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Patient meines Lebens

Patient meines Lebens

Titel: Patient meines Lebens

Author: Bernhard Albrecht

Verlag: Droemer

Preis: 19,99

ISBN: 978-3426275948

Der Glaube an die Mediziner…

Ja, wir sollten dankbar für unser Gesundheitssystem sein. Ja, in Afrika gibt es sowas nicht. Und ja, vor hundert Jahren in Deutschland allerdings auch nicht. Dennoch, wer in unserem Land lebt und schon mal krank – richtig verzweifelt krank – war, weiß, dass längst nicht alles perfekt ist. Ausgaben werden gekürzt, Kosten gesenkt, Medikamente nicht mehr übernommen, die über Jahre hinweg aktive Praxisgebühr von nur 10 Euro war für viele Menschen auch schon die erste Hürde, an der viele aus Armut scheiterten. Und viel, wirklich unglaublich viel hängt eben von den Menschen ab, an die man gerät. Erfahrungsgemäß auch von sich selbst. Stark, selbstbewusst, gebildet und sehr gut informiert muss man sein, um nicht unter den unerbittlichen Blicken des oft überarbeiteten Pflegepersonals oder der sehr von sich selbst überzeugten Ärzte zu bestehen. Natürlich gibt es auch Ausnahmen, aber die muss man erstmal finden. Und jetzt kommt der Arzt und Wissenschaftsjournalist
Bernhard Albrecht, der schon für Spiegel, Stern und Geo schrieb und unter anderem mit dem Adolf-Grimme- Preis ausgezeichnet wurde, und veröffentlicht ein Buch zu hingebungsvollen Ärzten. Dem deutschen Durchschnitts – kassenpatienten heben sich dabei unwillkürlich misstrauisch beide Augenbrauen. Ärzte, die sich wirklich über das normale Maß hinaus engagieren, die medizinisches Neuland aufsuchen, weil sie von einer
Idee beseelt sind und dem unbändigen Wunsch, ihren Patienten zu heilen. Klingt auf den ersten Blick unglaubwürdig? Ist aber so. Denn natürlich muss es solche fantastischen Einzelfälle geben, die manchmal an Besessenheit grenzen, sonst wüssten wir heute noch nicht, was Röntgenstrahlen sind und hätten keine Impfstoffe gegen diverseste Krankheiten.

Ab und zu flackern solche Fälle durch die Medien – zum Beispiel der Arzt, der ein Baby in der 22. Schwangerschaftswoche durchbrachte – obwohl es als unmöglich galt. Was waren die Beweggründe, wie geht es dem Kind heute? Liest man die Geschichten, stellt man fest, dass viel möglich ist, aber nicht alles immer ein gutes Ende nimmt. Neun medizinischen Künstlern, die quasi am Krankenbett neue Therapien erfanden, die sicheren (und ausgetretenen) Pfade verließen und absolutes Neuland aufsuchten, ist Albrecht auf der Spur. Seine Berichte, die ebenso intensiv die Geschichten der Patienten umfassen, sind sehr intim und persönlich. Medzinier wie Behandelte haben ihn für seine Recherchen ein großes Stück in Leben und Gedankenwelt gelassen. Da er selbst aus dem Berufsfeld stammt und Studium und Ausbildung durchlief, erfährt man hier auch interessante Fakten zur Denkweise, wie zum Beispiel, dass Ärzte und Arztinnen meist von Beginn an dazu angehalten werden, Wissen wiederzukäuen, aber keinesfalls selbst zu erforschen beziehungsweise zu hinterfragen. Symptomatisch für ihre weitere Arbeit.

Fazit: Natürlich befriedigt dieses Buch im Grunde die Neugier, die man insgeheim hegt. Es hat etwas von Heldentum – nicht nur die Ärzte, sondern auch die Patienten betreffend, die sie zu diesen Leistungen inspirierten oder trieben und die teilweise extremes Leid auf sich nahmen. Dennoch, auch dem desillusioniertesten Kassenpatienten tut es irgendwo gut von solchen Menschen zu lesen, die eben nicht mit mitleidigem Blick und achselzuckend sagen „Tut mir leid, da kann man nix machen!“, bevor sie sich dem nächsten Patienten zuwenden, sondern alles geben.

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