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Ein Traum von gemeinschaftlichem Leben und Arbeiten?

Die Idee von Gemeinschaft war nicht neu – sie entstand 2008 während unserer Ausbildung am Institut für Lebenskunst in Berlin – viel Zeit und Energie sind in diesen Traum geflossen. Engagierte und interessierte Menschen erarbeiteten Konzepte und Pläne, nur den richtigen Ort und den „Funken zum Gehen“ gab es nicht und so wurde das Ganze erst mal auf Eis gelegt.

 

Einige Jahre später im Herbst 2011 waren wir, zwei befreundete Paare, welche schon lange gemeinsam auf dem spirituellen Weg waren – zur Weinlese in der Pfalz. Und eines Abends nach einem wundervollen Tag im Weinberg scherzten wir, dass es toll wäre, gemeinsam Wein zu machen. So abwegig war das nicht, da einer von uns aus einer Winzerfamilie stammt und viele Jahre Erfahrung im ökologischen Weinanbau hat. Aber unser aller Lebensmittelpunkt war in Berlin und Wein gibt es da nun mal nicht, so dachten wir… Und so versank diese Idee zunächst im Alltag.

Nur wenige Wochen später suchte ein Brandenburger Landwirt, der den Weinberg am ehemaligen Klosterhof in Töplitz bei Werder im Jahr 2005 wieder aufgerebt hatte, Menschen, die von ihm den Weinberg und die dazugehörige Wirtschaft übernehmen und weiter betreiben.

Ein ökologisches Weingut mit 2,5 Hektar Fläche vor den Toren Berlin´s – wir konnten es kaum glauben.
Eben erst gewünscht und schon galt es, den Wunsch mit Leben zu erfüllen. In uns überschlug sich alles, was heißt das? Leben auf dem Land? Wer kommt mit? Werden wir jetzt Weinbauern und Gastwirte?

Anfang Januar 2012 war dann klar, dass wir diesen Schritt gemeinsam gehen wollten. Nun galt es eine Firma zu gründen und ein Konzept für die Gastwirtschaft zu erarbeiten. Wie soll der Gastraum aussehen? Wollen wir einfache regionale oder biologische Küche oder Spezialitäten oder ganz anders? Parallel dazu standen die ersten Arbeiten im Weinberg an, die Werbung musste organisiert werden, Veranstaltungen geplant werden und vieles mehr…

Wir bekamen Unterstützung in der Gastwirtschaft von einem junges Paar aus Berlin. Für die Arbeit auf dem Weinberg kam ein interessierter junger Mann mit einigen Erfahrungen im Weinbau zu uns.

Trotzdem überschlugen sich die Ereignisse.
Ende April 2012 stand die dann benachbarte Pension zum Verkauf. Eine gute Gelegenheit, um unser früheres Konzept von Wohnen und Arbeiten an einem Ort zu verwirklichen. Aber auch, um unseren Slogan „Wein erleben, wo er wächst“ durch Übernachtungs-möglichkeiten weiter ausbauen zu können.

Die Gebäude der Pension waren in einem sehr desolaten Zustand. Es brauchte viel Energie und Arbeit um sie wieder herzurichten. Wir hatten so schon genug zu tun mit dem Betrieb der Gastwirtschaft und dem Weinberg. Das Projekt, nun bestehend aus mehreren Teilbereichen nahm immer größere Ausmaße an.

Einige stürzten sich in die Arbeit ohne zu hinterfragen. In Anderen kam langsam die ersten Fragen: Ist das alles Gemeinschaft? Geht das überhaupt so? Was hat das noch mit unserem Traum zu tun? Wirtschaftliche Zwänge, zu viele Aufgaben, verschiedene Herangehensweisen, unterschiedliche Ziele und Interessen und das alles neben unseren Berufen und Familien in Berlin…
Waren wir schon an unsere Grenzen gestoßen, wird der Traum zum Alptraum?

Auch die Beziehung zwischen uns vier Initiatoren hatte sich sehr verändert.
Unterschiedliche Herangehens- und Arbeitsweisen bargen Konfliktpotential. Fehlende gegenseitige Anerkennung machte unzufrieden. Und wir fanden keine Zeit für Austausch und Entleerung.

Dabei wollten wir doch gemeinsam mit Menschen arbeiten und leben, Spiritualität erleben, Tanzen, Stille und Natur genießen, unseren Alltag entschleunigen und uns mehr auf das Wesentliche konzentrieren.

Es gab auch diese schönen Momente – Sonnenuntergänge auf dem Weinberg, Natur und ihren Wandel spüren, gemeinsam Aufgaben bewältigen und im Weinberg arbeiten, Yoga am Morgen, Abende am Feuer, unsere Kinder in freier Natur aufblühen sehen, die Stille, Pferde, Kühe, Wildgänse beobachten, den Wein wachsen und reifen sehen…aber immer wieder gingen sie unter in den Aufgaben und Anforderungen, die uns trieben.

Wir alle sind einer Gruppe zugehörig, welche Gemeinschaftsbildung nach Scott Peck praktiziert. Nach den vier Phasen – Pseudo – Chaos – Entleerung – authentische Gemeinschaft, die eine Gruppe immer wieder durchläuft, waren wir deutlich in der Chaos-Phase gelandet. Wie sollte es weiter gehen?

Wir begannen uns regelmäßig mit einem Coach zu treffen.
Seine ersten Worte waren: „Ein Projekt besteht immer zu 90% aus Beziehungsfragen und nur zu 10% aus Sachfragen“. Also galt es unsere Beziehungsfragen zu klären, uns zu entleeren und unsere Gefühle zu entladen. Wir üben uns nun im Zuhören und lernen gewaltfrei zu kommunizieren.
Zum Beispiel das Wort „Gemeinschaft“ von uns viel genutzt, meint doch für jeden von uns etwas anderes. So braucht es viel Austausch, damit die gemeinsame Idee auch eine wirklich gemeinsame ist. Sich zeigen und mit dem Anderen mit fühlen, das tut gut und schafft wieder eine neue Verbindung zueinander.

Auch wird es ab März jeden Samstagabend Treffen nach Scott Peck im Weingut Töplitz geben, welche für alle Menschen, die sich vor Ort aufhalten verbindlich sind und welche die Möglichkeit zum Austausch und Entladen bieten. Wir werden einen Raum der Stille und Spiritualität einrichten, um jedem von uns die Möglichkeit des Rückzuges einzuräumen.

Unser Ziel ist es weiterhin, im Weingut Töplitz eine Gemeinschaft aufzubauen und den Ort für mehr Menschen zu öffnen. Gemeinsam einen Platz zu entwickeln, an dem ein gesundes Unternehmen wachsen kann und gleichzeitig Erholung und Spiritualität gelebt werden können.

In unserer Scott Peck Gruppe gibt es bereits einige Menschen, die ihre Bereitschaft erklärt haben, Töplitz als Ort der Gemeinschaft mit zu entwickeln. Das ist gut für uns, weil viele Schultern die Freude an gemeinsamem Tun erhöhen, entlasten und den Gemeinschaftsgedanken mit Leben erfüllen.

Wenn wir mit Dich/ Euch mit unserem Erfahrungsbericht angesprochen haben, so freuen wir uns auf euren Besuch, euer Interesse und vielleicht mehr…


Abb: © Grit Wellnitz

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