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Auf DVD: More than Honey

Vom Leben und Sterben der Bienen

Seit einigen Jahren geht es den Bienenvölkern auf diesem Planeten schlecht. Sie sterben aus. Und das ist nicht nur für die Bienen schlecht, sondern vor allem auch für die Natur und damit auch für uns. Rund 1/3 aller Pflanzen, die wir zu uns nehmen, werden von Bienen bestäubt. Gäbe es sie nicht mehr, sähe es langfristig schlecht für unsere Umwelt aus, denn Bienen sind unersetzlich. Selbst Veganer sind damit also von industrieller Tierhaltung abhängig. Die Familien- und Firmengeschichte des Schweizer Regisseur Markus Imhoof ist durch Generationen hindurch mit Bienen verwoben gewesen. Sein Film ist der Lösung des Rätsels des geheimnisvollen weltweiten Bienensterbens gewidmet. Und schon ist man mitten drin, hört einen Amerikaner inmitten einer Mandelplantage darüber schwadronieren, dass Monokultur keinerlei schädliche Folgen habe. Der Blick zeigt wunderschöne Mandelblüten, weiß erblühte Mandelbäume in Reih und Glied, die bis zum Horizont reichen und Ungutes ahnen lassen. Da braucht es kaum die Bilder vom Versprühen des Pestizids und den langsam auf den makellosen Blüten sterbenden Bienen.

Wahnsinniger: In Teilen Chinas gibt esOder der Bienenfarmer, der seine Tiere durchs die ganzen USA zu eben diesen Plantagen karrt, damit sie die pestizidverseuchten Pflanzen bestäuben, und sich dann wundert, warum ihm ganze Bienenvölker immer wieder an Pilzen, Wachsmaden, Milben und geheimnisvollen Krankheiten krepieren. Er schlägt zurück, indem er sie mit billigem Zuckerwasser füttert – hochgradig versetzt mit Antibiotika. Man lernt, dass es in Europa, Amerika und Asien quasi kein kommerziell genutztes Bienenvolk gibt, das nicht mit Medikamenten zugedopt wird. Sieht man dies – inklusive der regelrechten Massaker, die man zum Zwecke der industriellen Nutzung an den Bienen vornimmt –, will man nur noch zu Biohonig greifen. Noch schon gar keine Bienen mehr und Arbeiter bestäuben die Blüten von Hand!

Fazit: Ein spannender und ruhiger Film, der Zuschauern Raum für die eigene Erkenntnis lässt und deswegen etwas länger Anlauf nimmt, um zur Schlussfolgerung – bestehend aus der Art, wie der Mensch die Bienen behandelt und vergiftet – zu gelangen. Die Bienen sterben an der menschlichen Zivilisation. So einfach ist es. Imhoof wirft auch die Frage auf, ob die agressivere afrikanisierte Honigbiene (sogenannte „Killerbiene“) vielleicht die Antwort auf diese Behandlung ist. Die Kommentierung ist sehr zurückhaltend und lässt eher starke Bilder und die Interviewten für sich sprechen.

 

Markus Imhoof
More than Honey
Senator Home Entertainment, 2013
90 Minuten, 14,99 Euro

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