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Guter Sex beruht erst einmal darauf, dass wir uns wohl in unserem Körper fühlen – schließlich ist er das „Medium“, über das wir uns mit unserem Gegenüber verbinden. Volkmar Münz gibt Tipps, wie wir erst den Kontakt zu uns selbst und dann zu unserem Partner herstellen, damit die Begegnung uns auf allen Ebenen erfüllt.

Was ist überhaupt guter Sex?

Sicher versteht jeder etwas anderes darunter, so wie jeder besonders, eigen, individuell ist. Vielleicht können wir uns auf Folgendes einigen: Sex ist zunächst einmal dann gut, wenn wir uns gut fühlen – mit uns selbst und mit dem Partner. Wenn wir uns verbunden fühlen, sicher, glücklich, zufrieden und intensive, schöne Gefühle erfahrend – selbstverständlich ganzkörperlich. Denn wir haben ja nicht nur Körper, sondern sind auch Körper! Unsere durchaus lustvolle Aufgabe ist es, diesen auch zu leben, zu feiern, voller Freude und Genuss. Es geht darum, mit und in ihm zu sein, denn – und das behaupte ich jetzt einfach mal: Sonst gäbe es ihn ja nicht!

Ist es nicht schön, Menschen zu sehen, die eine hohe Körperpräsenz haben, Körpergefühl und Ausstrahlung? Menschen, die sich ästhetisch bewegen (können)? Dieses Körpergefühl, wirkliche, echte Verbundenheit mit dem eigenen Körper, ein Im-Körper-Sein, ein Sich-im-Körper-Wohlfühlen braucht es, um ihn und damit sich selbst gut zu kennen und zu lieben.

Freude am eigenen Körper zu haben ist etwas Schönes und Anmutiges zugleich. Je „besser“ und intensiver die Beziehung zu deinem Körper ist, je mehr du in deinem Körper wirklich zu Hause bist und dich wohl fühlst, desto mehr erlebst du nicht nur Gesundheit, Fitness, Wohlbehagen, Freude und Lust, sondern desto schöner, intensiver, erfüllter kann eben auch deine Sexualität sein. Dazu ist es wichtig, dich immer besser mit deinem Körper zu verbinden, so dass du dich auch immer wohler in deiner Haut fühlst.

Guter Sex = Atmung 

Eine sehr gute Möglichkeit dazu bietet die Atmung. Nimm dir immer mal wieder ein paar Momente Zeit, bewusst und tief zu atmen. Lass den Atem frei fließen, ohne Pause zwischen dem Einund Ausatmen. Atme tief, ohne Druck und gerne durch den offenen Mund. Letzteres erhöht nicht nur deine Sauerstoffaufnahme, sondern lockert gleichzeitig deine Kiefer- und Gesichtsmuskulatur. Da diese in direkter Verbindung mit deinem Beckenboden1 steht, tust du hier gleichzeitig und direkt etwas für deine Beckenbodenentspannung! Versuche auch diese Atemvariante: Stelle dir einen Kreislauf vor: Atme über die Vorderseite deines Körpers ein – über Herz, Lungenflügelchen, Bauchraum bis hinunter zu deinem Beckenboden – und atme über das Steißbein, die Wirbelsäule hinauf, aus. Eine Dame gab ihr neulich im Rahmen einer Sexological-Bodywork-Sitzung den Namen Kugelatmung – ein wunderbar bildhafter Name, der es erleichtert, sich an diese Atmung zu erinnern.

Guter Sex = Selbstliebe

Ein paar Worte zur Selbstliebe. Selbstliebe bedeutet vor allem, dich selbst mit allem anzunehmen und dich ohne Bewertung und ohne Bedingungen so zu lieben, wie du bist. Es gibt Menschen, die sagen, dass wir ausschließlich das erkennen können, was wir lieben. Unabhängig davon, ob diese Aussage stimmt: Auf jeden Fall kannst du andere um so mehr lieben, je mehr du dich selbst liebst.

Eine genussvolle Weise, Selbstliebe zu praktizieren und zu üben, ist das Selbstliebe-Ritual (umgangssprachlich: Masturbation), sozusagen die verkörperte Selbstliebe – beim Sexological Bodywork nennen wir es orgasmic yoga. Sei kreativ, experimentierfreudig, mach’s mal anders als gewohnt, begib dich auf eine Forschungsreise mit und zu dir selbst. Probiere sowohl verschiedene Stellungen als auch verschiedene Berührungen und Berührungsqualitäten aus: Falls du immer liegst, mach’s mal im Stehen. Falls du immer ganz still und möglichst stumm bist, lass einmal Töne, Laute heraus – ja, vielleicht schreist du sogar oder singst. Oder du gehst an ganz neue Orte, zum Beispiel in die Natur oder schlicht ein Zimmer weiter ins Bad oder das Wohnzimmer. Hast du einen großen Spiegel und dich schon mal wohlwollend oder gar lustvoll selbst betrachtet? Die Möglichkeiten sind, wenn du alleine mit dir Sex hast, genauso grenzenlos, wie wenn du mit deinem Partner zusammen bist. Probiere aus, was du magst, ohne zu urteilen, zu werten oder (vor-) zu verurteilen. Für den Fall, dass es dir noch niemand gesagt hat: Du darfst alles vollkommen genießen!

Guter Sex = Zeit

Nimmst du dir genügend Zeit für die Liebe? Verabredest du dich gar dafür? Ja, sich zum Sex verabreden kann sehr hilfreich sein – sowohl, wenn du dich alleine spüren und genießen möchtest, als auch mit dem Partner. Wir verabreden uns für alles Mögliche, warum nicht auch für das vielleicht Schönste und Wichtigste im Leben – für die Liebe? Verabredungen können die Qualität steigern. Bereitet euch einen schönen Ort vor, organisiert eine ungestörte Zeit und überlegt schon vorher, was ihr braucht, beispielsweise Massageöl. Bedenke, dass der Kontext (Zusammenspiel sämtlicher Faktoren) sehr wichtig ist und die Situation bedeutend mitbestimmt!

Während der Selbstliebe-Rituale kannst du die eigenen Wahrnehmungen gut schulen und üben – was möchtest du eigentlich, was wünscht sich dein Körper tatsächlich? Wo und wie möchtest du wirklich berührt werden? Fühle immer wieder genau hin!

Dies kannst du, wann und wo auch immer du bist, üben – egal ob auf dem Fahrrad, in der S-Bahn, an der Kasse stehend, bei der Arbeit oder vor dem Computer sitzend. Nimm dir ein paar Sekunden und spüre in deinen Körper, während du deinen Atem fließen lässt: Was nimmst du wahr, zeigt sich etwas, gibt es ein oder mehrere Gefühle, Impulse, Gedanken, die auftauchen? Wie wir in diesem Moment am liebsten berührt werden möchten, ist auch ein gutes Thema beim Sex mit dem Partner. Fragt euch das gegenseitig, fühlt in eure Körper, antwortet und tut es dann. Einer ist aktiv, der andere passiv, das heißt, einer von euch beiden ist in der gebenden, der Wunscherfüllerrolle, und der andere in der Rolle des Empfangenden. Der Empfangende darf das Verwöhntwerden so richtig genießen, am besten in voller Präsenz und Bewusstheit. Spür immer wieder hin, ob es genau so ist, wie du es dir in diesem Moment wünschst, und korrigiere, feinjustiere sozusagen, nach. Das heißt auch: Veränderungswünsche bitte unbedingt mitteilen.

Dies ist eine große Chance, sich selbst kennenzulernen, die eigenen Gefühle und Impulse wahrzunehmen und mehr noch: auf sie zu hören! Für den Wunscherfüller gilt: Die Wünsche des Empfangenden sind kein Kritisieren dessen, was du tust! Freue dich über Hinweise, die es dir noch besser ermöglichen, die Wünsche umzusetzen.

Guter Sex = Kommunikation

Und schon sind wir mitten im Thema Kommunikation. Nicht nur die Kommunikation mit sich selbst – was spüre, fühle ich, wie geht es mir wirklich? Wie und wo möchte ich mich berühren oder berührt werden etc. – ist wichtig, sondern natürlich auch der Austausch mit dem Partner. Traut euch auszusprechen, was ist und was ihr euch wünscht.

Davon abgesehen, dass jeder einzigartig ist und jeder auf seine Weise funktioniert, ist es so, dass für jeden von einem auf den anderen Moment „alles“ anders sein kann. Wer, wenn nicht du, fühlt und weiß, was jetzt in diesem Moment für dich das Passende ist?

Es liegt in deinem Verantwortungsbereich, deine Wünsche und Bedürfnisse mitzuteilen! Neugierig sein, Neues wagen und ausprobieren – du kannst es ja jederzeit verändern oder stoppen – ist doch etwas Schönes und Menschliches. Es liegt in unserer Natur zu experimentieren. Trau dich, sieh es wie eine Forschungsreise, ein Forschungsfeld zu noch mehr Bewusstheit, Freude, Lust und Liebe.

Warum nicht ein vollkommen neues unbekanntes Terrain erforschen oder es schlicht mal anders als gewohnt machen? Falls du dich meistens oder immer schnell bewegst, bewege dich mal langsam. Das Zauberwort heißt hier Entschleunigung, Langsamkeit. Lass dir Zeit und genieße deine/eure Lust. Langsamkeit ist übrigens auch das Zauberwort, falls Schmerzen auftreten. Selbstverständlich können ein paar Tropfen Öl oder Gleitmittel ebenso Wunder bewirken. Falls du für gewöhnlich an bestimmten Stellen viel Druck brauchst, versuch’s mal mit weniger Druck, mit zärtlicher Berührung. Dies sind lediglich zwei mögliche Veränderungen: Fühle dich ermutigt zu experimentieren und auszuprobieren – spielerisch, natürlich, menschlich, einfach so.

Wenn wir wirklich hinspüren und den Mut haben, auszusprechen, wenn etwas nicht stimmt, müssen Schmerzen gar nicht erst auftreten. Insbesondere wenn es für dich zu schnell vorangeht, sprich deine Bedürfnisse ganz klar aus. Zum Beispiel kann eine Massage, die ihr euch gegenseitig gebt, sehr zum Entschleunigen, Entspannen, Ankommen, zum Sich-wirklich-wohl-sicher-und-entspannt-Fühlen beitragen – genauso wie Hände, die absichtslos und ruhig im Intimbereich des Partners liegen. Dies kann das Sich-Verbinden erleichtern und gleichzeitig, so unspektakulär es auch sein mag, nachhaltig auf die Lust wirken. Noch ein Tipp: ein minutenlanges Sich-in-die-Augen-Schauen kann ebenso eine Qualitätsveränderung im Kontakt bewirken wie der Augenkontakt während der Vereinigung.

Und nun: Viel Freude und Lust beim Experimentieren!

 


1 Ein gesunder Beckenboden stützt unsere inneren Organe und ermöglicht damit auch eine aufrechte Haltung. Er sorgt zudem dafür, dass die Schließmuskeln von Blase und Darm richtig arbeiten, und begünstigt eine lebendige Sexualität.

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Die nächsten Infoabende zu Sexological Bodywork
gibt es am 17.6. und 15.7.

Die nächsten Workshops finden statt am:
18.6. / 26.6. / 16.7.

Nächste Kuschelevents:
19.6. und 17.7.

Info und Kontakt unter
Tel. 0176-923 084 35 oder info@sonnenkunst.info

Weitere Hinweise zu Veranstaltungen und konkrete Tipps für guten Sex gibt es auf
www.sonnenkunst.info

 

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3 Responses

  1. Heike Ha
    H. H.

    Danke für die tollen Tipps zum Thema Sex. Es war ein sehr inspirierender Text, der mir so manchen aha Effekt beschert hat. Beim Infoabend am 15.7. bin ich wohl dabei…

    Antworten
  2. Martha Em

    Spannender Artikel! Ich habe daraufhin einen Workshop bei Volkmar mitgemacht und bin begeistert.

    Antworten
  3. Marianne
    intensive Lebensfreude

    Ich als „Althippy“ hatte eine schöne Zeit, wir haben manchmal tagelang im Bett gelegen, die Gruppe brachte uns Essen und Glückwünsche für unser sinnliches Zusammensein. Wir lagen auf und miteinander und freuten uns über diese Nähe und unsere Gefühle.
    Heute treffe ich immer mehr auf Männer, die es schnell und funktional wollen, darauf habe ich gar keine Lust.
    Dafür ist diese Begegnung zu kostbar, als einfach alles schnell zu erledigen.
    Schade um diese wunderbare Möglichkeit der intensiven Lebensfreude!!!

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