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Unser Verstand hat die Angewohnheit, uns ständig mit Sorgen zu überhäufen. Er erschafft  komplexe Szenarien vermeintlicher Gefahren, gegen die wir uns – so fordert er – schützen müssen. Der Schlüssel zu innerer Sicherheit liegt allerdings meist nicht darin, diesen Gedanken entsprechende Taten folgen zu lassen, sondern genau hinzuschauen, welche Gefühle hinter diesen „Kopfgebilden“ stecken.

 

Als ich 2008 von Süddeutschland nach Berlin zog und beschloss, eine Zeitlang mal die Selbständigkeit sein zu lassen und mir einen festen Job zu suchen, erzählten mir viele Menschen, es sei sehr schwierig, zur Zeit einen Job in Berlin zu finden – und überhaupt müssten wir mit dem Schlimmsten rechnen, was die Zukunft anginge.

Im Laufe meines Aufenthalts in Berlin – der, was ich damals noch nicht wusste, nur ein Jahr dauern sollte – und bis heute traf und treffe ich auf viele Menschen, die mir von ihren Ängsten in Bezug auf Finanzkrise, Geld, Job und Überleben erzählten. Es lag wortwörtlich in der Luft.

Ich merkte dabei, dass dann, wenn meine Aufmerksamkeit mit diesen Gedanken ging, Angst aufstieg – eine Angst, die ich nicht wollte. Wenn ich den Geschichten, die sie erzählten, Glauben schenkte, trat entweder Lähmung ein („O je, ich bin erledigt!“) oder eine Art zwanghaftes Handeln, ein Getriebensein, um die Angst zu vermeiden, um „mich“ zu retten („Ich muss etwas tun, sonst passiert eine Katastrophe.“). Beides fühlte sich nicht gut an, aber es ließ mir keine Ruhe. Die Situation zwang mich gewissermaßen, genauer hinzusehen.

Dabei fiel mir auf, dass dann, wenn ich im Moment hinsah, alles in Ordnung war: Es gab ein Dach überm Kopf, ein warmes Bett zum Schlafen, genug und gut zu essen und Freunde, mit denen ich über alles reden konnte. Aber das schien nicht genug. Im Kopf ging es hoch her und etwas in mir glaubte steif und fest, dass es da ein Problem gab und dass die Sache mit dem Dach überm Kopf nur ein Trösten sei, um die Angst wieder loszuwerden.

 

Angst und Hilflosigkeit

So geschah noch genaueres Hinsehen. Dabei fiel mir dann auf, dass die Angst eine Art von Abwehr war und dass darunter ein Gefühl von Hilflosigkeit lag – angesichts der Unkontrollierbarkeit des Lebens – und dass das scheinbare Gabriele-Ich diese totale Hilflosigkeit nicht haben wollte. Was für ein Geschenk, zu sehen, dass „ich“ total hilflos bin! Tiefer Frieden kehrte ein in dem Sehen: „Ich“ kann nicht überleben. „Ich“ kann gar nichts und „ich“ muss es auch nicht.

Aber das scheinbare Problem schien nicht geklärt zu sein, denn die Angst stieg nur wenig später wieder auf – wie wenn sie mich ermahnte, nicht aufzugeben. Da war also noch etwas. Und so entdeckte ich, dass die Angst im Grunde die Angst vor dem totalen Kontrollverlust, dem Ausgeliefertsein, dem Nichts, dem Tod ist. Als das gesehen wurde, war es wieder ganz still und ein tiefes Lauschen geschah – ein Lauschen in diese Stille hinein. Hierbei wurde plötzlich sichtbar: Hallo! Das Nichts, vor dem „ich“ solche Angst hatte, ist ja schon, genau jetzt! Es ist ja schon nichts!

Es wurde gesehen, dass die Gedanken eine Geschichte erzeugen von einer Person, die in Gefahr ist, von einer bedrohlichen Zukunft und von dem Sterben dieser Person – und all das wurde plötzlich als eine wilde Geschichte, ein Hirngespinst durchschaut, als ein Drama, erzeugt aus der nackten Angst vor dem Nichts – genauer: vor einer Vorstellung dieses Nichts. Denn in Wirklichkeit wurde es als tiefe, wunderbare Erleichterung empfunden, dass da Nichts ist. Es erschien nur in Gedanken so, als lebte da jemand mitten in einer Gruselstory.

Erst durch dieses bedingungslose Hinsehen konnte die Angst mehr und mehr gehen. Erst als nichts mehr übrig blieb von der Geschichte, erst als sie wirklich gänzlich durchschaut war als das, was sie ist – eine Geschichte – hatte die Angst ihre Arbeit getan und konnte gehen. Das heißt nicht, dass diese Gedanken – in anderer oder ähnlicher Gestalt – nicht wieder aufstiegen. Sie erzählten weiterhin – immer wieder mal – von jemandem, der ein Problem hat und der ums Überleben kämpfen müsste.

 

Was fehlt?

Gerade letztens kreiste das Thema Sicherheit wieder einmal in meinen Gedanken, so dass das Interesse entstand, mir anzusehen, was mein Kopf darunter versteht. Dabei kamen sofort Begriffe wie: „genügend Geld“, „gesicherte Zukunft“ und „Hilfe und Unterstützung“ hoch, und ich fragte mich, wie viel Geld denn aus der Sicht meines Verstandes genügt, ab wann die Zukunft ausreichend gesichert ist und wie viel bzw. welche Art der Unterstützung denn für ihn akzeptabel ist? Dabei erinnerte ich mich, dass er nicht zwangsläufig ruhiger wurde, wenn mehr Geld als sonst zur Verfügung stand oder sich Besitz anhäufte, denn dann begann die Sorge, das alles wieder zu verlieren. Was Unruhe und Unsicherheit auslöste, war der Gedanke, dass etwas fehlt oder in Zukunft fehlen würde – gemessen an Vorstellungen, die vorgaben zu wissen, was sein oder nicht sein sollte und was sein wird.

Es fiel mir erneut auf, dass vermeintliches Wissen sehr viel Unruhe erzeugt. Warum? Weil es nur das gibt, was ist, so wie es ist – nicht mehr und nicht weniger. Wenn also Gedanken aufsteigen, die vorgeben, dass es eine andere Möglichkeit, Zeit und eine Zukunft gibt, entfernt sich die Aufmerksamkeit sehr weit von dem, was wirklich ist und es entsteht eine Art von Spannung – die Spannung zwischen dem, was wirklich ist so wie es ist, und dem, was ich denke, was sein oder nicht sein sollte und was sein wird.

Wenn die Aufmerksamkeit hingegen nicht in einer Geschichte ruht, vielmehr bei dem, was ist, so wie es sich im Moment gerade zeigt, fällt diese Spannung sofort in sich zusammen. So ist jetzt gerade hier nur Stille, die schreibt, und niemand, dem etwas fehlt oder der etwas braucht. Was für ein Geschenk! Nun magst du an dieser Stelle vielleicht sagen: „Ja, klar, dir fehlt ja auch nichts. Aber es gibt Menschen, bei denen das nicht so ist und da fehlt schon etwas. Die haben ein echtes Problem.“

 

Was ist real?

Ich habe dieses Argument schon oft gehört und auch den Ärger, die Empörung und das Entsetzen darin. Und gerade, weil dies wahrgenommen wurde, geschah immer wieder Innehalten und erneutes Hinsehen. Und mir wurde klar: Ja, so erscheint es – in Gedanken. Und diese wirken offensichtlich sehr real. Es sieht dann wirklich so aus, als ginge es ums Überleben und als gäbe es jemanden, der ein echtes Problem hat. Und jedes Mal, wenn dieser Eindruck in meinem Kopf entstand, sah es auch hier, bei mir, so aus und fühlte sich so an.

Zugleich geschah aber auch immer wieder großes Interesse, nicht auf halber Strecke stehen zu bleiben, das heißt, wirklich genau hinzusehen, gleichgültig, was dabei herauskommt und was es mich kostet. Und jedes Mal war das Ergebnis dasselbe: Es wurde niemand entdeckt, dem etwas fehlt und der etwas braucht, nur Liebe, die so spielt, wie sie eben gerade spielt. Es erschien nur in Gedanken sehr dramatisch!

Mich erinnert das an eine Situation, in der ich sehr krank war. Jede noch so sanfte Bewegung löste Übelkeit aus und ich musste mich erbrechen. Die meiste Zeit lag ich deswegen weitgehend bewegungslos im Bett. Dabei fielen mir die Blicke der Menschen in meiner Umgebung auf. Ich entdeckte Mitleid und Unbehagen in ihren Gesichtern und war verblüfft. Denn das, was mir in ihren Augen auffiel, wenn sie mich ansahen, und das, was ich bei mir selbst wahrnahm, schien überhaupt nicht deckungsgleich. Es wurde kein Problem gesehen und niemand, dem etwas fehlte – nur unermessliche Stille, die Krankheit spielte. Da war die Bereitschaft zu sterben – ohne Reue oder Sorge.

Diese Situation machte mir klar, dass meine vermeintlich klare Wahrnehmung eine gedankliche Interpretation ist. Ich kann nie wirklich wissen, was in einem Menschen vorgeht.

Das Einzige, was hier gerade klar gesehen wird, ist Stille, die schreibt und die „Sonnenlicht spielt“, das durchs Fenster scheint. Diese Stille, das Eine, das in so unglaublicher Vielfalt erscheinen kann, ist das, was wirklich ist, das Einzige, das sicher ist – immer verfügbar, absolut zuverlässig – auch jetzt, während scheinbar du dies liest.

 


Der Text ist ein Auszug aus dem Manuskript: „Mich gibt es nicht. Was für eine Erleichterung“

Abb: © majesticca – Fotolia.com

Über den Autor

Avatar of Gabriele Rudolph

Erlebbar ist das „NLP der Zukunft“ im Rahmen von Einzelsitzungen oder Workshops sowie einer 21-tägigen berufsbegleitenden Ausbildung zum NLP-Practitioner und -Coach, in der man den Prozess an sich selbst erfahren und lernen kann, andere Menschen darin zu begleiten.

QNLP mit Gabriele Rudolph in Berlin:
Fr, 16.5., 19-21 Uhr: Vortrag „Einführung in QuantenNLP – Mit NLP zur Stille“, 20 €
Sa/So, 17./18.5.,
11-17 Uhr: Seminar „Einführung in QuantenNLP“, 180 €

Die nächste QuantenNLP-Coaching-Ausbildung beginnt am 28. Juni 2014.
Literatur zum Thema ist das E-Book von Gabriele Rudolph „Einladung zu einem Quantensprung“ – Bezug über www.quantennlp.de.

7 Responses

  1. felice

    om shanti om
    bramah – vishnu – mahesh

    friede kommt nicht zu dir – friede kommt aus dir.
    du bist bereits das, wonach du suchst.
    alles darf sein, alles IST daseins-berechtigung.

    om shanti om

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  2. fyahman

    also ganz ehrlich dann träume weiter gönn ich dir aber so naiv kannst du nicht wirklich sein meinst du wirklich nur weil du in deiner heilen weltblase sitzt gibt es kein krieg und leid… ich erlebe leid jeden tag um mich rum sei es die erleinerziehende mutter die einen fetten berg an schulden hat die wohnung verliert ….der misshandelte sohn auf heroin der nich mehr klar kommt…menschen die bierflaschen sammeln um an was zu essen zu kommen…..menschen die sich aus harbgier selbst zerfleischen….krebskranke die froh währen weihnachten noch erleben zu können kriegsflüchtlinge mit aus z.b somalie die hier fürn apel und nen ei unsere drecksarbeit machen ich hatte selbst ein minen opfer aus afgahnistan in der klasse aber klar alles nur ausgedacht damit du in deiner traumblase sitzen kannst das schlimmste am mensch ist seine ignoranz und die wird hier propagiert…..wenn z.b jemand sich den ganzen tag in der arbeit den kopf zerschretter weil er ahnt das seine frau fremd geht..und dann monate später gebeichtet bekomt das er recht hatte was is dann mit deiner theorie die angst is die die wir erschsffen soll man den bei eindeutigen hinweisen das die angst berechtigt ist ignorieren wegschauen…alla ach die geht z.b fremd aber so lang ich nich dran glaube ist es nicht so…während sie dich betrügt … ich hoffe das menschen schlauer sind und nicht auf solche selbst ernannten all wissende hören..klar ist da ein fünkchen dran aber so wie du das hier darstellst währe das immer anwendbar…du sagst mann glaubt an das was man sich in seinem kopf zusammenbraut und genau das ist in deinem fall passiert gabriele du hast dir deine eigene realität erschaffen die du verteidigst weil du dran glaubst…

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  3. isis sager

    Mit Sicherheit ist es gar nicht so leicht,sich in den Widersprüchen des menschlichen Geistes und des Lebens zurecht zu finden.
    Und leider will es einfach nicht gelingen, für alle Aspekte Schubladen an zu legen.
    Ich sehe allerdings keinen Widerspruch darin,praktisch, realistisch, vergnügt, engagiert und lebendig zu sein und gleichzeitig einen nondualistischen Ruhepol in sich zu haben, der der schrägen Gedankenwelt den Spiegel der Illusion vorhält.

    Für mich wird es nur schräg, wenn sowohl Realisten als auch Träumer ihr Fundstück als allgemeingültiges Heiligtum anpreisen …

    Antworten
  4. x

    stimmt zwar alles irgendwie, hilft aber vielleicht nicht weiter, wenn menschen vielleicht doch die eine oder andere inspiration in die sinne kommt, nur weil du gabriele dich vielleicht mit dadrauf versteifst, deinen weg zu gehn.

    waere ja vielleicht mal angebracht arbeitsbedingungen zu schaffen, die es menschen ermoeglichen konzentrierter und liebevoller zu arbeiten, ein schulsystem zu schaffen, dass es menschen ermoeglicht wesentlich mehr als nur gestresste marktteilnehmer etc. zu sein.

    think about it, neben dem aerger der hier in den kommentaren zu finden ist, steht da auch eine menge logik zu der du nur sagst „illusion“!

    es waere wichtig, dass du vielleicht dein bewusstsein miterweiterst, denn vielleicht bist du noch in deinen bildungsvorstellungen zu konkret, sprich, nicht abstrakt genug. dannnnnnnn kannste auch den weg deines buddhas beschreiten, aber deswegen is nich alles margarine.

    kontextualisiere was du weisst fuehlst and so on – where is your passion babe?

    ich sehe in dem foto nicht nur eine frau die bereit is zu sterben, sondern auch eine relativ totes gesicht!

    get alive!!!

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  5. Claudia

    …Schön, das es die „soziale Hängematte“ für die Menschen voller „Stiile“ gibt…zumindest hier in Deutschland !!! In anderen Ländern und Kulturen…und evolutionsmäßig bedingt ist diese Denkweise wohl nicht von großem Nutzen, wenn es um’s Überleben gehen würde, gäbe der Ein oder Andere sicherlich mehr „Gas“..!Aber so, wenns Niemandem richtig mangelt, ist da ja eher kein Handlungszwang…nech? Da bleibt ja viel Zeit, sich das Ganze“ schön und still“ zu reden…und auf andere „Dummis“ zu gucken,…die einem das Ganze ermöglichen !!!

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  6. Vigor Calma

    Sehr schön, Gabriele! So sieht es für mich aus. Und meine größte und wichtigste Aufgabe ist, genau darauf zu achten, was ich in meinen Tempel lasse. Auch achtsam zu sein, was den „kleinen Schmutzfink“ in mir betrifft – das Wesen in mir, das sich nur zu gerne im Sumpf rumwälzen möchte. Weil es das so gelernt hat, weil es das gewohnt ist, und weil es dafür soviele Angebote und Möglichkeiten gibt. Erstaunlicherweise ist das Leben einfach und leicht, solange ich mich um das kümmere, was wirklich mit meinen konkreten Lebensaufgaben zu tun hat (Körperpflege, Ernährung, Bewegung, kreatives Schaffen, Abwasch, sinnvolle Kommunikation). Die Leichtigkeit gerät ins Stottern oder rutscht in den Stillstand, wenn ich Fremden glaube da wäre „eine Krise“, „die Welt ginge unter“, oder „überall ist Krieg und Leid“.
    Tatsache ist: Abgesehen von menschlicher Traurigkeit und Hilflosigkeit habe ich bislang nie irgendwas LIVE gesehen, was in den Medien oder Kommunikation von Fremden ständig breitgewalzt wird… Merkwürdig, eigentlich.

    Also… Was ist real?
    Was auch immer jemand zu seiner/ihrer Realität macht.

    Realisten sind dazu herzlich eingeladen, diese Idee als Unrealistisch zu bewerten.
    Das ändert herzlich wenig an dem Frieden in meinem Leben. Da bin ich lieber von Träumern umgeben, solang ich mit ihnen eine entspannte, freidliche, angnehme Zeit haben kann…

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