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Yoga als Entspannungstechnik befindet sich seit Mitte der 90er Jahre auf einem weltweiten Siegeszug. Die Kehrseite des Erfolges: In Nordamerika, Europa und selbst in Indien wird Yoga von vielen Beteiligten zunehmend unter kommerziellen Gesichtspunkten betrachtet. Geht das auf Kosten der reinen, philosophischen Lehre mit dem Ziel der Selbsterkenntnis?

 

Die Yogaschulen stehen heute stärker unter Konkurrenz als vor zehn Jahren. Gerade in Berlin gibt es stetig neue Center, die Ihre Türen auf der Suche nach Yogafans und Interessenten an Entspannung und Körperertüchtigung öffnen. Einige Schulen visieren hoffnungsvoll das Hochpreissegment an, obwohl der Markt in Berlin für diese Angebote bekanntlich durch das unterdurchschnittliche Einkommen der Berliner begrenzt ist. Den Marktwert versuchen einige Schulen unter anderem zu steigern, indem sie sich einem der bekannten „Yogastile“ verschreiben oder gar eine eigene Marke kreieren. Dieses Branding findet seinen Höhepunkt im markenrechtlichen Schützen bestimmter Yogastile mit einem Copyright. Dabei wird anscheinend vergessen, dass es beim Schutz von geistigem Eigentum doch um selbst kreierte Schöpfungen gehen sollte. Bei genauerem Hinsehen finden wir allerdings immer wieder die seit Jahrtausenden bekannten Hatha-Yoga-Übungen. Derzeit haben trotzdem beispielsweise Iyengar Yoga, Bikram Yoga, TriYoga, Sivananda, ForrestYoga und Anusara Yoga solch ein Trademark auf ihren „speziellen“ Yogastil. Teilweise ist es noch nicht einmal den eigenen Yoga-Ausbildungsschülern erlaubt, den Namen ihrer erlernten Tradition fortzuführen. Auch Franchisesysteme haben sich etabliert, bei denen das Mutteryogastudio eine monatliche Gebühr erhält. Sicher, jeder moderne Yogalehrer muss mit den alltäglichen wirtschaftlichen Umständen rechnen; eine solche Kommerzialisierung scheint aber weit über das Ziel hinauszuschießen.

Qualität der Ausbildung

Den Ursprung aller Lehrtätigkeit stellt immer noch die eigene Erfahrung dar. Weil diese für viele Praktizierende oft lebensverändernd ist, möchten sie die positiven Wirkungen des Yogas auch an andere weitergeben. So entsteht der natürliche Wunsch, Yogalehrer zu werden. Ein Bedürfnis, das in unseren Breitengraden sogleich mit einer Vielzahl von möglichen Ausbildungen gestillt werden kann. Schwer ist die Entscheidung, und sicher spielt auch der Preis der Ausbildung eine Rolle. Einen stattlichen Preis kann man sicher mit der Länge der Ausbildung rechtfertigen. Krankenkassen bezuschussen nur solche Yogakurse, die von Yogalehrern unterrichtet werden, die eine Ausbildung von mindestens 500 Stunden und eine therapeutische oder pädagogische Grundausbildung mitbringen. Das ist durchaus nicht Usus bei Präventionskursen anderer Art – zum Beispiel kommen angehende Rückenschullehrer sehr viel schneller zum Zertifikat. Neuerdings möchte auch die IHK am Weg der Selbsterkenntnis teilhaben. Und sie tut es mit der Zertifizierung eines Ausbildungsganges zum Yogalehrer. Das ist ein Hinweis darauf, dass ein großer Anteil des Marktes nicht in den Kursen, sondern in den Yogalehrer-Ausbildungen liegt.

Community statt Ego-Trip

Nun hat der Lernwillige die Qual der Wahl, was die verschiedenen Stile betrifft. Für einige Stile ist es unerlässlich, sich die notwendigen Hilfsmittel zu beschaffen, die so genannten Props. Das heißt dann: Welcher Gurt, Farbe, Form, wie teuer, wie genau zu verwenden, etc.? Der Weg zur Selbsterkenntnis führt in dieser Straße über den Umweg der Objektidentifikation. Authentische indische Yogis brechen unter Umständen in schallendes Lachen aus, wenn sie erleben, wie wichtig die „Hilfsmittel“ in mancher Yogastunde geworden sind.
Mein Fazit: Ich fände es einen großen Schritt in die richtige Richtung, wenn sich der moderne Yoga-Markt neben allen wirtschaftlichen Aspekten, die auch zur Leitung einer Yogaschule dazugehören, an den Grundlagen des Yoga, wie der geistigen Haltung und der universellen Philosophie, orientiert. Wichtig scheint eine weitere Vernetzung der Yogalehrer in einer umfassenden „Yoga-Community“, in der man sich in einer freudvollen Art gegenseitig inspiriert, austauscht und sich auf das hohe Ziel des Yoga rückbesinnt.

Abb. oben: © Mario-fotolia.de

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