probleme schauen und mit uns auf der tiefstmöglichen Ebenen arbeiten, dann ist alles, was wir am Ende damit erreichen, dass wir uns mit den Ideen und Philosophien anderer Menschen verwirren.

Spirituelle Suche – Außen oder Innen?

Viellicht können wir eine Weile ganz aufgeregt sein, über diese neue Form des Yoga, die wir gerade ausprobieren, oder tiefen Respekt für diesen neuen spirituellen Lehrer empfinden, dem wir gerade über den Weg gelaufen sind, aber wenn wir nicht sorgfältig unsere Motivationen beobachten, könnte es sein, dass wir uns am Ende wieder nur mit äußeren Dingen ablenken, statt tief in unser eigenes Inneres zu schauen. Und das kann gefährlich sein, da wir diese externe spirituelle Suche vor uns selbst viel leichter rechtfertigen können, als eine Sucht nach materiellem Besitz.

Dieser Prozess der externen spirituellen Suche kann ein wichtiger Teil des Prozesses sein, und in der Tat gibt es viele Einsichten und Geschenke, die aus den oben genannten Dinge gewonnen werden können – es geht mir nicht darum, dass alle damit aufhören sollten.

Was ich aber gelernt habe, ist, dass wir damit nur sehr begrenzt weiter kommen und dass es wichtig ist, mit unserer inneren Welt in tiefen Ebenen zu arbeiten, sonst können wir vielleicht nie zum Kern von wirklicher Transformation und Wachstum vorstoßen.

 

Gurus und der Spiegel des Lebens

Es ist sehr verlockend, zu einem Guru zu gehen und bei ihm Antworten zu suchen, aber es ist gut, dabei nicht zu vergessen, dass die besten Lehrer im Leben oftmals die Menschen um uns herum sind – der Mann im Bus, dein Partner, deine Familie – und dass wir durch einen Blick in den Spiegel, der uns so gezeigt, viele Lehrer auf unserem Weg haben, durch all die Umstände und Beziehungen, in denen wir uns wiederfinden.

Ich habe entdeckt, dass es von großem Nutzen ist, einen lieben Menschen zu finden, mit dem man seine Erfahrungen teilt, jemand, der die Welt auch als Spiegel unseres eigenen tiefsten Selbst sieht. Jemand, der sein Inneres bereits entdeckt hat, sich von den Konditionierungen der Kindheit befreit und erkannt hat, dass wirklich den spirituelle Weg zu gehen auch bedeutet, unserer Dunkelheit, unseren tiefsten Ängste und Schmerzen ins Auge zu sehen.

Die Reise zum Selbst

Es ist eine erschreckende Erkenntnis, wirklich zu begreifen, dass der Weg zu unserem wahren Selbst eine Art Schamanen-Reise ist, manchmal fühlt sie sich wirklich destruktiv und qualvoll an, sie fordert dich auf den tiefsten Ebenen, bringt dich an die äußersten Grenzen, die du je für möglich gehalten hast – und dann noch etwas weiter! Aber das ist, wo der Schlüssel für wirkliches Wachstum und Heilung liegt.

Er liegt darin, in die Tiefe von Allem zu sehen, was wir sind, unsere Dunkelheit aufzudecken, den Ausdruck all dieser verschütteten Gefühle zuzulassen, auch wenn wir der dunkelsten aller Nächte begegnen und Wahrheiten über uns selbst erkennen müssen, die schmerzhaft und schwierig sind.

Aber wenn wir entschlossen sind, mit diesen Dingen zu arbeiten, so gut wir können, wird nichts anderes mehr genug sein, es wird zu unserem Leben. Wenn wir die Welt auf diesen Ebenen erkunden und unsere Dunkelheit konfrontieren, spüren wir wirklich unsere Seele. Für mich fühlt es sich an, als ob die Seele die Welt rückhaltlos und von ganzem Herzen erkundet, wie ein neugieriges junges Kind, suchend, forschend, findend und ausdrückend. Sie hat keine Erwartungen und sie urteilt nicht über Erfahrungen oder Gefühle.

Für sie ist nichts gut oder schlecht, nur reine Erfahrung und eine Chance für Transformation, das ist alles. Natürlich versucht unser Geist, dem in die Quere kommen, wir sind so sehr konditioniert, dass, sobald wir die Seele berühren, das Ego schon einschreitet und versucht, die Situation zu kontrollieren, sie bequemer zu machen oder ein bestimmtes Ergebnis zu erzielen.

Schau in diesen Momenten, ob wir das loslassen können und zurückfallen in den ruhigen, leeren Raum unseres Bewusstseins, des einen Bewusstsein, das alles beobachtet, ohne Anhaftung an irgend etwas.

Wenn das gelingt, können wir hoffen, uns auf tieferen Ebenen zu entdecken. Wenn wir so nach Innen schauen, mit Ehrlichkeit und ohne Urteil (oder Bewusstsein darüber, dass wir urteilen), dann öffnen wir einen heiligen Raum in unserem Leben. Wir erlauben und ergeben uns dem Fluss des Universums, und können – wenn auch nur für den kleinsten Moment – alles akzeptieren, was wir in uns selbst und in der Welt sehen.

Ein tieferes Gefühl von Vertrauen wird möglich, und diese Punkte reiner Magie zu berühren, inspiriert uns, weiter dem rauen, felsigen Pfad unseres Lebens zu folgen.

 

Spirituelle Identität

Es kann einfacher sein, die Identität als „Geschäftsmann“ fallen zu lassen, wenn du deine Reise beginnst, da die meisten „spirituellen“ Menschen so etwas als unspirituell ansehen würden. Aber noch viel interessanter und schwieriger zu sehen, ist, wenn diese Identität nur gegen eine spirituelle eingetauscht wurde.

Es ist immer noch eine Identität und auch wenn die externen Dinge, die wir nun tun, vielleicht als positivere Dinge erscheinen, kann es am Ende wieder nur eine weitere Suche im Außen sein, statt ein Leben von innen heraus.

Also, um Himmels Willen, mach die Entgiftungs-Kur, buch das Retreat, oder was auch immer Du tun möchtest, aber beobachte dich selbst, während du es tust und stell dir all die Fragen, die dich deine Motivationen erkennen lassen und das, was für dich wirklich wahr ist in diesen Situationen.

Wenn wir solch tiefe Arbeit tun, von Moment zu Moment, dann braucht es keine Titel, keinen festgelegten Pfad und keine Philosophie, der wir folgen müssten. Nur durch die Selbst-Beobachtung und durch absolute Ehrlichkeit mit uns selbst erfahren wir mehr von Augenblick zu Augenblick als auf einer Million Wallfahrten in fremde Länder.

Wir erkennen, dass die Pilgerreise nach Innen führt und immer führte.

 

Geerdete Spiritualität

Sich selbst zu kennen, ist wirklich wichtig. Es gab eine Zeit, in der ich so viele Informationen, buchstäblich Bücher um Bücher, von anderer Menschen Gedanken und Philosophien aufgenommen hatte. Ich las über unzählige Wege zur Erleuchtung, über diese oder jene Technik der Meditation oder die vielen Möglichkeiten, seine Schwingung zu erhöhen.

Schließlich wurde all das für mich einfach zu einer riesigen Kugel aus Informationen und Verwirrung in meinem Kopf, und ich begann, allem müde zu werden, was sich irgendwie als „spirituell“ ausgab.

Ich begann am „New-Age“-Regal in der Buchhandlung vorbei zu gehen und hörte auf zu glauben, der Guru hätte alle Antworten. Ich hatte die Nase gestrichen voll, irgendwas von Indigos, Sternenkindern oder aufgestiegenen Meistern zu hören.

Ich entschied mich, von nun an eine geerdete „Spiritualität“ zu kultivieren.

Also setzte ich mich in die Natur, sprach mit Freunden, beobachtet den Spiegel des Lebens um mich herum, nahm mir die Zeit, meine eigenen Gefühle über Dinge zu fühlen und kennenzulernen, es war nicht mehr genug, nur zu absorbieren, was mir vorgesetzt wurde.

Ein paar Erfahrungen aus dieser Zeit, zeigen mir wie wichtig es ist, keine Informationen zu absorbieren, die ich nicht auf einer bestimmten Ebene selbst gefühlt und erlebt hatte. Ich erreichte einen Ort, an dem ich endlich über mich lachen konnte und an dem es ok war, nicht zu wissen!

Die eigene Wahrheit

Wir sehen an diesem Ort, dass kein Guru, kein spiritueller Lehrer, je die absolute Wahrheit über alles haben kann, niemand ist perfekt. Und obwohl andere Menschen dir helfen können, etwas zu erkennen, ist es doch am besten, zu lernen, dein eigener Führer zu sein.

Oftmals gibt es keinen falschen oder richtigen Weg, es ist nur die Seele, neugierig die nächste Erfahrung zu erkunden.

Es erschafft so viel Spannung in unserem Wesen, immer alle Antworten besitzen zu müssen, nach Erleuchtung zu streben, mit unserem Ego zu kämpfen und mit allen Mitteln ein Selbstbild von uns als „spirituell“ aufrecht zu erhalten.

Mein Rat durch meine eigene Erfahrung ist, sanft mit sich zu sein, zu spielen und nicht zu versuchen, irgendwas in eine bestimmte Form zu definieren.

Sei deinem Wachstum verpflichtet, ja, aber halte es sanft in deiner Hand, lass dich selbst so oft wie möglich an diesem weichen Platz in dir zur Ruhe kommen, an dem du nicht alle Antworten zu kennen brauchst, nichts auf eine besondere Weise tun musst. Spiele, erforsche, mach Liebe, genieß dein Leben. Dort magst du vielleicht alles finden, was du suchtest, und der Schlüssel dazu war aufzugeben, loszulassen und die Reise zu genießen!

 

Was ist eigentlich „spirituell“?

Also, was bedeutet ’spirituell‘ für mich? Es bedeutet, das Leben in all seiner Vielfalt zu erforschen, mich selbst auf der tiefsten Ebene zu kennen und zu akzeptieren, meine Gefühle voll zu fühlen, völlig wach zu sein, wenn ich abwasche oder meinen Garten mache.

Es bedeutet alles zu konfrontieren, was das Leben mir zeigt, aber immer daran zu denken, dass die besten Reisen diejenigen ohne Definition, Kisten oder Erwartungen sind.

Mich daran zu erinnern, das Leben voll zu leben und mit Leidenschaft, tiefe Verbindungen zu genießen, Gedichte zu schreiben, präsent zu sein mit meinem Hund und meiner Katze, auf einer Wiese zu sitzen und das Gefühl der Sonne auf meinem Gesicht zu fühlen, herzenserfüllte Musik zu hören und das zu tun, was ich liebe, jeden einzelnen Tag.

Ende der Definitionen

Ich will mich nicht mehr als etwas Bestimmtes definieren. Ich bin ein normaler Mensch, der sich unsicher fühlt, wütend wird, projiziert, der traurig, glücklich, und einsam ist.

Ich frage mich, ob es überhaupt möglich ist, das Ego vollständig zu überwinden, während man inkarniert ist, und ich habe auch die Idee fallengelassen, „erleuchtet“ wäre gleichbedeutend mit „perfekt“. Alle Bilder von dem, wie ich Erleuchtung wahrgenommen habe, scheinen zunehmend zu verblassen.

Ich bin nicht mehr auf der Suche nach Erleuchtung, sondern nach Ehrlichkeit, Wachstum und dem Lernen, um was es bei dieser menschlichen Erfahrung wirklich geht. Ich genieße die Natur und ich arbeite mit allem, was sich in meinem Leben zeigt – jeden Tag, in jedem einzelnen Moment.

Aber ich habe keine Energie mehr für anderer Leute Ideen oder Rezepte, wie die Erleuchtung zu erlangen sei. Ich bin eine Seele, in einem Körper, hier um das Leben zu erforschen und mein Bestes zu geben, jeden Tag.

Ich drücke meine Gefühle durch das Schreiben aus und ich genieße echte Verbindungen mit irdischen, geerdeten Menschen, die in der Lage sind, ehrlich mit sich zu sein, wie oft wir etwas wirklich sicher wissen können! Ihr werdet mich in meinem Garten finden, oder bei meinen Tieren, oder mit meinen Freunden, während ich neugierig die Welt erkunde!

Und was bedeutet spirituell für dich?

 

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10 Responses

  1. Katrin Persigehl

    Wirklich schön.

    Spirituell bedeutet für mich frei zu sein, in meinen Ansichten, auf meinem Weg, auf der Suche nach meiner Angst und meinen Flügeln. Spiritualiät bedeutet für mich, der Mensch zu sein, der ich bin. Mit all meinen Vorzügen und all meinen Defiziten, diese anzuerkennen und aufzulösen, wenn ich dazu bereit bin. Möglichst wertfrei durch die Welt zu gehen, für das einstehen, für das was ich stehe in meiner Welt. Spirituell bedeutet für mich, bei mir anzufangen…
    Die Veränderung, die man in der Welt sucht, bei sich zu gestalten und in sich selbst zu suchen.

    Irgendwie bedeutet Spiritualität für mich auch Frieden, Ruhe und Authentizität!

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  2. Richard

    Spirituell bin ich in dem Maße, in dem ich die „Kraft“ spüre. Hierfür braucht es Stille, die nicht vorherrscht, während ich Spiritualität kontrovers diskutiere, auch nicht bei der Autorin.

    Mein Auftritt als Mensch wird davon beeinflusst, Ängste und Sorgen können zunehmend dem Zustand von Wertschätzung, Dankbarkeit und Liebe weichen. Und mein Umfeld und mein Tun wird sich entsprechend umgestalten.

    Dies sind erfahrene Folgen der Spiritualität. Wir können nicht die Reihenfolge umdrehen, wie dies manche Autoren darstellen. Der Verstand kann nur helfen, das Bewusstsein auf die Kraft und die Stille zu richten.

    Doch das Ego ist trickreich. Es erfindet tausend Möglichkeiten, sich auch in das Thema Spiritualität einzuschleichen. Und sei es aus dem Stadium einer „geerdeten“ Spiritualität heraus.

    LG Richard

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  3. Kristina

    @Fritz, @road
    da Glaubensfreiheit ein Grundrecht jedes Menschen ist, musst du dich gar nicht rechtfertigen, an was du glaubst, ob du an einen Gott, an heilige Kuh oder an
    dein Ich glaubst.

    Das wichtigste ist, Andersgläubige/Ungläubige zu respektieren, in Ruhe zu lassen und jegliche Belästigung (ob auf der Strasse oder im Internet) zu unterlassen.
    Denn jeder kann eine passende Glaubensform für sich finden wenn er will.
    Hier sind die Check-Listen von Religionen, Sekten und Weltanschauungen
    Länderdaten:
    http://www.laenderdaten.de/bevoelkerung/religionen.aspx
    Uni-Protokolle:
    http://www.uni-protokolle.de/Lexikon/Religionen_der_Welt.html

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  4. road

    Schöner Artikel man liest die Ehrlichkeit und das Erwachen + Aufstieg heraus.
    @ Fritz die Frage „Wer bin ich“ ist einer der wichtigsten auf dem Weg ins Königreich. (Ich nenn das mal einfach so) dein bewusstes Erkennen das du nicht dein Körper bist, zeigt das du dich als Bewusstsein erkannt hast, willkommen in der nächsten Dimension 🙂 Es ist wie eine Orange schälen, Schale für Schale lässt man die Verknüpfungen los, von denen man dachte man wäre dies oder das. Wenn man beobachten kann, ohne zu werten und ohne sich mit irgendetwas zu identifizieren, wird man die Realität anders wahrnehmen. Durch den Punkt der Wahrnehmung wie ich mich wahrnehme und andere, definere ich die Variable, wie ich die Realität erfahren werde. Das zeigt eindeudig wie wichtig es ist, die Frage : Wer bin Ich ? Es ist so wie einen Computer neu zu programmieren. Wenn man diese Frage innerlich anders beantwortet, programmiert man sich um, behaupte ich jetzt mal einfach so 😛
    Wenn man einmal erkannt hat, wer man selber ist, wird man die anderen auch erkennen. Einmal diese variable umprogrammiert (innerlich) ändert sich alles im Außen automatisch. (mit Außen ist die Erfahrung/das Erleben der Realität gemeint)

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  5. Fritz

    Ich werde manchmal gefragt, woher ich komme.
    Nun, wenn mit „Ich“ der Ort meines Bewußtseins gemeint ist, lautet die Antwort: Ich komme von daher, wo wir alle herkommen und dies ist kein Ort, denn ich — das Bewusstsein, mein Gewahren, hat (wenn ich achtsam bin, was nicht oft genug vorkommet) keinerlei Bewandtnis mit Raum und Zeit. Daraus folgt übrigens, das wir alle nicht letztendlich, sondern im Gegenteil unendlich und ewig „Ein Ich“ sind, ein non-duales „Wir Alle“ (ein zweites gibt es nicht).

    Wie ich darauf komme?
    Hierzu ein klein wenig ausholend: Der im Folgenden verwendete Begriff „Holon“ bedeutet ein Ganzes, das ein Teil eines über-geordneten Ganzen ist und das selbst aus unter-geordneten Teilen zusammengefügt ist. Beispielsweise ist eine „Zelle“ solch ein Ganzes, das aus einer geordneten Gruppe von „Molekülen“ besteht (ungeordnet wäre es nur ein Molekülhaufen) und diese Zelle ist Teil eines „Organs“, welches wiederum Teil eines „Körpers“ ist. Oder: Ein Wort besteht aus Buchstaben und ist Teil eines Satzes, der wiederum Teil eines Konzeptes ist.

    Der ganze Kosmos — nicht nur der astronomische und empirische — besteht aus Holons in Holons in Holons in Holons, ohne Ende; aus Konzepten, in Konzepten, in Konzepten, ohne Ende. Die Eigenschaftswörter „über- und untergeordnet“ (Ganze/Teile) weisen auf eine holonische Hierarchie hin, die rein gar nichts mit einer oft unterdrückenden Machthierachie gemein hat, sondern eher im Gegenteil den harmonikalen Zusammenhang — eine Holarchie — von Allen und Allem bezeichnet. So vollzieht sich die Evolution holonisch und holarchisch von der Physiosphäre, zur Biosphäre, zur (mentalen) Geistsphäre und letztgenanntes ist nicht das Ende.

    Wie wahrscheinlich viele andere, dachte ich bis vor kurzem, das Bewusstsein befinde sich im Körper (überwiegend im Kopf). Als ich darüber meditierte (nachdem mich jemand darauf hinwies), wurde mir klar: Das ist genau andersrum! Das Bewusstsein befindet sich nicht im Körper, sondern der Köper im Bewusstsein. Folgerichtig stellt sich die Frage: Wo ist das Bewusstsein selbst zu verorten? Kurz gefragt: Wer bin ich?

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  6. Karin

    Ein wunderbarer Beitrag! Ehrlich und humorvoll. An einigen Stellen, gerade zu Beginn des Artikels habe ich mich selbst gesehen.
    Schon zu Beginn meiner „spirituellen Reise“ bin ich auf sogenannte spirituelle Fallen aufmerksam gemacht worden – und prompt reingetappt. Bei den ersten hat es einige Zeit gedauert, sie zu erkennen – dann ging es flotter – daraus ergibt sich für mich „spiritueller Alltag“, befreites Leben.
    Vielen Dank.

    Antworten
  7. Kristina

    @kelle
    Die Floskeln „wir-sind-eins“, „alles ist eins“, „all-in-one“, „yes-we-can“ etc.
    sind nur Floskeln, die gar keine geistige Bedeutung haben und von irgendwelchen Agenturen konzipiert wurden um Kauflust, Polit-Wahlen, Kampagnen, Ideologien, künstliche Einheit, Gleichschaltungs-Mechanismen, Kritiklosigkeit und kollektive Schuld zu erzeugen. Und besonders wenn das Zauberwort „Love“ bzw. „Liebe“ auftaucht, darf nichts mehr in Frage gestellt werden.

    Doch wer kann sich schon ernsthaft mit solchen Slogans identifizieren, wenn er genau nachforscht, was dahinter steckt und warum diese Slogans bzw. Mantras
    so oft wie Werbung wiederholt werden ?

    Antworten
  8. kelle

    Am 28. September. 2014 geschrieben von Kristina

    so weit so gut, pseudo-Religion „wir-sind-eins“ ist nicht zu verwechseln mit- alles ist eins.

    liebe

    Antworten
  9. Kristina

    Wie die Autorin zeigte, es lohnt sich aus den pseudo-spirituellen Praktiken von New-Age auszusteigen, um das eigene Leben mit Familie und Freunden zu genießen.
    Der Erfahrungsbericht wirkt auf mich authentisch und klar, und es sind mir keine relevanten Schreibfehler aufgefallen, welche die Kommentatorin Tina unterstellt. Gerade bei dieser britischen Autorin, finde ich ihre Deutschkenntnisse bzw. Übersetzung sehr gut und verständlich.
    Aber ich kann über die Fehler ohnehin gut hinwegsehen, außer bei Lehrern, Pädagogen und anderen Obrigkeiten die gnadenlos andere Menschen beurteilen, belehren und bevormunden, also die gleiche Behandlung verdienen.

    Da die Autorin im Anschluss fragte (Zitat:) „Und was bedeutet spirituell für dich?“
    gehe ich hier kurz auf diese Frage ein.
    Der Begriff „Spiritualität“ wird oft missverstanden und wie z.B. bei New-Age,
    stets für kommerzielle, scheinheilige und globalistische Zwecke missbraucht.
    Dabei werden Symbole und Rituale aus verschiedenen Religionen willkürlich benutzt und zweckentfremdet, um die heile Welt vorzutäuschen, sich zu bereichern und künstliche Einheit zu erzeugen, wie wir sie u.a. aus der Buchverfilmung
    „Die Welle“ kennen. Auch gibt es einen dramatischen Film von Volker Schlöndorff „Die Geschichte einer Dienerin“, der vor Gefahren einer totalitären Weltreligion warnt.
    Daher ist wichtig zu verstehen, was Spiritualität bedeutet und was sie nicht ist, denn durch unbewusste Nachahmung und Simulation entsteht keine spirituelle Qualität und keine Demut, sondern das Gegenteil wie Hochmut, Verlogenheit, Blindheit und Belastung.
    „Spiritus“ bedeutet auf lateinisch „Geist“ und ist nicht mit Seele (Anima) zu verwechseln. Auch ist Spiritualität nicht mit Spiritismus (Geisterbeschwörung) zu verwechseln, weil irgendwelche Kommunikation mit Geistern, gefallenen Engeln oder angeblichen Göttern keine Spiritualität, sondern Okkultismus oder Satanismus ist.
    Wichtigster Bestandteil der Spiritualität ist Glaubensfreiheit, die jedem Mensch zusteht und gesetzlich garantiert ist.
    Wenn ein Mensch mit seiner Glaubensgemeinschaft unzufrieden ist, muss es ihm möglich sein sofort auszutreten, glaubensfrei zu leben oder sich einer anderen Religion anzuschließen.
    Diese Glaubensfreiheit gibt es nicht, wenn nur eine totalitäre Weltreligion herrscht und alle anderen kleinen Religionen abgeschafft sind. Wenn eine globalistische pseudo-Religion „wir-sind-eins“ entsteht, welche nur nach Außen eine Toleranz und Freiheit vorspielt, jedoch im Verborgenem andere Ziele wie Unterwerfung und Versklavung beabsichtigt, ist es schwer eigensinnig zu handeln und zu entkommen.
    Die Aussteiger/Kritiker würden dann gemobbt, als Separatisten stigmatisiert und von einer inquisitorischen Glaubenspolizei verfolgt, um die globalistischen Ziele durchzusetzen, wie es auch in vielen anderen Lebensbereichen zu beobachten ist.

    Antworten
  10. Tina

    Ein guter Artikel, schön geschrieben. Es wäre allerdings wünschenswert, die Beiträge (dieser ist nicht der erste) vor der Veröffentlichung Korrektur zu lesen. Unkorrigiert und mit so vielen orthographischen und grammatikalischen Fehlern liest es sich nicht nur schlechter, es hat auch eine dementsprechend unseriösere Wirkung.
    Vielen Dank!

    Antworten

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