Ab dem 26. März wird es in einer Berliner Praxis für Körperarbeit eine Vortragsreihe mit Gesprächskreis zu verschiedenen spirituellen Themen wie Licht, Schatten und Bewusstsein geben.

von Nora Irrgang

Die Symptome des Fehlenden können so unterschiedlich sein. Von Ängsten über Unsicherheit und innere Unruhe bis zu einem diffusen „sich oft schlecht fühlen“. Ein Hauch von Unfrieden und Versehrtheit liegt über vielen Teilen unseres Alltags, als auch über den Seelen und Leben vieler Menschen. Dies äußert sich in einer steigenden Anzahl von psychischen Problemen, Drogenmissbrauch, Konflikten, Gewalt auf gesellschaftlicher als auch auf zwischenmenschlicher Ebene, sowie in dem brutalen, respektlosen Umgang mit Tieren und anderen Wesen der Natur.

Doch mehr und mehr Menschen fühlen, dass etwas falsch läuft. Und damit ergibt sich oft der innere Drang zur Suche. In erster Linie ist es wohl eine Flucht vor den „unguten Gefühlen“, die „die Suche“ treibt. Hin zu „etwas“ anderem, was aber oft nebelhaft bleibt. „Besser eben“. Dieses „Etwas“ hat im Laufe der Menschheitsgeschichte viele unterschiedliche Namen und Gesichter verliehen bekommen und es wurde zum Herz unzähliger Religionen. Gefühlsmäßig kennen sicherlich viele Menschen dieses „Etwas“ in seiner abwesenden Form. Als eine Art Leere oder Loch in sich selbst, was sich besonders gut zeigt, wenn man allein mit sich selbst ist, vorzugsweise ohne diesen Zustand mittels Drogenmissbrauchs oder sonstigen Ablenkungen zu verfälschen.

Der Markt bietet unendlich viele Versprechungen des Findens. Die angebotenen Lösungen und Wege führen jedoch für viele Menschen nicht zu nachhaltigem Erfolg. Die Symptome kehren wieder und wieder und damit wächst die Gefahr, sich in spirituelles Bypassing zu retten. Eine vermeintliche Rettung oder Symptombehandlung, die die Ursachen der Probleme nicht behebt. Die Symptome „wegzumachen“ und ihren Informationsgehalt nicht mehr wahrzunehmen, kann im Gegenteil sogar zur Verschleppung „der Krankheit“ führen. Dies ist kaum besser als eine physische Krankheit mit Schmerzmitteln oder einen schlechten Zustand der Psyche längerfristig mittels Drogenkonsums zu verschleiern.

Ohne Frage kann Meditieren oder das „Enttarnen“ eines falschen Egos ein richtiger Schritt sein. Doch ein gesundes Selbst grundsätzlich zu verteufeln oder vermeintlich negative Emotionen und Schmerzen immer grundsätzlich „wegzumeditieren“, kippt das Kind mit dem Bade aus. Die Wahrheiten und Ursachen hinter den genannten Problemen sind vielschichtig und komplex. Karmische Verstrickungen, eigene Traumata und anerzogene falsche Lebensmuster sind nur einige von vielen Aspekten, die dabei eine Rolle spielen, jenes zu identifizieren, was fehlt und jenes, was zu viel ist und blockiert und losgelassen werden muss. Grundsätzlich sind „schlechten Emotionen“ oder das Gefühl „dass etwas fehlt“ aber Teil der Wahrheit und somit wichtige Informationen auf der Suche. Und Antrieb vorwärts zu gehen, selbst wenn noch unklar ist, wohin eigentlich.

Kontakt zum wahren Selbst

Abstrakt gesagt ist das, was wir in der Leere suchen, jener Teil in uns, der mit „der Welt“ verbunden ist. Man könnte es auch den Kontakt zu Seele/Herz oder wahres Selbst nennen. Nur unser wahres Selbst ist in der Lage, uns bei den Entscheidungen in unserem Leben gut zu beraten und uns vor Einflüssen schützen, die unserer Seele nicht dienlich sind. Fehlt die Verbindung zu dem eigenen wahren Selbst, fällt es uns schwer, innere Balance und Frieden zu fühlen und wir fühlen uns allgemein oft unsicher. Vor allem aber werden wir Probleme bekommen, mit sogenannten „negativen“ Emotionen oder Krisensituationen im Leben sicher umzugehen. Denn – so viel ist klar – ein ganzes Leben in „reiner schattenloser Problemlosigkeit“ kommt nicht vor und würde auch keinen Sinn ergeben, solange Lebendigkeit, Wachstum, Entwicklung und Lernen darin erhalten bleiben soll. Wenn wir unser wahres Selbst (wieder) fühlen können und ihm zuhören (anstelle seine Unannehmlichkeiten wegzumeditieren), können wir Entscheidungen intuitiv im Sinne unserer Seele treffen, den zu uns passenden Lebensweg finden und Krisen mit innerer Sicherheit begegnen.

Der Anfang des Weges…

Wir – also unser Körper und unser wahres Selbst- sind Teil der Natur – der „großen alten Welt“. Und so wundert es auch nicht, dass Menschen schon zu Urzeiten in der Natur nach Lösungen gesucht haben, seit die „Krankheit der Leere“ bekannt ist. Über lange Zeit abgeschieden von der „normalen“ Gesellschaft von Menschen haben Medizinleute, Schamanen, Seidkonas, Völvas, Priester:innen oder Druiden versucht, Antworten in der Natur zu erfühlen. Und diese dann auch anderen Menschen zugänglich zu machen – Menschen, die gefangen in den Pflichten einer künstlichen menschlichen Welt, selbst kein Gefühl mehr für einen Weg zurück ins innere Gleichgewicht erfühlen konnten und können. Auch östliche Heiltraditionen, wie die traditionelle chinesische Medizin, haben sich aus einem schamanistischen Weltverständnis heraus entwickelt und sehen die Natur sinnbildlich überall im Menschen und den Menschen als Teil der Natur.

Die überlieferten, für damalige und heutige Verhältnisse z.T. unfassbar langen, Ausbildungszeiten solcher Berufungen waren wohl nicht deshalb so lang, weil so viel abstraktes Wissen von einem Menschen auf den anderen übermittelt wurde. Vielmehr mussten diese Menschen die Sprache der Natur selbst verstehen lernen, um direkt mit ihr (in sich) kommunizieren zu können. „Die Natur“ sprach dann in Form von „Geistern“, die sich z.B. als Vorahnungen, Gefühle oder Zeichen ausdrücken konnten. Das Erlernen einer anderen Sprache benötigt immer Zeit. Besonders, wenn sie nicht menschliche Worte, sondern „innere Zustände“ als Medium nutzt. Zudem machten und machen die grellen Alltagseinflüsse einer menschlichen Gesellschaft es beinahe unmöglich, auf jenem hohen Sensibilitätsniveau zu leben, welches nötig ist, um der Natur („den Geistern“) in und um sich lauschen zu können.

Aus diesem Grund war auch die Abgrenzung zum menschlichen Alltagsleben zu allen Zeiten nötiger Bestandteil dieser Suche – sei es im abgeschiedenen Sein eines Schamanen oder später das von der profanen Welt entrückte Leben in Tempeln oder Klöstern. Sich von den eigenen Artgenossen isolieren zu müssen, ist ein schwerer und in gewisser Weise sehr unnatürlicher Weg für ein soziales Wesen wie den Menschen. Er erfordert die Konfrontation mit tiefen evolutionären Urängsten. Nicht zuletzt daran wird es wohl auch gelegen haben, dass auf diesem Weg viele Menschen gescheitert sind und das Konzept solcher Berufungen an sich fragwürdig bleibt. Dies wird auch von dem historischen Fakt unterstrichen, dass Schamanen & Co mitsamt ihren Gesellschaften und Weltbildern fast überall auf der Welt untergegangen sind. Sie konnten ihre Aufgabe offensichtlich nicht mehr erfüllen.

Auch in jüngeren Zeiten, in denen Klöster und Glaubensgemeinschaften oft auch zu von der Natur entrückten Orten wurden, wurde der Sinn der Abgrenzung ad absurdem geführt und so mancher falsche Weg eingeschlagen, wie die Geschichte zeigt. Auch kann es fatale Auswirkungen haben, in Abgeschiedenheit funktionierende Konzepte ohne Anpassungen in das Alltagsleben eines modernen Menschen implantieren zu wollen. So macht z.B. das Konzept eines „leeren Gefäßes“ in dem geschützten Rahmen eines Klosters im Zusammenhang mit der Heilung bestimmter „Geisteszustände“ vielleicht Sinn. Doch wie gefährlich kann dasselbe Konzept in einer Umgebung sein, welche ein gesundes Selbst als Schutz erfordern würde. Leere zieht das Außen in sich hinein, egal ob es ungesund oder gesund ist. In einem geschützten Rahmen könnten auf diese Weise gute neue Inhalte auf das System Mensch übertragen werden. In so einem Zustand durch den hektischen Berufsalltag eines modernen Menschen zu jonglieren, wäre dagegen vermutlich eher kontraproduktiv.

Unendliche Aspekte der Wahrheit

Deshalb ist es wichtig, im Bewusstsein zu behalten, dass es keine fixe Wahrheit gibt, die sich irgendwie mit dem menschlichen Verstand eingrenzen und benennen ließe. Es gibt unendliche Aspekte der Wahrheit, die sich jeden Tag alle ändern können – ebenso wie die Natur. Nicht die Wahrheit ändert sich (so wie sich die Essenz der Natur nie ändert), sondern nur ein paar Hundert von ihren Billionen Gesichtern. Vielleicht jeden Tag, vielleicht einmal in tausend Jahren. Niemand kann es wissen. Und es ist auch unwichtig, es zu wissen. Wichtig ist nur, Zugang zu einer eigenen Verbindung zur Quelle aller Wahrheiten zu finden und Antworten nicht in festen Glaubensätzen zu vermuten. Manchmal und in einigen Situationen mögen sie Krücke sein, doch in anderen Situationen können dieselben Glaubenssätze Gift sein und zum Untergang führen. Dieselbe Frage von zwei unterschiedlichen Menschen gestellt, kann zwei völlig unterschiedliche Gesichter der Wahrheit zur Antwort haben. Was für den einen richtig ist, kann in derselben Situation für einen anderen Menschen völlig hinderlich sein. Nur eine lebendige Verbindung zum eigenen Selbst (Seele, Herz) ermöglicht, die eine von der anderen Situation zu unterscheiden. Und das gilt auf persönlicher als auch auf gesellschaftlicher Ebene. Da das menschliche wahre Selbst (NICHT das falsche anerzogene Selbst, unter welches auch ein spirituelles Ego fällt) Teil der Natur ist, ist diese Verbindung auch in der Natur (wieder) zu finden. Und mit ihr auch das Gefühl von Frieden und Erfüllung, was sich darin erspüren lässt, das eigene wahre Selbst im Außen und die ganze Welt im eigenen Inneren gespiegelt zu sehen. Doch auch dies, nur ein kleiner winziger Aspekt, einer unendlichen Wahrheit.

Zugang zur Natur

Doch wie erkennen wir die Seele und Stimme der Natur in Zeiten, da wir kaum mehr Zugang zu echter Natur haben? Was wir kennen sind Wiesen und Weiden, die durch die menschliche Landwirtschaft entstanden sind, Wälder, die mehr Holzplantagen als Natur sind und Tierwelten, die um viele wichtige Teile reduziert worden sind. So sind zum Beispiel in Mitteleuropa kaum mehr freilebende Tiere anzutreffen, die einem Menschen wirklich Respekt abverlangen. Der Rest der verbliebenen Wildtiere geht dem Menschen aus dem Weg, soweit sie können. Ein Zustand, der erst durch die Bejagung durch den Menschen so entstanden ist. Über Flüsse führen uns gewöhnlich feste Brücken. Sümpfe wurden meist trockengelegt. Alles, was einst eine Gefahr für das menschliche Leben sein konnte, wurde mehr oder weniger in den letzten Jahrhunderten, wenn nicht gar Jahrtausenden entfernt oder entschärft. Die meisten Menschen haben aus ihrem Bewusstsein verdrängt, dass Natur nicht nur stille Bergtäler und blühende Blumen ist, sondern auch Kampf, Flucht, Tod und Zerstörung zu ihren Gesichtern gehören, als gleichwertige Teile eines großen Ganzen.

Auch damit muss und kann ein gesundes Selbst umgehen, ohne dadurch aus dem Gleichgewicht zu geraten. Denn es versteht und erspürt sich auch als Teil des großen Gleichgewichts. Sichere Straßen und Brücken führen uns heute von Menschenwohnort zu Menschenwohnort. Kaum vorstellbar für die meisten Menschen, wie es sich anfühlen muss, der Natur in ihrem eigenen Reich auf sich allein gestellt, fern aller menschlichen Siedlungen, gegenüber zu stehen. Nicht auf einer sicheren Straße oder auf einem gut ausgewiesenen Wanderweg. Das Selbst des Menschen hat heute kaum noch Chancen zu lernen, Mut zu finden, Erfahrungen zu sammeln, wie es sich anfühlt, richtige oder falsche Entscheidungen zu treffen. Doch oft genug stehen wir auf nicht-physischer Ebene vor genauso großen, wenn nicht sogar größeren Gefahren. Vor Herausforderungen, die unsere Seele in ihrer Evolution nie kennenlernen konnte und die uns deshalb oft genug völlig überfordern. Unser Selbst ist und bleibt Natur, doch kann es sich im Außen der modernen Menschenwelt nicht mehr selbst finden. Was den Menschen als Wesen über Jahrmillionen der Evolution in der heutigen Form erschaffen und ihm einen Sinn gegeben hat, ist schlicht nicht mehr da. Er rollt als Wesen vielmehr hilflos in einer ihm fremden und sinnlos erscheinenden Außenwelt herum. Wie eine Schraube, die aus der Maschine, zu der sie gehört, herausgefallen ist und nicht weiß, warum sie einst da gewesen war. Wozu braucht es eine Schraube, wenn sie nicht mehr Teil dessen sein kann, zu dem sie gehört?

Nur sind Menschen keine Schrauben und die Natur ist keine Maschine. Für Menschen gibt es Wege zurück in einen Sinn. Doch dieser wird niemals mit Worten oder dem Verstand zu erfassen sein, sondern ist ausschließlich in der ureigenen Sprache der Natur zu spüren. Diese Unfassbarkeit für den Verstand bringt Gedankenkonstrukte wie Magie und Mystik (und letztlich institutionalisierte Religionen) mit ins Spiel. Diese sind an sich nicht schlecht oder gut – sondern nichts als ein Werkzeug, was man gut oder schlecht einsetzen kann (doch längst nicht muss), um das Ziel (Finden) zu erreichen. Sie können dem menschlichen Geist u.U. als eine Krücke dienen, verstandesmäßig unverständliche Dinge leichter zugänglich zu machen. Doch wenn kein echtes tiefes Gespür für die Natur (uns selbst!) vorhanden ist bzw. die eigene Verbindung zu Natur, Quelle und wahrem Selbst fehlt, kann das auch in die dunkelsten Sackgassen des menschlichen Geistes und der menschlichen Existenz führen. Eine Krücke also, die auch zur verletzenden Waffe werden kann, wenn sie unklug genutzt wird.

Vortragsreihe

Die Idee hinter der Vortragsreihe ist es, ein Gespür zu wecken – eine Ahnung. Zu jedem Termin wird es einen inhaltlichen Input von uns geben. Wir wollen Impulse geben und diesen Fragen gemeinsam nachspüren, um Resonanz in eigenen Inneren zu finden. Menschen, die sich ebenfalls auf der Suche fühlen, sind herzlich eingeladen, sich inspirieren zu lassen. Es wird pro Abend auch die Möglichkeit einer Selbsterfahrungsübung geben. Bei Sonntagsterminen ist ein Brunch geplant und am 30.04. 22 wird der Termin in der Natur stattfinden und falls wettertechnisch möglich, auch am Feuer.

Unkostenbeitrag pro Person 10 Euro.
Ort: Praxis für Körperarbeit, Reuterstraße 5, 12053 Berlin-Neukölln

Geplantes Programm:
„LICHT“ Auftaktveranstaltung am 26.03. 22 um 18:00
„SCHATTEN“ Sonntag/Brunch am 10.04.22 um 10:00
„EGO“ am 23.4.22 um 18:00
„BEWUSSTSEIN & ERLEUCHTUNG“ am 30.4.22 ;17:30 (Walpurgisnachttreffen in der Natur, Termin findet NICHT in der Praxis statt)
„ERKENNTNISWEG“ am 7.5.22 um 18:00 h
„SEELE & NIRWANA“ am 21.5.22 um 18:00 h
„ÄNGSTE“ am 4.6.22 um 18:00 h
„HEILUNG“ am 19.6.22 um 10:00 h (Sonntag)
„MANIFESTIEREN“ am 2.7.22 um 18:00 h
„SCHAMANISMUS“ am 27.8.22 um 18:00 h
„MAGIE & MÄRCHEN“ am 10.9.22 um 18:00 h
„PARTNERSCHAFT“ am 8.10.22 um 18:00 h

Kontaktadresse für weitere Fragen und Infos: stephaniekoenighp@gmail.com

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