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Trotz der Aussicht auf lebenlange Flucht und drakonische Strafen bei seiner Ergreifung hat der Whistleblower Edward Snowden hat einen der größten Überwachungs-Skandale der US-Geschichte aufgedeckt und sich selbst enttarnt. Das durch ihn enthüllte Geheimprojekt PRISM versetzt die US-Regierung in Kooperation mit großen Medien-Konzernen die Lage, jeden US-Bürger komplett zu überwachen: Telefon, Emails, Facebook, Internet-Aktivitäten, alles wird mitgeschnitten, analysiert, geordnet und gespeichert. Und zwar egal, ob man unter einem begründeten Verdacht steht oder nicht.

„Die NSA hat eine Infrastruktur aufgebaut, die ihr erlaubt, fast alles abzufangen. Damit wird der Großteil der menschlichen Kommunikation automatisch aufgesaugt. Wenn ich in Ihre E-Mails oder in das Telefon Ihrer Frau hineinsehen wollte, müsste ich nur die abgefangenen Daten aufrufen. Ich kann Ihre E-Mails, Passwörter, Gesprächsdaten und Kreditkarteninformationen bekommen,“ erklärt Snowden. Beteiligt sind laut Snowden neben den US-Geheimdiensten unter anderem Microsoft (Skype), Google (YouTube etc.), Facebook, Yahoo!, Apple, AOL und Paltalk – alle Konzerne streiten die Existenz von PRISM allerdings ab, obwohl das Projekt von Seiten der Regierung bereits gegenüber dem Guardian bestätigt wurde.

Ein folgenreicher Schritt

Snowden arbeitete als Informatiker für Dienstleister des US-Nachrichtendienstes NSA und realisierte während dieser Tätigkeit das wahre Ausmaß der Überwachung in den USA. Nach einigen schlaflosen Nächten und erfolglosen Gesprächen mit Vorgesetzten wurde das Gefühl immer stärker, dass er nicht länger Teil dieser Machenschaften sein wollte. Er wolle „nicht in einer Welt leben, in der alles, was ich tue und sage aufgezeichnet wird. Das ist nichts, was ich unterstützen oder wo ich leben möchte.“

Nun hat er nicht nur streng geheime Informationen über PRISM veröffentlicht, sondern sich im gleichen Zug auch selbst enttarnt. In einem Video auf youtube erklärt er die Motivation zu seinem Schritt und die Konsequenzen, die er für sein Leben hat. Transparenz und Öffentlichkeit sind ihm wichtig, er wollte, dass die Menschen sehen, dass er auch nur „einer normaler Kerl ist, der jeden Tag zur Arbeit geht“. Er möchte alle Menschen, denen Freiheit und Demokratie etwas bedeuten und die an ähnlichen Positionen sitzen wie er, dazu inspirieren, ebenso zu handeln. Den Rest seines Lebens wird Snowden vermutlich auf der Flucht verbringen, seine Freundin und seine Familie wird er wohl niemals wiedersehen. Derzeit versteckt sich Snowden in Hongkong, weil er hofft, von dort nicht ausgeliefert zu werden – wie lange ihn dieses Asyl schützt, ist jedoch ungewiss.

Wenn die Liebe zur Wahrheit stärker ist als die Angst

Der Fall Snowden inspiriert weltweit vor allem junge Menschen: Was braucht es, damit ein Mann der mit einem Monatsgehalt von über 15.000€, mit seiner Freundin im paradiesischen Hawaii lebt, sein ganzes Leben aufgibt? Wie stark muss das innere Gefühl für die eigene Wahrheit, Ehre und Richtigkeit sein, wenn man bedenkt, dass die US-Regierung derzeit alles daran setzt, abschreckende Exempel an Whistleblowern zu statuieren – wie etwa im Fall von Bradley Manning, der über Jahre unter Folterungen in Einzelhaft festgehalten wurde, und für den nicht wenige Politiker eine Hinrichtung wegen Hochverrats fordern. Oder wie im Fall von Julian Assange, der durch fingierte Sex-Skandale ebenfalls sein normales Leben für immer verloren hat.

Edward Snowden hat die drakonische Verfolgung von Whistleblowern durch die US-Regierung nicht abgeschreckt. Wenn man gesehen hat, was er gesehen hat, dann sei man bereit „jedes Risiko zu tragen“, so sagt er. Natürliche hätte man immer die Wahl, ob man „bequem aber unfrei leben möchte“, mit einem tollen Job, viel Geld und gemütlichen Fernsehabenden – und dabei hilft, eine Alptraum-Zukunft zu kreieren. Oder aber, man folgt seinem inneren Gefühl von Richtigkeit, weil man erkennt, dass man „daran beteiligt ist, die Architektur der Unterdrückung auszubauen.[…] Dann merkt man, dass man bereit ist, jedes Risiko zu tragen, ganz egal, was dabei herauskommt.“

Nun ist Snowden der Verfolgung durch die US-Regierung ausgesetzt. „Wenn sie dich kriegen wollen, dann kriegen sich dich“, das weiß Snowden, er hat es einkalkuliert.. Seine größte Angst ist eine andere: „Meine größte Angst ist, dass sich nichts ändern wird.“ Es liegt jetzt an den US-Bürgern, zu entscheiden, ob Snowden sein Leben umsonst aufgegeben hat, oder ob sie hinsehen, was hinter den Regierungs-Kulissen vorbereitet wird: Der totale Überwachungsstaat.

Mut und Integrität

Im Internet wird Snowden als Held gefeiert. Vor allem aber kann sein Vorbild inspirieren, darüber nachzudenken, wo man selbst im täglichen Leben das innere Gefühl von Richtigkeit der Bequemlichkeit und dem persönlichen Nutzen unterordnet. Eine Frage, die schon bald größere Relevanz haben könnte, denn überall auf der Welt drohen sich die vermeintlich demokratischen Nationen in autoritäre Überwachungs-Staaten zu verwandeln. Die Frage ist, ob wir alle bereit sind „jedes Risiko zu tragen“, um unserer inneren Wahrheit zu folgen. Oder ob wir es zulassen, dass die Geschichte sich wiederholt.

 

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3 Responses

  1. Chris

    Es geht auch nicht darum das leute facebook nutzen etc viele nutzen facebook auch einfach nur just for fun.. Es geht einfach auch darum das sie alles wissen was aber auch manchmal keiner wissen sollte es geht hier um das prinzip nicht um irgendeine doofe überwachung meines post in facebook an sich.. Sondern umso mehr macht sie ausnutzen umso weniger kann der bürger tun. Snowden will damit sagen das es irgendwann soweit sein wird das mann selbst wenn mann etwas ändern will es nicht mehr geht. Siehe Verschwörungs Banden jeder weiss es gibt tausende wenn nicht million die unschuldig im Knast sitzen weil mann ihnen was angehangen hat davon wird auch einiges die Regierung getan haben nur die Medien arbeiten halt mit.

    Jeder bürger könnte dafür sorgen das sprit und lebens unterhalt kosten sinken nur keiner traut sich auf die strasse. Wenn mann es ankündigt kommen wenn du glück hast 3 leute von zugesagten tausenden. wir wissen das das der sprit eigentlich günstig ist.

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  2. Fundgrube

    Snowden, ein CIA-Lockvogel? — von Webster Tarpley

    Die Operationen der Geheimdienste, welche auf die Manipulatin der öffentlichen Meinung zielen, beinhalten eine Kombination von zynischer Täuschung gepaart mit einer bedauenswerten Leichtgläubigleit der angesprochenen Bevölkerungsgruppen.
    Es gibt überwältigende Gründe dafür, dass Edward Joseph Snowden in dieses Schema passt….

    http://terragermania.com/2013/06/20/snowden-ein-cia-lockvogel-von-webster-tarpley/#more-21167

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  3. Jeffrey

    Ja, dieser Mann hat es meiner Meinung nach nicht für die Welt sondern für sich selbst getan denn der Welt ist das scheiss egal… die werden weiterhin Facebook, Skype und co nutzen… das chatten macht ja viel zu viel Spaß und die Leute „haben ja nix zu verbergen“.
    Dabei geht es nicht um dich ihn und mich ob wir was zu verbergen haben oder nicht, es geht darum dass es da draussen Organisationen gibt die sich das Recht nehmen zu tun und zu lassen was sie wollen, während der normalo Bürger nichtmal das Recht hat wirklich seine Meinung zu sagen… (siehe aktuell Türkei).

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