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Halt ist ein grundlegendes menschliches Bedürfnis, das wir seit frühester Kindheit in uns tragen. Der Halt in sich selbst, der Selbsthalt, besitzt seine ­eigentliche Quelle im Herzen. Der Herzenergetiker Volker Knapp-Diederichs beschreibt die Zusammenhänge.

 

Wenn eine Tür offen ist, kann man durch sie sehen und gehen, von innen nach außen und umgekehrt. Fühlt man Halt in sich selbst, Selbsthalt, dann schaut und geht man von innen nach außen, schaut und bewegt sich aus seiner inneren in die äußere Welt. Diese innere Welt ist wesentlich nicht im Verstand, in der Ratio des Menschen, verankert, sondern in seiner Essenz, im Herzen. Wenn wir die Welt mit dem Herzen sehen, dann sehen wir die Welt und sehen in ihr einen einzigen großartigen pulsierenden Organismus, der atmet und in dem alles zusammen atmet, kommuniziert, verbunden ist. Der Raum vor und hinter der Tür ist eins.

Man sieht und begegnet der Welt mit einer im eigenen Herzen gegründeten Persönlichkeit, sieht und begegnet dem Außen mit Augen der Neugier, der Achtsamkeit, der Liebe und des Mitgefühls. So oder ähnlich mögen Kinder in die Welt schauen.

Der Verstand und das Ego hingegen beäugen die Welt mit kritischem, misstrauischem Blick. Sie sezieren die Realität wie ein Chirurg mit scharfem Skalpell, schneiden, trennen, analysieren. Der Verstand trennt, das Herz verbindet, es will sich immer nur verbinden. Wenn das Herz sich verbindet mit den Herzen anderer Menschen, dann entstehen Kontakt und Bindung, für einen Augenblick oder für eine Kontinuität von Augenblicken: in Liebesbeziehung, Familie, Freundschaft.

Jede Art von Halt, der im Herzen verwurzelt ist, ist ein Geschenk des Lebens. Halt lädt ein zum Loslassen, ja, bildet seine Voraussetzung. Halt vermittelt ­jene Geborgenheit und Sicherheit, die benötigt wird, um loszulassen, sich hinzugeben, zu lieben.

 

Halt und Zuwendung

Halt gebe ich dem, dem ich liebevoll ­zugewandt bin, denn Halt ist stets mit zugewandter Berührung verbunden. In zugewandter Berührung fließt die Energie meines Herzens ein, es ist der fundamentale Energiefluss vom Herzen in die Hände, der hier wirkt. So geben Mutter und Vater dem Kind den Halt, und das Kind fühlt sich gehalten. Ein Kind, das sich gehalten fühlt, integriert diese Erfahrung in sein Selbst und bildet so in ausreichendem Maße Selbsthalt und Selbstliebe aus.

Anders verhält es sich bei einem Mangel an Halt und in der Folge davon bei einem Mangel an Selbsthalt. Wenn ich loslasse, ohne Halt zu haben, wenn ich haltlos bin, falle ich, falle ins Bodenlose. Die Angst, sich beim Loslassen, beim Sich-Hingeben zu verlieren, findet sich häufig bei Menschen, die in sich keinen Halt, keinen Selbsthalt, besitzen. Für sie ist Loslassen und Hingabe eng mit der Panik vor der Selbstauflösung oder dem Verrücktwerden assoziiert. 

Halt, innerer Halt und Bindungshalt, sind menschliche Grundbedürfnisse und zudem Voraussetzung für jede Art von Transformation. Ein Mensch, dem es an Halterfahrung mangelt, wird sich schwer tun, sein Ego, sein narzisstisches Ich wirklich loszulassen, repräsentiert dies doch den einzigen Halt, der ihm – an der Oberfläche – zur Verfügung steht. Allerdings ist der Halt dieses narzisstischen Ichs ein Überlebenssystem, entstanden und beherrscht von Angst und in Abwesenheit von der heilenden Energie der Liebe und des Herzens. Im Inneren ist nichts als Leere, deswegen neigt das Ego dazu, sich nur über die äußere Welt zu definieren, über die Spiegelung durch andere usw.

 

Selbsthalt

Anders verhält es sich bei dem, was ich Selbsthalt nenne. Selbsthalt bezeichnet die liebevolle und achtsame Beziehung und „sichere Bindung“, die ein Mensch zu sich selbst entwickelt. Selbsthalt wird meist erlebt mit einem inneren Gefühl von Heimat und Frieden, jene innere Ruhe, die sich in manchen Situationen mit der äußeren Ruhe verbindet.   
 
Dies kann zum Beispiel in öffnenden Naturerfahrungen geschehen und als strömendes, süßes Grundrauschen des ­Lebens wahrgenommen werden.

Heimat und Frieden sind ja, nicht ganz zufällig, in dieser Welt stark besetzt und werden weitgehend als Äußerliches wahrgenommen. Die Suche nach Heimat und Frieden in der äußeren Welt bleibt jedoch ergebnislos, wenn sie nicht als Teil der inneren Wirklichkeit ­erkannt werden kann. Dies gilt für so vieles in unserer Welt: Der moderne Mensch sucht weitgehend im Außen, ist zwanghaft mit dem Außen und dem Äußerlichen beschäftigt, ja, bisweilen kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, als laufe er dauernd weg von sich selbst, von den Antworten, Wahrheiten und Wirklichkeiten in sich selbst. Er verausgabt und erschöpft sich dabei immer mehr, das Hamsterrad des ­gehetzten Lebens dreht sich schneller und schneller.

 

Der „innerseelische Bürgerkrieg“

Die prägenden Erfahrungen der Kindheit, und das zeigen auch die neueren Forschungen der sogenannten Epigenetik, hinterlassen viel mehr Spuren, als dies bisher angenommen wurde. In der Beziehung zu sich selbst reproduziert der Einzelne unbewusst die prägenden Beziehungsmuster seiner eigenen Kindheit: Er geht genauso liebevoll oder ablehnend mit sich selbst und bestimmten Teilen seiner Persönlichkeit um, wie er es in der Kindheit in der Beziehung zu seinen Eltern erfahren hat. Dieses Muster führt zu dem, was ich als „innerseelischen Bürgerkrieg“ bezeichne. Es beschreibt die endlosen inneren Dialoge, die zwei oder mehrere Persönlichkeitsanteile in destruktiver Weise miteinander führen, zum Beispiel Gefühl und Verstand, inneres Kind und innerer Elternteil, innerer Träumer und innerer Realist usw.

So wie die Selbstbeziehung die Ver­innerlichung der prägenden Beziehungserfahrungen darstellt, so wirkt sie dann auf die Beziehungen zurück. Dieser Zusammenhang wird unter anderem in der Erkenntnis deutlich, dass ich nicht wirklich glauben und auch nicht annehmen kann, dass ich geliebt werde, wenn ich mich nicht selbst liebe und annehme.

Mangelt es einem Menschen innerlich an Selbsthalt und Selbstliebe, so braucht er entsprechend intensive und extensive Halterfahrungen und deren Integration, um dieses Defizit zu kompensieren.

In der Orgontik, einer „seinsorientierten“ Körpertherapie, verankern wir mithilfe effizienter körpertherapeutischer und herzenergetischer Interventionen die Erfahrung von Halt im Organismus, holen sozusagen auf der energetisch-symbolischen Ebene das nach, was in der Kindheit an Halterfahrung gefehlt hat. Dadurch entwickeln sich der Selbsthalt im Erwachsenen und gleichzeitig auch seine Bindungs- und Beziehungspotentiale auf organische und selbstverständliche Weise. 

Wie ist das gemeint? Die Orgontik wendet sich unter anderem der Frage zu, was es eigentlich bedeutet, wenn wir von „Kontakt“ reden und damit meinen, dass eine bestimmte Qualität von Verbindung zwischen Menschen existiert. Aus der modernen Säuglingsforschung wissen wir, dass es Mutter-Kind-Beziehungen gibt, in denen zwar Berührung und Halt stattfinden, aber kein echter Kontakt.

Entsprechend stellt sich bei modernen Körpertherapien, die Störungen im Bereich Selbsthalt heilen wollen, die Frage: Was qualifiziert ­eigentlich eine körpertherapeutische ­Intervention als wirkungsvoll? Dies führte zur Definition des Begriffes ­“orgontischer Kontakt“ mit den Elementen: Einstimmung – ­Gefühlsanklang – vollständige Zuwendung, die – vereinfacht gesagt – darauf hinauslaufen, dass in tief berührenden Kontaktprozessen immer das Herz beteiligt ist.

 

Energetische Reorganisationsprozesse

Erst im orgontischen Kontakt ist eine Berührung in der Lage, grundlegende Herzcode-Informationen zu übertragen und aufzunehmen. Die meisten Menschen, das haben einfache Versuche gezeigt, sind durchaus in der Lage, diese Informationen aus einer Berührung wahrzunehmen, also zum Beispiel zu unterscheiden, ob eine Berührung aus dem Gefühl von Zuwendung oder von Ablehnung heraus erfolgt, auch wenn die rein taktile Qualität identisch ist.

Der körpertherapeutische Ansatz der seinsorientierten Körpertherapie ist weitgehend dadurch charakterisiert, dass der Therapeut nicht „macht“, also kein technisches Feuerwerk am Körper des Klienten entfacht, sondern einfachen körperlichen Halt anbietet, in dem scheinbar nichts passiert. Dieses oberflächliche „Nichts“ ist die Voraussetzung für subtile energetische Reorganisationsprozesse auf der Herzcode-Ebene.

Wie kann man sich das praktisch vorstellen? Beispielsweise hält der seinsorientierte Körpertherapeut mit den Händen den Rücken des Klienten in Herzhöhe, ohne dass etwas gemacht oder gesteuert wird. Dieses einfache „Nur-da-Sein“, dieses einfache Halten und von Klientenseite (Herz-)Haltspüren zeigt über kurz oder lang verblüffende Resultate, wobei das auffälligste darin besteht, dass der Klient in einen tranceartigen Zustand gleitet, sich dabei tief entspannt, oftmals tiefer, als er sich je erinnern kann.

Die Orgontik sieht hier einen Zugang zu frühen biografischen Seinszuständen, unter anderem zu vorgeburtlichen Erfahrungswelten. In dieser Zeit prägen personale und transpersonale Herzcode-Informationen den Persönlichkeitskern des Menschen, welche das grundlegende Lebensgefühl des Einzelnen bis heute unbewusst bestimmen, sowohl auf der körperlichen als auch auf der seelischen Ebene. Die Orgontik ist darauf ausgerichtet, mit ihrer Halt- und Herzarbeit diesen Persönlichkeitskern als Quelle einer veränderten Beziehung zu sich selbst und der Welt erfahrbar zu machen.

Halt im orgontischen Kontakt ist eine ganzheitliche Erfahrung, sie knüpft an tiefe menschliche Bindungsbedürfnisse an. Eine Verneinung solcher „herz­lichen“ Bindungsbedürfnisse führt zu innerem Unfrieden und innerseelischer Heimatlosigkeit, vielleicht einer lebenslangen Suche nach sich selbst.

Lernen wir die (Ver-)Bindungsbedürfnisse der Herznatur in uns zu bejahen, schenken wir der Wahrheit unseres Herzens Halt. Dann entstehen und wachsen Selbst-Vertrauen und Vertrauen zum Leben und Frieden und Heimat in uns selbst.

 


Abb: Marianne-J. / pixelio.de

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