Anzeige

Ein Gespräch über Therapie, Prozesse, Werkzeuge und Erwachen

Cyrus traf 1983 Osho und nahm Sannyas. 1997 begegnete er Mikaire. Diese Begegnung und die Arbeit ließen Cyrus sein wirkliches Selbst erkennen. Er arbeitet weiterhin mit Mikaire und dessen Sangha. Seit 1999 gibt Cyrus in Berlin regelmäßig Satsang Meetings und Retreats, die in ihrer direkten, energetischen und humorvollen Art einzigartig sind. Hier hat sich bereits ein Kreis von Menschen gebildet, die Satsang Meetings als wichtig und geradezu lebensnotwendig für sich erachten. In diesem Interview schreibt er über die Verbindung von Spiritualität und Therapie.

Was verstehst du unter Bewusstseinsarbeit?
C: Mit Angst, Reaktion, Widerstand und Sucht aufzuhören sowie mit allen anderen Verhaltensweisen, die wir übernommen haben und welche uns in Schmerz, Trennung und Begrenzung halten. Durch Fühlen, Bewusstwerden, Verantwortung und Ehrlichkeit uns selbst gegenüber erkennen wir, wie wir Schmerz, Trennung und Begrenzung selbst kreieren. Dadurch können wir mit einem neuen Verständnis und selbst geschaffenen Werten entscheiden, handeln und von jetzt an uns und unser Leben gestalten wie jeder es möchte.

Welche Werkzeuge siehst du als unterstützend in diesem Prozess?
C: Die Avatar-tools von Harry Palmer sind exzellent und ich benutze sie heute noch. Ebenfalls unterstützend sind die Werkzeuge aus der Gewaltfreien Kommunikation, entwickelt von Marshall Rosenberg. Sie sind sowohl für den Einzelnen hilfreich als auch für Menschen, die sich dafür entschieden haben, zusammen zu arbeiten. Solange Werkzeuge funktionieren, nutze sie, wenn sie ihren Dienst geleistet haben, trenne dich von ihnen in Dankbarkeit.

Was sind deine Erfahrungen mit Therapie und Werkzeugen in deinem Leben?

C: Die ersten Erfahrungen mit Therapie machte ich als Sannyasin mit Osho. Ich nahm an Therapien teil, die er in seiner Weisheit entwickelt hat, um die Grundlage für Meditation zu schaffen. Hauptsächlich Gruppentherapien, zum Beispiel Encounter, Bioenergetik, Tantra, Primal, Tanz und viele Marathons in der Osho Humaniversity Therapie. In den letzten Jahren habe ich an dem Hoffmann Quadrinity Prozess und an dem Avatar Kurs teilgenommen. Wobei ich Avatar nicht als eine Therapie, sondern als einen spirituellen Kurs bezeichnen würde, welcher dich zur Erkenntnis bringt, dass du die Quelle deiner Schöpfung bist, von der aus du erschaffen kannst, frei bist und in der Schöpfung sein kannst, aber dich nicht in ihr verlierst. Der Quadrinity Prozess war eine bereichernde und öffnende Erfahrung in meinem Leben. Er ist ein Prozess, den ich jedem empfehlen würde, dem es damit ernst ist, eine positive, persönliche Veränderung zu erwirken. Ich bin dankbar dafür, dass ich die Möglichkeit hatte, an all diesen Therapien und Kursen teilzunehmen.
 
Therapien arbeiten auf der Ebene von „ich“. Wie können diese Therapien auf dem Weg zum Erwachen dienlich sein, wenn Erwachen bedeutet, zu der Tatsache aufzuwachen, dass es kein „ich“ gibt?
C: Es scheint ein verbreitetes Missverständnis darüber zu geben, was mit dem Begriff „I“ und „No-I“ gemeint ist. Für mein Verständnis bedeutet „No-I“, dass es kein individuelles Ich gibt und es daher keinen essenziellen Unterschied gibt, wenn du „ich“ sagst oder ich „ich“ sage. Beide sind dasselbe „ich“ und beide beziehen sich auf das „Sein“. Die Unterschiede scheinen aufzutauchen, wenn es eine unbewusste Identifikation gibt, wenn die Idee existiert, das zu sein, womit man gerade identifiziert ist; dann setzt das Vergessen ein und die ganze Geschichte beginnt. Durch Beenden der Identifikation und dem Verständnis davon, dass das, was ich sehe, nicht das sein kann, was ich bin, kann ich mich entscheiden, wie ich mich definieren möchte. In meiner Erfahrung ist die Arbeit nur als „ich“ möglich. Der Grad des Erwachens ist der Grad zu dem ich bereit bin, „ich“ zu sein. Vor ein paar Jahren verstand ich meinen Lehrer Mikaire so, als er sagte: „Wach auf und mach dann die Arbeit.“ Ich verstand, dass solange ich immer noch dachte, dass all das mir passiert und in dieser unbewussten Identifikation ich ebenfalls dachte, dass ich das bin, was ich fühle und denke, solange würde ich dem Leben Widerstand leisten und mich zusammenziehen. Denn wer will denn letztendlich Scham, Angst usw. sein. Während mit der Erkenntnis des „ich bin“, ich nicht meine Gefühle bin, sie aber aus mir auftauchen, gibt sie mir die Möglichkeit, das Gefühl in seiner Vollständigkeit zu fühlen und präsent zu sein – reine Präsenz, Glückseligkeit, Stille, Schönheit und Frieden, welche die wahre Natur des Selbst sind.

Was ist der Unterschied zwischen einem guten Therapeuten und einem spirituellen Lehrer?

C: Therapie ist ein heilender Prozess, der Themen, Probleme und Fehlfunktionen adressiert. Die Arbeit eines Therapeuten ist es, den Patienten zu unterstützen, um diesen zu heilen. Spiritualität hat nichts mit Heilen zu tun, Heilung mag stattfinden, aber darauf liegt nicht der Focus. Der spirituelle Lehrer, erwacht zu seiner wahren Natur, zeigt und demonstriert in welcher Situation auch immer, dass das was vollkommen ist, keine Heilung braucht und immer mühelos präsent ist: Das Selbst. Zu dieser Erkenntnis zu gelangen und sie zu leben, ist für mich die Essenz einer jeden spirituellen Lehre.

Dieser Artikel ist Teil der Themenseite(n):

Hinterlasse einen öffentlichen Kommentar

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

*