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Bremen bekommt wieder ein Wasserkraftwerk. Das unterirdische Kraftwerk am Weserwehr in Hemelingen soll Ende 2009 ans Netz gehen und ab dann die Strömung der Weser in Strom für 17.000 Haushalte verwandeln. Mit einer Leistung von etwa zehn Megawatt ist es das drittgrößte Neubauprojekt Deutschlands zur Nutzung von Wasserkraft.

 

Schutz für Fische und Landschaft

Auch ökologisch setzt das Projekt Maßstäbe: Durch ein bisher einmaliges Fischschutzkonzept aus umfangreichen Aufstiegs- und Abstiegshilfen in Verbindung mit einem effektiven Schutz vor der Passage durch die Turbinen, werden Fische und andere Lebewesen geschützt. Wegen des bereits bestehenden Wehrs muss die Weser auch nicht extra aufgestaut werden, sondern die vorhandenen Möglichkeiten werden einfach sinnvoller genutzt.

 

Strom vom Volk, fürs Volk

Das Besondere an der Anlage ist aber, dass das Projekt als Bürgerkraftwerk konzipiert ist. Das heißt: 51 Prozent der Anteile an der Kraftwerksgesellschaft können Privatleute zeichnen, indem sie zwischen 2.500 und 250.000 Euro in das Projekt investieren. 24,5 Prozent der Anteile wird Turbinenhersteller Enercon übernehmen. Mit weiteren 24,5 Prozent beteiligt sich der Bremer Energieversorger SWB. Damit ist das Kraftwerk in Deutschland einmalig: Ein Wasserkraftwerk dieser Größenordnung – in der Hand der Bürger – gibt es sonst nirgendwo in Deutschland.

Der Bremer Energieversorger SWB ist nicht nur am Projekt beteiligt, sondern hat sich auch verpflichtet, den Strom abzunehmen, um Bremer Haushalten und Unternehmen ein besonderes Ökostromprodukt anbieten zu können. Für die ersten 15 Jahre zahlt SWB sogar einen Abnahmepreis, der über dem gesetzlichen Mindestpreis liegt. In diesem Deal liegt aber auch ein bisschen Ironie: denn mit der SWB kommt am Ende ausgerechnet das Unternehmen an den Ökostrom, das sich stets geweigert hatte, das abgerissene alte Weserwehr-Kraftwerk zu ersetzen. Und initiiert wurde das Projekt eigentlich von Planet energy GmbH, einer Tochter des Ökostrom-Anbieters Greenpeace Energy.

 

DIY

Kraftwerke in Bürgerhand, teilweise in Kooperation ganzer Gemeinden, werden immer häufiger. Denn wenn die politischen Impulse von Oben fehlen, bleibt oft kein anderer Weg, als selbst Initiative zu ergreifen. Viele kleinere Gemeinden haben dabei sogar schon vollständige Autarkie erreicht, oder produzieren sogar so viel sauberen Strom, dass sie ihn exportieren müssen. Der Weg ist oft lang, wird aber aufgrund der vielen bereits realisierten Projekte immer einfacher zu gehen. Für Dörfer gibt es mittlerweile sogar eine Anleitung, wie ein Dorf komplett energieautark gemacht werden kann – vom ersten Treffen, über alle Antragsformulare und Fördermöglichkeiten, bis zur Realisierung. Aber auch in Städten könnten durch Bürgerinitiativen wie etwa das Transition Town Movement, oder die Kooperation von Mietern und Hausgemeinschaften Energieprojekte realisiert werden.

 

Quellen

Text: radiobremen.de, weserkraftwerk-bremen.de
Bilder: weserkraftwerk-bremen.de

 

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