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Von der Großartigkeit des Gewöhnlichen

        
„Das persönliche Zusammensein, das wir im Gespräch erleben, kann Bedeutsamkeit weit wirksamer vermitteln als jedes Buch.

Viele Menschen, die zu meinen Dialogen kommen, berichten, dass ihr Verstand es irgendwann aufgibt, nach Antworten zu suchen und innere Stille einzieht.“ (Tony Parsons)

Dialoge mit Tony Parsons
Auszug aus „As it is – Dialogues on The Open Secret“ von Tony Parsons.
Übersetzung: Karin Usbeck / Hetty de Vries / Shako M.Burkhardt

Wir sprechen heute über das Gewöhnliche und seine unglaubliche, atemberaubende Großartigkeit. Es ist eigentlich immer ganz einfach, scheinbar unauffällig, und so gehen wir daran vorüber und suchen nach etwas Magischem. Doch genau hier, in diesem Moment, ist es möglich, zu sehen, wer wir sind. Wenn Menschen das Bedürfnis nach etwas Magischem haben, wird es immer Magier geben, die dieses Bedürfnis erfüllen – aber nichts davon ist für das Erwachen von Bedeutung.

Frage: Aber ist das nicht einfach so etwas wie eine Einladungskarte, um Menschen anzuziehen und ihnen dann später zur Erleuchtung zu verhelfen?

Zuallererst: Niemand kann irgendeinem Anderen zur Erleuchtung verhelfen. Das ist keine Angelegenheit, wie wenn Bill Joe das Autofahren beibringt. Erst, wenn es da niemanden gibt, ist es möglich, dass sich illusorische Glaubenssysteme, die nur Verwirrung stiften, auflösen und einer neuen Art von Verständnis Platz machen. Aber es gibt niemanden, der einem anderen helfen kann … Verstehen geschieht einfach in diesem unermesslichen Raum. Wenn jedoch jemand von sich glaubt, persönlich erleuchtet worden zu sein – was ein Widerspruch in sich ist – und das Bedürfnis verspürt, anderen Menschen dabei zu helfen, dann wird wahrscheinlich dieser Versuch geschehen. Die Kommunikation wird dualistischer Natur sein und Menschen anziehen, die noch ein Bedürfnis danach haben, verwirrt oder abhängig zu sein.

Frage: Nach welcher Art von Lehrer sollen wir dann Ausschau halten?

Ich würde jemanden empfehlen, der dir absolut nichts gibt und dich mit einem Gefühl der Hilflosigkeit zurücklässt. Dann ist es möglich, dass du nur mit dem zurückbleibst, was ist. Wenn dir jemand sagt, dass es etwas gibt, was du tun oder wie du sein kannst, um erwachen zu können, dann füttert er bloß deine Vermeidungsstrategien.

Frage: Was meinst du damit?

Wir alle haben sowohl eine tiefe Sehnsucht danach, zu entdecken, wer wir sind als auch eine tiefe Furcht davor, und unser Verstand tut alles, was er kann, um diese Entdeckung zu verhindern. Und der wirkungsvollste Trick, das Erwachen zu verhindern, ist, danach zu suchen. Wenn sich etwas zu öffnen beginnt in Richtung der revolutionären Möglichkeit, von der wir hier sprechen, dann sieht der Verstand, dass dies eine Bedrohung für ihn ist. Bei einigen Menschen sehe ich, wie eine Zeitlang ihre größten Ängste hochkommen und sie am liebsten wegrennen oder etwas dagegen tun möchten, von diesen Ängsten überwältigt zu werden. Das kann eine bedeutsame Phase sein, in der oftmals nach Fluchtwegen gesucht wird. Einige werden an einem gewissen Punkt fortgehen, um einen Lehrer zu finden, der ihnen etwas zu geben scheint … einen Prozess oder einen Weg, die Gedanken zu transformieren, das Ego zu überwinden, ehrlich zu sein, tugendhaft und so weiter. (…) All diese Formen des Lehrens, die auf eine Person bezogen sind, sind für das Erwachen belanglos, aber sie haben eine enorme Faszination für den Geist und halten ihn für eine Weile beschäftigt.

Frage: Aber es muss doch sicher ein gewisser Antrieb da sein, um diese Sache zu finden?

(…) Wenn Antrieb da ist, dann ist er eben da. Wenn nicht, dann nicht. Aber das Entstehen von Befreiung wird weder von dem einen, noch von dem anderen berührt, und sobald du glaubst, auf eine gewisse Art sein zu müssen, hast du, und ebenso dein Lehrer, vollkommen den Punkt verpasst. (…)

Frage: Also kurzgefasst, da gibt es nichts, was ich tun kann?

Du brauchst nur zu erkennen, dass du nicht etwas tun kannst, was du bereits bist … öffne einfach deine Augen und sieh, dass es genau das ist. Selbst deine Frage ist die Antwort auf deine Frage. (…) Vergisss die Frage. Alles Leiden rührt von der Frage „Warum?“ Lass die Frage einfach da sein, weil sie die Antwort ist. (…) Es ist hier, es ist, es ist bereits, was du bist.

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