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Alltägliche Zen-Praxis im Berliner Zen-Tempel Shogozan-Zenkoji

Zazen, Sitzen in Stille, ist die seit etwa 2500 Jahren authentisch überlieferte Religionspraxis Buddhas. Sie bedeutet, in einer aufrechten Haltung tiefer Konzentration einfach zu sitzen.„Einfach“ heißt, die Vitalität von Körper und Geist sind intensiv gesammelt, versenkt in der Zazen-Haltung. Körper und Geist sind dadurch völlig wach und wie eins in der kraftvollen Stille der gegenwärtigen Zeit zentriert. Unser individuelles Dasein wird so wieder im Urgrund des Lebens verankert. Körper und Geist können aus einer inneren Quelle schöpfen, sich selbst erneuern, und werden unabhängig vom Erreichenmüssen eines Ziels, einer äußeren Bestätigung. Die Begrenzung durch ein Bewusstsein, das alles vergleichen und messen muss und immer auf der Suche nach persönlichem Gewinn ist, fällt ab. Leben offenbart sich in seiner ursprünglichen Qualität.

Die Zazen-Haltung besteht darin, auf einem Kissen mit gekreuzten Beinen in aufrechter, natürlicher Haltung zu sitzen. Die Aufmerksamkeit wird auf die Spannkraft der Haltung und eine lange Ausatmung konzentriert. Im Raum des gesammelten Geistes auftauchende Gedanken und Bilder werden weder zurückgewiesen noch beurteilt, noch verfolgt. Bewusstsein und Unterbewusstsein können sich entleeren. Körper und Geist kehren so zu ihrer ursprünglichen, ungetrübten Verfassung zurück.

Zen ist in seinem Wesen Erfahrung einer tieferen Qualität von Wirklichkeit. Diese Erfahrung gründet sich auf Ausübung und kann durch das Denken weder vorweggenommen noch ersetzt werden. Worte und Begriffe können die lebendige Wirklichkeit nicht wirklich einfangen. Folglich kann Zen-Praxis nicht durch das Studium von Büchern erlernt werden. Es wurde über die Jahrtausende hinweg von Meister zu Meister weiter gegeben und wird in seiner authentischen Form auch heute in einer Gemeinschaft und unter Anleitung eines Meisters praktiziert.
Im Zen-Dojo, dem Raum der Übung, kann jeder praktizieren, unabhängig von Geschlecht, Hautfarbe, sozialer Stellung, Alter usw. Auch die Zugehörigkeit zu einer anderen Religionsgemeinschaft stellt kein Hindernis dar. Zen-Buddhismus ist eine vom Christentum, und insbesondere von der katholischen und evangelischen Kirche anerkannte Lehre, die durch das Fehlen eines Glaubens-Dogmas in keinerlei Widerspruch zu anderen Glaubensformen steht.

Der Berliner Zen-Tempel Shogozan Zenkoji wurde vor fünfundzwanzig Jahren von Schülern des japanischen Zen-Meisters Taisen Deshimaru Roshi (1912-1982) gegründet. Taisen Deshimaru Roshi, Schüler eines der berühmtesten japanischen Meister unseres Jahrhunderts, Kodo Sawaki Roshi (1880 -1965), war 1967 nach Frankreich gekommen, wo er begann, die Praxis des Zen zu lehren – Zazen. Er hatte sehr viele Schüler und gründete über hundert Dojos, wovon das Berliner Dojo eines der größten war und ist.
Der Leiter des Berliner Zen-Tempels, L.Tenryu Tenbreul, Jahrgang 1956, war langjähriger Schüler Taisen Deshimaru Roshis. Nach dessen Tod wurde er Schüler von Shuyu Narita Roshi, geb. 1914, einem Bruderschüler von Meister Deshimaru. Von ihm erhielt er 1986 Shiho, d.h. er wurde in der Linie von Kodo Sawaki Roshi zum Meister ernannt.
Im Zen-Tempel Shogozan Zenkoji findet, mit Ausnahme von Montag, ein- bis zweimal täglich von L. Tenryu Tenbreul angeleitetes Zazen statt. In welchem Umfang oder welcher Intensität dieses Angebot genutzt wird, steht jedem, der ins Dojo kommt, frei. Es werden regelmäßige Wochenendseminare zur Vertiefung der Praxis, Vorträge sowie wöchentliche Einführungen für Anfänger abgehalten. Es besteht auflerdem die Möglichkeit, Aspekte traditioneller östlicher Medizin wie Shiatsu oder japanische Künste wie Ikebana kennen zu lernen.
Das Dojo Shogozan-Zenkoji ist seinerseits Mitglied des Dachverbandes Zen-Vereinigung Deutschland e.V., dessen Präsident Zen-Meister L. Tenryu Tenbreul ist. Ihr gehören etliche in- und ausländische Zen-Gruppen an, deren Aktivitäten sie unterstützt und koordiniert. In den regelmäßigen Publikationen, den „Zen-Informationen“ sowie den „Ishin-Denshin“-Heften, werden aktuelle und traditionelle Zen-Texte, Jahresprogramme, Berichte von Veranstaltungen, Vorträgen und Reisen veröffentlicht. Außerdem unterhält die Zen-Vereinigung das Zen-Zentrum Mokushozan Jakkoji in Schönbäken, Schleswig-Holstein, wo regelmäßige Sesshin, d.h. Perioden intensiver Zen-Praxis, abgehalten werden. Darüber hinaus pflegt der Verein Beziehungen zu führenden Persönlichkeiten des Zen-Buddhismus in Japan sowie den Austausch mit anderen westlichen Zen-Gruppen. So wie das Berliner Dojo steht auch das Zen-Zentrum Schönbäken allen interessierten Menschen offen, die bereit sind, sich auf intensives Üben in der Gemeinschaft einzulassen.

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