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Der Text ist ein Auszug aus dem Buch „Rude Awakening“ von P.T. Mistlberger, übersetzt von Torsten Hunold

Die harte Wahrheit ist: Unsere spirituellen Erfahrungen sind nur eine Last, die es wieder loszulassen gilt. Sie machen uns zu nichts „Besonderem“ – aus dem einfachen Grund, weil wir nicht „besonders“ sind. Realität – oder die tiefste Wahrheit unserer ­Natur – ist keine „Erfahrung“. Wie außergewöhnlich unsere ­Erfahrungen auch sein mögen, sie sind nur Erfahrungen. Sie ­definieren uns nicht mehr als ­unser letzter Gang zum Klo.

 

 

Die Sache mit falschem Erwachen ist eine ellenlange Geschichte. Nichtsdestoweniger ist es wichtig, sie anzuschauen, wenn auch nur wegen ihrer weiten Verbreitung. Und wir sprechen hier nicht nur von dem stereotypen Religiös-Entrückten, der behauptet, Gott gesehen zu haben, und wichtige Botschaften für die Menschheit verkündet. (Die vielleicht lustigste Geschichte, die ich zu diesem Thema gehört habe, ist die von einem Christen, der behauptete, während einer Vision in die Hölle ­geführt worden zu sein, und danach pflichtbewusst meldete, dort den Buddha gesehen zu haben.) Worüber wir wirklich reden, sind die subtilen Täuschungen, die durch veränderte Bewusstseinszustände und ähnliche Erfahrungen verursacht werden können.

Einige von euch kennen bestimmt die (wahre) Geschichte von drei Männern, die aufgrund einer mystischen Offenbarung davon überzeugt waren, die Reinkarnation von Jesus zu sein. Man brachte sie in eine Gummizelle. Als man sie einige Stunden später wieder hinaus ließ, war einer von ihnen immer noch Jesus und die anderen seine Jünger. Die Geschichte beleuchtet eine wichtige Tatsache: Eine persönliche Erfahrung, kombiniert mit einer charismatischen Persönlichkeit, ist eine potente und potentiell schwierige Kombination, denn sie kann andere leicht in ihren Bann ziehen.

 

Autoritätskonflikte

„Falsches Erwachen“ beruht häufig auf ungeklärten Autoritätsthemen. Deswegen ist es eine wichtige Aufgabe jedes Lehrers, diese Täuschungen zu benennen, wenn sie bei dem Suchenden auftauchen. Wenn jemand sich jedoch gegen jede Art von Rat/Führung wehrt („Ich kann das selbst“), wird er sich aller Wahrscheinlichkeit nach im Dunkel seines Geistes verlaufen. Wir alle haben blinde Flecken, deren größter manchmal als unsere Kernidentifizierung bezeichnet wird. Wenn wir ernsthaft an und mit unserer Kernidentifizierung arbeiten, haben wir eine Chance auf echtes Erwachen. Ein Suchender muss darum bereit sein, seiner Kernidentifizierung zu begegnen – doch wenn er es zu früh tut, kann es ihn sehr verstören und ganz und gar vom Pfad des Erwachens abschrecken. Ich habe das persönlich einige Male mit angesehen, oftmals damit einhergehend, dass der Suchende auf einmal den spirituellen Weg verunglimpfte – ebenso wie seinen Lehrer.

Mit anderen Worten: Wenn wir zu „beratungsresistent“ sind oder Widerstand haben gegen direkte Rückmeldungen bezüglich unserer Person, ist die Chance groß, dass wir uns in Verleugnungen oder anderen Ebenen der Täuschung verfangen und annehmen, dass wir weiter fortgeschritten sind, als wir es tatsächlich sind. Problematischer wird es noch, wenn wir daraufhin glauben, andere führen zu können, und damit unausweichlich das negative „Ursache-Wirkungs-Karma“ ernten, wenn wir diese anderen dann fehlleiten. Darum: Ein echtes Erwachen hängt zum großen Teil vom Willen des Suchenden ab, eine wie auch immer geartete Form von Führung zu akzeptieren oder zumindest in Beziehung zu anderen überzeugten Suchenden  und Praktizierenden innerer Disziplinen zu bleiben.

 

Austausch mit Gleichgesinnten

Das ist zugegebenermaßen eine schwierige Sache, da alle Erleuchtungen von Natur aus selbst-wahrgenommen sind und nicht von jemand anderem verliehen werden – egal wie großartig diese Person zu sein scheint. Wir müssen die Wahrheit selbst herausfinden. Und dennoch müssen wir zur gleichen Zeit die „Anderen“ finden, die Gleichgesinnten. Wir müssen uns vor zu viel Isolation schützen. Wir brauchen irgendeine Art von Gemeinschaft, wie klein auch immer diese ist. Sogar Mönche leben und meditieren gemeinsam; sogar Eremiten brechen gelegentlich das Brot mit anderen Eremiten.

Das eigentliche Kennzeichen eines falschen Erwachens ist – neben der Tendenz, dass es häufig zusammen mit einem Übermaß an Isolation auftritt –, dass es nur ein veränderter Bewusstseinszustand ist. Es ist ein Zustand des Geistes. Authentisches Erwachen ist kein Geisteszustand. Es ist ein Augenblick oder (abhängig von der Tiefe) eine Realisation der Wirklichkeit jenseits jeglicher Täuschung und Verzerrung. Das Erwachen ist synonym mit äußerster Natürlichkeit, dem direkten und stillschweigenden Verständnis, dass alle Dinge schlicht sind, einfach so, wie sie sind.

Der Satz „alle Dinge sind schlicht, wie sie sind“ mag wie ein Standard-Zen-Klischee anmuten, tatsächlich gibt es jedoch keine bessere Beschreibung. Ein erwachter Geist streitet nicht mit dem Universum. Das heißt nicht, dass er passiv ist – nur dass er aufhört, die Realität zurückzuweisen, die sich von Moment zu Moment entfaltet. Der Sufi-Mystiker Kabir spielt genau darauf an, wenn er sagt: “Der Fisch im Ozean ist nicht durstig.“ Es gibt eine wahrgenommene Nahtlosigkeit zwischen dem Bewusstsein („Ich“) und der Welt („Das“). Tieferes Erkennen beugt sich der Einsicht, dass es keine wirkliche Trennung zwischen Bewusstsein und Welt gibt – so wie es in Kabirs Metapher für einen Fisch nicht möglich ist, im Ozean durstig zu sein (außer für einen mit einem verirrten Geist).

 

Feuerwerke unserer inneren Welt

Falsches Erwachen basiert immer auf Erfahrungen, von denen wir getrennt bleiben. Es gibt „mich“ hier und es gibt „wow“, die Erfahrung. Um eine grobe Analogie zu verwenden: Viele Leute mögen Feuerwerke. Sie stehen dort, schauen in den nächtlichen Himmel und sehen diese wundervollen bunten und komplexen Muster wiederholt aufblühen und vergehen, begleitet von lauten Böllern oder kurzen Krachern. Nach einer halben Stunde, nachdem alles Feuerwerk verschossen ist, bleiben nur die Rauchschwaden und die Show ist vorüber. Und du gehst nach Hause (vielleicht mit einigen Fotos). Analog dazu gibt es Feuerwerke in unserem inneren Erfahrungsfeld, die ebenso wieder verschwinden. Viele Leute mögen sie wegen ihrem Schillern. Sie unterhalten uns, lenken uns intensiv ab. Aber nicht für einen Moment sind wir wahrhaftig Teil dessen, was wir erleben. Und darum bleiben, wenn die Show vorbei ist, nur die sich langsam auflösenden Rauchschwaden – Erinnerungen, die nach ein paar Tagen verschwinden, nichts bleibt zurück.

Falsche Erwachen – „Erleuchtungserfahrungen“ – sind dem sehr ähnlich. Sie sind im Wesentlichen die Feuerwerke unserer inneren Welt – zusammen mit verwandten Ereignissen wie Verliebtheit, dem Bewegt-Sein von großartiger Musik oder Kunst oder Literatur usw. Dies alles sind letztendlich Erfahrungen. Eine Erfahrung zu machen braucht ein vom Subjekt getrenntes Objekt oder eine Erfahrung, der das Subjekt beiwohnen kann. Deshalb braucht eine jede Erfahrung Dualität oder Trennung. Alles authentische Erwachen dagegen geht einher mit direkter Erkenntnis und dem Bewusstsein tiefer Verbundenheit und letztendlich Einheit, Nicht-Dualität.

 

Einheit ist keine Erfahrung

An diesem Punkt mag eine natürliche Frage auftauchen: Wenn wir von dieser „Einheit“ kosten und sie dann verlieren können, macht es diese Einheit dann nicht einfach nur zu einer weiteren Erfahrung? Können wir nicht einfach sagen, „Ich hatte eine Erfahrung von Einheit, aber leider ist sie vorbei“? Wir können das sicherlich sagen, aber die Formulierung ist nicht ganz korrekt, denn das getrennte Selbst („Ich“) kann die Einheit nicht erfahren. Vielmehr ist es so, dass wir einen flüchtigen Eindruck von Nicht-Dualität – Realität – hatten, wonach der normale Zustand, die Dualität von „mir“ und „meinen Erfahrungen“, wieder eingekehrt ist. Um dem Ganzen Sinn zu verleihen, rahmt unser Geist es dann als Erinnerung ein und macht daraus eine Erinnerung an ein Erlebnis, das „ich“ gehabt habe. Obwohl es nicht das ist, was tatsächlich passiert ist. Doch der Geist versucht, das Erlebte auf eine Art zu verarbeiten, die ihm geläufig ist.

Eine weitere enthüllende Qualität falscher Erleuchtung ist, dass sie typischerweise vom Ego benutzt wird, um das Selbstbild aufzubessern. Sie endet nicht selten in Selbst-Überhöhung und damit auch in einer Tendenz, andere als geringer zu bewerten, weniger „besonders“. Darum: Wenn jemand große Probleme mit seinem Selbstbild hat, vielleicht, weil er glaubt, von seiner Familie, der Welt und anderen nicht ausreichend gewürdigt zu werden, kann er sich leicht verirren und nutzt seine spirituelle Erfahrung als Krücke, um sein „Selbst“ zu stärken. „Ich mag ja sonst in allem versagt haben, aber nun weiß ich, dass ich auf diesem Gebiet überlegen bin, was wirklich am allerwichtigsten ist, denn es ist schließlich spirituell.“ Es gibt eigentlich kaum einen Unterschied zwischen dieser Sicht der Dinge und der unerträglichen Rechthaberei vieler religiöser Fundamentalisten.

Oftmals liegt nur ein schmaler Grat zwischen falscher Erleuchtung und Geisteskrankheit. Aus diesem Grunde ist es fast immer notwendig, irgendeine Art Führung auf dem Weg zum Erwachen anzunehmen. Es ist nicht einmal wichtig, ob diese Führung von „perfekter“ Qualität ist oder nicht (mit Sicherheit wird sie nie perfekt sein); bedeutsam ist der Wille und die Demut, über die eigene isolierte Sichtweise der Realität „Ich habe recht!“ hinauszuwachsen. Natürlich gibt es immer ein Risiko dabei, zum Erwachen geführt zu werden (so wie es ein Risiko bezüglich allem im Leben gibt), aber dieses Risiko ist wesentlich geringer als das, seine eigenen Erfahrungen bezüglich anderer Bewusstseinszustände mit wahrer Weisheit und befreitem Erwachen zu verwechseln.


Abb: © lassedesignen – Fotolia.com

Workshop „Deep Awakening – Arbeit mit deinen Schattenseiten“ mit P.T. Mistlberger
vom 6.-9. Juni im ­Triguna-Zentrum in Berlin Pankow.

Mehr Infos zum Workshop, zum Infoabend am Mittwoch, 8.5.13 (19 Uhr) und weiteren Buchauszügen bei Torsten ­Hunold unter Tel.: 0176-64 02 64 97 oder torrez@arcor.de

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9 Responses

  1. Joe R.

    Immer wieder ärgerlich für mich (was sagt mir das?) ist die Schlampigkeit mit der das Thema schriftlich und verbal kommuniziert wird.
    So behauptet der Autor: Authentisches Erwachen ist kein Geisteszustand, sagt aber nicht genau, was es stattdessen sein soll; nur: a) dass es ein Augenblick ist (also eine Zeiteinheit!) oder b) eine „Realisation der Wirklichkeit jenseits…“ usw..
    Doch „Realisation“ ist ja wohl nur ein anderer Begriff für Erkennen (was oder wessen auch immer; ich benutze dafür gern den Ausdruck „sehen“ in Anführungsstrichen). Wer aber könnte etwas erkennen/sehen/realisieren, wenn nicht der Geist (was immer das sein mag)? Er wechselt dann also vom Modus/Zustand des Nichterkennens in den des Erkennens/der Realisation (der – nebenbei bemerkt – gleichzeitig ein Zustand des Nichtwissens ist!)
    Ergo: Erleuchtung/Erwachen als Geisteszustand zu bezeichnen macht durchaus Sinn, oder umgekehrt formuliert: es nicht als Geistzustand zu bezeichnen, sondern sprachlich anders herumzuschwurbeln, sorgt für Verwirrung, statt für Klarheit (was ja zunächst auch hilfreich sein kann, aber in diesem Fall…?)

    Weiter: „Falsches Erwachen“ (egal ob in Anführungsstrichen oder nicht) kann es nur geben, wenn es richtiges Erwachen gibt – logisch.
    Gäbe es richtiges Erwachen, müsste man dafür Kriterien aufstellen können, um es vom falschen zu unterschieden (auch wieder logisch)
    Man müsste es also definieren, beschreiben usw., was der Autor ja ansatzweise auch versucht – nur leider schlecht und ungenügend – wohl auch, weil ihm bewusst ist, wie schwierig bis unmöglich das ist. Statt dessen flüchtet er sich in Ausflüchte („Die Sache mit falschem Erwachen ist eine ellenlange Geschichte.“) – was gar nicht mal so schlimm wäre, wenn er nicht quasi im falschen Film landen würde: denn es geht selbstverständlich nicht ums „falsche“ Erwachen, sondern um ungenügendes, zu wenig tiefes oder wie auch immer man es bezeichnen möchte (jedenfalls ist der Begriff „falsch“ in diesem Kontext falsch, denn er führt auf die falsche Spur!). Allerdings muss man dem Herrn Mistlberger zugute halten, dass er im Ursprungstext gar nicht „wrong“ oder „false“ verwendete, sondern „rude“ – was mit „falsch“ nur schlecht übersetzt wurde.

    Andererseits ist es nicht nur ein Übersetzungsproblem, denn in einer Formulierung werden „Erleuchtungserfahrungen“ mit „rude awakening“ gleichgesetzt. Erleuchtungserfahrungen sind aber Erleuchtungserfahrungen – nicht mehr und nicht weniger (und es ist nebenbei bemerkt auch egal, ob man sie durch Drogen induziert, durch Sauerstoffmangel oder -überschuss (Pranayama) oder durch Wasserentzug oder Singen oder sich Kreis drehen). Das heißt, eine entsprechende Erfahrung mit den entsprechenden Einsichten kann nicht „falsch“ oder ungenügend sein; sie kann nur fälschlicherweise als (z.B.) endgültig oder genügend (um z.B. zu lehren) angesehen werden. Und genaugenommen nicht einmal das, denn schließlich gibt es keine endgültige, letztendliche Einsicht/Erkenntnis/Realisation. Das Sein hat keinen Grund, es ist ein Kreis bzw. ein Dorntorus (um ein dreidimensionales Bild zu gebrauchen).

    Und nur weil jede Erfahrung einen Anfang und ein Ende hat (wie alles in der Manifestation) muss man ihr auch nicht das Epitheton „flüchtig“ anhängen. Genauso gut kann es profunde und tiefgehende „Erleuchtungserfahrungen“ geben, die sich vielleicht wiederholen und denen sich verschiedene aber ähnliche Aspekte/Qualitäten des Seins offenbaren → die in ihrer Gesamtheit dann immer mehr DAS aufscheinen lassen.

    Auch, dass eine bestimmte Erfahrung vom Ego benutzt wird um sich zu stärken, spricht weder gegen die Erfahrung noch ist es eine „enthüllende Qualität“ (also ein Zeichen für eine ungenügende, falsche Erleuchtung – was für ein merkwürdiger Gedanke).
    Das Ich (in der Szene irreführenderweise immer „Ego“ genannt) könnte man in diesem Kontext als eine Art Verdichtung oder Kontraktion innerhalb des Absoluten ansehen; diese Kontraktionen sind Bilder/Ideen/Konzepte/Überzeugungen… einschließlich der, eine vom Rest getrennte, eigenständige, autark handelnde Entität zu sein (ein Mensch, eine Seele, ein Engel usw…) sie treten auf oder sie treten nicht auf (dass sie auftreten, hat was mit dem Körper als grobstofflichste Kontraktion/Form zu tun). Es macht durchaus Sinn, den Zustand, in dem sie länger nicht erscheinen, als „Erleuchtung“ zu bezeichnen. Was anderseits aber NICHT bedeutet, wenn sie da sind, kann man nicht (richtig) erleuchtet sein… usw…

    Fazit: das Thema „vollständiges oder unvollständiges Erwachen es sicherlich wert“, behandelt zu werden, und die „Warnungen“ sind wohl auch berechtigt. Doch sollte jemand, der sich als Experte ausgibt, das auch in der schriftlichen Darstellung beweisen. Zumindest in dem Ausschnitt des Buches ist davon nicht allzuviel zu sehen.

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  2. Gabriele P.

    Ich finde, man kann nicht von falschem oder richtigem Erwachen sprechen. Menschen, die im Seinsgefühl leben, wissen was sie wissen bzw. nicht wissen. Das ist das was unabänderlich immer wahr ist: die Realität. Dass alles tatsächlich eins und ungetrennt und untrennbar ist – auf der Ebene des Seins. Das zu erleben, sich dessen bewusst zu sein macht aber keine Reife aus oder befähigt sicher nicht zum Lehrer. Und: wir alle sind geprägt durch Erlebnisse in der Kindheit, die schmerzlich waren – die meisten Menschen sind irgendwie traumatisiert, insbesondere natürlich die Kriegs- und die Nachkriegsgeneration. Diese Traumata haben sich in Körper/Seele/Geist eingegraben und können jederzeit getriggert werden und Reaktionen hervor rufen, die weit weg vom Frieden der Seinsgewissheit sind – auch bei noch so Erwachten. Auch mangelndes Selbstbewusstsein kommt aus einer solchen Quelle oder der Wunsch, eine herausragende Rolle zu spielen, vielleicht Lehrer zu werden o.ä. Selbstverständlich gibt es auch Menschen, die einfach dazu geboren sind und ganz natürlich in eine solche Rolle hinein wachsen – Mooji halte ich für einen solchen. Aber egal. Die Meisten haben trotz sog. „Erwachens“ einige dunkle Flecken in sich, in die das Licht der Realität nur mühsam eindringen kann. Das erkennt man an Gedankenketten, die auf Trigger hin ablaufen, daran, dass man sich Geschichten erzählt, meint Recht zu haben, andere Unrecht, daran, dass man verletzt ist, sich getroffen fühlt, oder sich schuldig fühlt, einsam, ungeliebt, daran dass man Angst hat – all das sind Anzeichen dafür, dass diese „Ecken“ der Psyche nicht erwacht sind – andere können es durchaus sein.
    Wir alle können nur mehr oder weniger erwacht sein, und das ändert sich auch, ist in Bewegung wie alles im Leben. Mal sind wir sowas von im Frieden, dann wieder gar nicht, weil etwas getriggert ist…
    Es gibt Möglichkeiten, damit zu arbeiten, das Bewusstsein im Körper an die Orte zu lenken, wo diese Dinge spürbar sind. Zunächst wichtig, den Schmerz zuzulassen, der hinter Wut oder Ablehnung wirklich steht, dann ihn im Körper aufzusuchen und einfach nur sein zu lassen. Wir alle könnten das gut gebrauchen, anstatt immer vom großen „Erwachen“ zu reden, das man nur haben muss, und alles ist gut.

    Lehrer können sicher hilfreich sein, und wer seiner Intuition und den Winken des Lebens folgt, der wird sicher einen guten Weg gehen. Spirituelle Therapeuten, die an den eigenen Schatten/Traumata arbeiten finde ich super. Jeder, der suggeriert, er sei irgendwo angekommen und könne jetzt ganz toll helfen – no way.

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  3. Viramo

    Meher Baba of Pune, see the report under
    http://www.shreeswami.org/meher-baba-meherabad.htm und die Sufis kennen den Begriff „Majub“ für Meditierer, die aus der falsch Türe gingen, wie sie beschreiben. Spirituell Entwickelte sollten kooperieren und sehen das es viele sehr unterschiedliche Wege zum Gipfel gibt. Mehr oder weniger zu SEIN, ist eine falsche Sichtweise sich mit Anderen zu vergleichen. Plötzliche oder schleichende Erleuchtung ist möglich. Das Schlüsselerlebnis mag aber ähnlich sein, nur die Wege sind verschieden. Das es danach weiter geht, darüber sprechen auch nur wenige. Ist es überhaupt anzustreben, muß jeder selbst entscheiden für sich. Auf der anderen Seite kann man sich auch ständig im Wege stehen und es verhindern. Aus diesem Grund ist auch die Aussage statt zu suchen, sich finden lassen, eine gute Umschreibung.

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  4. Oguzhan Taskin

    Beim Lesen vom Text habe ich mich nicht auf den Inhalt konzentriert, eher sekundär … primär auf das, was es mir Gefühlsmäßig transportiert.
    Die Person die das schreibt, wirkt sehr angespannt und verurteilend.

    Natürlich gibt es Satori-Erlebnisse und Erleuchtung IST ein Bewusstseinszustand, was sonst ?

    Es ist das, was jeder schon ist, nur nicht verwirklicht. Die wenigsten haben ein Spontanerwachen und die meisten haben ein Hinpendeln … wie ein bewusst und unbewusst.

    Das Ego ist nur ein geistig/emotionales Muster und nur er ist das eigentliche Hindernis.

    Ich erkenne es schlicht als Frieden, als ob sie überall und immer ist … dann driftet man in Gedanken und Emotionen, dann kommt es wieder; wie ein Pendeln.

    Es gibt verschiedene Arten von Energien im Energiefeld des menschen; das innere Kind, männliche und weibliche Energie, geistige Energie … Bewustsein formt sich in unterschiedliche Energiearten.

    Jesus: Du bist das Licht des Lebens.

    Du bist schon vollständig und die Erkenntnis dessen ist ein Prozess.

    Alleine das Foto von ihm, ist typisch für diese „überstrahlten“ Erleuchteten, also Verblendeten.

    Der negative Beigeschmack seines Textes ist das, was von seinem Emotionalgehirn kommt.

    Erleuchtung ist Frieden … ganz einfach.
    Wenn du immer Frieden willst, dann musst du dir über den Frieden, der schon ist bewusst bleiben und alles andere als Randerfahrung erkennen.

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  5. spontiwelli

    Der Artikel liest sich ja schön und flüssig, wie es eben bei Werbung und darum geht es ja hier wohl, üblich ist. Und Werbung ist ja durchaus legitim, obwohl wir(das lesende Publikum) nach meinem Empfinden diesbezüglich immer resistenter werden gegen die Werbeflut, gerade auch im sogenannten spirituellen Bereich. Und die Mehrheit der Kommentare scheint dies auch zu bestätigen.
    Mir erscheint ja jedes Wort, in diesem Fall der Begriff „Erwachen“ wie eine verschlossene Kiste, oder besser noch Schrödingers Kiste. Man weiß erst wenn die Kiste geöffnet wird, ob das „Erwachen“ das in der Kiste drin ist, tot oder lebendig ist. Und dieses Öffnen der Kiste geschieht ganz intim im Geist des Suchenden, der eigentlich nur entdecken kann, so geschah es zumindest mir, das Nichts in der Kiste drin ist. Aber diese Nichts ist so potent das Alles drin enthalten ist. Es ist einfach…unbeschreiblich…unfassbar. Das Geheimnis ist offenbar…und bleibt ein Geheimnis. Wer denkt, er hätte es erkannt und könnte es teilen oder mitteilen hat sich nur entsprechendes in die Kiste der Leere hineingedacht wovon er jetzt hofft in irgendeiner Weise davon zu profitieren. Profession: Erwachensverkäufer. Und der Markt dafür erscheint mir grad ziemlich überlaufen. Fazit: Über Erwachte oder Erleuchtete zu reden als gäbe es sie…oder auch nicht… oder wie sie zu sein oder nicht zu sein hätten ist ziemlich müßig. Aber da ich gerade von der Muse dazu inspiriert werde, schreibe ich diesen (augenzwinckernden) Kommentar.

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  6. Frank

    Finde es hilfreich auch solche Artikel zu lesen und begrüßt die Arbeit mit den eigenen Schatten durch den Autor. „Erwachen“ bedeutet ja letztlich sehen was wirklich ist; wer man wirklich ist. Schlafend möchte man doch genau dies vermeiden, meist begründet durch die Angst verloren, krank, wertlos oder gar des Todes zu sein.

    Zu allem was man fühlt und denkt, beobachtend erstmal ein ja (oder ein „sei“) zu schenken ist leicht solange es um angenehme Dinge geht. Bsp. zum tiefen, emotionalen Selbsthaß (den viele von uns in sich tragen/trugen) ein ja zu finden bzw. sich solcher Gefühle bewusst zu sein erfordert Mut und oftmals dient so mancher spirituelle Ausflug auch zu Vermeidung solchles „Erwachens“.

    Ob man Führung braucht oder das ICH gerade mal keine Führung braucht, ist eine Frage die unser Herz in Liebe beantwortet wenn wir zu jeder Antwort bereit sind. Wenn wir es nicht sind, sind wir noch am aufwachen und vielleicht hilft uns gerade dieser Artikel oder diese Frage dabei. Dankeschön dafür.

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  7. Thomas Mack

    Ich glaube, der Author ist in die selbe spirituelle Falle getappt, wie jene, auf die er selber hinweist, denn auch dies ist wieder nur ein weiteres Konzept, es bleibt auf der kognitiven, psychologischen Ebene hängen, daher verlangt es auch nach einem Lehrer und somit nach Belehrtwerden. Aber wie soll ein Nicht-Erwachter einen Erwachten von einem anderen Nicht-Erwachten unterscheiden und beurteilen können, dass dieser ein guter Lehrer ist? Wenn es hier aber wirklich um Spiritualität geht und nicht um weitere Konzepte, dann gibt es eine spirituelle Welt, eine geistige Welt und einen Willen etwas in dieser dualitischen Welt zum Ausdruck zu bringen und ein Kanal dafür, sowie aber auch selbst Ziel und Zweck diesen Ausdrucks, ist meine physische Existenz und das Universum wird sich genau so entfalten, wie es sich entfalten soll, inkl. meiner Wenigkeit, fehlerfrei und vollkommen perfekt. Für mich ist echte Spiritualität zu genau dieser Erkenntnis zu gelangen und diese Erkenntnis vom Kopf in die Eingeweide sinken zu lassen, so dass es zu einer echten Wahrheit für mich wird. Letzten Endes, so scheint es mir, kommt ein Punkt im Leben, wo jeder äußere Lehrer, jedes weitere Buch, jeder Artikel und alle Wahrheiten anderer, nur die eigene innere Wahrheit verfälscht und einem von einzigen echten Meister, Gott im inneren, ablenkt. „Sei still -und wisse – ich bin – Gott“ heißt es doch oder nicht? 🙂

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  8. Anonymous

    Bei mir kam beim Lesen dieses Textes ein Wow auf. Für mein Gefühl, schwabbt mir aus den Worten von Herrn Mistlberger sowas wie die Überheblichkeit entgegen, die er anprangert.
    Natürlich ist es hilfreich, offen zu sein und die eigene Sichtweise selbst zu hinterfragen und von anderen hinterfragen zu lassen. Doch warum muss ich denn unbedingt eine Führung haben? Wir alle sind jederzeit Führung füreinander. Ich lerne von der geistigen Welt, von meinen Freunden, aus Büchern, vom „Penner“ auf der Straße, von den Bäumen, Tieren und sogar auch schon mal von meinen Möbeln, wenn sie mir was zu sagen haben.

    In meiner Welt ist es tatsächlich auch so, dass ich mein ICH brauche, um hier auf der Erde leben zu können. Denn, wenn ich etwas erschaffen möchte, dann muss ich aus dem AllEinen wählen. Dazu brauche ich Grenzen. Diese Grenzen setze ich selbst durch meine Gedanken, Gefühle, Überzeugungen und sie sind selbstverständlich veränderlich und manchmal ist es auch hilfreich und vor allem schön, sie auch fallen zu lassen. Das Gefühl von Grenzenlosigkeit ist phantastisch!
    Ich lebe im Sowohl-als-auch. Da gibt es sowohl die Einheit allen Seins als auch mich als Menschen. Und beides BIN ICH.

    Warum haben so viele spirituelle Menschen nur so viel Angst vor dem wunderbaren Wörtchen ICH?

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  9. Bernd

    „Ich“ (immernoch 😉 habe etwas mit der Ausdrucksweise des Autors gehadert, auch wenn er vieles anspricht, dass in Deshpandes Komentaren zu Pantanjali´s Yoga-Sutren beschrieben ist. Aber am Ende machte es dann doch „Wow“ 😉 nämlich:
    „bedeutsam ist der Wille und die Demut, über die eigene isolierte Sichtweise der Realität „Ich habe recht!“ hinauszuwachsen“
    Mir wird zunehmend klar, es gibt niemandem etwas zu lehren als vielmehr selber Schüler zu sein – ausschliesslich! (Aber selbst dieser Satz ist eine Belehrung 🙁 … so bleibt nur weiter zu lernen aus allem das mir begegnet.
    So denke ich, es gibt nur Schüler in dieser Welt, außer einem Einzigen aber vielleicht teilen wir dies sogar mit ihm/ihr …

    Es macht zunehmend Freude es zu versuchen :-)))

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