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Schatzsuche – die Kolumne von Sean Grünböck

Wie viele Besitztümer müssen wir ansammeln, was müssen wir erleben und welchen Erfolg haben, bis wir uns endlich zufrieden zurücklehnen können? In uns herrscht eine Unruhe, die es uns nie erlaubt länger innezuhalten und den Moment zu genießen. Und selbst wenn es uns gut geht, haben wir immer das Gefühl, unsere Umstände weiter verbessern zu müssen.

Ich kann dieses Phänomen in letzter Zeit gut in mir selbst beobachten. Wenn ich mein Leben etwa mit dem eines Flüchtlings vergleiche (ein Vergleich der derzeit ja auf der Hand liegt), dann ist es offensichtlich, dass es mir eigentlich ziemlich gut geht. Doch egal wie gut es mir auch geht, es bleibt immer Platz in meinem Geist, um unzufrieden zu sein.

Ich muss bei diesem Thema immer wieder an eine Aussage von Udo Jürgens denken, der ja immens erfolgreich war und doch nie so recht zufrieden wurde. Er war, wie viele von uns, mehr am Auf und Ab des Lebens interessiert war und nahm für das Erleben großer Glücksmomente auch das Tief der Depression in Kauf.

„…das mit den Glücksmomenten. Mein Bruder ist eher der Typ zufriedenes Leben. Man muss natürlich wissen, das Glück ist ein flüchtiger Vogel. […] Man sehnt sich immer nach dieser friedlichen Variante, besonders wenn man älter wird. Aber kaum ist man zufrieden, beginnt einen diese Zufriedenheit zu langweilen…“ 
– Udo Jürgens 2014 im Zeitmagazin

Warum aber sind wir so schnell gelangweilt? Weil wir unser Glück zu sehr in äußeren Umständen suchen, die aber alle vergänglich sind. Innerlich spüren wir, dass alles vergehen wird und können somit nie ganz abschalten und zur Ruhe kommen, brauchen immer das nächste Abenteuer…

Was also ist Zufriedenheit?

Wenn man es so betrachtet, erkennt man, dass sich Zufriedenheit nicht einstellen wird, nachdem wir X erlebt, Y gekauft und Z erreicht haben. Zufrieden wird man also nicht nach einem bestimmten Ereignis in der Zukunft, zufrieden sein kann man nur hier und jetzt. Eigentlich sagt es das Wort eh schon: Zu Frieden. Das heißt im Frieden sein. Im Frieden womit? Im Frieden mit uns selbst und mit diesem Moment, so wie er ist. Im Frieden damit, dass wir sterben werden und dass alles, was wir in diesem Leben tun und erreichen, nicht dauerhaft und somit vielleicht nicht auf die Art und Weise sinnstiftend ist, wie wir das gerne hätten.

Aber wie können wir denn wirklich mit unserer Sterblichkeit im Frieden sein? Fundamental wohl nur, wenn wir unsere innere Natur kennenlernen, die jenseits von Leben und Sterben liegt, und mit dieser in Kontakt bleiben Das ist natürlich das Ziel sämtlicher spirituellen Traditionen. Um mit sich selbst in Kontakt zu kommen, muss man aber zunächst einmal seinen Geist zur Ruhe kommen zu lassen, denn es ist unser unruhiger Geist, der uns die Sicht auf unsere wahre Natur verstellt. Natürlich gibt es viele Wege um seinen Geist zu beruhigen – Sport, Tanz, Natur, Sex etc. –, es muss also nicht Meditation sein. Nur sind spirituelle Praktiken starke Werkzeuge, die gut erprobt und verfeinert wurde…

Zufriedenheit kultivieren

Zufriedenheit ist also ein Zustand, der durch unseren Kontakt mit unseren inneren Natur ausgelöst wird. Dieser Zustand stellt sich von selber ein, wenn unser Geist ruhiger wird. Wir können aber auch zu diesem Zustand finden und ihn verstärken, indem wir uns bewusst für ihn entscheiden. Das heißt, wir können Zufriedenheit kultivieren.

Das macht man am besten, indem man sich angewöhnt sich auf die positiven Dinge im Leben zu konzentrieren und dafür dankbar zu sein. Und im Buddhismus wird uns nahegelegt, auch für die scheinbar negativen Erlebnisse dankbar zu sein, denn sie sind es, die uns aus dem Traum von Samsara aufwecken und uns immer wieder an die Wichtigkeit der spirituellen Praxis erinnern.

Neben der Dankbarkeit ist auch noch die Einfachkeit wesentlich. In unserer modernen Gesellschaft tendieren wir dazu alles immer komplizierter zu gestalten und zu sehen. Unser Geist hat ein Faible für das Komplexe, denn darin kann man sich mit seinen Gedanken gut verlieren. Doch diese komplizierte Art zu denken und das Leben zu sehen macht uns oft unglücklich – vor lauter Denkerei verlieren wir den Kontakt zu dem jetzigen Moment und können die kleinen Freuden im Leben nicht mehr wertschätzen.

Und natürlich hilft es auch von seinem Kopf zurück in seinen Körper zu kommen, indem man etwa Sport macht. Erstens, weil es leichter ist, zufrieden zu sein, wenn man gesund ist. Und zweitens, weil unser Körper nie unzufrieden ist, sondern immer nur unser Kopf.

Also nehme ich mich beim Wort und lasse all diese Worte beiseite, um zur Einfachheit zurückzukehren und dankbar meinem Körper eine abendlichen Tasse Tee zu gönnen… 😉

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