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Sie ist ständig in aller Munde und jeder macht sich seine Vorstellung davon, und wenn sie bedroht scheint, weckt es Überlebensängste – die Arbeit.
Wir stellten folgende Fragen an die spirituellen Lehrer Michael Barnett, Paul Lowe und Eli Jaxon-Bear zu einem der angeblich selbstverständlichsten Dinge der Welt:

1) Wie du sicher weißt, herrscht in Deutschland z.Zt. große Arbeitslosigkeit. Ausgerechnet den Deutschen droht die Arbeit auszugehen. Gleichzeitig nimmt der Rechtsradikalismus wieder zu. Ausländische Bürger nehmen nach Meinung der Rechten den Deutschen die Arbeit weg. Siehst du eine Verbindung zur Entwicklung, die damals zur Machtergreifung Adolf Hitlers geführt hat? Wenn ja, welche? Welche Empfehlung gibst du den Deutschen, dies zu verhindern?

2) Wie definierst du Arbeit? Gibt es für dich neue Formen der Arbeit? Welche Arbeit ist deiner Meinung nach zu tun, und wie kann sie finanziert werden?

3) Was ist dein Verständnis von politischer Arbeit?

4) Was hast du 1968 gemacht, als die Studentenbewegung stattfand? Wie schätzt du die Langzeiteffekte dieser Revolution ein?

Michael Barnett:

1.) Arbeit ist ein wesentlicher Faktor der mensch- lichen Natur. Vor allem für Männer ist es wichtig zu arbeiten. Die Energien dafür sind in ihm und wenn er sie nicht entsprechend einsetzt, kann ihn das krank und verrückt machen.
Ich glaube, die meisten arbeitslosen Deutschen würden nicht unbedingt die Arbeit machen wollen, die die Ausländer verrichten. Aber das spielt für diejenigen, die protestieren keine Rolle. Sie brauchen einfach einen Schuldigen.

Wenn ein Land wie Deutschland, das auf etwas, was wie ein Wirtschaftswunder begann, basiert, sich nach dem Krieg so außerordentlich schnell erholt hat, dann nimmt dieses ökonomische Bewußtsein in den Herzen und im Verstand den ersten Platz ein, und die Beschäftigungsfrage rückt in den Hintergrund. Das ist falsch. Keine ökonomische Situation ist real, wenn sie durch die Arbeitslosigkeit anderer Bürger erreicht wird. Zuviele Maschinen ersetzen die Arbeitskraft des Menschen und die menschliche Aktivität verringert sich zu stark in unseren gesellschaftlichen Systemen.
Aber die Hitler-Ära wird sich nicht wiederholen. Die Deutschen sind heute ein ganz anderes Volk (das wirkliche Wunder). Ihre Geschichte hat sie im Großen und Ganzen aus der Hölle geworfen und sie sind führend in der Welt in der Suche nach einem wahren und mitfühlendem Leben.

2.) Arbeit heißt, sich mit etwas außerhalb seiner selbst zu beschäftigen, das zum Leben der Allgemeinheit beiträgt. Je nach den momentanen Bedürfnissen wird sich die entsprechende Arbeit in manchen Fällen ändern. Aber Arbeit wie Kunst oder Spiritualität ändert sich nicht wesentlich, es wird sie immer geben.

3.) Man muss zwischen Politik und Arbeit in der Politik unterscheiden. Politik bezeichnet die Beziehung unter den Menschen in der Gesellschaft, vor allem jenen die mit Autorität und Macht zu tun haben. Jeder, der irgendwie an der Gesellschaft teilnimmt, ist darin verwickelt. Wer politisch tätig ist, versucht hier und da, im Kleinen etwas zu ändern, akzeptiert aber grundsätzlich die bereits bestehende Struktur der Gesellschaft. Nichts Radikales kann daraus entstehen. Deshalb wird auch nicht viel getan in Ländern wie Deutschland (und Frankreich), um die Situation der Arbeitslosen zu verbessern. Das System bietet dafür nicht genügend Spielraum.

4.) 1968 war ich in die ‘People not Psychiatry’ Bewegung involviert, die ich selbst gegründet hatte, eine Alternative zur herkömmlichen Psychiatrie. Ich war auch mit anderen ähnlichen Bewegungen verbunden, wie dem OZ Magazin, der International Times, Amnesty International (die damals noch in den Kinderschuhen steckte), der Anti-Psychiatry Gruppen von R. D. Laing, usw.

Der spirituelle Lehrer Michael Barnett leitet seit vielen Jahren Seminare in Energiearbeit weltweit. Im Moment lebt er in der Schweiz. Adresse: Auenhof, CH-8638 Goldingen, Tel: 0041-55-2845353.
Infos: Nantar, Tel: 030-3248891

Paul Lowe:

1.) Ich habe keine Ahnung, wie es um die Dinge stand vor Adolf Hitler, und möglicherweise weiß das niemand, weil das, was wir in der Presse lesen nicht das ist, was tatsächlich geschieht. Wir wissen nicht, was hinter den Kulissen in der Politik vor sich geht. Man teilt uns das mit, was man uns zu wissen wünscht.
Wenn derzeitig faschistische Tendenzen zu Tage treten, bedeutet das Unterdrückung an irgendeiner Stelle. Unser gesamtes religiöses und politisches System dreht sich um Unterdrückung, Macht und Kontrolle. Wir schaffen Regeln und Gesetze, welche die Gefühle, Motivationen und Kreativität der Menschen unterdrücken. Das schafft Frustration, und im inneren baut sich Energie auf. Sie fühlen, daß sie rebellieren und gewalttätig sein müssen, um sich Gehör zu verschaffen.

Die meisten Menschen werden zu Faschisten, wenn sie über Faschisten sprechen. Für sie liegt der Unterschied darin, daß sie sagen: ‚Ich habe recht, und die Faschisten haben unrecht.‘ (Oder: ‚Wir denken nach und haben recht, und die Faschisten haben unrecht.‘) Faschisten sind gewalttätiger, aber die Energie ist die gleiche. Faschisten sind eine Reflexion faschistischer Tendenzen in jedem einzelnen von uns. Wir müssen alle genau hinschauen und uns fragen: ‚Was geschieht da? Wieso haben wir Faschisten?‘ Wir müssen miteinander sein und nicht gegeneinander.

2.) Beim Begriff „Arbeit“ schwingt als Nebenbedeutung mit, daß du etwas tust, was du gar nicht wirklich tun möchtest. Arbeit ist etwas, von dem wir uns einreden, daß wir es tun müssen, um zu überleben. Die meisten Menschen leben an der Oberfläche, auf einer oberflächlichen Ebene. Sie suchen nach Sicherheit und Gewißheit in ihrem Leben, obwohl das auf dem Planeten Erde gar nicht existiert. Sie wollen einen guten Job, Geld, eine Familie und glauben, daß dann alles in Ordnung sein wird.
Wir denken, es ginge um’s Überleben, aber jeder, der seine Freiheit entdeckt hat, hat bisher das Gegenteil gesagt. Wir erschaffen unsere eigene Realität – wenn du also glaubst, du müßtest arbeiten, dann mußt du arbeiten.

3.) Politik basiert auf Unehrlichkeit. Es dreht sich um  Macht, Kontrolle und Manipulation. Sie haben die Wahl zwischen zwei oder drei Systemen, die nicht funktionieren. Politik hat noch nie funktioniert. Ganz egal, welche Seite die Macht gewinnt. Die Menschen sind in der Regel diejenigen, die leiden.

Jemand kommt an die Macht, und dann kommen die Menschen an zweiter Stelle.
Es gibt eine Abstufung sogenannter zivilisierter Länder, bis hin zu absoluten Diktaturen. Aber alle basieren auf demselben System. Einge sind ein bißchen sanfter, andere ein bißchen härter. Das System basiert nicht auf liebevoller Sorge. Wenn wir Veränderung wollen, müssen wir Ausschau halten nach herzgeführten Menschen, die mit ihrer einzigartigen Intelligenz eins sind.

4.) Ich habe damals in San Francisco gelebt, zwei Straßenzüge von der Height Ashbury entfernt, dem Zentrum der Flower Power und der Drogen. Ich bin zu Demonstrationen nach Berkely gefahren, der Uni-Stadt. Ich bin von der Polizei gejagt worden und mit Tränengas beschossen. Ich hab nicht wirklich rebelliert, sondern mir einfach nur angeschaut, was da ablief. Zu jener Zeit haben sich die Dinge in der Tat erweitert.
Und dann – so wie ich das sehe – geriet die ganze Bewegung ins Stocken, genauso wie alles andere immer wieder ins Stocken zu geraten scheint. Es war ein Sprungbrett, um Menschen auf eine neue Ebene des Bewußtseins zu hieven; jedoch gingen die meisten von ihnen dann wieder zum Alten zurück. Aber als Grundstein hat jedes Sprungbrett eine Wirkung. Es hat tatsächlich Bewußtsein erweitert.

Paul & Ava Lowe in Berlin und Finkenwerder:
Information: Martin & Sabine, Tel. 030-834 97 22

Eli Jaxon-Bear:

1.) Ja. Es gibt eine tiefe Verbindung. Diese Verbidung ist Angst, basierend auf Selbstsucht. Solange das Leben von Menschen von Angst angetrieben wird, projizieren sie den Feind als eine fremde Macht nach außen. Angst basiert auf Unsicherheit, welche ihre Wurzel im Nichtwissen der Wahrheit hat. Diese Angst hält das ganze System am Laufen und hält jeden ökonomisch versklavt. Arbeitslosigkeit hat nichts zu tun mit ausländischen Arbeitern, es ist Bestandteil des kapitalistischen freien Marktes. Dieses System wird gespeist von Angst und basiert in tiefer Unwissenheit. Es ist viel einfacher, sich vorzustellen, der Feind wäre ein türkischer Arbeiter und nicht das ganze System.

2.) Für die meisten Menschen ist Arbeit eine Form wirtschaftlicher Sklaverei, gegründet auf Furcht und Unsicherheit. Wenige Menschen würden dieselbe Arbeit wählen, wenn sie die wirkliche Wahl hätten. Wenn die Entdeckung von wahrer Freiheit dein wichtigster Wunsch ist, wird dein Leben durch andere Prinzipien geordnet. Du setzt vielleicht dieselbe Arbeit fort, doch die Motivation hat sich radikal verändert. Wenn Du die Wahrheit Deines Wesens direkt erfährst, bist du frei, frei zu arbeiten. Du bist nicht mehr durch eine Kette an Deinem Hals gebunden. Dann erscheinen viele neue und kreative Formen von Arbeit auf natürliche Art und Weise.

3.) Bis du innerlich frei bist, gleicht das dem Blinden, der den Blinden führt. Alle Revolutionen waren im Kern gut gemeinte politische Arbeit, die in Katastrophen führte auf Grund des Mangels an Bewußtsein der Führer. Heute braucht es beide, den Führer und die Folgenden und Ihre Bereitschaft, sich für einen Augenblick ihrem Selbst zuzuwenden. Nur für einen Moment sich abwenden von allen sozialen Masken, mit denen Du Dich identifitziert hast, als Kind, Elternteil, Partner, Arbeiter; distanziere Dich von allen Rollen, gehe nach innen und finde heraus, wer du wirklich bist. Wenn du erkennst, wer du bist, wird jede Arbeit produktiv sein und Früchte tragen. Jedoch ohne dieses Wissen, das direkt erfahren werden muß, ist jede Arbeit zum Versagen verdammt.

4.) Im Sommer´68 wurde ich während der Proteste inhaftiert. Ich habe damals mein Leben der Psychedelischen Revolution verschrieben. Ich habe mit den Black Panthers zusammengearbeitet. Diese Zeit war ein Kampf für Freiheit. Unglücklicherweise wußten wir nicht, was Freiheit wirklich ist. Wir waren Babies. Wir wolllten politische Freiheit, kulturelle Freiheit, sexuelle Freiheit. Viele sind in der damaligen Zeit hängen geblieben, doch viele andere sind viel tiefer gegangen. Die gesamte spirituelle Bewegung ist die Ernte dieser Zeit. In meinem Fall z. B. erlebte ich, während ich mich mit Gewehr und Dynamit in den Bergen von Colorado versteckte, ein sehr tiefes Erwachen. Dieses Ereignis führte mich auf eine 18jährige spirituelle Suche, die endete, als ich 1990 meinen letztendlichen Lehrer in Indien traf. In dieser Begegnung wurde wahre Freiheit entdeckt.
Wenn Du jetzt z. B., während Du das liest, erwachst und die Wahrheit direkt erfährst, könntest Du sagen, das ist die Frucht der 68er Revolution (lacht).

Eli Jaxon- Bear, einer der namhaftesten Experten des Enneagramms, fand 1990 bei seinem letztendlichen Lehrer Poonjaji sein Erwachen. Er wird auf Grund vieler Anfragen wahrscheinlich auch im nächsten Mai in Berlin sein. Informationen: TERRA LIBRA  Tel.: 030- 4422649

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