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Zucker als Gift: Stoffwechselkrankheiten, Bluthochdruck, Fettleber, Diabetes, Herzkrankheiten und Karies, Krebs, Hyperaktivität und Demenz, Depression – Michael Müller über die negativen Auswirkungen von zu viel Zucker.

Zucker: Gift ist eine Frage der Dosis

Drei von fünf Erwachsenen und bereits jedes fünfte Kind in Deutschland haben Übergewicht. Bei Kindern verursacht Fettsucht Fehlstellungen in den Beinen und Füßen wegen der erhöhten Belastung durch das hohe Gewicht. Jeder Übergewichtige kostet das Gesundheitssystem 10.000 Euro pro Jahr – das sind zirka 70 Milliarden Euro Gesamtkosten im Jahr. Die WHO spricht bereits von einer Fettsuchtepidemie. Zu einem großen Teil dafür verantwortlich: Zucker!

Zucker ist ein spezielles Kohlenhydrat und verursacht nach Dr. med. Robert H. Lustig, Endokrinologe und Kinderarzt in den USA, neben Übergewicht auch Stoffwechselkrankheiten, Bluthochdruck, Fettleber, Diabetes, Herzkrankheiten und Karies und steht in dem Verdacht, auch Krebs, Hyperaktivität und Demenz auszulösen. Zucker macht zudem nicht nur physisch, sondern auch psychisch krank: Wissenschaftler stellten einen Zusammenhang zu Depressionen her, außerdem macht Zucker süchtig. Kein Wunder: Zucker dockt im Gehirn an den gleichen Stellen an wie Drogen (Kokain, Heroin u.a.).

Industrieller Zucker

Zucker wird hauptsächlich aus Zuckerrohr und Zuckerrüben sowie der gentechnisch veränderten Zuckerrübe H7-1 (USA) gewonnen. Zur Extraktion des Rohzuckers benutzt man unter anderem Löschkalk, wie er zur Zubereitung von Mörtel verwendet wird. Guten Appetit! Wie bereits zu erkennen ist, kommt raffinierter, also industriell hergestellter schneeweißer Zucker in reiner Form in der Natur nicht vor, sondern ist ein künstliches Produkt.

Der Mensch konnte sich also evolutionär in seiner viele Millionen Jahre dauernden Entwicklung nicht auf die Verstoffwechselung dieses besonders gereinigten und inhaltsleeren Stoffes einstellen – und schon gar nicht auf die großen Mengen, wie sie heute verzehrt werden. Das muss zu Problemen führen.

Allerdings: Die Unterscheidung in „bösen“ industriell verarbeiteten und „guten“ Zucker wie Fruchtsüße stimmt so auch nicht. Zucker in jeder Form hat mehr oder weniger negative Auswirkungen auf den Stoffwechsel des menschlichen Körpers. Wenn wir allerdings eine süße Frucht essen, enthält diese auch einiges an Ballaststoffen, so dass es eine natürliche Sättigungsgrenze für uns gibt. Damit können wir auch normalerweise von dem natürlichen Zucker keine Übermengen essen.

Verschleierungstaktik der Zuckerindustrie

Heute enthalten jedoch drei Viertel aller von der Industrie hergestellten, abgepackten Lebensmittel Zucker mit über fünfzig verschiedenen Namen wie Saccarose, Streuzucker, Rohrzucker, Rübenzucker, Glucose, Fructose, Agavendicksaft, Ahornsirup, Fruchtsüße, Traubenzucker, Fruchtzucker, Puderzucker usw. Und das oft versteckt. Denn auf jeder Lebensmittelverpackung stehen die Inhalte mit dem höchsten Anteil ganz vorne. Wenn nun drei bis vier verschiedene Zuckersorten enthalten sind, nehmen diese nur geringere Anteile ein, können deshalb auf die hinteren Plätze verwiesen werden und fallen somit nicht mehr groß auf – eine clevere Verschleierungstaktik. Die Gesamtmenge an Zucker in unseren „Lebensmitteln“ ist immens. So enthalten zwei Liter Eistee umgerechnet etwa 40 Stück Würfelzucker, ein Becher Fruchtjoghurt zirka sechs, eine Tasse Kindertee rund drei, ein Glas Rotkohl ungefähr 25 Stück Würfelzucker – und von Limonaden brauchen wir gar nicht zu reden.

Zucker als Gesundheitsproblem

Diese versteckte „Überfütterung“ hat es in sich: Weltweit verdoppelte sich in den letzten dreißig Jahren die Zahl der Übergewichtigen auf zirka 600 Millionen, die Zahl der Diabeteserkrankten verdreifachte sich auf rund 347 Millionen. Der tägliche Zuckerkonsum ist in dieser Zeit um ungefähr 46 Prozent gestiegen. Bis vor zwei- bis dreihundert Jahren lag der Verbrauch von Zucker pro Person bei rund zwei Kilo im Jahr, heute sind wir in Europa bei fast vierzig Kilo im Jahr angelangt, in den USA sogar bei rund sechzig Kilo. Zucker ist zur Zeit ein größeres Gesundheitsproblem als beispielsweise Aids oder andere Infektionskrankheiten – zunehmend auch in den Entwicklungsländern.

Zucker besteht aus Fructose und Glucose. Die Glucose wird von allen Organen des menschlichen Körpers verarbeitet, aber Fructose fast nur von der Leber. Wird die Leber nun durch ein zuckerhaltiges „Erfrischungsgetränk“ überschwemmt, dann wandelt sie das Zuviel an Fructose in Fett um – damit steigt das Risiko, sich eine der oben erwähnten Krankheiten zuzuziehen. Mittlerweile haben ein Drittel aller US-Bürger eine nichtalkoholische Fettleber durch Zuckerkonsum.

Fett als Ablenkungsmanöver

In den letzten dreißig bis vierzig Jahren wurde unsere Aufmerksamkeit immer mehr auf das Fett als Ernährungsproblem gelenkt. Eine ganze Industrie hat sich darauf eingestellt und bietet fettarme Lebensmittel an. Dahinter steht eine Verdrehung der Tatsachen. Auf eine Ernährung mit natürlichem Fett hat sich unser Körper evolutionär einstellen können – er kommt damit zurecht. Fett in riesigen Mengen zu essen ist natürlich für die Gesundheit auch nicht förderlich.

Die Propagierung einer fettarmen Ernährung allerdings ist ein Ablenkungsmanöver der Zuckerindustrie. Als Folge werden massenhaft fettarme Lebensmittel angeboten, in denen aber oft viel Zucker ist, der schlecht verstoffwechselt wird und dann dick macht.

Fett hat keine Lobby, Zucker schon. Seit fünfzig Jahren unternimmt die Zuckerindustrie alles, um wissenschaftliche Studien über die Schädlichkeit von Zucker mit Gegenstudien zu widerlegen. Es werden Wissenschaftler „eingekauft“, um die Branchenmeinung zu vertreten und eine Entscheidung darüber, Zucker als schädlich einzustufen, abzubiegen – eine perfekte Desinformationskampagne. Wenn alles nicht hilft, werden die wenigen Wissenschaftler, die die Schädlichkeit von hohem Zuckerkonsum erkannt haben, in der Öffentlichkeit lächerlich gemacht oder ihre Arbeitsweisen als unwissenschaftlich bezeichnet. Die öffentliche Hand spart zudem wegen schwindender Einnahmen immer mehr bei den Forschungsetats der Hochschulen, was der Industrie sehr entgegenkommt – sie springt gerne ein und finanziert die Forschung in ihrem Sinne. Es geht um riesige Profite und auch um die Macht solcher Konzerne wie Coca Cola, McDonalds, Nestle usw.

Die WHO empfiehlt momentan maximal 50 Gramm Zucker am Tag für einen Erwachsenen, für Kinder die Hälfte. Der reale Verzehr liegt bei 100 Gramm und mehr – auch bei Kindern …

 


Literaturangaben:

Prof. Dr. John Yudkin und Prof. Dr. Robert H. Lustig:
Pur, weiß, tödlich.
Warum der Zucker uns umbringt – und wie wir das verhindern können
Systemed Verlag 2014

Damon Gameau:
Voll verzuckert – That Sugar Book:
Wie uns die Lebensmittelindustrie dick macht und für dumm verkauft
Gräfe und Unzer 2015

Gary Taubes:
Why We Get Fat: And What to Do About It
Ancho

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