Verbundenheit ist ein Grundbedürfnis von uns allen. Verbundenheit mit der Natur tief zu erfahren, stärkt uns und unsere Wurzeln und lässt uns das schützen, was wir lieben und was uns nährt. Der Blick aufs systemische Ganze hilft als Spiegel und Resonanzraum.

von Antje Kirstein

Natur und gegenwärtiges Sein

Ich versuche, so oft wie möglich in der Natur spazieren zu gehen, und habe natürlich auch meine beliebten Routen. Doch jedes Mal bin ich mit einer anderen Präsenz dabei. Erlebe einen anderen Raum. Häufig geht es mir um die Bewegung, gewürzt mit einer Prise frischer Luft. Beim Gehen kann ich meine Alltagsthemen reflektieren und kreative Lösungen finden. Einen ganz anderen Spaziergang jedoch kann ich erleben, wenn ich mich bewusst entscheide, in meiner Wahrnehmung ganz im Jetzt und Hier zu sein. Meine Sinne zu entfalten. Zu fühlen, wie sich der Raum öffnet. Ohne Fokus wahrzunehmen, welche Geräusche mich umgeben. Wer mit mir diesen Raum gerade noch teilt. Mein Gehen, meine Schritte, meinen Atem bewusst zu spüren. Bei dieser Art von Spaziergang werde ich langsamer, ich nehme viele kleine Details war und fühle mich auf eine ganz andere Art und Weise als Teil des Ganzen. Verbunden und getragen. Eingeflochten in dieses grandiose, schöpferische Werk unserer Mutter Erde. Es sind Augenblicke, die verzaubern, die mich dankbar machen und demütig. Diese Momente sind heilsam. Sie lassen mich auftanken, lassen mich hoffen, machen mich traurig und froh. Es ist ein bewusstes Innehalten, das es lohnt zu üben und zu praktizieren. Vielleicht ist es hilfreich dafür anfänglich allein spazieren zu gehen. Häufig ist es so leichter in die Tiefe zu gehen und auf andere Art präsent zu sein.

Welt im Wandel

In meiner Praxis erlebe ich, dass wir in einer Welt leben, in der (Ur-)Vertrauen und erlebte (Erd-)Verbundenheit nicht mehr selbstverständlich sind. Wie viele fühlen sich nicht bedingungslos geliebt und in ein großes Ganzes, in ein soziales Netzwerk eingebunden. Häufig ist es nicht einfach, zwischen zu starker Abgrenzung und grenzenloser Offenheit das rechte Maß zu finden. Bei beiden Haltungen halten wir viel in unseren Schultern fest und unsere Beine und unser Becken „erkalten“. Auf diese Weise sind wir nicht in einem guten Fluss, stehen nicht stabil auf dem Boden oder schreiten vertrauensvoll voran. Doch genau das wiederzufinden ist eine Grundvoraussetzung, um diese bewegte, informationsreiche Zeit zu meistern, ihr auf eine mitschwingende, tänzerisch-spielerische Art und Weise begegnen zu können. In all dem, was uns umgibt, ist es essenziell, sich als ein Teil zu fühlen. Als ein Teil, der nichts leisten muss, der nicht bewertet, nicht bestraft, nicht zensiert oder benutzt wird. Ein Teil, der ein Teil des großen Ganzen ist. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Diese Verbundenheit können wir in der Natur erfahren und wieder neu in uns verankern.

Kreativität wiederfinden

Albert Einstein sagte einmal, dass Fantasie wichtiger sei als Wissen. Andreas Weber, Philosoph und Biologe, erklärt in seinem Buch „Alles fühlt“ auf ganz anschauliche Weise, dass wir die Natur und das Lebendige um uns herum brauchen, um uns in ihm zu spiegeln und mit ihm zu resonieren. Dass Fühlen ein Grundelement alles Lebens ist und dass auch einfachste Lebensformen sich nicht nur anpassen, sondern auch lernen können und auf ihre Art dazu beitragen, dass der biologische Raum zu einem systemischen Ganzen wird. Wir haben dieses systemische Ganze zwar im Biologieunterricht kurz angerissen, häufig aber nicht wirklich verstanden, wie vernetzt dieses Ganze ist. Mit unserem Verstand allein können wir das auch nicht. Wir brauchen unser Erleben. Unsere Erfahrung. Unser eigenes Beobachten. Dies wiederum regt unsere Fantasie an. Bereichert uns mit einer Inspiration, wie wir das Gewebe unseres Lebens entfalten möchten, so dass wir gut auf uns achten, aber auch achtungsvoll mit dem umgehen, was uns umgibt. In meinen Kräuterseminaren erleben wir die Natur in ihrer Vielschichtigkeit als biologisches Lebewesen.

Author: Oliver Bartsch

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