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Yoga als Beruf und Berufung – die Zahl der Yogalehrer-Aspiranten zeugt von der großen Anziehung dieses Traumes. Dass sich der Weg ins selbstständige Yogalehrer-Dasein trotz Anstrengungen, Ängsten und Hindernissen lohnt, zeigt der Yogalehrer aus Passion Udo Terasa. Ein Bericht von einem, der auszog, die Freude zu finden.

 

Schon seit fünf Jahren bin ich Lehrer in Kreuzberg. Klassenlehrer einer Klasse mit türkischen Kindern in der Grundschule. Angetreten, den Marsch durch die Institutionen zu praktizieren. Die Schule umkrempeln. Neue Inhalte, open education, Lernecken usw. Jetzt erlebe ich, dass die Institution mich umkrempelt. Bin bestens versorgt, aber fühle mich eingeengt, in regelmäßige Abläufe gepresst. Vermisse das Abenteuer, wünsche mir andere Herausforderungen und vor allem mehr Freiheit.

Was ich weiß: So will ich nicht alt werden. Die Vorstellung, im Alter zurückzugucken mit dem Gefühl „ich hab‘s vermasselt“, ist unerträglich und ein Tritt in den Hintern, der anspornt: Finde Lösungen!

Doch was soll ich tun? Ich kann nur Lehrer. Fühle auch keine Berufung zu etwas anderem, Kunst, Ökonomie oder was weiß ich?

Also erst mal für zwei Jahre beurlauben lassen. Dieses Privileg wahrnehmen, Zeit gewinnen. Reisen! Nach Asien und um die Welt. Ich lese Blofeld. Er lebte in Bangkok und erforschte den Taoismus in China. Der entscheidende Satz kommt: Du kannst Meister deiner selbst werden, dein Leben zu einem Meisterstück machen. Meditation und Yoga soll der Schlüssel sein. Mein Herz macht einen Sprung. Das will ich, das ist es: persönliches Wachstum in ein neues Bewusstsein der Freiheit hinein. Sorgen und Nöte kraft des Geistes überwinden (wie Khalil Gibran in „der Prophet“ sagt). Heraus aus dem nüchternen kalten Alltag in die Wiederverzauberung der Welt. Da ist Aufbruch und kindliche Begeisterung. In Sydney kaufe ich das erste Yogabuch, und auf Bora Bora in der Südsee mache ich dann die  ersten Yogaübungen neben dem Zelt. Der Körper reagiert mit Wohlgefühl. Früher, als ich Sport machte, dachte ich, ich muss immer Übungen mit dem Körper machen. Dass es Yoga werden sollte, war außerhalb aller Vorstellung.

 

Aufbruch

Zurück in Berlin suche ich mir eine Yogaschule und belege einen weiteren Yogakurs bei einem Inder. Immer nach dem Yoga scheint die Sonne in meinem Leben – und Hunger habe ich. Also erst mal essen gehen und ein Glas leckeren Rotwein. Ich brauche mehr vom Yoga. Soll ich die Yogalehrerausbildung machen? Wieder lernen? Noch mal anstrengen? Jetzt mit 38? Schließlich entscheidet das Herz. Aufbruch. Noch mehr Yoga, das bedeutet mehr Zuversicht und Kraft. Plane den Ausstieg aus der Schule.

Schließlich ist es soweit. Mit meiner Matte ziehe ich durch Berlin, unterrichte ehemalige Kollegen, Eltern ehemaliger Schüler, in Kinderläden und in Kindergärten. Es gibt keinen Plan, nur den Wunsch, Yoga zu unterrichten – so viel wie möglich. Schließlich bekomme ich beim Roten Kreuz die Möglichkeit, Yogakurse zu geben. In dieser Zeit lerne ich auch meine Frau kennen. Sie verdient das Geld, als meine Einkünfte noch gering sind. Alles fügt sich. Dann wieder Zweifel, Existenzangst, aber dafür habe ich ja meine Praxis. Ich stelle mich so lange auf den Kopf, bis die Angst weg ist.

Es gibt Schwierigkeiten. Das Rote Kreuz hat versäumt, den Raum fürs nächste Semester zu mieten. Also besorge ich selbst einen. Ein Fernsehzimmer, in dem auch geraucht wird. Ich räume vorher die Stühle beiseite, lüfte und decke den Fernseher mit einem Tuch zu. Von den ursprünglich 20 Teilnehmern  bleiben sechs übrig. Manchmal kommen nur drei. Da sind wieder die Zweifel. Bin ich gut genug? Vor dem Yoga sitze ich verzagt im Park auf der Wiese. In einer Stunde muss ich unterrichten. Alles in mir sträubt sich, ich fühle mich unfähig, aber es gibt keinen Ausweg. Ich will auf keinen Fall zurück in mein altes Leben. Also gebe ich die Stunde. Danach geht es  besser. Heute waren alle sechs da. Es scheint zu funktionieren. Ich finde einen neuen Raum. Der ist richtig gut, hat Platz für 18 Yogis. Aber werde ich das Geld für die Miete zusammenbekommen? Erst mal zwei Kurse am Montag anbieten.

Teilnehmer kommen und gehen. Ich habe keine Ahnung, ob es gelingt, mache einfach immer weiter. Mein Sohn wird geboren, das gibt neue Kraft. Ich bin in einer Muss-Situation. Eine Familie will versorgt werden, Ausflüchte kann ich mir nicht leisten.

 

Auf dem richtigen Weg

Yoga ist Beharrlichkeit, und das will ich leben. „Geduld ist eine Eigenschaft der Liebe“, diese und ähnliche Sätze wiederhole ich wie Mantren. Sie helfen weiterzumachen. Manchmal muss ich den Raum wechseln, weil Art Reade einen Workshop hält mit 150 Teilnehmern. Unter dem Ersatzraum im Keller übt ein Schlagzeuger und haut uns während der Meditation seine Rhythmen um die Ohren. Ich versuche ihn dazu zu bringen, dass er während unserer Ruhephasen Pausen macht, aber er hat eine Matratze gegen seine Eingangstür gestellt und mein Hämmern und Schreien erreicht ihn nicht. Mein Magen krampft, ich bin vollkommen angespannt, gebe in der Yogastunde das Äußerste, damit es den Yogis gut geht, und hinterher geht es auch mir wieder besser. Viele Übungen mache ich selbst mit und erfahre dann auch die Wohltaten. Tief innen versteckt finde ich das Empfinden, auf dem richtigen Weg zu sein. In der Rückschau sehe ich, dass jede angenommene Herausforderung Stärke gebracht hat. Yoga ist Praxis und Erfahrung. Das ist leicht gesagt. Aber es führt tatsächlich zu neuem Erleben, und das ist die Lösung.

Während eines Kurses für die Volkshochschule in Spandau in einer Doppelhalle oben und unten haben wir unten Yoga gegeben und über uns übten die Basketballer und tippten unaufhörlich ihre Bälle auf den Boden. Ruhe finden in der Großstadt ….?! Einmal haben sich zwei zur Yogaprobestunde angemeldet. Aus unerfindlichen Gründen ist der Schlüssel für den Raum nicht da und die Stunde muss ausfallen. Die beiden habe ich nie wieder gesehen.

 

Das Leben als Meisterstück

Die Jahre vergehen und allmählich wachsen die Teilnehmerzahlen und die Kurse. Meinen Ort nenne ich jetzt einfach mal Yogaschule. Plötzlich bekomme ich den Raum ganz für mich allein, muss nicht mehr mit anderen teilen, dazu ein Büro und einen Umkleideraum. Alles ohne danach zu fragen. Es gibt Unterstützung. Alles fügt sich, wie damals am Anfang die ersten Kurse beim Roten Kreuz. Die wurden auch an mich herangetragen, ohne dass Werbung nötig war. In der Meditation spüre ich inzwischen Leichtigkeit und Freude. Es vergeht kein Tag ohne die Meditation. Es sind die schönsten Zeiten des Tages. Meditation ist das größte Geschenk. Meditation ist Medizin, wie Osho sagt. Die einzige!! Die höchste Intelligenz trägt! Und wer seinem Herzen folgt, bekommt die Unterstützung des Universums – das ist die meditative Erfahrung. Ich will immer mehr davon, aber meine oft aufgeputschten Sinne halten dagegen und suchen nach Zerstreuung. Also gucke ich noch solange fern, bis sich auch das erledigt.

Während eines Urlaubs in dieser Zeit beende ich erst mal jede Praxis bis auf die morgendliche Meditation. Schließlich habe ich ja Urlaub. Nach einigen Tagen ist der Energielevel so weit runter, dass ich weder für mich noch für Frau und Kids eine Freude bin. Also mache ich wenigstens den Sonnengruß, um aus dem „Muffeltigerdasein“ (Originalton Frau) herauszufinden. Und weiß ab da, was mir wirklich gut tut.

Mittlerweile ist der Yogaschneeball groß geworden. Ich bin etabliert. Die Yogaschule steht und mit ihr das Gefühl, mit der richtigen Tätigkeit am richtigen Platz zu sein. Es ist viel Freude im Leben und vor allem der Humor wächst. Das Kriterium für spirituelles Wachstum ist der Zuwachs an Lebensfreude. Es gibt die Arbeit, die Familie mit zwei pubertierenden Kindern, Hund, Katzen, Meerschweinchen, und sogar ein Pferd ist noch dazu gekommen. Und es kommen immer wieder Herausforderungen. Dafür gibt es die Yogapraxis (tägliche Meditation, die Asanas, das Pranayama), die dafür sorgt, dass die Kraftquellen Dehnung, Atmung und Bewusstsein sprudeln. Und am Ende, das lässt sich jetzt schon erahnen, steht die Erfahrung: Meister meiner selbst, und das Leben ist ein Meisterstück. Danke, Yoga!

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Über den Autor

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Seit 25 Jahren führt Udo Terasa erfolgreich seine Yogaschule in Berlin-Zehlendorf. Er lehrt nach den Prinzipien des Hatha Yoga, bietet regelmäßig Kurse für alle Niveau- Stufen sowie Yogareisen nach Mallorca und zu Fernzielen an.

Eine zweijährige-Yoga Ausbildung mit Anerkennung der Krankenkasse sowie Heilfastenwochen gehören ebenso zu seinem Angebots spektrum.

Auf die Frage nach seinem Erfolgsrezept antwortet er: „Das funktioniert nur durch heitere Gelassenheit.“

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