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Es gibt wahrscheinlich keinen anderen Moment im Jahr, an dem Menschen so in einem Sei-Spontan-Paradox gefangen sind, wie an Weihnachten. Daher kann aus meiner Sicht diese Geschichte von vornherein eigentlich nur „schief“ gehen, es sei denn man beachtet ein paar „Basics“. 

Weihnachten hat ein schwieriges Timing

Wir steuern auf einen Moment des Jahres zu, an dem es immer dunkler wird. Auf die seelische Ebene übertragen bedeutet dies, dass unbewusste, noch nicht verarbeitete Belastungen und Muster vermehrt an die Oberfläche des Bewusstseins drängen. Wir spüren es im Alltag daran, dass die Nerven bei uns und unseren Zeitgenossen schneller „blank liegen“. Sei es beim Warten in der Schlange oder beim Autofahren. Jetzt ist die Zeit, in der man doppelt wachsam sein sollte, um im kollektiven Stress-Dschungel nicht an- oder überfahren zu werden.

Das schliesst selbstverständlich die eigene Über-Befindlichkeit mit ein. Vom Neurologen Joachim Bauer (Buchtitel: „Menschlichkeit“ -übrigens sehr empfehlenswert) wissen wir, dass unter Stress die neuronalen Spiegelzellen abgeschaltet werden. Spiegelzellen im Gehirn sind dafür verantwortlich, dass wir uns unseren Mitmenschen gegenüber freundlich, fair und mitfühlsam verhalten. Wundern Sie sich also nicht, warum gerade vor dem Fest der Liebe und oft auch während, sich Menschen wie wild gewordene Neandertaler verhalten.

Die Dämonen zum Tee einladen

Weihnachten ist aber gerade deshalb die beste Zeit, um dem Schmerzkörper endgültig Adieu zu sagen. Klopfen Sie sich bei jeder Gelegenheit auf die Knie oder schütteln Sie ihren Kopf über die Absurdität des Seins und die sich hartnäckig haltende Illusion, dass mehr Konsum, bzw. Geschenke irgendjemand glücklich machen sollen. Natürlich lieben wir es, Kerzen anzuzünden, weil es bedeutet, dass wir die Flamme des Bewusstseins auch in die dunkelsten Ecken unseres Seins bringen können. Nutzen Sie diese Zeit also vor allem zur Reinigung Ihrer Seele. Denn alles, was wir an altem Zeug jetzt nicht erwischen bzw. erleuchten, wird uns im nächsten Jahr das Leben madig machen.

Ärgern wir uns also nicht darüber, wenn jetzt Dinge an die Oberfläche kommen, die wir eigentlich gar nicht anschauen wollen. Spätestens Weihnachten explodiert dann das Zeug, das vorher nicht bearbeitet wurde. Ich erinnere mich noch an die Zeit, als ich in der Psychiatrie arbeitete, dass jeweils an Weihnachten unsere Aufnahme-Station komplett überfüllt war. Mein Rat: Machen wir es uns leicht und erwarten, bzw. begrüssen wir den Wahnsinn, sowohl in uns als auch bei unseren lieben Mitmenschen. Die Dämonen der Vergangenheit wollen halt auch gerne zum Tee eingeladen werden. Legen wir also ein zusätzliches Gedeck für sie auf und klopfen ihnen freundschaftlich auf die Schultern.

Die Sache mit den Erwartungen

Dann ist da noch die Sache mit den Erwartungen, die an Weihnachten ihren perversen Höhepunkt erreichen. Vergessen Sie Geschenke, das kann nur schief gehen; vielleicht mit Ausnahme der Kinder, wenn die schon entsprechend programmiert sind. Nichts schlimmer als der Suchstress nach dem richtigen Geschenk. Spüren Sie mal in den Körper hinein, wenn Sie durch die Stadt rasen, auf der Suche nach etwas sind, was den anderen überraschen und glücklich machen soll. Wie fühlt sich das an? Was für eine Energie ist da drunter? Wie kann das gut gehen?

Es ist absurd. Egal was man kauft, wenn diese Energie in das Geschenkobjekt hineinfliesst, kann man es nur noch als Sondermüll entsorgen. Das größte Geschenk, das wir jemandem geben können, ist unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, unsere Präsenz.

Das weihnachtliche Sei-Spontan-Paradox

Alle andere ist ein Witz. Und dann sollen wir noch Dankbarkeit empfinden oder zumindest heucheln für etwas, was wir uns vielleicht weder gewünscht haben, noch irgendeine Bedeutung für uns hat. Hier wird’s jetzt richtig falsch, und damit meine ich das Gegenteil von authentisch. An dieser Stelle kommt das Weihnachts-Sei-Spontan-Paradox in Fahrt. Denn ein Sei-Spontan-Paradox (P. Watzlawick – Buch: „Anleitung zum Unglücklich sein“) ist immer dann gegeben, wenn wir von jemandem etwas verlangen, was eigentlich nur spontan passieren kann. „Nun sei glücklich und dankbar, nachdem ich mir die Hacken abgelaufen habe, um dieses triviale Geschenk zu finden, obwohl ich keinen Schimmer habe, ob es Dich überhaupt glücklich machen wird.“

Empfehlung: Nehmen Sie dieses Sei-Glücklich-Paradox aus ihren Beziehungen raus, verzichten Sie auf Geschenke und machen Sie sich einen schönen, gemütlichen Abend. Erfinden Sie Weihnachten neu. Lassen Sie, was immer spontan sich ergibt, geschehen. Praktizieren Sie z.B. WuWei-Nachten frei nach LaoTse. Tun Sie nichts, was Sie nicht wirklich wollen und lassen sie alle Erwartungen los. Nichts wollen Menschen mehr, als allein um ihrer Selbst Willen geliebt zu werden, einfach so wie wir sind: authentisch, frei von gesellschaftlichen Erwartungen und Schablonen, in unserer eigenen Wahrheit und der Tiefe des Seins verankert.

Ich wünsche Ihnen entspannte WuWei-Nachten!

5 Responses

  1. Gerald

    Hallo Ralph Wilms !
    Ich glaube, daß Sie eine bewußte Täuschung und Ablenkung von den tatsächlichen Psychiatrieverbrechen begehen.
    Wenn Sie als Psychologe in der Psychiatrie tätig waren, dann müssen Sie wissen, warum Menschen tatsächlich dort eingesperrt sind, nämlich wegen Systemkritik und nicht wegen Weihnachtsgeschichten wie Sie hier erzählen.
    Aber allein schon Menschen in die Psychiatrie einzusperren, wegen weihnachtlichen Enttäuschungen, wären großer Mißbrauch und Verbrechen.
    Wenn Sie aber selbst derartig belogen wurden und den Psychiatriebetreibern wie ein kleines Kind glauben, dann schauen Sie sich diesen Bericht im Alpenparlament an.
    Fürsorglicher Freiheitsentzug für systemkritische Bürger.
    Harry J. Heutschi, kritischer (und deswegen psychiatrisierter) Bürger und Aufdecker eines gigantischen Veruntreuungsskandals in der Schweiz, im Gespräch mit Michael Vogt über den sogenannten «fürsorglichen» Freiheitsentzug.
    http://www.alpenparlament.tv/playlist/609-fuersorglicher-freiheitsentzug-fuer-systemkritische-buerger

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  2. Michele

    Psychologen, Pädagogen und Politiker sind Personen,
    die uns helfen Probleme zu lösen,
    die wir ohne sie nicht hätten.

    Alles Gute zu Weihnachten mit vielen schönen Geschenken 🙂

    Antworten
  3. Hanna

    Dieser Artikel ist hevorragend, einmalig und bringt es auf den Punkt,
    Herr Ralph Wilms beschreibt doch genau das, was in unserer Realitaet in der Vor- und Weihnachtszeit so stattfindet: Einkaufsstress, hochgeschraubte Erwartungen, verzweifelte Menschen, Psychosen und Familienstreitigkeiten. Ein guter Efahrungsbericht einer Ikone seines Faches. Und sogar noch mit einem wohlmeinenden Rat, doch einfach mal geschehen zu lassen, abzuwarten, sich nicht von negativen Gefuehlen ueberrollen zu lassen, sondern sie einfach anzunehmen, sie einzuladen und dann liebevolle Zeit mit ihnen zu verbringen… nur daraus kann Heilung und Frieden mit uns und unseren Mitmenschen entstehen. Vielen Dank Herr Wilms, ich werde Sie und Ihre Worte im Herzen tragen auch fuer den Rest des Jahres, denn nach Weihnachten ist vor Weihnachten.

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  4. Piroschka

    Ich muss Lars zustimmen.
    Die Geschichte ist nicht nur negativ, sondern teilweise horrormäßig.
    Also vielleicht doch besser viele unnötige Geschenke kaufen als auf die Ratschläge von Psychologen hören. Wie es aussieht schadet die Psychiatrie nicht nur den Patienten, sondern auch dem Psychopersonal. Hier ist seine bekloppteste Aussage:
    (……) „Ich erinnere mich noch an die Zeit, als ich in der Psychiatrie arbeitete,
    dass jeweils an Weihnachten unsere Aufnahme-Station komplett überfüllt war. Mein Rat: Machen wir es uns leicht und erwarten, bzw. begrüssen wir den Wahnsinn, sowohl in uns als auch bei unseren lieben Mitmenschen. Die Dämonen der Vergangenheit wollen halt auch gerne zum Tee eingeladen werden. Legen wir also ein zusätzliches Gedeck für sie auf und klopfen ihnen freundschaftlich auf die Schultern.(…)“

    Gleichzeitig will ich eine tragikomische Geschichte von Gert Postel empfehlen,
    der jahrelang als Amtsarzt und Oberarzt in der Psychiatrie gearbeitet hat,
    ohne jegliche medizinische Ausbildung. Er sagte „Ich wollte mich öffentlich über
    die so genannte Wissenschaft der Psychiatrie lustig machen“.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Gert_Postel
    http://kulturstudio.wordpress.com/2012/12/09/gert-postel-hochstapler-unter-hochstaplern/

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  5. Lars

    „perversen Höhepunkt “

    „wenn die schon entsprechend programmiert sind“

    „Es ist absurd.“

    „Alle andere ist ein Witz.“

    Hm, schon allein die Wortwahl des Autors gibt mir zu denken. Wie kann man „positives“ transportieren, wenn soviel „negatives“ zwischen den Zeilen steckt?
    Wie kann man sein „volles Potential“ entfalten, wie es der Autor verspricht, wenn man mit schwächenden Ausdrücken konfrontiert wird?

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