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„Und jetzt lest ihr euch gegenseitig.“ Ich sitze zusammen mit anderen Kursteilnehmern in einem schönen Haus in der Nähe des Mount Shasta in Nordkalifornien. Unsere Ausbilderin ist Amorah Quan Yin, die uns lehrt, unsere Hellsinne und Heilkräfte im Rahmen der plejadischen Lichtarbeit zu entwickeln.

Mit „Lesen“ ist gemeint, dass ich mit meinen Hellsinnen Blockaden einer anderen Kursteilnehmerin erfassen soll. Wir sind perplex. Es ist erst der zweite Tag der Ausbildung. Wir haben zusammen meditiert, unsere Körper gegenseitig mit Energiearbeit gereinigt und unserer Lehrerin zugehört, als sie erklärte, was man bei einer Lesung sehen könnte, was es bedeutet und wie man diese Informationen zu Heilzwecken verwendet. Und jetzt sollen wir mit unseren Hellsinnen lesen. Einfach so. Das ist es ja gerade, was ich lernen möchte. Ich hatte eine Einweihung erwartet, etwas, was mein drittes Auge öffnet, und plötzlich würde ich alles sehen können. Auren, Gedanken, Gefühle, Tumore, eine kaputte Leber, Lichtwesen… Doch Amorah drängt uns einfach, endlich zu beginnen. Ich schließe die Augen und gehe in Gedanken die Schritte durch, die auf dem Blatt Papier vor mir stehen, und bitte darum, dass mir etwas gezeigt wird, was das erste Energiezentrum, das Wurzelchakra der jungen Frau, blockiert, die mir gegenüber sitzt. Vor meinem geistigen Auge erscheint tatsächlich ein durchsichtig wirkendes Bild. Ein Löwe. Mir scheint, als wäre dies nur eines der vielen Bilder, die einem zufällig durch den Kopf ziehen. Ich hatte nach Amorahs Einführung eher eine schwarze Energiewolke erwartet, die Schmerzenergie anzeigt. Vielleicht auch das Gesicht einer Person oder eine Kindheitsszene. Aber ein Löwe im Wurzelchakra? Es kommt kein weiteres Bild.

Ich spüre Amorahs Ungeduld und spreche einfach aus, was ich sehe. Durch das Sprechen verändert sich das Bild. Langsam erkenne ich mehr. Der Löwe wirkt königlich, fast scheint mir, er trägt einen roten Umhang. Er sitzt auf einem Schlachtfeld und blickt auf all die Toten in ihren Kettenhemden und Panzerungen. Ich spüre seine tiefe Traurigkeit. Er hat seine Männer hierher geführt. Er ist verantwortlich für ihren Tod. Er dachte, dies sei der richtige Schritt, um alle zu schützen. Und nun ist er verantwortlich für ihren Tod. Nie wieder wird er für so etwas verantwortlich sein können. Ich begreife, dass der Löwe ein Symbol für einen Herrscher ist. Mir wird klar, dass ich hier vielleicht ein vergangenes Leben meiner Partnerin lese. Ein Gedanke formt sich in meinem Kopf, ein Gedanke des Löwen: „Nie wieder werde ich in meiner vollen Kraft stehen, denn es bringt zu viel Leid.“ Ein Glaubenssatz. Tatsächlich, ich habe einen Glaubenssatz gelesen. Ich öffne die Augen und schaue die junge Frau an, die vor mir sitzt. Sie hat Tränen in den Augen. So absurd das Gesehene für mich anfangs schien, in ihr hat es tiefe Emotionen geweckt.

 

Den Hellsinnen vertrauen lernen

Der Kurs ist anfangs sehr mühsam, die ersten Bilder, die ich bekomme, sind symbolisch und ich muss ihre Deutung erst erspüren. Eine andere Teilnehmerin bekommt ganze Texte von ihrer geistigen Führung. Später erzählt sie mir, sie hätte gern all die Bilder gesehen, die ich wahrnehme. Im zweiten Kurs erhält auch sie ihre ersten Bilder und ich sehe ein paar Wörter vor mir. Schon nach dem zweiten Kurs empfange ich die Informationen so sicher, dass ich das Lesen im Rahmen meiner Arbeit anbieten kann. Anfangs bin ich noch nervös vor jeder Sitzung, die ich gebe, aber die Dinge, die ich sehe, sind von Bedeutung für meine Klienten und tragen zum Erkennen und Lösen ihrer Probleme bei. Ich vertraue mehr und mehr auf meine Fähigkeiten und die geistige Führung. Denn diese Fähigkeiten sind ganz natürlich. Alle Sinne, die wir im Physischen haben, existieren auch auf der geistigen Ebene. Oft sind einige unserer Sinne stärker ausgeprägt als andere, dies spiegelt sich auch auf der geistigen Ebene wider. Menschen, die sehr visuell sind, bekommen zum Beispiel anfangs vor allem Bilder, und auditive Menschen sind eher hellhörig. Mit der Zeit entwickeln sich aber auch die weniger stark ausgeprägten Sinne. Verblüfft und beruhigt hat es mich, dass es auch ein Hellwissen gibt. In meiner ersten Lesung habe ich die Gedanken des Löwen nicht gehört, sondern einfach gewusst, was in ihm vorging. Diesem Sinn zu vertrauen fällt anfangs am schwersten, denn das Wissen steigt in einem auf und scheint Teil der eigenen Gedanken- und Gefühlswelt zu sein. Die Reaktion der Klienten zeigt einem aber, dass dem nicht so ist.

 

Selbst-Ehrlichkeit ist gefragt

Dieses Hellwissen und auch die anderen Hellsinne sind am verlässlichsten, wenn man unbeteiligt für andere liest, wie zum Beispiel im Rahmen einer Sitzung. Arbeitet man an sich selbst oder will man in einer Sitzung ein bestimmtes Ergebnis erreichen, kann einem das Ego vermeintliche Wahrheiten vorgaukeln, die in alte Programme, Muster oder auch Wunschvorstellungen der Lesenden passen. Es gibt allerdings eine innere Instanz, die genau weiß, ob das, was man zu empfangen glaubt, tatsächlich der eigenen, höheren Wahrheit entspricht. Diese Wahrheit fühlt sich im Herzen und im Bauch warm an, man hat dort ein Gefühl von Weite, Helligkeit oder spürt einen erleichterten Seufzer. Kommt die Wahrheit aus dem Ego, das einen vermeintlichen Mangel ausgleichen will oder einen bestimmten energetischen Status beibehalten möchte, dann fühlt es sich vor allem im Bauch an, als ob etwas nicht ganz stimmt. Unter dem schönen Schein liegt noch etwas Dunkles. Ich vergleiche es immer mit dem Gefühl einer Katze, die gegen den Strich gestreichelt wird. Hier bedarf es einer großen inneren Ehrlichkeit, denn gerne schiebt man dieses Gefühl schnell beiseite oder ignoriert es ganz. Hinterher kommt dann oft der Gedanke „Ich habe doch von Anfang an gewusst, dass hier etwas nicht ganz in Ordnung war.“ Dieser Balanceakt – das Immer-wieder-Reinfühlen, Sich-zur-eigenen-Ehrlichkeit-Zwingen und Wieder-Loslassen – benötigt viel Übung und Ausdauer.

 

Ego in der Leitung

Nach und nach entwickelt jeder seinen eigenen Stil, um Informationen aus der geistigen Welt zu empfangen. Man löst sich mehr und mehr von erlernten Protokollen und entwickelt eine immer stärkere Klarheit und Sicherheit. Voraussetzung hierfür ist allerdings die eigene innere Arbeit. Denn je weniger man mit Themen anderer resoniert, weil man sie schon im eigenen Kontext bearbeitet hat, umso besser wird mal als Kanal sein und umso sauberer liest man. Hier liegt eine große Verantwortlichkeit für Übermittler von Wissen und Botschaften aus der geistigen Welt. Das Ego meldet sich immer mal wieder, und je mehr Themen man für sich gelöst hat, desto tiefer liegen die Schichten, aus denen das Ego sein Haupt erhebt. Vor allem für geübte Übermittler kann dies problematisch sein, denn oft glaubt man, bestimmte Themen schon gelöst zu haben oder so weit in der spirituellen Entwicklung fortgeschritten zu sein, dass man ein gewisses Thema gar nicht mehr haben kann. Aber alle Themen werden stetig aufs Neue geprüft, auf immer anderen Ebenen. Hier ist es ratsam, sich zu erlauben, nie ausgelernt zu haben.


Abb: © agsandrew – Fotolia.com

2 Responses

  1. Frauke Greil

    Liebe Harriet,

    ich habe gerade erst Deinen Kommentar gesehen. Danke! Dieser Artikel ist gechannelt, d.h. er floss zum großen Teil ziemlich schnell durch mich hindurch und ich musste nur mittippen. Auch mich berührt er noch, wenn ich ihn lese, denn er drückt mein Erleben so schön aus, wie ich es gar nicht gekonnt hätte, hätte ich ihn nur mit dem Kopf geschrieben. Ich freue mich, meine Ehrlichkeit mit Euch teilen zu dürfen. Das ist mir ganz wichtig, denn wir erschaffen gerade die Neue Erde.

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  2. Konzert der Stille

    Der Artikel hat mich gefesselt. Sehr einfühlsam und anschaulich geschrieben. Besonders das Thema „Hellhörig sein“ finde ich überaus spannend. Die Aufforderung zur unabdingbaren Ehrlichkeit mit mir selbst werde ich wohl noch öfter hören müssen, um konsequent zu begreifen und zu leben… Vielen Dank! Harriet

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