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In ihrem Buch „Spontane Evolution“ stellen Bruce Lipton und Steve Bhaerman eine Kulturgeschichte der Menschheit vor, die ein plausibles Bild der bisherigen Entwicklung zeichnet, aufzeigt, wo derzeit die Probleme liegen und auch einen Ausblick darauf erlaubt, was uns in naher Zukunft erwarten könnte. Stehen wir an der Schwelle zu einem Zeitalter der Balance? Könnte der gerade ablaufende Paradigmaenwechsel zu einer Weltsicht führen, die uraltes und modernes Wissen in einer ganzheitlichen Weise integriert? Es spricht vieles dafür.

 

Spiralförmige Evolution

EvolutionDie Entwicklung des Lebens und der Kultur, so glauben die beiden Autoren, dreht sich weder im Kreis, noch folgt sie einem linearen Verlauf – sie schraubt sich sozusagen spiralförmig nach oben, wobei es immer wieder Bezüge zu früheren Epochen gibt – diesmal jedoch von einer höheren Ebene aus.

Auf diesem Weg zu einer immer tieferen Integration von Wissen, schwankt die menschliche Kultur um die Balance zwischen dem Geistig-Spirituellen und dem Materiell-Physischen. Denn diese zwei grundlegenden Aspekte unseres Dasein erfahren in verschiedenen Kulturepochen jeweils eine unterschiedliche Betonung – mal wird das physische verachtet und allein für das Jenseits gelebt, mal gleitet die Welt ab in einen Materialismus, der die spirituellen Aspekte des Menschseins leugnet und alles aus der Materie heraus zu erklären versucht.

Nach Ansicht von Lipton und Bhaerman strebt die geistige Evolution der Menschheit sozusagen langfristig nach einer Anschauung, die beide Aspekte gleichwertig betrachtet und alles zur Verfügung stehende Wissen in einer ganzheitlichen Weise integriert.

 

Paradigmenwechsel: Das Zeitalter des Holismus

Ständig gewinnt der Mensch neues Wissen, das sich oft nicht in alte Weltbilder einfügen lässt – ein neues Weltbild und ein Paradigmenwechsel geschieht. Die spannende Reise, die wir als Menschheit hinter uns haben, ist voll von solchen Umbrüchen. Doch etwa um 2012 könnte sich nun der große Kreis unseres Weltenzeitalters schließen: Unsere moderne Wissenschaft bestätigt heute zunehmend das alte Wissen aus spirituellen Traditionen und indigenen Kulturen. Die einstigen Gegensätze treffen sich unerwartet wieder und es besteht nun die Chance das Spirituelle und Materielle endlich in eine stabile Balance zu bringen, altes wie neues Wissen in ein höheres Verständnis zu integrieren und mit der Weisheit der Vergangenheit und der Technologie der Zukunft ein neues Kapitel in der Geschichte der Menschheit aufzuschlagen: Das Zeitalter des Holismus.

 

Die ewigen Fragen

Das kulturelle Paradigma leitet sich nach Lipton und Bhaerman daraus ab, wie eine Gesellschaft die vier ewigen Fragen beantwortet:

Wie sind wir entstanden?
Wozu sind wir hier?
Wie können wir das Beste aus unserem Dasein machen?

Welcher Anschauung oder Gruppierung es auch immer es gelingt, diese Fragen zu beantworten, die bestimmt die Gesellschaft solange, bis jemand mit einer besseren Erklärung auftaucht.

Der Kreis schließt sich

Die Entwicklung der Menschheit sieht zweidimensional dargestellt so aus.

Holismus Lipton 2012
Interessant ist zu sehen, dass es in unserer Geschichte bereits zwei Zeitpunkte gab, in denen eine ganzheitliche Sichtweise vorherrschte. Der erste war die Zeit des so genannten Animismus, in der die Natur/die Mutter Erde selbst als göttlich verehrt wurde. Der Geist und das Göttliche wohnten in allem, eine Trennung in spirituell und weltlich machte keinen Sinn. Der Wind war genauso heilig wie das Wasser, das Lachen und die Liebe.

Doch wie in der Schöpfungsgeschichte der Bibel kam es dann zum Fall aus diesem Paradies, indem der Mensch vom Baum der Erkenntnis aß. Der Fall war also eigentlich ein Aufstieg zu mehr Bewusstheit. Das abstrakte Denken und das Ich-Bewusstsein bildeten sich immer mehr aus, der Mensch nahm sich selbst zunehmend aus dem Bild heraus und begann die Natur zu beobachten. In dieser Zeit entstand der Polytheismus, den wir von den Griechen und Römern, aber auch aus indischen Kulturen kennen. Die Natur war nicht mehr selbst das Göttliche, sondern wurde beherrscht von einem Olymp verschiedener Götter, die man sich wohl gesonnen stimmen musste. Das Materielle und Geistige wurde gespalten.

Gott wohnt hier nicht mehr

Der Polytheismus wurde abgelöst vom Monotheismus, in dem es nur noch einen Gott gab. Der war nicht nur allmächtig, er stand auch nunmehr völlig außerhalb der Welt. Das Jenseits war nun das eigentlich erstrebenswerte, die Welt und das materielle galten zuletzt als teuflisch und verdorben. Alles Sinnliche wurde verachtet, der Körper gequält und gegeißelt. In der katholischen Kirche finden wir wohl das höchste Extrem einer unbalancierten Religiosität, die das Spirituelle überbetont und dabei das Weltliche völlig aus dem Blick verliert. Genau diese Kirche lieferte in unserem Kulturkreis für eine lange Zeit die wichtigen Antworten auf die ewigen Fragen und beherrschte damit auch die Gesellschaft.

Die ewigen Fragen
Animismus Polytheismus Monotheismus Materialismus Holismus
Wie sind wir entstanden? Wir sind Kinder von Mutter Erde und Vater Himmel Aus dem Chaos. Durch göttliche Intervention. Durch Zufall. Aus einer Mischung von Schöpfung und zielgerichteter Evolution
Wozu sind wir hier? Um den Garten zu pflegen und zu gedeihen. Um die Götter zu unterhalten. Um tugendhaft zu sein. Um zu überleben. Um den Garten Eden zu pflegen und als Menschen immer höhere Bewusstheit zu entwicklen
Wir machen wir das Beste draus? Indem wir in Gleichgeweicht mit der Natur leben. Indem wir die Götter nicht verärgern Indem wir der heiligen Schrift gehorchen. Indem wir die Stärksten sind. Indem wir im Gleichgewicht mit der Natur leben und anerkennen, dass alles miteinander verbunden ist.

Mit der Reformation gewann dann das Materielle wieder etwas mehr an Bedeutung, wissenschaftliche Erkenntnis und weltliches Leben wurden wieder in das christliche Weltbild integriert – trotzdem konnten hier keine neuen Antworten gefunden werden. Erst mit der Aufklärung gab es eine Strömung, die sich wieder auf das alte Wissen bezog, die Natur als göttlich begriff. Denker wie Rousseau bezogen sich dabei ausdrücklich auch auf indigene Kulturen. Die Reise ging sowohl zurück zur Vernunft als auch zurück zur Natur. In der Zeit danach gab es viele Denker, wie zum Beispiel Goethe, die eine neue, ganzheitliche Religiosität pflegten – den Deismus oder Pantheismus, der das Göttliche wieder in der Natur verortete. Auf diesem Wege konnte auch die Wissenschaft integriert werden: Die Natur ist Gottes Werk und Wissenschaft die Untersuchung der Natur, so mussten sich Religion und Wissenschaft nicht ausschließen.

Materialismus

Dann aber kam der endgültige Bruch mit der Religion. Die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse stellten die Antworten der Kirche grundlegend in Frage. Die Newtonsche Physik erklärte das Universum erstmals zu einer Maschine und mit Darwin war die Ablösung von Gott dann vollzogen. Plötzlich war der Mensch das Produkt zufälliger Mutationen, hineingeworfen in einen sinn- und erbarmungslosen Überlebenskampf. Dieses Weltbild prägte unsere Kultur tief und hat bis seine heute Wunden in uns hinterlassen. Und es ging weiter hinab in den Materialismus. Mit dem Neodarwinismus hatte sich die Welt vollends von allem Geistigen abgekoppelt. Der Mensch, die Natur, alles lies sich auf materielle Vorgänge reduzieren. Unser Körper war nur mehr eine Bio-Maschine, der Geist und das Leben zufällige Nebenprodukte chemisch-elektrischer Vorgänge in organischer Materie. Der wissenschaftliche Materialismus griff immer weiter um sich und beherrscht bis heute unser Denken. Spätestens mit dem Aufkommen der Genetik war der letzte Schritt vollzogen: Man glaubte nun, das gesamte Schicksal eines Menschen aus ein paar Aminosäuren herleiten zu können. Der Mensch war endgültig zu einer Maschine geworden, zu einem Opfer seiner Gene. Seele, Lebensenergie, Gott und alles Geistige waren nur mehr Spinnerei.

Holismus – ein neues Zeitalter?

Doch mit dem Fortschritt der Quantenphysik, dem Scheitern des Human Genome Projects, dem Aufkommen der Epigenetik und anderen wissenschaftlichen Durchbrüchen wurde zunehmend klar, dass der Materialismus nicht haltbar war. Seitdem findet eine rapide und unaufhaltsame Annäherung von Wissenschaft und Mystik statt. Immer klarer wird, dass die Welt nicht aus Einzelteilen begreifbar ist, sondern als Ganzes, als System. Dass es gar keine Materie gibt, sondern nur interagierende Energiefelder. Dass die Macht des Geistes viel größer ist, als wir uns je haben vorstellen können.

So erlebt die Menschheit nun eine zweite Aufklärung, die diesmal allerdings mit dem wissenschaftlichen Aberglauben aufräumt. Und wieder gibt es dabei den Blick zurück auf die Weisheit indigener Kulturen, die wir mit unserem modernen Wissen völlig neu bestätigen und interpretieren können. Erneut nähern wir uns dem Punkt des Gleichgewichts – aber mit einem neuen Verständnis, das alle Erkenntnisse der Menschheitsgeschichte auf nie dagewesen Weise integriert.

Wird der Holismus tatsächlich ein neues Zeitalter für die Menschheit einläuten? Wir werden es erleben.

 

 

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2 Responses

  1. David

    😉 Danke für das Angebot. Leider bin ich tatsächlich komplett Fehlerblind, was meine eigenen Texte angeht. Eine Woche später sehe ich sie dann wieder, meist lese ich sie dann aber nicht nochmal. Sorry, wenn es dein Lesevergnügen trübt.

    Antworten
  2. Ilix

    Ein interessanter Artikel. Dennoch fallen mir immer wieder enorme Fehler generell in etlichen Artikeln auf, meistens grammatische und orthografische. Natürlich ist irren menschlich. Keine Frage! Doch Folgendes aus dem obigen Artikel ist ein richtiger Schuss in den Ofen:

    „Das kulturelle Paradigma leitet sich nach Lipton und Bhaerman daraus ab, wie eine Gesellschaft die vier ewigen Fragen beantwortet:

    Wie sind wir entstanden?
    Wozu sind wir hier?
    Wie können wir das Beste aus unserem Dasein machen?“

    Ähm, die vier ewigen Fragen und dann werden vom Autor nur drei gestellt?
    Ich kann euch anbieten, bevor die Artikel veröffentlicht werden, diese zu lektorieren.

    Liebe Grüße
    Ilix

    Antworten

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