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Eine Wüstenwanderung in die marokkanische Sahara ist eine ganz besondere Erfahrung. Eine Reise aus der Vielfalt und dem Überfluss in die Stille und zu uns selbst. Wer in die Wüste geht, liebt die Stille mehr als laute Unterhaltung, das einfache Leben mehr als den Konsum, das Ursprüngliche mehr als das Kultivierte.

Die Wüste

Das Merkmal der Wüste ist ihre Weite und ihre Stille, hier gibt es scheinbar nichts, nur Landschaft, weite Landschaft.
Wir kommen aus unserer westlichen Welt, in der es von Allem zu viel gibt. Viel zu viel. Überfluss. Zu viele Dinge, zu viel Lärm, zu viel zu essen und trinken, zu viele Termine, zu viel Stress …
Die Wüste Sahara bietet uns einen weiten Raum, in dem wir zu uns kommen können, still werden.
Und mit der Stille kann ein tiefes inneres Glück einher gehen.
Von je her haben die Menschen in der Wüste Weisheit und inneren Frieden gesucht und gefunden.

Ich habe die Wüste immer geliebt, sagte der kleine Prinz.
Man setzt sich auf eine Sanddüne.
Man sieht nichts, man hört nichts.
Und währenddessen strahlt etwas in der Stille.
(Antoine de St. Exupéry)

Auf den ersten Blick ist hier nicht viel Leben, wenige Pflanzen und Tiere, fast keine Menschen. Bei näherem Hinsehen können wir aber ganz viel entdecken, besonders seit dem großen Regen im letzten November ist die Sahara grün geworden. Aman iyman sagen die Berber, Wasser ist Leben.

Wer sich einmal den Anforderungen des einfachen Lebens aussetzt, kann viel gewinnen. Eine neue Perspektive auf unseren Alltag mit seinen Gewohnheiten, die uns beherrschen und gefangen halten. Hier in der Wüste brauchen wir kein Handy, keine Uhr und keinen Spiegel. Wir können einfach SEIN. wir können EINFACH sein.

Die Natur bestimmt den Tagesablauf. Wir erleben einen unmittelbaren Kontakt mit den Elementen, mit Sonne, Wind und Sand und können uns als Teil der Natur erleben, eins sein mit der Umgebung. Abends suchen wir uns einen Schlafplatz, im Zelt oder unter freiem Himmel, in der Nähe des Feuers oder etwas abseits, vielleicht geschützt in einer kleinen Mulde oder weiter weg, oben auf dem Kamm einer Düne … Nichts trennt uns von den abermillionen Sternen in der vollkommen Stille der Nacht. Von Tag zu Tag bestimmen wir die Grenzen dessen, was wir uns zutrauen, immer wieder neu.

Die Karawane: erfahrene Nomaden und beeindruckende Dromedare

Die Karawane wird von erfahrenen Nomaden geführt und mit Verantwortungsgefühl und großer Freude begleitet. Die Dromedare tragen Gepäck und Proviant, wir gehen als kleine Gruppe zu Fuß an der Seite der Tiere oder weit ab, allein, ganz wie es gut tut. Wenn die Füße müde werden, können wir auch ein Dromedar reiten, sofern das Gelände es zulässt. Diese urtümlichen, sympathischen Tiere sind in Allem beeindruckend: in ihrer Form und Größe, in ihrem Geruch, in ihrer Kraft und Ausdauer.  Ohne ihre Unterstützung wäre ein Nomadenleben in der Wüste nicht möglich gewesen.

Wer in die Wüste geht liebt die Stille mehr als laute Unterhaltung, das einfache Leben mehr als den Konsum, das Ursprüngliche mehr als das Kultivierte. Wir sollten tolerant sein und bereit, uns in die Gemeinschaft einzufügen. Vielleicht auch mal Dinge übernehmen, wie Holz sammeln oder Wasser holen.

sahara3Wandern durch die Wüste: Gehen als Meditation

Wir können je nach Bedarf viele Stunden in Stille verbringen. Den Tag mit Meditation beginnen, uns dann als Teil der Natur mit offenen Sinnen bewegen – auch ohne Sprache verbunden mit den Nomaden, den anderen Gästen, den Tieren. Ein Feld gegenseitigen Respekts, das sich im Tempo immer nach dem langsamsten Mitglied der Gruppe richtet.

ich gehe nicht in einer bildungslandschaft voller kunstwerke wie goethe auf seiner „reise in italien“, ich habe als umwelt und begleiter eine herausforderung. ich habe sie akzeptiert und trete zu ihr in korrelation. ich habe zu diesem begleiter eine aktive beziehung herzustellen. und um diese beziehung aufzubauen, gehe ich. im gehen entwickle ich mit diesem begleiter, mit sonne, hitze, sturm, wasserlosigkeit ein system… ich brauche keine kunstwerke, ich mache eins.
(otl aicher)

Die Weite um uns herum wirkt nach innen und lässt uns klarer werden. Wir lassen die Vielfalt hinter uns und können so das Wesentliche besser erkennen. Es entsteht Raum für Veränderung. Hier kann sich die therapeutische Gruppenleitung als hilfreich erweisen.

Und dann wieder lachen wir mit den Berbern, wir hören ihnen zu, wenn sie in ihrer wundervollen, unverständlichen Sprache Tachelhait reden. Und oft singen sie beim Gehen. Da taucht vielleicht auch in uns der Impuls auf, zu singen, laut zu singen in die Weite und die Stille hinein. Und das Gute ist: es gibt genügend Raum für Alles.

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Gehen, ohne Spuren zu hinterlassen

Wir verbrennen brennbare Abfälle und nehmen sonstigen Müll wieder mit zurück in die Zivilisation, an unseren Rastplätzen bleiben lediglich ein paar Gemüseschalen zurück. Die Vögel kommen und Käfer, und wenn wir uns weit genug entfernt haben kommen vielleicht sogar Gazellen oder Wüstenfüchse und kümmern sich um die Essensreste.

die wüste ist eine denklandschaft.  man geht nicht nur zwischen dünen, man geht auch in seinem eigenen denken umher, man macht gedankengänge.
im gehen verändert sich die landschaft von bild zu bild.
es verändert sich auch der gedankenhorizont.
das auge zieht es mal hier, mal dort hin, auch die gedanken wildern umher.
man wirft sie hinaus, als entwürfe.
(otl aicher)

sahara4Die Wüstenbewohner

Unsere Begleiter sind in Nomadenfamilien in der Wüste aufgewachsen. Sie kennen das Leben in der Sahara von Kind auf und sind spürbar ein Teil davon. Auch wenn sie inzwischen aufgrund veränderter Lebensbedingungen am Rand der Wüste sesshaft geworden sind, so schlägt ihr Herz doch noch im Takt der Wüste und nur hier fühlen sie sich wirklich zuhause.

Die Gastfreundschaft der Berber ist legendär und kommt von Herzen. Sie laden uns ein, ihr Nomadenleben zu teilen und das Glück des einfachen Lebens. Es gibt keinen Komfort auf dieser Wanderung, aber dafür lernen wir Menschen kennen, die nichts anderes kennen, als die extrem schwierigen Bedingungen dieser Landschaft und die sich darin so sicher und fröhlich bewegen, wie Kinder. Sie lieben es zu lachen und zu scherzen und erzählen abends am Feuer Rätselgeschichten oder singen ihre Berberlieder.

Diesen Männern kann man sich anvertrauen. Sie wissen in jedem Moment genau, was sie tun und strahlen dabei Lebensfreude und Heiterkeit aus. Sie teilen gerne ihr Wissen über die Pflanzen und Tiere der Wüste und bieten uns echte Freundschaft an.

Manchmal treffen wir unterwegs auf Nomadenfamilien, die in ihren ursprünglichen fast schwarzen Zelten aus grober Kamelwolle leben. Die Frau ist mit zahlreichen kleinen Kindern alleine, die Männer und die größeren Kinder sind unterwegs und hüten die Herden. Wir werden ins offene Zelt eingeladen und unsere Gastgeberin macht sich sofort daran, Tee zu bereiten. Süß und stark ist dieser Berbertee, angereichert mit aromatischen Kräutern aus der Wüste. Und auch wenn sie offensichtlich fast nichts besitzen, reicht es doch um uns Datteln und Nüsse anzubieten.

Die Berber haben große Familien, 10 oder mehr Kinder sind in diesen Familien keine Seltenheit. Überhaupt ist die Familie für diese Menschen das Wichtigste, und wir können – auch ohne Sprache – einen schönen Kontakt herstellen, wenn wir Bilder unserer eigenen Familien dabei haben.

Den Nomaden sind ihre  Lebensgrundlagen aufgrund der klimatischen und gesellschaftlichen Veränderungen der letzten Jahrzehnte abhanden gekommen und da die wenigsten eine Schule besuchen konnten, haben sie im modernen Marokko keine wirtschaftlichen Chancen. Da ist so ein Besuch eine willkommene Gelegenheit um auch selbst gemachten Schmuck anzubieten und so ein klein wenig Geld zu verdienen.

anders als wir lieben sie die freiheit mehr als die sicherheit.
wir ziehen heute die sicherheit allem anderen vor.

das leben ist reduziert, macht aber offensichtlich glücklich.
man ist arglos und redlich, wie eben hirten sind.
nur die freiheit, die gelebt wird, ist ein gut.
(otl aicher)

In der Sahara von Marokko: Andre Länder – andre Sitten …

Es ist gut, sich zu verdeutlichen, dass wir Gäste in einer fremden Kultur sind und dass wir die dort geltenden Regeln zumindest kennen sollten. Die Wüstenbewohner sind sehr gläubige Menschen, der Islam in seiner friedlichsten Form ist ihnen eine Herzensangelegenheit. Sie leben ausgesprochen werteorientiert und gegenseitiger Respekt ist einer dieser Werte. Gerade in unserer Zeit der Verunsicherung gegenüber dem Islam wirkt die Begegnung mit dieser gelebten Toleranz und Herzlichkeit heilend.

Die Kleidung der Berber bedeckt immer den gesamten Körper, sie kennen so etwas wie „sonnenbaden“ nicht, sondern schützen sich im Gegenteil vor der sehr intensiven Sonne von Kopf bis Fuß durch leichte, weite Kleidung. Vor unserer Abreise in die Wüste haben auch wir uns mit  entsprechender Wüstenkleidung versorgt und unsere Begleiter werden nicht müde, uns dabei zu helfen, uns morgens den „Schesch“ um den Kopf zu wickeln. Der Turban schützt vor Sonne und Hitze genauso wie vor Sand und Wind, falls das Wetter einmal etwas heftiger wird.
Die Berber trinken grundsätzlich keinen Alkohol und so ist auch in unserem Reiseproviant kein alkoholisches Getränk vorhanden. Dafür wird bei jeder Gelegenheit süßer, starker Berbertee zubereitet – gewürzt mit allerlei Kräutern, die unterwegs gesammelt wurden.

sahara5Kein Mensch kann in der Wüste leben und davon unberührt bleiben.
Er wird fortan, wenn vielleicht auch kaum merklich, das Zeichen der
Wüste, das Zeichen des Nomaden tragen; und er wird immer, je nach
Veranlagung, leises oder brennendes Heimweh nach jenem Leben
verspüren. Denn dieses unerbittliche Land übt einen Zauber aus,
dem ein gemäßigtes Klima nichts entgegenzusetzen hat.
(Wilfred Thesiger)

Über den Autor

Avatar of Isabel Viramo von Roon

lebt in Berlin und arbeitet dort unter anderem als Traumatherapeutin und Meditationslehrerin. Seit sie vor einigen Jahren das erste Mal einen Fuß nach Marokko gesetzt hat, ist sie der Wüste und den Berbern zutiefst verbunden.

„Ich erlebe die Reisen in die Wüste jedes Mal als transformierende und zutiefst beglückende Erfahrung. Es fehlen die gewohnten Ablenkungen und statt dessen erfahren wir Momente von ungewohnter Stille und Weite, so dass ganz neue Aspekte unserer selbst zum Vorschein kommen können.  Ich begleite gerne Menschen auf ihren inneren und äußeren Reisen.“

Näheres unter freies-herz.de und sahara-karawane.de

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