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Wie kann man sich erklären, dass Massen von Menschen politischen Kräften und Mächten folgen, die ihnen Schaden zufügen? Indem man versteht, dass die Dressur zum Gehorsam in der frühen Kindheit und die ein Leben lang wirksame „Identifikation mit dem Aggressor“ die Entwicklung der Fähigkeit zu Mitgefühl und Solidarität verhindern – mit uns und anderen.

 

„Früh in der Kindheit“, berichtet Theodor W. Adorno in seinem Buch Minima Moralia, „sah ich die ersten Schneeschaufler in dünnen schäbigen Kleidern. Auf meine Frage wurde mir geantwortet, das seien Männer ohne Arbeit, denen man diese Beschäftigung gäbe, damit sie sich ihr Brot verdienten. Recht geschieht ihnen, dass sie Schnee schaufeln müssen, rief ich wütend aus, um sogleich fassungslos zu weinen.“

Der kleine Theodor reagiert zunächst ganz im Sinne der Erwachsenenwelt, deren Urteile und Vorurteile er sich zu eigen gemacht hat. Die Schneesch aufler trifft seine mitleidlose Wut. Dann aber kriegt er die Kurve und beginnt zu weinen – aus Scham wegen seiner Anpassung und aus Mitleid mit den frierenden Menschen. Der kleine Junge schlägt sich auf die Seite der gequälten Männer, in deren Leiden er sich wiedererkennt.

Reif und erwachsen zu werden bedeutet für die meisten Kinder und Jugendlichen, sich die beschädigte Existenz des durchschnittlichen Erwachsenen zu eigen zu machen. Unter dem Druck elterlicher Strafandrohungen und Strafen identifiziert sich das Kind mit den Normen und Werten der Erwachsenen. Ein Kind kann ohne das Wohlwollen und die Zuwendung der Erwachsenen nicht existieren, zu groß ist seine Angst vor Liebesverlust und Verlassenheit. Arno Gruen beschreibt diesen Vorgang in seinem neuen Buch Wider den Gehorsam so: „Wenn ein Kind von demjenigen, der es schützen sollte, körperlich und/oder seelisch überwältigt wird und das Kind zu niemandem fliehen kann, wird es von Angst überwältigt. Eine Todesangst sucht das Kind heim. Es kann nicht damit leben, dass die Eltern sich von ihm zurückziehen. Ohne Echo für seine ihm eigene Wahrnehmungs- und Reaktionsfähigkeit kann ein Kind nicht überleben. Es übernimmt, um seine Verbindung aufrechtzuerhalten, die Erwartungen der Eltern. Auf diese Weise wird das seelische Sein eines Kindes in seiner autonomen Wahrnehmungs- und Reaktionsfähigkeit geradezu ausgelöscht.“

Das „falsche Selbst“ und die Wendung gegen das (eigene und fremde) Glück

Das Kind unterwirft sich den elterlichen Erwartungen und wird – brav. Es lässt die Erwachsenen in sich wachsen, statt seines eigenen Selbst. Es kann nun ein Leben lang nicht aufhören, die Gefühle seiner Eltern anstelle seiner eigenen zu haben. Sein Körper wird ihm zum Fremd-Körper, die eigenen Impulse werden ihm fremd, bis es sie schließlich als bedrohlich erlebt und abwehrt. Es entwickelt notgedrungen das, was der englische Psychoanalytiker D. W. Winnicott und nach ihm Alice Miller als „falsches Selbst“ bezeichnet haben. Zu viele Bestandteile des Ich erweisen sich als Nicht-Ich, als fremd-entfremdende Introjekte, so dass der auf diese Weise herangewachsene Mensch zu keinem gelassenen Umgang mit dem Anderen finden kann und sich die Einfühlung in fremdes Elend versagt. Er verschließt sein Herz gegen Mitleid und andere weiche Regungen und macht sich zum Anwalt seiner Zerstörung.

Der Konformismus, der sich auf der Basis einer „Identifikation mit dem Aggressor“ entwickelt, ist mit Feindseligkeit und Bösartigkeit kontaminiert. Wo Ich-Einschränkung und Wunschvernichtung in früher Kindheit, in Schule und Beruf Verletzungen zufügten und Narben hinterließen, entwickelt sich panikartige Angst vor dem Anspruch auf Glück, auf Formen von Unabhängigkeit, die man in sich selbst unter Schmerzen begraben musste. Alles, was in der Außenwelt und bei anderen an aufgegebene eigene Glücks ansprüche und Hoffnungen erinnert, wird abgelehnt, im Extremfall gehasst und verfolgt.

„No Pity for the Poor“ nennt der erwachsen gewordene Theodor W. Adorno die dem „autoritären Charakter“ eigene Verhärtung gegen die Leiden der Armen und Erfolglosen, der auch er in der oben geschilderten Kindheitsepisode einen Augenblick lang Raum gegeben hatte. Für einen Moment ist es in der Schwebe, auf welche Seite sich ein Mensch in seiner Entwicklung schlägt. Der privilegiert aufwachsende Adorno entscheidet sich für die eigenen Glücksansprüche und das Lebendige, die meisten anderen wählen unter äußerem Druck den Weg der Anpassung und der Assimilation ans Tote. „Der Weg des Faschismus ist der Weg des Maschinellen, Toten, Erstarrten, Hoffnungslosen. Der Weg des Lebendigen ist grundsätzlich anders, schwieriger, gefährlicher, ehrlicher und hoffnungsvoller”, schrieb Wilhelm Reich in seiner Massenpsychologie des Faschismus.

Affen der Gefängniswärter

Schon Mitte des 16. Jahrhunderts hatte der eng mit Montaigne befreundete französische Jurist und Autor Etienne de la Boétie sich über die Tyrannenverehrung seiner Mitmenschen gewundert und sie „Freiwillige Knechtschaft“ genannt: „Diesmal möchte ich nur erklären, wie es geschehen kann, dass so viele Menschen, so viele Dörfer, Städte und Völker manchesmal einen einzigen Tyrannen erdulden, der nicht mehr Macht hat, als sie ihm verleihen, der ihnen nur insoweit zu schaden vermag, als sie es zu dulden bereit sind, der ihnen nichts Übles zufügen könnte, wenn sie es nicht lieber erlitten, als sich ihm zu widersetzen.“

Auch der junge Max Horkheimer macht in den 20er und frühen 30er Jahren des 20. Jahrhunderts die traurige Erfahrung, dass die Masse der Menschen sich mit ihren Unterdrückern identifiziert, statt sich mit denen zu solidarisieren, die sich gegen sie auflehnen. In seinem Buch Dämmerung schreibt er: „Auch dass die beherrschten Klassen, von den fortgeschrittensten Gruppen abgesehen, der Verlogenheit ihrer Vorbilder folgen, ist zwar schwer verständlich, aber doch hinreichend allgemein bekannt. Besteht doch die Abhängigkeit dieser Klassen nicht allein darin, dass man ihnen zu wenig zu essen gibt, sondern dass man sie in einem erbärmlichen geistigen und seelischen Zustand hält. Sie sind die Affen ihrer Gefängniswärter, beten die Symbole ihres Gefängnisses an und sind bereit, nicht etwa diese ihre Wärter zu überfallen, sondern den in Stücke zu reißen, der sie von ihnen befreien will.“ Genau das können wir im Moment erneut beobachten: Statt sich im Schicksal der Griechen wiederzuerkennen und zu rufen: „Wir sind alle Griechen!“, identifiziert sich die Masse der Menschen in Nordeuropa mit denen, die den Griechen das Fell über die Ohren ziehen und sie ihrem Diktat unterwerfen wollen.

Lawrence LeShan, der Pionier der psychologischen Krebsforschung, hat eine Methode entwickelt, um seine Patienten mit den abgewiesenen Teilen ihres Selbst in Berührung zu bringen. In ihrer ständigen Selbstzurückweisung und Selbstbestrafung erblickt er einen wesentlichen karzinogenen Faktor. Ständig hallen die Entwertungen und Verurteilungen durch die Eltern in den seelischen Innenräumen der Patienten nach, die sie häufig nicht nur akzeptiert, sondern sogar gutgeheißen haben. Gehorsam und loyal halten sie ihren Peinigern die Treue und geben sich selbst die Schuld.

Wiederentdeckung der Leiden des Kindes

LeShan schildert in seinem Buch Psychotherapie gegen den Krebs (Stuttgart 1982) eine Sequenz aus der Therapie mit Arlene.

„Ich bat sie, sich an einen Vorfall in ihrer Kindheit zu erinnern, bei dem sie ihrer Meinung nach höchst ungerecht behandelt worden und sehr gekränkt gewesen war. Sie erinnerte sich an ein solches Geschehen und konnte es sich in allen Einzelheiten ins Gedächtnis zurückrufen. Am Ende hatte sie allein in ihrem Zimmer gelegen und geweint. Arlene konnte diese Szene ganz deutlich vor sich sehen und wusste sogar noch, welches Kleid sie an jenem Tag angehabt hatte. Nun bat ich sie, sich vorzustellen, dass wir hier im Sprechzimmer eine Zeitmaschine hätten. Sie sollte sich hineinbegeben und – die erwachsene Frau, die sie heute war – in jenes Zimmer und in jenen Augenblick ihrer Kindheit zurückreisen.
LeShan: Jetzt betreten Sie – so wie Sie heute sind – das Zimmer, in dem die kleine Arlene weinend auf ihrem Bett liegt. Sie gehen hinein, und das Kind sieht zu Ihnen auf. Was tun Sie?
Arlene: Ich würde ihr eins draufgeben!!“

Das Erschrecken Arlenes über diese spontane Reaktion bildete den ersten Schritt in Richtung einer neuen Einstellung zu den zurückgewiesenen Teilen ihres Selbst. Sozialpsychologisch gewendet bedeutet die LeShan‘sche Methode der Zeitmaschine: Der Weg zur Solidarität mit anderen führt über die Wiederentdeckung der Leiden des Kindes, das wir einmal waren und das wir auf dem Weg zum Erwachsenwerden zum Verschwinden und Verstummen bringen mussten. Die Dressur zum Gehorsam in der frühen Kindheit und die ein Leben lang wirksame Identifikation mit dem Aggressor verhindern die Entwicklung der Fähigkeit zu Erbarmen und Mitgefühl – mit uns und anderen.

Besser er als ich

„Zwei Jungen begegnen irgendwo in den amerikanischen Wäldern einem aggressiven Grizzlybären. Während der eine in Panik gerät, setzt sich der andere seelenruhig hin und zieht sich seine Turnschuhe an. Da sagt der in Panik Geratene: ‚Bist du verrückt? Niemals werden wir schneller laufen können als der Grizzlybär.‘ Und sein Freund entgegnet ihm: ‚Du hast Recht. Aber ich muss nur schneller laufen können als du.‘“ (Robert Stern)

Es gibt gesellschaftliche Großwetterlagen, die im Sinne eines öffentlichen Klimas Haltungen wie die eben beschriebene treibhausmäßig fördern. Es macht einen nicht zu unterschätzenden Unterschied, ob man in einer Gesellschaft aufwächst und lebt, in der Schwachen und weniger Leistungsfähigen solidarisch beigesprungen und unter die Arme gegriffen wird, oder in einer, in der sie der Verelendung preisgegeben und als sogenannte Loser zu Objekten von Hohn und Spott werden.

Unter günstigen lebensgeschichtlichen Bedingungen erworbene Fähigkeiten wie die, sich in andere einfühlen zu können und sich von ihrem Leid berühren zu lassen, bedürfen dauerhafter äußerer Stützung, sonst bilden sie sich zurück und zerfallen schließlich. Die Eigenschaften und Haltungen, die einen in der Konkurrenz weiterbringen, wie kalte Schonungs- und Skrupellosigkeit, Anpassungsbereitschaft, Wendigkeit, eine gewisse Gewieftheit etc. überwuchern diejenigen, die dem im Wege stehen und die man bislang als die eigentlich mensch lichen angesehen hat. Der Andere, der Mitmensch, wird unter solchen Bedingungen zum feindlichen Konkurrenten, zum Überzähligen, schließlich zum Gegen- oder Nicht-Menschen, dem jede Einfühlung verweigert und Unterstützung aufgekündigt wird.

Man gewöhnt sich daran, dass das Glück der einen mit dem Leid der anderen zusammen existiert: Glück ist, wenn der Pfeil den Nebenmann trifft. Jede Gesellschaft produziert ihr gemäße Charaktere, lebt von ihnen und reproduziert sich durch sie. Erich Fromm hat für die gemeinsame Charakter-Matrix einer Gruppe den Begriff „Gesellschafts-Charakter“ geprägt. Dabei geht er davon aus, dass der grundlegende Faktor bei der Bildung des „Gesellschafts-Charakters“ die Lebenspraxis ist, wie sie durch die Produktionsweise und die sich daraus ergebende gesellschaftliche Schichtung zustande kommt. „Der Gesellschafts- Charakter ist jene besondere Struktur der psychischen Energie, die durch die jeweilige Gesellschaft so geformt wird, dass sie deren reibungslosem Funktionieren dient.“

Der Neoliberalismus fördert die zwischenmenschliche Verfeindung

Der seit den 1980er Jahren hegemonial gewordene Neoliberalismus hat den Sozialstaat geplündert und planiert. Er hat einen sozialen und moralischen Darwinismus etabliert, der den Kampf eines jeden gegen jeden ins Recht setzt, der den Werten eines absolut asozialen Individualismus zum Durchbruch verholfen hat und der das Gros der Bevölkerung dazu verurteilt, in einem Universum permanenter Verteidigung und Aggression zu leben. Wer Mitgefühl zeigt, droht aus dem Markt geworfen zu werden und einen sozialen Tod zu sterben. Insofern dürfen wir uns nicht wundern, dass die vom Sozialstaat propagierte Kultur des menschlichen Entgegenkommens und der Solidarität von einer Kultur der wechselseitigen Verfeindung und des Hasses abgelöst wird. Empathie und Mitgefühl befinden sich in den Gesellschaften des losgelassenen Marktes im freien Fall, weil sie von außen keine Stützung mehr erfahren, sondern mehr und mehr als Störfaktoren und Hindernisse im individuellen Fortkommen betrachtet werden.

Eine solidarische, egalitäre Gesellschaft – mit Freundlichkeit als vorherrschendem Kommunikationsstil – würde den Menschen nicht mehr so viel Bosheit einpressen, sondern Raum und Zeit für eigene Entwicklungen einräumen. Ihr Hauptaugenmerk gälte der Schaffung neuer verlässlicher Räume, in denen es Kindern möglich wäre, unter Bedingungen raum-zeitlicher Konstanz und leiblicher Anwesenheit ihrer Bezugspersonen ihre psychische Geburt zu vollenden und sich zu Menschen in einer menschlichen Gesellschaft zu entwickeln. Eine Gesellschaft, die ihre soziale Integration und den zwischenmenschlichen Verkehr auf Formen solidarischer Kooperation gründet, statt auf der letztlich asozialen Vergesellschaftung durch Markt und Geld, wird auch andere psychische Strukturen und andere Formen der Vermittlung von Psychischem und Gesellschaftlichem hervorbringen, für die uns Heutigen die richtigen Begriffe fehlen.

Allenfalls wird man sagen können, dass der individuelle Selbstwert einen ausgeprägten Bezug zur Gemeinschaft aufweisen würde, in der der Einzelne in echter Solidarität aufgehoben wäre. Unter solch utopischen Bedingungen aufgewachsenen Menschen würde weniger Bosheit eingepresst, so dass sie nicht mehr genötigt wären, diese im sozialen Vorurteil gegen Minderheiten zu richten. Sie könnten sich diesen einfühlsam und solidarisch zuwenden.

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Über den Autor

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studierte Politikwissenschaft, Soziologie und psychosomatische Medizin. Promotion mit einer Arbeit zur Geschichte der sozialen Bewegungen. Ausbildung zum Familientherapeuten. Seit drei Jahrzehnten Gefängnispsychologe im Erwachsenenstrafvollzug. Organisiert dort Kulturprojekte, Theateraufführungen und Lesungen. Zahlreiche Buch- und Zeitschriftenveröffentlichungen seit den frühen 1970er Jahren in der Tradition der Kritischen Theorie, u. a. zu Amok, Hass und Gewalt.

Mehr Infos

Buch „Zwischen Amok und Alzheimer. Zur Sozialpsychologie des entfesselten Kapitalismus“ ist 2015 im Verlag Brandes & Apsel erschienen (Rezension dazu von Joke Frerichs auf www.nachdenk seiten.de)

Knecht-Eisenberg-Buch

Götz Eisenbergs neuestes Buch erscheint Ende Juni 2016 unter dem Titel „Zwischen Arbeitswut und Überfremdungsangst“,
der zweite Band seiner Sozialpsychologie des entfesselten Kapitalismus.
(Rezension dazu von Joke Frerichs auf www.nachdenkseiten.de)

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12 Responses

  1. Brigitte Brausam-Hansen
    Mit Gott & seiner Liebe in unserem Herzen überwinden wir diesen "Wahnsinn" - ich spreche aus eigener Erfahrung

    Ich habe mich ca. 35 Jahre lang damit beschäftigt, einen Weg heraus, für mich selbst ,zur Überwindung genau dieses hier so hervorragend beschriebenen „Konstruktes“ (VIELEN DANK DAFÜR) zu finden…ich war so abgespalten von mir selbst, dass es schon grenzwertig war, ohne es lange Zeit zu bemerken…das ist ja genau das Schwierige daran. Der Betroffene merkt nicht, was da in ihm wirkt, bis seine /ihre Zeit kommt es zum einen bewusst zu verstehen und zum Anderen nachhaltig heilen zu wollen. Letztendliches Fazit und Gott sei Dank die Antwort auf meine fast lebenslangen Bemühungen und vielen Irrwege rund um nachhaltige Heilung: Wir können es nicht aus eigener Kraft heilen oder ändern, wir können darum bitten und empfangen.
    Auf diese Weise erlebe ich nun nachhaltige Heilung und eine Sicherheit die von innen kommt und tiefe Empathie mit mir selbst und Anderen (ich habe es in dieser Reihenfolge gelernt) wo früher beides nicht möglich war. Und jede/jeder der diesen Weg kennen lernen möchte, der Hilfe und Unterstützung sucht, dessen Seele sich hier angesprochen fühlt, ist mir herzlich willkommen. Ich teile gerne meine Erfahrungen.

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  2. Dieter
    Mut und Mitgefühl

    Wenn man versucht, sich loszulösen von den gesellschaftlichen Normen, die von je her mit Konkurrenzdenken und wer ist besser, schöner, beliebter usw. einher gehen, steht man häufig allein da.
    Das macht Angst und erfordert Mut.
    Wenn es einem weh tut, wenn Schwächere beschämt, verletzt, oder ausgegrenzt werden und einem das Lachen im Halse stecken bleibt, welches innerhalb der restlichen Gruppe heraus schalt, schwenkt eben dieses Lachen auf einen selbst zurück.
    Ist man darüber traurig, oder wütend, was in meinen Augen gesunde Gefühlsregungen wären, wird man als nicht normal und verweichlicht gesehen.
    Gefühle und Mitgefühl erfordern mehr Mut den je.

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    • HansL
      Mitgefühl

      Es gab eine Zeit wo eben dieses „Mitgefühl“ als Schwäche angesehen wurde!
      Das Gewissen wurde damals großteils ausgeschaltet und das Ergebnis dieser Umstände ist in den Geschichtsbüchern nachzulesen.

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  3. der Eine

    Wird der Mensch göttlich und unantastbar werden auch keine Verbrechen mehr an den Menschen geschehen.

    Die sofortige Manifestationsfähigkeit gewährleistet uns Freiheit und eine paradiesische Zukunft.

    Das Geheimnis des Zugangs zu dieser Fähigkeit gilt es zu entdecken.

    Antworten
    • Dynamitrios

      Erst wenn wir es geschafft haben an NIEMANDEM mehr ein Verbrechen zu verüben, ist diese Entwicklung vollzogen… alles andere ist zu anthropozentrisch

      Antworten
    • HansL
      AW:

      „Sofortige Manifestationsfähigkeit“ ist wohl ein Wunschtraum und es kommt ja auch darauf an, was sich manifestiert. Das Glück zu haben in einer Umgebung aufzuwachsen wo sich das „Richtige“ entfalten und manifestieren kann, muss man einmal haben. Die Gefahr, wonach D. W. Winnicott und Alice Miller vor einem „falschen Selbst“ warnen, dass sich negative Eigenschaften manifestieren können, ist in einer “ asozialen Vergesellschaftung durch Markt und Geld“, wie es der Autor nennt, latent gegeben.
      Und dann bedürfen, wie der Autor zu recht meint, erworbene Fähigkeiten zur Empathie dann auch einer „dauerhafter äußerer Stützung“.

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  4. Andrea 089
    Meine Güte ...

    … erschreckend treffende Worte.
    Ja, ich begegne fast nur noch Menschen die in einem „Universum permanenter Verteidigung und Aggression leben.“
    Unendlich frustrierend …
    Wer anders ist, stirbt einen sozialen Tod.

    Es ware schön Auswege aus diesem Dilemma zu finden…

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    • Karin
      Der Ausgang aus dem Labyrinth...

      …ist hier aufgezeigt. Man kann es auch den Aufstieg aus der Hölle nennen. In dieser befinden wir uns. Doch in uns ist genug Funken und Erinnerung an den Himmel um diesen unbedingt zu wollen. So kann der Weg nur hinauf gehen.

      Antworten
      • HansL
        Himmel

        Sehr optimistisch!
        Derweil aber ziehen sich dunkle Wolken am Himmel zusammen!

    • Ulla
      Zwei Motoren für die Identifikation mit dem Aggressor

      die bisher noch zu oft übersehen werden, sind:
      a) die Linkshänder, die als Kinder auf rechts umerzogen wurden, und dennen so ein „motorischer Anker ins Unbewusste“ gesetzt wurde (die Benutzung der nicht-dominanten Hand und nicht-dominanten Gehirnhemisphäre) – der sie unbewusst immer weiter sich selbst unterdrücken lässt, und in der Identifikation mit dem Aggressor (der diese Selbstunterdrückung verursachte) verbleiben lässt; und
      b) die emanzipierten Frauen – die in der Unbewusstheit über diesen Mechanismus glauben, dass sie nur dann, wenn „sie so werden wie Männer“ – in dieser sowieso schon viel zu männlichen patriarchalen Kultur – eine Chance haben, sich durchzusetzen = sie erkennen nicht, dass sie so selbst in der „Identifikation mit dem Aggressor“ das tun, was sie eigentlich beschädigt.

      Der Menschheit hilft nur die Bewusstheit über solche Zusammenhänge – und die freie Entscheidung eines jeden, dabei nicht mehr weiter mit zu tun.
      Das ist möglich.
      Wie, steht auf www.sonnenweib.de.

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      • HansL
        Schädliche Identifikation mit dem Aggressor

        Interessante Sichtweise und sie stimmt!

    • HansL
      Darwinistische Tendenzen nehmen zu

      Andrea 89, zu Deinen Worten – „Wer anders ist, stirbt einen sozialen Tod.
      Es ware schön Auswege aus diesem Dilemma zu finden…“

      Gerade aber in schwierigen Zeiten erfordern es die Umstände konform mit der Gruppe/Gesellschaft zu sein. Individualismus und persönliche Freiheiten nehmen naturgemäß ab.

      Antworten

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