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Auf die gängige Praxis der Politik und der Finanzwirtschaft Verantwortung nur zu suggerieren, sie schlussendlich aber nicht zu tragen wenn es brenzlig wird, kann es nur eine Antwort geben: Wir müssen Verantwortung auch dort einfordern, wo man sie uns nur vorheuchelt. Oder sie gleich selbst übernehmen.

 

Verantwortung lebt von Verantwortungsbewusstsein. Nur wer sich bewusst ist, für was er da die Verantwortung übernehmen soll, kann wirklich Verantwortung tragen. Die Politik respektive die Volksvertreter  und aktuell die Finanzwirtschaft und ihre Akteure sind durchdrungen von Irrtümern, was verantwortbar ist und was nicht. Das wirklich Tragische dabei ist, dass wir annehmen, sie wüssten es. Dabei wissen wir es selbst noch nicht einmal genau. Zu wissen, was verantwortbar ist, ist aber die Grundvoraussetzung, wenn wir Verantwortung delegieren, weitergeben. Wir delegieren Verantwortung, wenn wir nach dem Staat rufen, er möge uns versorgen und beschützen, egal welch ein Sturm da draußen tobt. Mit der Wahl von Volksvertretern denen wir Verantwortungskompetenz zubilligen, ohne zu prüfen, ob sie Verantwortungsbewusstsein entwickelt haben, werfen wir die Verantwortung auf Umwegen wieder nur auf uns selbst zurück.

Beispiel eins: Das Bankentribunal

Genau das gleiche Dilemma lässt sich herauslesen, wenn es um die Ursubstanz unserer derzeitigen Wertegesellschaft geht, um das Geld. Nicht nur ,dass wir Geld einen Wert beimessen, den es nicht hat. Wir überlassen genau denjenigen, die einen großen Anteil Verantwortung an der Finanzkrise haben, weit mehr als die Verfügungsgewalt über unser Geld und realisieren es noch nicht.

Das von Attac organisierte Bankentribunal, das vom 9. bis 11. April in der Berliner Volksbühne tagte, sollte die Ursachen der Finanzkrise aufklären und die Verantwortlichen benennen. Angeklagt hatte Attac die derzeitige Bundesregierung unter Angela Merkel (CDU) und die beiden Vorgängerinnen unter Gerhard Schröder und Peer Steinbrück (beide SPD). Auch Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann und der frühere Bundesbankpräsident Hans Tietmeyer wurden angeklagt. Attac warf ihnen „Aushöhlung der Demokratie und Vorbereitung der Krise“ vor, „Zerstörung der ökonomischen Lebensgrundlagen in Nord und Süd“, sowie „Verschärfung der Krise“. Keiner der vorgeladenen Angeklagten hatte den Mut zu erscheinen oder sich vertreten zu lassen. Wahrscheinlich hatten sie die Anklageschrift gelesen und nur herzlich gelacht. 

Kein Wunder, denn als die Jury des Bankentribunals am Sonntag das Urteil sprach, herrschte  eher Ratlosigkeit unter den Richtern und den Zuschauern. Es gab keine Watschen, nur hoffnungsfrohe Empfehlungen zur Reform der Finanz- und Sozialpolitik. Dabei wäre das Bankentribunal eine große Chance gewesen, die Gesellschaft auf nicht weniger als eine Krise der Demokratie und auf einen noch dreisteren Betrug des derzeitigen Geldsystems aufmerksam zu machen: die Geld- schöpfung privater Banken. Selbst der SPIEGEL bemerkte in seiner Analyse zum Bankentribunal, …“die Globalisierungskritiker haben die große Chance vertan, die Diskussion in die Mitte der Gesellschaft zu verlagern”….”Wie lässt sich zum Beispiel erklären, dass Banken durch Kredite untereinander den Geldkreislauf fast beliebig ausweiten können – eine Domäne, die eigentlich allein den Notenbanken zustehen sollte?”… so der SPIEGEL.

Wäre in diesem Zusammenhang ebenfalls darüber aufgeklärt worden, wozu Bankenfusionen noch taugen, würde die Bankenwelt weiter enttarnt und noch deutlicher wanken. Klar fragt man sich, wenn eine Bank wie z.B. die Commerzbank die Dresdner oder die Deutsche Bank die Postbank schluckt: Wie groß dürfen diese Banken im Verhältnis zur Wirtschaftskraft unseres Landes sein, damit sie nicht zu groß sind, um sie untergehen zu lassen?

Bei einer Bilanzsumme der Commerzbank von 840 Mrd. Euro und der Deutschen Bank von 1501 Mrd. Euro für das Jahr 2009 (Deutscher Staatshaushalt 320 Mrd. Euro, BIP von 2404 Mrd. Euro in 2009) dürfte deren Kalkül wohl sein, dass wir sie in Zukunft um jeden Preis retten werden. Neben der zunehmenden Erpressbarkeit des Staates gibt es noch einen weiteren Grund für Banken sich zusammenzuschliessen. Bei  Bankenfusionen vereinen sich bisher getrennte Giralgeldsysteme (Girokontensysteme) der Einzelbanken zu einem größeren Zahlungsraum. Oder anders ausgedrückt, je größer das bargeldlose Zahlungssystem einer Bank, desto umfangreicher arbeitet die Bank mit Geld, das sie real nicht besitzt. Denn nur wenn eine Buchung in einen fremden Zahlungsraum hinein erfolgt oder bei einer Auszahlung z.B. am Geldautomaten, fließt Geld ab und zwingt die Bank dazu, Differenzen durch Abgleich mit anderen Banken oder Aufnahme von kurzfristigem Notenbankgeld auszugleichen. Nach der Komplettübernahme der Postbank mit 14,5 Mio. Kunden würde die Deutsche Bank mit  9,7 Mio. Kunden in Deutschland (ihr gehört auch die Berliner Bank und die Noris Bank) über ein Giralgeldsystem verfügen, das sich aus 24,2 Millionen Bankkonten speist.

Herr Prof. Dr. Tietmeyer, ehemals Bundesbankpräsident und ebenfalls Angeklagter des Attac Bankentribunals, überwachte als Aufsichtsrat seit dem Jahr 2000 bis 17. Nov. 2008 die Geschäfte der Depfa Bank in Irland, die durch ihre riskanten Kreditgeschäfte die Hypo Real Estate (HRE) in den Abgrund zog. Die Hypo Real Estate wurde verstaatlicht, nachdem sie mit Staatshilfen von 102 Mrd. Euro gerettet werden musste. Es ist unwahrscheinlich, dass Herr Tietmeyer nicht wusste welche Geschäfte die Depfa Bank betrieb und wie es um die Hypo Real Estate stand. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) wollte den Ex-Chef der Bundesbank zum Chefberater der Bundesregierung in der Finanzkrise machen. Dieser verzichtet jedoch auf diesen Posten, nachdem es heftige Kritik an seiner Person hagelte.

Herr Tietmeyer sitzt zudem im Beirat der Ratingagenturen Moodys und Fitch. Ratingagenturen bewerten durch Vergabe von Noten (z.B. AAA für sehr hohe Ausfallsicherheit) z.B. Kreditverbriefungen, aber auch aktuell die Bonität von Ländern wie z.B. die von Griechenland. Bezahlt werden Ratingagenturen durch ihre Auftraggeber, meist Banken, die z.B. Kreditverbriefungen bündeln und weiterverkaufen oder Staatsanleihen finanzieren. Die Frage stellt sich, warum Ratingagenturen bei der Bewertung von Kreditverbriefungen nicht in der Lage waren, deren Ausfallrisiko zu erkennen und durch ihren Dilletantismus die Finanzkrise als Hauptverantwortliche mit zu verantworten haben. Die Frage stellt sich auch, warum es diese Ratingagenturen überhaupt noch gibt und warum sie von den Banken weiterhin bezahlt werden, wo sie doch einen grandios schlechten Job gemacht haben? Diese Ratingagenturen wären unter normalen Marktbedingungen doch schon längst Geschichte. Aber sie dürfen weiter agieren als ob nichts geschehen wäre. Große Teile der Finanzwirtschaft folgt weiter ihren Empfehlungen, so wie jetzt aktuell in der EU-Währungskrise mit der Herabstufung der Bonität Griechenlands. Was steckt dahinter? Wird die Spekulation gegen den Euro nicht dadurch erst existentiell, indem Ratigagenturen das Vertrauen in die Bonität einzelner EU-Länder Stück für Stück zerlegen. 

Herr Tietmeyer sagte am 3. Februar 1996 auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos:  “Ich habe bisweilen den Eindruck, dass sich die meisten Politiker immer noch nicht darüber im Klaren sind, wie sehr sie bereits heute unter der Kontrolle der Finanzmärkte stehen und sogar von diesen beherrscht werden.”  Herr Tietmeyer trägt übrigens das Große Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

 

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte im Zusammenhang mit der schleppenden Kreditvergabe der Banken Ende Nov. 2008 kritisiert, dass die Banken keinen Beitrag zum Allgemeinwohl mehr leisteten. Die Wirtschaft würde sich daher die Gründung eigener Institute überlegen. “Das wäre das natürliche Vorgehen: Wenn alle Banken ausfallen, muss man neue gründen.” so die Kanzlerin. Na denn, wir werden in dieser Vertrauenskrise neue soziale Vertrauensverhältnisse aufbauen und auch die Verantwortung für unser Geld selbst übernehmen müssen. Wie wäre es mit der Gründung neuer, kleiner Genossenschaftsbanken, die sich ausschließlich auf das Allgemeinwohl und auf die Bedürfnisse ihrer Mitglieder konzentrieren und nach dem Vorbild des Wir-Franken in der Schweiz eine zusätzliche Parallelwährung zum Euro in Umlauf bringen? Das Rad muss nicht neu erfunden werden. Es wird Zeit, Angela nicht länger warten zu lassen.

 

Beispiel zwei:

Die größte Umweltkatastrophe in der Geschichte Deutschlands – ASSE II

Vor kurzem hatte ich eine Begegnung mit einem zornigen jungen Mann. Er,  stolzer Vater von vier Kindern, war sich sicher, dass er sein Soll an Verantwortung erfüllt habe, wenn er nur seinen Kindern eine gute Erziehung und Bildung angedeihen ließe. Diese wären dann als Erwachsene gut gerüstet und selbst in der Lage, Lösungen für Ihre zukünftigen Probleme und die Probleme der Welt zu finden.  Ich fragte ihn, ob er das Atommülllager Asse II und die damit verbundenen Risiken  kenne,  die die Freiheit und die Lebensqualität seiner Kinder in der Zukunft massiv einschränken würden. Die Aussicht, dass sie ihn eines Tages dafür hassen könnten, hat ihn zutiefst verunsichert. Er kannte Asse II nicht. 
Die Vorkommnisse in der Schachtanlage Asse II gelten als die größte Umweltkatastrophe in der Geschichte Deutschlands. Im ehemaligen Salzbergwerk in Niedersachsen, südöstlich von Wolfenbüttel, haben mehrere Bundesregierungen zwischen 1967 und 1978 insgesamt 124.494 Fässer schwach strahlenden Atommülls und 1293 Fässer mittelradioaktiver Abfälle endgelagert, obwohl bereits zu Beginn der Einlagerung nachweislich Wasser in das alte Bergwerk eingedrungen war. Jetzt droht die Grube abzusaufen, was bedeuten würde, dass eine radioaktive Verseuchung des Grundwassers mit hochgiftigen Stoffen wie z.B. Plutonium eintreten wird. Die Bundesregierung lässt zur Zeit prüfen, welche Möglichkeiten der Rückholung der Fässer zu welchen Kosten bestehen. Schätzungen gehen von einer Dauer der Bergungsarbeiten von 30 Jahren und Kosten von 3 Mrd. Euro aus. Andere Schätzungen liegen zwischen 10 und 30 Mrd. Euro.

Verantwortliche für dieses Desaster haben sich bis heute nicht gefunden.

Vergegenwärtigen wir uns die Eidesformel des deutschen Bundeskanzlers und der Bundesminister nach Art. 56 (und Art. 64) GG, könnte man meinen, derartig schwerwiegende Entscheidungen wie der (illegale) Betrieb eines atomaren Endlagers sollten auf höchster Ebene angesiedelt sein: „Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. (So wahr mir Gott helfe.)“

Sofern sie noch leben, genießen die Entscheider von damals heute ihre Pension und ihren Lebensabend als respektierte Persönlichkeiten mit zahlreichen Ehrungen für ihre Lebensleistung. Könnten diese sich dazu aufraffen ihren Fehler einzugestehen, wäre eine aufrichtige Aufarbeitung und eine ehrliche Auseinandersetzung mit den Gefahren der Atomtechnologie und der Endlagerung möglich. Das wäre eine große Geste an die Gesellschaft. Ich wünsche allen noch lebenden Entscheidungsträgern diesen Mut. 

 

Die Betreiber der Asse:

Die Anlage wurde seit 1965 im Auftrag des Bundes von einer Forschungseinrichtung betrieben, die anfänglich Gesellschaft für Strahlenforschung mbH (GSF) hieß und nach mehreren Namenswechseln jetzt als Helmholtz Zentrum München (HMGU) firmiert.

 

Die Entscheidungsträger:

Ludwig Erhard – CDU – war vom 17. Oktober 1963 bis 30. November 1966 Bundeskanzler

Hans Lenz – FDP/DVU –  war vom 13. Dezember 1962 bis zum 26. Oktober 1965 Bundesminister für wissenschaftliche Forschung. Unter seiner Amtszeit wurde das ehemalige Salzbergwerk durch die Gesellschaft für Strahlen- forschung, GSF, am 12. März 1965 für 600.000 Mark angekauft, obwohl damals schon Wasser eindrang. Gutachter ignorierten diese Tatsache.

Kurt Georg Kiesinger – CDU – war vom 1. Dezember 1966 bis 21. Oktober 1969 Bundeskanzler der ersten Großen Koalition. Unter seiner Amtszeit wurden am 4. April 1967 die ersten Fässer in die Asse II angeliefert.

Gerhard Stoltenberg – CDU – war vom 26. Okt. 1965 bis 22. Okt. 1969 Bundesminister für wissenschaftliche Forschung und direkt für die Asse verantwortlich.

Hans Leussink – parteilos – war vom 22. Okt. 1969 bis 15. März 1972 Bundesminister für Bildung und Wissenschaft. Herr Leussink erhielt 1981 das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland!?

Willy Brandt – SPD – war Bundeskanzler vom 22. Oktober 1969 bis  zum 7. Mai 1974. Ungeachtet seiner herausragenden Leistung für den Frieden in Europa – was geschieht mit dem inneren Frieden dieses Landes, wenn es durch radioaktive Verseuchung des Grundwassers in Teilen unbewohnbar wird?

Klaus von Dohnanyi – SPD – Am 22. Okt. 1969 wurde er Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Bildung und Wissenschaft und ab 15. März 1972 bis 16. Mai 1974 selbst Bundesminister für Bildung und Wissenschaft. Dohnany zweifelte an der Atomkraft, nannte es aber ein Bauchgefühl. Trotzdem verkündet er im Bundestag: “Wasser könne so gut wie nicht eindringen”

Horst Ehmke nimmt von 15. Dezember 1972 bis zum 7. Mai 1974 die Leitung des Bundesministeriums für Forschung und Technologie wahr. 

Helmut Schmidt – SPD – Bundeskanzler vom 16. Mai 1974 bis 1. Oktober 1982. Unter seiner Kanzlerschaft wird 1976 ein Gesetz erlassen, das den Betrieb von Endlagern regelt: das Atomgesetz. Die Endlagerung in der Asse wird 1978 eingestellt, da die Zulassung zum Endlager nicht zu machen ist.

Anlässlich einer ZEIT-Konferenz des Deutschen Wirtschaftsforums Ende 2009 diskutierten führende Entscheider über fehlende Leit- und neue Vorbilder in der Wirtschaft. Hierzu beklagte der Altbundeskanzler und ZEIT-Herausgeber Helmut Schmidt die weithin betriebene Begriffsglauberei. “Corporate Responsibility”, “Compliance, “Corporate Governance” – früher sei es “gar nicht notwendig gewesen, derartige Verantwortung überhaupt zu benennen, denn die Leute waren fast alle anständig” so Schmidt.

Ob sich Helmut Schmidt hier mit einbezieht und sich noch an Hartmut Gründler, einen im Umweltschutz engagierten Tübinger Lehrer, erinnern kann? Hartmut Gründler, der sich – aus Protest gegen die von ihm dokumentierten, aber offiziell nicht zurückgenommenen „Falschinformationen“ der damaligen Bundesregierung in der Atompolitik und im speziellen in der Frage der Endlagerung  und die Verweigerung des diesbezüglichen Dialogs mit Bundeskanzler Helmut Schmidt – am 21. November 1977 in Hamburg während des SPD Parteitages öffentlich selbst verbrannte.

Hans Hermann Matthöfer – SPD – 16. Mai 1974 bis 16. Februar 1978  Bundesminister für Forschung und Technologie.

Am 25. Juli 1975 reichte Hartmut Gründler bei Generalbundesanwalt Siegfried Buback erfolglos eine Strafanzeige gegen Forschungsminister Matthöfer „wegen Völkermordes“ ein.

Volker Hauff – SPD – wurde 1972 Parlamentarischer Staatssekretär und ab 16. Februar 1978 Bundesminister für Forschung und Technologie. Im letzten Jahr der Einlagerung in Asse 1978 wurden unter den Verantwortlichen Matthöfer und Hauff bis zur Schließung am 31.12.1978 allein 50.000 Fässer Atommüll in der Asse eingelagert. In einem einzigen Jahr!!

–  Treppenwitz: Volker Hauff ist seit September 2001 Vorsitzender des Rates für Nachhaltige Entwicklung der Bundesregierung!!??

Volker Hauff hat es bis heute vorgezogen, seinen eigenen Worten keine Taten folgen zu lassen und keine Mitverantwortung für das Desaster in der Asse zu übernehmen. In seiner Funktion als Vorsitzender des Nachhaltigkeitsrates lässt Herr Hauff keinen Zweifel daran, wie wichtig es ihm ist, nicht nur die Bedeutung der Begriffe „Nachhaltigkeit“ und „Verantwortung“ herauszustreichen, sondern diese auch einzuwerben. Von einem  Bundesministers für Forschung und Technologie und auch von jedem anderen Minister erwartet der Souverän, von dem er dieses Mandat zugesprochen bekommt, dass er sich während der Ausübung seines Amtes sehr wohl bewusst ist, welche Konsequenzen seine Entscheidungen in der Zukunft haben werden und ob diese Entscheidungen verantwortungsvoll getroffen wurden.

 

Folgend einige Auszüge aus Reden von Volker Hauff:

Herr Hauff auf einer Festrede anlässlich der Umbenennung der FH Eberswalde in Hochschule für nachhaltige Entwicklung am 26. März 2010
„Zukunftsverantwortung fordert von uns zu allererst, dass wir uns bemühen, zu erkennen, was ist. Ferdinand Lasalle hat einmal gesagt: “Jede große Tat beginnt mit dem Aussprechen dessen, was ist.“ Auf unsere Zeit übertragen heißt das: Das Kennenmüssen von Konsequenzen wird zu einer Kategorie der Verantwortung.“


Herr Hauff´s  Eröffnungsvortrag bei der Messe Fair Handeln, Stuttgart am 15.04.2010
„Die Frage nach gesundem Egoismus und Altruismus ist eine Frage der Balance – und der praktizierten Fairness in der Gesellschaft. Zur Fairness gehört, verschiedene Lebensstile und deren Zwänge anzuerkennen. Und es geht um die Frage, wie die Idee der Gerechtigkeit unter den Vorzeichen der Nachhaltigkeit konkretisiert werden kann. …. Robert Spaemann verdanke ich eine sehr einleuchtende Definition von Nachhaltigkeit. Er spricht von der „Freundschaft zwischen den Generationen“.


Herr Hauff´s Vortrag zur Veranstaltung “Nachhaltigkeit im Globalen Wandel“ Nachhaltigkeitswissenschaften am Geographischen Institut der Humboldt-Universität zu Berlin, 06. Mai 2009

„Lieber Geld verlieren als Vertrauen“ – das hat einst Robert Bosch gesagt. Und ich meine, der Grundsatz stimmt heute immer noch und an ihn möchte ich uns alle erinnern.“…

„Zukunft lässt sich nicht durch Mega-Konjunkturprogramme mit viel Geld kaufen, sondern durch Mut. Mut zur Verantwortung, Mut zur Führung, Mut zur Nachhaltigkeit – und – Mut zu einer neuen Governance.“….

„Der Begriff Nachhaltigkeit wird mitunter schändlich missbraucht und beliebig benutzt. Ich kann Ihnen hierzu nur mitgeben: Stören Sie sich daran! Nehmen Sie die Beliebigkeit zum Anlass aufzuklären! Ich bin in den letzten 25 Jahren ganz gut gefahren mit dem Prinzip: Nehme den Ernst, der von Nachhaltigkeit spricht – und zwinge ihn, sich selbst ernst zu nehmen.“


Wir werden die Wiederholung von Fehlentscheidungen verantwortungsloser Politiker in Bezug auf Gorleben verhindern!

Norbert Röttgen, der Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit erhebt gegen seine Vorgänger Jürgen Trittin und Siegmar Gabriel in Bezug auf deren Entscheidung für die Erkundung des Gorlebener Salzstocks als Endlager eine zehnjährige Sperre zu verhängen, schwere Vorwürfe. Sie seien „vor der Verantwortung geflohen“ und hätten „den Müll der nächsten Generation vor die Füße gekippt“. Stern Interview vom 28.04.2010

Herr Röttgen weiß nicht wovon er spricht. In seiner Äußerung widerspiegelt sich das Fehlen jeglichen Verantwortungsbewusstseins. Wenn Jürgen Trittin und Sigmar Gabriel sich verweigern, Gorleben für die Endlagerung von hochradioaktivem Atommüll vorzubereiten, dann nur, weil sie sich dessen bewusst sind, dass sie dies nicht verantworten können, weil es nicht verantwortbar ist.

Statt zu beweisen, dass er, Norbert Röttgen, durchaus in der Lage zu angemessener Selbstreflexion ist, wirft er seinen Amtsvorgängern in der Gorleben Frage politische Feigheit vor. So Röttgen in der ARD anlässlich der Menschenkette zwischen den Atomreaktoren Brunsbüttel und Krümmel.

Schauen wir uns doch einmal an, wer da tatsächlich aus der Verantwortung geflohen ist und wer den Atommüll den nächsten Generationen vor die Füße gekippt hat?

War es nicht die CDU/CSU geführte Bundesregierung unter dem ersten Atomminister Franz-Josef-Strauß CSU, (Amtszeit 12. Oktober 1955 bis 16. Oktober 1956) der im Mai 1956 einen Vertrag über den Kauf des ersten deutschen Forschungsreaktors in den USA abschloss. War es nicht sein Nachfolger, Siegfried Balke – CSU, unter dem am 30. Oktober 1957 der erste deutsche Forschungsreaktor von der Max-Planck-Gesellschaft in Betrieb genommen und am 3. Februar 1958 durch Ministerpräsident Hanns Seidel an die Technische Hochschule München übergeben wurde? 

Franz-Josef-Strauß war es, der ein erstes deutsches Atomprogramm vorlegte, das seine Amtsnachfolger in den Jahren 1963-1967, 1968-1972 und 1973-1976 mit weiteren Programmen fortführten. Es beinhaltete den Erwerb von fünf Forschungsreaktoren von den USA und Großbritannien und ihre Aufstellung in München, Frankfurt, Königsforst bei Köln, Berlin und Hamburg.

Man legt also ein Forschungsprogramm mit fünf Atomreaktoren auf, ohne sich Gedanken über die Endlagerung des dabei entstehenden Atommülls zu machen. Keine Frage, wurde der Atommüll aus den Forschungsreaktoren bis zum Jahr 1978 im illegalen Atommülllager ASSE II entsorgt. 1978 war Deutschland Atommüll frei.

In Hinblick auf Gorleben, dessen Wahl als zukünftiger Endlagerstandort wohl eine rein politische Entscheidung war, hier noch ein weiterer Denkanstoß.

Atommüll muss mehrere hunderttausend Jahre sicher eingelagert werden. Welche Vorstellung haben wir davon, wie die Welt in sagen wir 100.000 Jahren aussehen wird. Oder in 250.000 Jahren, oder in 500.000 Jahren? Wenn wir die zunehmende Erderwärmung ernst nehmen, müssen wir damit rechnen, dass die noch vorhandenen Eisschilde in der Arktis einschließlich Grönlands und der Antarktis komplett abschmelzen. Im Falle Grönlands allein wären dies ca. sieben Meter Meeresspiegelanstieg. Schmelzen die Eismassen am Südpol ab, sind weitere 72 Meter Meeresspiegeleanstieg Realität. Nun dies geschieht nicht in diesem Jahrhundert und auch nicht im nächsten Jahrhundert, denn wir befinden uns noch in einer Kaltzeit. Es gab aber nachweislich mehrere Warmzeitn, ohne eisbedeckte Pole. Dass es stattfinden kann, steht also außer Frage. Was bedeutet dies für Gorleben? 

Der Saatgutbunker – Svalbard Global Seed Vault – auf Spitzbergen beherbergt Saatgutproben aus aller Welt um sie für nachfolgende  Generationen im Falle von Katastrophen sicherzustellen. Er ist in Hinblick auf einen zukünftig maximal zu erwartenden Meeresspiegelanstieg von ca. 80 Metern auf 120 Meter über Meereshöhe angelegt. Offensichtlich haben die Verantwortlichen dort den nötigen Weitblick entwickelt. Gorleben liegt aber nur auf 20 Meter über dem Meeresspiegel und würde vom Meerwasser geflutet. Hochradioaktiver Atommüll würde in die Weltmeere gelangen. Allein diese Tatsache disqualifiziert Gorleben für ein Endlager über den Zeitraum von mehreren hunderttausend Jahren. Ist dies für unsere Politiker zu kapieren?

Keine deutsche Regierung der letzten 20 Jahre war in der Lage, in Zeitläufen zu denken, die dem Thema angemessenen erscheinen. Nun bekunden 52 Prozent der CDU-Wähler, dass sie keine Einwände gegen eine Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke haben. Da die Endlagerfrage mit Gorleben nicht lösbar ist, scheint nur logisch, dass nun in den bergigen Regionen Baden-Württembergs und Bayerns mit besser geeigneten Ton- und Granitformationen eine erneute Endlagersuche aufgenommen wird. Nur kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, wer das vor Ort durchsetzen soll. Wer soll die Verantwortung tragen? Die Konsequenz kann nur heißen: schnellstmöglicher Ausstieg aus der weiteren Atommüllproduktion. 

 


Der bekannte Investor Warren Buffet hatte Kreditausfallversicherungen, sogenannte CDS – Credit Default Swaps, einmal als Massenvernichtungswaffen bezeichnet. Der Erfinder dieser Massenvernichtungswaffen war übrigens eine Frau. Blythe Masters.

Blythe Masters, Engländerin, frühere Finanzchefin von JP Morgan, leitet zur Zeit die Rohstoffabteilung von JP Morgan. Sie gilt heute als die mächtigste Frau an der Wall Street. Die Frau, die viele für genial und auch für gefährlich halten, hat nun ein neues Spielzeug entdeckt: handelbare Treibhausgasemissionen. Dieser Markt wird in den kommenden zehn Jahren auf 2000 Mrd. Dollar geschätzt.

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