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Kirtan-Singen ist nicht nur eine wunderbare Form der Hingabe an das Leben, sondern auch ein unvergessliches Gruppenerlebnis, das die Einheit von allem mehr als nur erahnen lässt. Tipp: Das diesjährige Yoga-Festival bietet wieder eine Reihe von Konzerten, bei denen  Jeder über verschiedenste Mantrenmelodien in Räume der Ekstase und des Glücks eintauchen kann.

„Kirtan, was ist das?“ werde ich jetzt häufiger gefragt, seit ich mit leuchtenden Augen fröhlich Mantren summend durch den Alltag zu navigieren begonnen habe. Ich stutze, überlege. Wie lässt sich Kirtan erklären? Oder guter Sex – muss man das nicht selbst erstmal erlebt haben…? Na klar, sage ich dann, Kirtan – joooh, da geht’s ab! Das ist akustisches Synchronschwimmen und Wellness pur für alle Energiekörper! Ahhhja, wie jetzt bitte…?

Heute ist es vielleicht stimmiger, vom „Open Kirtan“ oder „Free Style Kirtan“ zu sprechen, wenn man die ekstatisch-enthusiastischen Festivalkonzerte in aller Welt meint, auf denen Mantren-mäßig gerockt, meditiert, getanzt, gelacht, ausgelassen geklatscht, sich umarmt und natürlich ganz, ganz viel gesungen wird (Bisher habe ich hier keine nicht wenigstens lächelnden Gesichter entdecken können.). „Open Kirtan“ ist musikalisch modern, aufgeschlossen, undogmatisch, basisdemokratisch – jede Stimme zählt! – und meint im Grunde zugleich eine weltumspannende Gemeinschaft von Lebensfreude-Enthusiasten.

Auch beim Yogafestival in Kladow sind sie wieder dabei, die um den Globus eilenden Troubadoure oder Kirtankars des Bhakti-Yogas. Das Kirtan-Singen – Kirtan bedeutet sinngemäß „spirituelle Hingabe in gesungener Form“ – wurzelt in den Hindutraditionen Indiens und erlebte eine Blütephase im 16. Jahrhundert. In dieser Zeit der islamischen Mogul-Herrscher wurden Überlieferungen des Hinduismus durch das Kirtan-Singen im Volk lebendig gehalten.

Melodiöse Gesangsspiralen

Kirtan entsteht aus dem Wechselspiel zweier sich ergänzender Gruppen: Musiker und Vorsänger auf der „rufenden“ und Zuhörer-Chor auf der „antwortenden“ Seite. Ihr beständiges Interagieren macht das Erlebnis so wunderbar lebendig, dynamisch, beinahe rauschhaft – rhythmische Gesangsspiralen unablässig ineinander fließend, sich ineinander mal wild, mal behutsam auflösende Mantrenmelodien, dann wieder gebündelte archaische Kraft!

Spirituelle Hingabe und politische Alternativform, das findet sich in vielen Gesangstraditionen auch im Westen. So ist es kein Zufall, dass das Kirtan-Singen gerade in den freigeistigen Auf- und Umbruchmomenten des 20. Jahrhunderts, während der „wilden“ zwanziger und sechziger Jahre, zusammen mit dem Yoga in die USA und nach Europa kam. Seit den neunziger Jahren entwickeln sich jetzt Kirtan-Formen, die Musikgenres global verbinden und in denen klassische indische Instrumentation mit Reggae, Rap, Rock, Folk, Gospel oder Jazzelementen verschmilzt. Die ihnen innewohnende herzöffnende Bhakti-Alchemie entfaltet sich allerdings voll erst im kreativen Tanz, im Mit- und Umeinander der individuellen Stimmen von Musikern, Sängern, Chor.

Kirtan ist zuerst ein Live-Erlebnis, ist gesungene Kommunikation – mit dem Ich, dem Du, dem Wir der Gefühle. Seit Anbeginn menschlicher Kulturgeschichte gehört das Singen und Geschichtenerzählen zu den schamanischen Wurzeln unserer Traditionen. Beim Singen von Mantren spüre ich diese mir ureigene archaische Sinneskraft. Sanskritmantren bestehen aus Abfolgen von Silben, welche die weitenden Vokale O (Bauch), A (Herz), I (Kopf) mit Schwingungs- und Vibrationslauten wie sch, w, m, n, l, r vereinen. Der energetische Effekt ist enorm! Ein harmonisches „In-Schwingung-Geraten“ bis hinunter auf die Zellebene… Das gemeinsame Atmen und miteinander „Stimmen“ verbindet tief und öffnet zugleich den Bewusstseinsraum des Einzelnen für das Erfahren von intuitiver Gruppen-Synchronizität.  Wieder und wieder bin ich verblüfft und berührt, wenn Menschen, die sich vielleicht nur in diesem einen Moment in ihren Leben begegnen, einen minutenlang wild durcheinander tobenden Mantren-Gesang in völliger Harmonie ausklingen lassen…

Und auch noch gesund

Intensives lautes Singen (oder Tönen) erhöht den Stoffwechsel und die Sauerstoffzufuhr des Körpers und löst damit Ausschüttungen von natürlichen Glücksopiaten aus. Mit dem Atmen und durch das „Stimme-fließen-Lassen“ spült es in der Tiefe verborgene Schatten-Gefühle, Aggressionen, Angst und Trauer an die Oberfläche und wandelt sie in ekstatische Energie. Der Körper kann sich im Mit-Schwingen entspannen, entgiften, reinigen. Das geschieht in mir und durch mich, aber eben auch in der Verbundenheit mit der Gruppe – energetische Potenzierung in alle Ebenen hinein. In der Gemeinschaft die eigene Stimme neu entdecken, im „Ruf-und-Anwort-Spiel“ die eigenen Grenzen austesten, das lässt mein inneres Kind jubeln, wieder und wieder und wieder und jedes Mal so ganz anders!  

Was also ist Kirtan? Herrlich, Suchtgefahr!!! – Dass es für das Kirtan-Phänomen kulturhistorische, spirituell-philosophische, biowissenschaftliche Erklärungsmodelle gibt, entdeckte ich erst später. Magische Glücksmomente habe ich trotzdem jedes Mal neu…

Info und Kontakt unter Tel.: 030-78 00 10 00 oder O.Skoda@web.de

Wer sich einen ersten audiovisuellen Eindruck von einer „Free Style Kirtan“ Party wünscht, dem seien zwei Youtube-Videos herzlich empfohlen.

C.C. White – „This IS Soul Kirtan!“ – Karuna Sagari Ma (Live) (14:51)
http://www.youtube.com/watch?v=Sjt8Yy-Qvbg
Das Lied kann man kostenlos von der Seite von C.C. White http://www.soulkirtan.com runterladen.

Jaya Jaya Vitthale – Dave Stringer Kirtan – Rhythm Village – Edgewater, Colorado (24:45)
http://www.youtube.com/watch?v=XM_rCjkAPlE
Besonders schön wird hier die Raum-Atmosphäre und das Wechselspiel zwischen Musikern und Publikum gezeigt.

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