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Selbst- und Geldwert gehen Hand in Hand. Gerade im Bereich Therapien, Selbsterfahrungs-Workshops und Heilbehandlungen kursieren allerdings diverse individuelle und kollektive Glaubenssätze von Sozial- und Gut-Sein, die es erschweren, dass sich der eigene gesunde Selbstwert auch finanziell entsprechend ausdrücken darf und die Bezahlung für das eigene Angebot über einen allgemeinen Marktpreis hinausgeht.

Das Thema Selbstwert und eigene Größe hat sehr viel mit Geld zu tun. Letztens unterhielt mich mit einer Heilerin und Workshopleiterin über ihre Arbeit und fragte sie schließlich, was ein Drei-Tage-Intensive bei ihr kostet. Bei der Antwort „2000 Euro“ musste ich erst mal schlucken. Auf mein diesbezügliches Nachfragen sagte sie: „Ich habe den Workshop vor ein paar Jahren für die Hälfte angeboten und keiner kam. Jetzt sind die Kurse voll.“ Das kann man nicht mehr einfach mit „was nix kost´, is´ nix wert“ interpretieren, denn 1000 Euro sind immer noch das Dreifache der gängigen Seminarpreise. Nein, der Preis hat offenbar vorher nicht gestimmt, weil sie in ihrem Selbstwertgefühl schon höher stand als dieser Preis, denn: Selbst- und Geldwert gehen Hand in Hand. Dass er jetzt angemessen ist, zeigt die positive Resonanz.

 

Gibt es unseriöse Preise?

Als ich Freunden und Bekannten von diesem Seminarpreis erzählte, traf ich nur auf Ablehnung. Unsozial, unseriös, viele Bedürftige ausschließend, nur für Eliten und darum unfair, hieß es durch die Bank. Bei mir bemerkte ich dagegen eine Abwehr gegen diese Werturteile, weil ich mir sagte: Wenn das, was sie macht, gut ist, warum soll sie denn keinen ihrem eigenen Gefühl entsprechenden Preis dafür nehmen? Und wenn die Qualität dem nicht angemessen ist, wird sie das auch schnell merken, weil sie dann keiner weiterempfiehlt. Und warum soll sie mit ihrem Angebot nicht eine bestimmte Klientel von Besserverdienenden ansprechen, warum soll ihr Angebot von jedem wahrgenommen werden können? Wer sagt das? Es gibt doch jede Menge andere Angebote, die sich Hilfesuchende leisten können. Alle Menschen, die diese spezielle Heilerin nicht kennen, weil keiner sie auf deren Heilerinnenqualitäten aufmerksam gemacht hat – da sie nie über sie gelesen haben oder in anderen Gegenden der Welt wohnen – sind sowieso ausgeschlossen. Ich merkte, dass sich da in vielen Köpfen fette Barrieren auftürmen. Ich kenne so viele Heilpraktiker und Therapeuten und auch viele Menschen in helfenden Berufen, die für ihre wunderbare Arbeit zwar Preise nehmen, die sich ein Großteil der Bevölkerung leisten kann, die aber mit ihren Einnahmen gerade mal so über die Runden kommen. Und auch deren Preise können sich in Berlin nicht alle Menschen leisten, also sind sie von den Therapieangeboten ausgeschlossen. Nimmt man eine radikal-soziale Beurteilung der Preise wirklich ernst, kann man eigentlich nur noch ohne Bezahlung arbeiten.

 

Darf ich viel verdienen?

Auf der anderen Seite gibt es jede Menge reicher Schauspieler, Musiker, Geschäftsleute und Sportler, über deren Einkommen sich letztlich keiner beschwert. Sondern eher denkt: Das hätte ich auch gerne. Im Umkehrschluss heißt die Vorwurfshaltung gegen die Heilerin mit den hohen Seminarpreisen nämlich, und darüber sollte man sich erst mal klar werden: Menschen, die in therapeutischen Berufen arbeiten, dürfen nicht wirklich viel Geld verdienen, weil das unmoralisch ist – ein zutiefst destruktiver Glaubenssatz, der denjenigen, der nach ihm lebt, sehr klein hält. Und wenn ich mich umschaue: Wer lässt da schon seine Größe zu? Hat es vielleicht auch damit zu tun, dass wir noch nicht wirklich das Gefühl haben, der Welt etwas Wunderbares und Einzigartiges geben zu können, und dass wir wirklich Größe, Fülle und Glück auf jeder Ebene leben dürfen? Und wenn wir bereits zu unserer Größe stehen: Können wir uns die Erlaubnis geben, unseren Selbstwert auf einer finanziellen Ebene anzusiedeln, die für die meisten unserer Mitmenschen nicht mehr nachvollziehbar ist? Und können wir mit deren Unverständnis gut leben? Und wie sieht es damit aus, dass wir viel Geld auch leicht verdienen dürfen und mit 100 Prozent Spaß bei der Arbeit, so dass wir sie gar nicht als Arbeit, als Muss empfinden, sondern als Geschenk des Lebens, uns kreativ, spielerisch und voller Liebe und Freude zu verwirklichen.

 

Bedingungsloses Ja zur Fülle

Es geht in diesem Zusammenhang auch nicht darum zu sagen: Ja, wenn ich mehr Geld habe, dann kann ich mit dem Geld auch viel mehr für soziale Zwecke tun. Da spielt wieder eine Rechtfertigung hinein, da blitzt wieder das Konzept durch, dass ich die vollkommene Fülle im Grunde ja nicht wirklich verdient habe, sondern nur dann, wenn ich sozial bin und teile. Die Fähigkeit zu teilen ist natürlich wunderbar, bringt Freude, öffnet das Herz und beschenkt beide Seiten gleichermaßen, aber wenn der Impuls dazu nicht aus dem Moment und aus einem echten Herzensbedürfnis nach Teilen kommt und ich das Thema stattdessen als Konzept mit mir herumschleppe, als Verpflichtung, dann wird es zur Bürde und ich werde nicht wirklich frei sein können, zu meiner eigenen Größe zu stehen. Dazu, dass ich es einfach verdient habe, in Fülle zu leben. Bedingungslos. Wenn ich die Bürde des Teilen-Müssens mit mir herumschleppe, dann werde ich meine Fülle auch nie vollkommen unbeschwert genießen können. Seien wir doch mal ehrlich: Es gibt immer irgendwo auf der Welt Menschen, die leiden, die nur ganz wenig haben, die krank sind. So viel wir als Einzelne auch geben, es wird nie reichen, um alle glücklich zu machen. Wir können einfach nicht alle erreichen. Wir können als Einzelne nicht die ganze Welt retten.

Aber aus der Gnade des Loslassens, der Entspannung, des inneren Friedens und eines offenen Herzens kommt genau der Impuls zum Handeln, der gerade angemessen ist und der das Glück dort vermehrt, wo es sich gerade ausbreiten will. Und weil ich dann mit dieser Energie gehe, mich ihr 100 Prozent anvertraue und nicht aus einem Konzept heraus gebe, sondern aus echtem Mitgefühl, kann ich das Leben genießen, auch wenn ich mal nicht gebe. 


© Sabine Bochmann – Fotolia.com

 

3 Responses

  1. nele

    das ist doch kirchenkram. echte heiler gab es LANGE davor.
    dass der gegenwert das gutsein schmälert, haben sich die christen ausgedacht. die haben ja auch das kreuzschleppen, den ablasshandel und viele andere „sinnesfrohen“ dinge erfunden.
    schleppt ihr mal weiter kreuze.
    ich geh spaß haben – und fülle.

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  2. michi

    Guter Ansatz joakina, als Kind war ich mal aufgrund der Wirkungslosigkeit der Schulmedizin gegen meine (Gottseidank) geheilte Neurodermitis, bei einer Heilerin die die Krankheit „besprochen“ hat. Daß ihr beiläufiger „Befehl“ meine geliebte und tonnenweise verzehrte Hauptnahrung die Kuhmilch wegzulassen eventuell schon gereicht hätte kann man nur vermuten, der Punkt ist aber daß sie an Bezahlung nur haben wollte was wir bereit waren zu geben…klarer ausgedrückt: Der Kunde entscheidet was die „Ware“ wert ist!! Ich bin kein Schachspieler der sich der Folgen eines Vorgangs im Verlauf der Zeit/Dinge klar sein muß und kann und will hier nicht auflisten was an so einem System schiefgehen kann aber irgendwie sagt mir mein Bauch(auf dem ich schon so oft gelandet bin ;)) daß sowas funktioniert oder zumindest in die richtige Richtung weist.

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  3. joakina

    Zitat:
    „Nimmt man eine radikal-soziale Beurteilung der Preise wirklich ernst, kann man eigentlich nur noch ohne Bezahlung arbeiten.“
    Genau so ist es …
    man stelle sich nur mal vor, Jesus hätte zur blutflüssigen Frau gesagt: Gib mir 2000 Euro und ich heile dich, oder er Lazarus gefragt: was ist dir die Auferweckung deines toten Kindes wert?
    Echte Heiler fragen nicht nach Fülle oder nach dem Wert ihres Tuns, sie heilen, weil sie wissen, dass sie nur das Werkzeug sind, durch das die Heilkraft zu den Menschen kommt.

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