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Das Progoff-Intensivtagebuch: Durch Tagebuch-schreiben zur eigenen Wahrheit. Durch seinen speziellen Aufbau öffnet das Intensivtagebuch einen Weg zur eigenen Weisheit und ist ein treuer Berater und Begleiter auf dem
Lebensweg.

Intensivtagebuch: Dialog mit dem Selbst

1986 in Hampstead, dem Londoner Viertel, in dem Sigmund Freud nach seiner Flucht aus Wien seine letzte Praxis betrieb. Ich blickte auf das soeben Geschriebene: “Hor zu! So kann das nicht weitergehen, du ruinierst uns beide. Entweder du änderst deinen Lebensstil radikal oder ich trete in Streik!“ Ich traute meinen Augen nicht. Der, der da zu mir sprach, war mein Körper. Ich saß in meinem ersten Intensive Journal Workshop und befand mich mitten in der Sektion „Dialog mit dem Korper“.

Vor mir lag mein Intensivtagebuch, nicht mehr und nicht weniger als ein Loseblattordner mit einigen zig Blättern Papier, durch farbige Trennblätter in vier Kapitel eingeteilt. Die orangefarbenen Trennblätter bilden die Dialog-Dimension mit ihren verschiedenen Sektionen: Dialog mit Personen, mit Tätigkeiten, mit der Gesellschaft, mit Ereignissen und mit dem Körper. Die blauen Trennblätter entsprechen der Tiefendimension, die für die Arbeit mit Träumen und inneren Bildern bestimmt ist. In der roten Dimension finden Erinnerungen an Erlebtes und Beschreibungen früherer Lebensabschnitte ihren Platz. In der letzten, der lila Dimension fragen wir uns nach dem Sinn, den wir unserem Leben zu verschiedenen Zeiten gegeben haben, und nach vergangenen und gegenwärtigen Überzeugungen.

Ein Tagebuch, das in die Zukunft weist

Tatsächlich bildet die scheinbar einfache Struktur des Intensivtagebuchs das Eingangstor zu einem Prozess, der den Schreibenden nicht nur in seine Vergangenheit führt, sondern auch in die Zukunft weist und ihm hilft, zu erkennen, welches der nächste Schritt in seinem Leben sein könnte. Man kann es nutzen, um Entscheidungen vorzubereiten, schwierige Beziehungen von innen heraus neu zu gestalten, seine wirklichen Motivationen in Bezug auf die Arbeit, ein ehrenamtliches Engagement oder selbst eine spontane Aktion zu ergründen und sich den Herausforderungen einer gegebenen Lebenssituation zu stellen.

Ermöglicht wird dies durch die Feedback-Methode, die darin besteht, dass der Schreibende die verschiedenen Sektionen des Tagebuchs miteinander verknüpft. So bringt ein Gedanke den nächsten hervor, der eine Erinnerung wachruft, die in einem Dialog mit einer Weisheitsgestalt mündet, in Vergessenheit geratene Ideale wieder aufleben lässt und zur Erforschung eines der nicht gegangenen Weg unseres Lebens ermutigt. Weit über ein herkömmliches Tagebuch hinausgehend, wird das Schreiben im Intensivtagebuch zu einem dynamischen Prozess. Dieser führt gelegentlich – nicht programmierbar – zu grundlegenden Erkenntnissen, zur Überwindung von Blockierungen und zu persönlichem und geistigem Wachstum.

Das Intensivtagebuch nach Ira Progoff

Drei Aspekte bilden den Hintergrund fur die Entwicklung des Intensivtagebuchs durch den amerikanischen Psychologen und Psychotherapeuten Ira Progoff in den 60er und 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts: Progoffs ganzheitlicher Ansatz, den er nach einer Studie über die Psychologie von C. G. Jung und einer Zeit persönlicher Zusammenarbeit mit Jung in drei Büchern entwickelt hat, seine Forschungen über Kreativitat und sein weit gespanntes Interesse fur verschiedene spirituelle Traditionen.

Nachdem Ira Progoff die Methode des Intensivtagebuchs zunächst mit Klienten in seiner psychotherapeutischen Praxis in New York erprobt und später mit Gruppen fortentwickelt hatte, stellte er sie in seinem Buch „At A Journal Workshop“ (Neuauflage 1992 bei JeremyTarcher/Putnam) der Öffentlichkeit vor und bildete Workshopleiter aus, die überall in den USA und der englischsprachigen Welt und seit den Neunzigerjahren auch auf dem europäischen Kontinent und in Marokko Intensive Journal Workshops leiten. Diese erstrecken sich über vier Tage. Die Teilnehmer arbeiten in der Stille. Es wird keinerlei Schreiberfahrung vorausgesetzt. Niemand außer dem Schreibenden selbst liest das Geschriebene, und es gibt keine Gruppendiskussion.

Ein treuer Begleiter

2015. Andere Zeiten, ein anderer Horizont: der Chiemsee, verschneite Berge im Hintergrund. Ich blicke durch das Fenster eines der Seminarräume der Abtei Frauenworth auf der Fraueninsel und wende mich inmitten einer schweigenden Gruppe erneut meinem Intensivtagebuch zu. Wir beschreiben die „Trittsteine“ unseres Lebens. Wir stellen uns vor, wir würden unsere Autobiografie schreiben, die aus acht bis zehn, maximal zwölf Kapiteln besteht. Während 30 Minuten notieren wir die Überschriften dieser Kapitel: einen unvollständigen Satz oder auch nur ein Wort, höchstens ein bis zwei Sätze fur jedes Kapitel. Wir lesen unsere Trittsteine mehrmals durch. Gedanken und Gefühle, die uns dies eingibt, notieren wir auf einer neuen Seite. Von Zeit zu Zeit wiederholt, lässt uns diese Schreibübung jedes Mal einen neuen Blick auf unser Leben werfen. Zugleich bildet sie den Ausgangspunkt fur viele weitere Eintragungen.

Mein damals in Hampstead begonnenes Intensivtagebuch ist mir im Lauf der Jahre zu einem treuen Begleiter geworden: immer verfügbar, offen für alle Aspekte meines Lebens, ein Ratgeber, der mich die Menschen und die Dinge, die mir begegnen, aus verschiedenen Perspektiven betrachten und als Lehrer auf meinem Weg erkennen und akzeptieren lässt.

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