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Das Protest-Camp hat sich als ein zentraler Teil der Revolution in Ägypten herausgestellt. Es ist unmöglich zu sagen, was aus den Bewegungen um die Lager von Spanien und Griechenland werden wird, die zum Teil inzwischen geschlossen sind, aber es ist völlig klar, dass ihre Methoden imstande sind, das Bewusstsein zu transformieren (vor allem bei der jüngeren Generation), Entschlossenheit zu fördern und eine bessere Zukunft nicht nur möglich, sondern plausibel erscheinen zu lassen.

Camps sind inzwischen auf der ganzen Welt entstanden, und haben Protestbewegungen und Community-Aktivismus zu neuer Stärke verholfen, wo immer sie erschienen sind. Diese folgenden Ratschläge basieren auf persönlichen Erfahrungen aus den Lagern in Barcelona und New York City, Gespräche mit Campern aus Madrid und Madison und Recherche in anderen Lagern, rund um die Welt.

 

Der Anfang

Die frühen Phasen des Lagers beinhalten intensive Planung. Obwohl die Lager in Tahrir und Spanien weitgehend von Grund auf improvisiert wurden, entstanden sie aus Protesten, die seit Monaten geplant waren. Das Erste, was zu tun ist, ist, eine große Protestaktion abzuhalten, und dazu alle eure Freunde mitzubringen.

Wählt ein Datum, eine Uhrzeit (einem Freitag wäre wahrscheinlich ideal) und einen öffentlichen Raum in einem zentralen Bereich des politischen Interesses, mit viel Fußgängerverkehr. Konzentriert euch auf lokale politische Fragen, welche die Bevölkerung aktivieren kann: in den aktuellen Lagern ging es zum größten Teil um Sparmaßnahmen der Politik, und obwohl sie inzwischen gewachsen sind, und größere gesellschaftliche Kritik umfassen, haben auch sie mit lokalen Themen begonnen. Ihr braucht auch einen Rechtsberater, oder zumindest jemanden, der sich gut mit Demonstrations-Recht und der Nutzung öffentlichen Raums auskennt. Nutzt Social Media Networks, um so viele Menschen wie möglich zu mobilisieren: Ihr braucht wahrscheinlich mindestens 100 ernsthafte Kameraden mit gemischten Fähigkeiten und vollem Engagement. Bringt Zelte, Schlafsäcke, warme Kleidung und Bettzeug mit – ihr werdet draußen schlafen.

Während der ersten Protest-Kundgebungen errichtet ihr eure Zelte, Betten, etc. Bereitet sie so, dass ihr dort eine lange Zeit bleiben könntet. Denn ihr werdet eine lange Zeit bleiben. Die ersten 72 Stunden sind entscheidend, jeder wird bleiben müssen, bis das Lager gut etabliert ist und die Reaktion der Polizei herausgefunden wurde. Revolutionen kennen keine Krankschreibungen, Arbeitsplätze zum Glück schon.

Die zentrale Versammlung

Alle wichtigen Entscheidungen müssen von der Gruppe gemacht werden, nicht von Individuen – das Lager kann keine Repräsentanten und keine Anführer gebrauchen. Alle Entscheidungsfindung erfolgt durch die Generalversammlung – ein Konsens-Prozess, in dem Ideen, Vorschläge und Entscheidungen von Grund auf erarbeitet werden. Die Methode der Generalversammlung wird in einem anderen Artikel näher beschrieben werden.

 

Vorposten der neuen Welt

Nachdem das Lager aufgebaut ist, werdet ihr wollen, dass es ein freier Ort wird, ein kleiner Vorposten der besseren Welt, die da kommen wird. Macht Kunstwerke, Plakate, Spielstätten, Umsonstläden und Infostände. In Spanien und den USA haben die Lager über Strom-Generatoren Computer, Internet und Kommunikations-Stationen eingerichtet. Auf dem Plaza Catalunya haben Indignados Baumhäuser, eine Bühne, ein Tattoo-Studio, einen kostenlosen Friseursalon und vieles mehr gebaut. Sie haben Statuen mit Masken, Bandanas und farbigen Lack verschönert. Wie sieht es in eurer Stadt aus? Was werdet ihr bauen? Zeigt den Leuten, wie eine freie Gesellschaft aussieht, während ihr euch selbst beibringt, wie man eine errichtet.

Gebt genau jene Gratis-Leistungen, welche die Stadt oder das Land wegkürzt, um zu zeigen, was dabei verloren geht, und was die Menschen einander geben können. Im New Yorker Protest-Camp zum Beispiel haben wir eine kostenlose eins-nehmen-eins-geben-Bibliothek, da die Stadt das Budget für die öffentlichen Bibliotheken zusammengestrichen hat. Zeigt mit euren Aktionen, dass Menschen, die ihre Bemühungen und ihre Ressourcen teilen, alles erschaffen können.

Es ist auch wichtig, aktiv zu bleiben: Es ist einfach, nur mit euren Freunden im Lager rumzuhängen, und ihr werdet das auch oft tun, aber stellt sicher, dass ihr aktiv die Gemeinschaft mitgestaltet. Organisiert Proteste, schließt euch mit lokalen Organisationen kurz, die zu den gleichen Fragen arbeiten. Sorgt dafür, dass im Camp jeden Tag etwas geschieht: dreht Dokumentationen, gebt Workshops, veranstaltet Tanzpartys etc. Machen es zu einem Raum des erweiterten Bewusstseins und der spontanen Möglichkeiten.

Es gibt ein paar wichtige Prinzipien, die ihr vielleicht beachten möchtet, um das Lager erfolgreich zu machen:

 

Keine Gewalt

Der Staat produziert Gewalt, die Menschen wollen Frieden. Verwendet zivilen Ungehorsam, friedliche Vergeltung und freie Rede, aber niemals Gewalt oder Zerstörung. Wenn die Polizei den Campern Gewalt zufügt, stärkt dies nur eure Unterstützung in der Bevölkerung und demonstriert die Absichten und Methoden des Staates.

 

Befolgt das Gesetz

Keine Drogen, kein öffentliches Besaufen, keine Gesetzesbrüche in eurem Lager. In den USA sind sowohl die Medien und das Gesetz sehr kritisch bei Drogenkonsum und wenig tolerant bei der improvisierten Nutzung des öffentlichen Raumes. Die Polizei und die Medien werden jeden Vorwand nutzen, um euch zu marginalisieren. Lasst das nicht zu. Demonstriert, wie Macht funktioniert, indem ihr die Polizei dazu bringt, die Gesetze zu brechen.

 

Social Media für die Verbreitung, aber nicht für die Diskussion

Twitter und Facebook sind unglaubliche Werkzeuge zur Verbreitung von Informationen über die öffentlichen Sitzungen, Proteste, Manifeste, Artikel, etc. Verwendet sie so viel wie möglich, aber verwendet sie nicht zur Debatte von Taktik, Plänen oder Ideen. Sie sind schlecht für die Herstellung von Konsens geeignet, und außerdem ist es viel einfacher für die Polizei einem Hashtag folgen, als in euer Zelt zu kommen. Und die Polizei wird es versuchen: Bei Bloombergville zeigte sich ein Undercover-Cop der behauptete ein „Agent“ von MSNBC zu sein. Er fragte uns nach unseren Protest-Plänen und wollte mit dem „Anführer“ sprechen (tip: Wer nach dem „Anführer“ fragt, ist meist ein cop). Plant alles persönlich, und verbreitet die Botschaft dann wie ein Lauffeuer über das Internet.

 

Anonym: Keine Anführer, keine Hierarchie

Anführer können inhaftiert, entehrt, abgelehnt, sogar getötet werden. Anonym zu handeln bewahrt euch davor, ein Ziel der Polizei zu werden, und ohne eine offensichtliche symbolische Führung wächst eure Zahl in den Köpfen der Öffentlichkeit. Wenn ihr glaubt, eine Bewegung braucht einen Anführer, fragt euch: Wie weit haben irgendwelche Führer das Volk bis jetzt gebracht?

 

Heißt jeden willkommen, lasst alle sprechen

Zweifellos werden Zugedröhnte und seltsame Menschen zu euch kommen: Wenn sie das Megafon wollen, dann lasst sie reden (mindestens einmal). Die Menschen werden gegen sie stimmen. Ich habe das bei drei verschiedenen Gelegenheiten in Barcelona gesehen. Ich sah auch eine Gruppe von Kindern in einer Vollversammlung, die zu der Menge sprechen durfte. Der Umgang mit konfrontativen Menschen gibt euch Solidarität als Gruppe und das Verständnis für die Schwierigkeiten, die solche Außenseiter in unserer Gesellschaft durchleben müssen. Und die Schönheit des Camps ist, dass es euch erlaubt, genau das zu üben, für was ihr kämpft: eine Gesellschaft, in der jeder willkommen ist, angehört wird und respektiert ist.

 

Mehr Artikel zum Thema:

Von der Wallstreet in die Welt: Die Revolution wächst

 

Eine Antwort

  1. ManoloB

    vorab, ich schätze diese Seite sehr und unterstütze auch aCampada…aber seltsame Dinge fallen mir trotz allen „Revolutionsgefasel“ schon auf und wieder ein…

    Ihr wisst aber schon, das die sog. Arabischen Frühlings-Revolutionen alle „civil-engineert“ waren!??

    sogar Obama, ist für die Bewegung und Bernanke. G. Sorros, der liebe Onkel der Globalisten spendet sogar. Gibt Euch das nicht zu denken?

    na falls ahnungslos, hier:
    Die Revolutionsprofis – ORF Doku
    T 1
    http://www.youtube.com/watch?v=5ifKyciJMcc

    T 2
    http://www.youtube.com/watch?v=_oclx-4oWzE&feature=related

    Paul Joseph Watson schreibt dazu:
    Ein vom amerikanischen Außenministerium unterstützter Aktivist der ersten Stunde des sogenannten »arabischen Frühlings« in Ägypten, der jetzt möglicherweise zu einer Militärdiktatur führt, »berät« nun die Protestbewegung »Occupy Wall Street« (OWS) in New York und Washington – ein weiterer Hinweis darauf, dass Establishmentkreise versuchen, die Bewegung zu unterwandern und zu vereinnahmen.

    Ahmed Maher gehört zu den führenden Aktivisten des »arabischen Frühlings« in Ägypten, der jetzt zunächst in eine Militärdiktatur mündete.

    Der vom US-Außenministerium finanzierte ägyptische Aktivist Ahmed Maher »berät nun eine neue Protestbewegung: die Bewegung ›Occupy Wall Street‹«, berichtete der Internet-Informationsdienst Wire News. Dem Bericht zufolge steht Maher seit einigen Wochen per Internetchat im engen Gedankenaustausch mit OWS-Aktivisten und bietet ihnen »praktische Ratschläge eines erfolgreichen ägyptischen Revolutionärs« an. [Am 18. Oktober kam es zu einem ersten persönlichen Treffen in Washington.]
    Wenn Wired News es als eine »erfolgreiche Revolution« bezeichnet, dass ein 30 Jahre lang herrschender Machthaber durch eine Militärdiktatur ersetzt wird, unter der die Ägypter in ihrer persönlichen Freiheit noch weiter eingeschränkt werden, dann sollte man die »Unterstützung« Mahers für die OWS-Bewegung mit äußerstem Argwohn betrachten.
    Der ägyptische Aktivist Kareem Amer schreibt dazu: »Der ›arabische Frühling‹ in Ägypten hat keine Demokratie gebracht – sondern nur eine weitere grausame Diktatur«, unter der »das Militär Minderheiten tötet und Dissidenten einkerkert«. In Libyen ein souveräner Staat mit brutalster Gewalt unter Bruch sämtlicher Völkerrechtskonventionen, bei denen 100.000de Zivilisten geschlachtet, geschändet, ihre Existenzen vernichtet, das Land verseucht und die Infrastruktur vernichtet wurde. Damit der Neo-Kolonialismus eine offenen Zugang zu Afrika´s Ressourcen hat…

    »Dies ist sicherlich nicht die erste Reise Mahers in die USA«, erklärte Tony Cartalucci. »Bereits Jahre vor der ägyptischen Revolution bauten die Vereinigten Staaten in aller Stille eine weltweite ›Armee‹ auf, die aus Jugendlichen bestand und als Kanonenfutter dazu eingesetzt werden sollte, buchstäblich und politisch in bestimmten Regionen in aller Welt ›Feuersbrünste‹ zu entfachen. Die [von Mahers mitbegründete] Organisation, die Jugendbewegung des 6. April, hielt sich im Jahr 2008 anlässlich des ersten Treffens führender Vertreter der ›Alliance of Youth Movements‹, das vom amerikanischen Außenministerium veranstaltet wurde, in New York auf. Seine Gruppe reiste dann nach Serbien weiter, wo sie von der von den USA finanzierten Organisation CANVAS unterwiesen wurde, bevor sie 2010 zusammen mit Mohamed ElBaradei, einem führenden Vertreter der amerikanischen International Crisis Group (ICG) nach Ägypten zurückkehrte, um dort das folgende Jahr damit zu verbringen, den ›arabischen Frühling‹ vorzubereiten«.
    Im Rahmen seiner Rolle als einer der Wortführer des Aufstandes gegen Mubarak verbrüderte sich Maher auch mit Persönlichkeiten wie Zbigniew Brzezinski und George Soros, die beide ebenfalls in der ICG aktiv sind.

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