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Encounter, das ist direkte authentische Begegnung und Konfrontation in der Gruppe. Claus David Gerdes (Devada) hat alles mitgemacht, vom anarchischen Extrem-Encounter in Poona bis zum respektvollen aber fordernden Zen-Encounter, das er heute im Osho-MAUZ in Berlin anbietet. Ein Erfahrungsbericht.

Wie ich dereinst zum Encounter kam

Anfang der Siebziger Jahre kam ich nach Berlin, um Politologie am OSI zu studieren. Ich wollte den Geist der Studentenrevolte, den Geist der Freiheit, erleben. Aber er war nicht mehr da. K-Gruppen hatten ihn erwürgt.
Also suchte ich die Berliner Freiheit woanders und ging zu den gerade als Mode von England und den USA herüberschwappenden „Selbsterfahrungsgruppen“: Bioenergetik, Primärtherapie, Psychodrama, Encounter.

Es gefiel mir, bei mir selbst anzufangen mit der Befreiung. Ich wurde tatsächlich etwas freier, machte der Welt und meinen Mitmenschen nicht mehr so viele Vorwürfe und wurde interessiert an dem, was noch möglich war. Ich nahm dann im legendären Seterap e.V. sogar an einer Ausbildungsgruppe für Bioenergetik-Therapeuten teil und wurde selbst ein solcher.
Das extreme Encounter gab es damals im Ashram in Poona

Dann hieß es: Wenn du wirklich mitreden willst, wenn du wirklich Avantgarde sein willst, wenn du wirklich frei sein willst, musst du nach Poona und beim Bhagwan Rajneesh und seinen Therapeuten eine Encounter-Gruppe mitmachen. Ich wollte (damals) immer an der Front sein, also los.

1978 steckte mich der Bhagwan erst einmal in eine Tantra-Gruppe. Er meinte, ich bräuchte Sexuelle Befreiung, denke ich. Wie immer, hatte er nicht ganz Unrecht. Indes fanden (vor allem die weiblichen) Teilnehmer in der Gruppe mehr Gefallen daran sich gegenseitig zu verdreschen und ich bekam schon mal einen Vorgeschmack auf die echte Encounter-Gruppe.

„Mein“ Encounter 1979

1979 saß ich also endlich in der hammerharten Encounter-Gruppe. Es war eine der letzten siebentägigen „ohne Limits“ Gruppen. Es gab nur eine Regel: »Mach etwas oder du fliegst raus!« Wenn man etwas machte, wurde man meist verdroschen, ausgebuht, lächerlich gemacht. Wenn man indes den Mut hatte seine verborgenen Seiten und das wirklich-wahrhafte Schatten-Selbst zu zeigen, konnte es geschehen, dass Teertha (Paul Lowe) oder Turiya (Frau Prinzessin Hanover), die Leiter, einen für würdig befanden, gelobt, geliebt und unterstützt zu werden.

Ich hatte schon zuvor einen gewissen Frieden mit dem Nazi in mir geschlossen. Als ein anderer Teilnehmer dieses Encounters, ein als Jude geborener Psychoanalytiker aus New York, sich über die vielen Deutschen im Ashram, die wohl der Stern-Artikel von Jörg Elten („Satyananda“) oder sein Buch „Ganz entspannt im Hier und Jetzt“ angelockt hatte, beschwerte, forderte Teertha mich auf: »Los Nazi, zeig’s ihm!« Das führte letztendlich zu einem wilden Gerangel und mein neuer Freund, der Psychoanalytiker, wurde sehr lebendig und erfuhr eine gewisse Befreiung von der Opfer-Rolle. Auch wenn ich (damals) recht kräftig (und vielleicht ein wenig gnädig) war, stand er plötzlich aufrecht in voller Power da und brüllte laut und unkontrolliert raus. Ich lachte, er lachte und das Dritte Reich war zumindest in uns in dem Moment transzendiert.

Teertha sagte mir, dass nur der kein Nazi sein könne, der sich dieser Seite, die nicht nationen-spezifisch sei, bewusst geworden und über sie hinaus gegangen war. Ich wurde als Trans-Nazi eingestuft und durfte nun auch mal „German Lover“ sein. Es passierte noch so einiges Spannendes in dieser Gruppe und es war, ehrlich gesagt, eines der Highlights meines bisherigen Lebens. Ich habe mich selten so radikal authentisch und ehrlich gefühlt. Und das schöne ist: Am Ende dieser Gruppen ist alle die Aggression und der Schmerz ausgelebt und man liegt sich in den Armen und drückt sich und viel Liebe fließt und wildfremde Menschen sind einem näher geworden als die eigenen Geschwister.

Vom Leiter von Encounter-Gruppen zum NLP-Trainer

Ich leitete einige dieser Gruppen in Deutschland selbst und versuchte den Geist dieser Freiheit und Echtheit weiterzugeben. Dann änderte sich ein wenig das Klima in der Psycho-Szene und ich lernte (um weiterhin mitreden zu können) ganz viel NLP (Neuro-Linguistisches Programmieren). Hier wurde die Emotionen eher gar nicht mehr erlebt und alles wurde per Herumdrehen an den inneren Schaltern verändert, wie man es sich wünschte und wollte. In vielerlei Hinsicht war das im therapeutischen Sinn effektiver als das Zu- und Herauslassen der Gefühle. Es entsprach in der anspruchsvollen Form vor allem der Arbeit mit Bewusstheit (Awareness), zu welcher der Bhagwan („Osho“) und andere spirituelle Größen ihre Schüler hatten anregen wollen. Ich wurde also NLP-Lehrtrainer, führte in Hamburg ein eigenes NLP-Institut und konnte auch auf diese Weise einige Menschen weiter bringen.
Aber es fehlte mir die Intensität der früheren Zeiten. Es fehlte mir dieses erlöste In-den-Armen-Liegen nach dem Hervorholen der vermeintlichen Ungeheuer in einem selbst. Es fehlte mir auch die Authentizität, die Echtheit, das gnadenlose sich gegenseitig mit Schwächen Konfrontieren.

2012: Zum „Weltuntergang“ mal wieder Dynamische wagen

Im November 2012 beschloss ich, dass ich dem Altern vorbeugen müsste und ging zu einem 21-Tage-Challenge mit Dynamischer Meditation im Osho Active Meditation Studio in der Schlesischen Straße 38. Zu meiner positiven Überraschung fand ich eine Umgebung, in der eine hervorragende Dynamische angeleitet und durchgeführt wurde. Da bei der Dynamischen Meditation, welche 5 Phasen enthält und eine Stunde dauert, in der zweiten Phase auch die ganzen inneren Emotionen ausgedrückt und rausgelassen werden, erinnerte sie mich sehr an das, was ich vermisste, an die Intensität des emotionalen Ausdrucks. Ich nahm an zwei weiteren dieser 21-Tage teil und es kamen zu meiner Überraschung immer mehr Teilnehmer. Krisana Locke und Ali von Stein, die Leiter des Studios, meinten, dass Osho und die Herangehensweise wieder „in“ seien, dass sie viele Anfragen hätten.

Zen-Encounter im Osho MAUZ

Ich wollte nun umso mehr wieder Encounter-Gruppen erleben und leiten. Ich hörte von den neuen größeren Räumen des Osho MAUZ, das nun uferlos aber größer in der Hasenheide sei. Ich war froh und glücklich eine Umgebung zu finden, die mein Vorhaben unterstützt und selbst im Aufbau und Werden ist. Sambodh Lassak, der Leiter des MAUZ, vermietete mir einen Seminarraum für die ersten Wochenenden der Monate ab Oktober 2013 und nun geht es also los mit den authentischen Begegnungen, dem Erleben von Charaktermasken und Rollen und Spielchen, um über diese hinauszugehen, um ein Wahres Selbst zu finden und sein zu können.

Das Gute ist, dass mittlerweile sehr viel Wasser die Psycho-Flüsse hinunter geflossen ist und heute derartige Selbsterfahrungs- oder Therapie-Gruppen eine ganz andere Qualität haben können, eine andere Form des gegenseitigen Respekts, eine höhere Bewusstheit, eine stärkere Anbindung an eine kosmische Liebe. Die Welt mag äußerlich bedrohter erscheinen, aber innerlich ist sehr viel Befreiung geschehen, sehr viel Gesundung und ich wünsche mir, dass wir daran weiter konsequent arbeiten.

Zen und Encounter

Ach ja, Zen. Eine Variante der Encounter-Gruppen im Ashram in Poona hieß damals „Zencounter“, das gefiel mir gut. Ich sah mich als Zen-Mönch, Osho als Zen-Meister. Vor der Zeit in Poona hatte ich einiges Aikido, oder wie er es nannte und noch nennt: „Aikido-Zen“, bei Meister Gerd Walter geübt. Ich ging also mit ein wenig Vorteil per Kampfkunst in die limit-befreiten Encounter-Gruppen ;-). Nach der unseligen Ranch in Oregon besuchte ich andere Zen-Meister und habe die Spannung zwischen den Welten, die ich kennenlernte, von Ashram und Zen-Kloster zum Börsenjob an der Wall Street, in meinem in mehreren Auflagen gut verkauften Buch „Das Zen der ersten Million“ (ich bringe es gerade als „MoneTao – ein Geld-Satori“ überarbeitet neu heraus) beschrieben.

Zen ist der Geist, der dem Encounter entspricht. Direkte Begegnung im Hier und Jetzt. Hier in diesem Moment in dieser Welt ist alles enthalten, was gebraucht wird um zur tiefsten Tiefe, zur höchsten Höhe, in den innersten Kern der Welt zu gelangen. Wir lassen unsere Persönlichkeiten zu, um sie zu überwinden. Wir lassen unsere Schatten zu, um zum Licht zu gelangen. Wir tun es in diesen Selbsterfahrungsgruppen gemeinsam, um uns gegenseitig zu unterstützen. Wir erlangen Freiheit und Wahrheit.

 

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Eine Antwort

  1. Dr. Friedrich Lücke

    ich bin im Buch „Miteinander reden“ auf die encountergruppen gestoßen.
    In Hameln und in Niedersachsen ist da noch eine große Leere. ich möchte gern mehr darüber wissen, weil ich mehr Freihet und Offenheit in einer Freimaurerloge (vielleicht) einführen will . Wenn das möglich ist, das muss ich noch prüfen.
    ich erbitte eine liste der Bücher , die im Gerdes Verlag erschinen sind
    Dr. Friedrich Lücke
    31785 Hameln/Weser
    Gartenstr.2
    Einen Coach in Niedersachsen gibt es wohl nicht??

    Antworten

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