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 Die am 6. Oktober 2014 veröffentlichte AWARE-Studie untersuchte über 4 Jahre 2060 Patienten aus den USA, Großbritannien und Österreich mit Herzstillstand. 140 der Überlebenden wurden zu ihren Erfahrungen befragt und 46 Prozent hatten tatsächlich Wahrnehmungen in diesem Zeitraum wie Erinnerungen an Angstgefühle, Tiere, helles Licht, Gewalt oder familiäre Erlebnisse, aber auch an akustische Ereignisse, die im Raum nach ihrem Herzstillstand auftraten.

Gibt es ein „Leben nach dem Tod“?

Die AWARE (WAreness during REsuscitation)-Studie der State University of New York untersuchte über einen Zeitraum von vier Jahren den Herzstillstand bei insgesamt 2060 Patienten aus den USA, Großbritannien und Österreich, von denen 330 überlebten. 140 dieser Überlebenden wurden von dem Forschungsteam um den Direktor der Abteilung zur Erforschung der Wiederbelebung (Resuscitation Research), Dr. Sam Parnia, mehrfach zu ihren Erfahrungen befragt.

Die Studie hatte ein ehrgeiziges Ziel: Den Beweis zu erbringen für ein nachweisbares Bewusstsein nach dem Herzstillstand. Die Forscher schreiben, dass das Gehirn seine messbare Aktivität in der Regel spätestens 30 Sekunden nach dem Herzstillstand einstelle. Menschen mit Nahtoderlebnissen erzählen aber eine andere Geschichte, denn diese haben Wahrnehmungen der Außenwelt, die deutlich nach diesen 30 Sekunden passieren.

„Im Gegensatz zu der weit verbreiteten Vorstellung ist der Tod kein spezifischer Moment sondern ein potentiell umkehrbarer Vorgang, der nach einer schweren Krankheit oder Unfällen dazu führt, dass das Herz, die Lunge und das Gehirn ihre Funktion einstellen“ so Dr. Parnia. „Gelingt es, diesen Prozess umzukehren, so spricht man von Herzstillstand; gelingt dies nicht, so nennt man das Tod. In unserer Studie wollten wir über den emotional besetzten aber bislang kaum definierten Begriff der Nahtoderfahrungen hinausgehen, um objektiv zu erforschen, was passiert, wenn wir sterben.“

Verifizierbare Erinnerungen, trotz nicht mehr vorhandener Hirnaktivität

Bisher wurden Nahtoderfahungen mit außergewöhnlicher Hirnaktivität im Moment des Sterbens erklärt. Die AWARE-Studie beschäftigt sich aber mit genau dem Zeitraum des Geschehens, wenn nachweisbar keine Hirnaktivität mehr vorhanden ist.

Um die möglichen Nahtoderlebnisse verifizieren zu können, setzte das Forscherteam visuelle und akustische Hilfsmittel ein: Über den OP-Tischen und Betten wurden Tafeln mit Abbildungen und Symbolen angebracht, die nur aus der Vogelperspektive gesehen werden konnten. Patienten mit außerkörperlichen Erlebnissen, die beispielsweise „von oben“ ihre eigene Reanimation beobachteten, sollten dann auch in der Lage sein, diese Objekte beschreiben können, von deren Existenz sie vorher natürlich nichts wussten. Zudem wurden nach dem Herzstillstand alle Minuten ein Piepston erzeugt, der die zeitliche Einordnung der Wahrnehmungen des Patienten ermöglichen sollte. Mit diesen einfachen Tricks sollten Halluzinationen oder erfundene Szenerien mit großer Sicherheit ausgeschlossen werden.

Außerkörperliche Erfahrungen und Sinneseindrücke während Wiederbelebungsmaßnahmen

Das Ergebnis: 46 Prozent beschrieben eine Art Nahtoderfahrung, die sich aber mit den üblichen Berichten nicht unbedingt deckte. Vielmehr wahren die Erinnerungen und das Erleben extrem vielfältig. Die Interviewten berichteten unterschiedlichste Erinnerungen, die mit ihrem Sterbeerlebnis einhergingen. Unter anderem wurde über Angstgefühle, Löwen, Tiger und Pflanzen, Lichterscheinungen, Szenen voller Gewalt und Verfolgung, Begegnungen mit Familienmitgliedern und Deja vu-Erfahrungen berichtet.

Somit ist das Spektrum der Nahtoderfahrungen wesentlich breiter, als bisher vermutet und auch von unterschiedlichen Gefühlen begleitet. Aber immerhin 22 Prozent der Befragten beantworteten die Frage“ Hatten Sie ein angenehmes Gefühl oder ein Gefühl von Frieden? „mit „Ja“. 27 Prozent nahmen eine Veränderung in ihrem Zeitempfinden wahr und erlebten alles schneller oder langsamer. Nur 3 Prozent sahen Verstorbene oder hatten Geist-Erscheinungen und ganze 7 Prozent nahmen das berühmte helle Licht wahr.

Nur 2 Prozent mit Out-of-Body-Erfahrung

Tatsächliche Rückruf-Erinnerungen wurden aber nur von 2 Prozent beschrieben. Diese Patienten berichteten von Ereignissen, die im Raum während ihrer Wiederbelebung stattgefunden hatten. Und ein einziger Patient – ein 57-jähriger Sozialarbeiters aus Southampton – hatte ein nachprüfbares Bewusstsein in einem Zeitraums, in dem medizinisch von einer Hirnfunktion nicht mehr ausgegangen werden konnte. Er hörte auch den zweiten Piep, der drei Minuten nach Herzstillstand ertönte und seine Schilderungen deckten sich mit dem tatsächlichen Ablauf während seiner Reanimation.

Nur ein verifizierter Fall – für das AWARE-Forscherteam trotzdem ein Meilenstein. In den Schlussfolgerungen der Studie wird aufgrund der begrenzten Anzahl der Rückruf-Erinnerungen eine weitere Studie empfohlen, auch um die Folgen eines solchen Erlebens auf Posttraumatische Stresssyndrom zu untersuchen. Laut Dr. Parnia erleben eventuell wesentlich mehr Menschen ein Nahtoderlebnis, verlieren aber ihre Erinnerungen nach der Wiederherstellung, entweder aufgrund der Auswirkungen der Hirnschädigung oder der Beruhigungsmittel während der Wiederbelebung.

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Eine Antwort

  1. Ludwig

    Danke erst mal, dass ihr nicht so reißerische Titel wie die englischen Zeitschriften gewählt habt.

    Hier 2 Auseinandersetzungen mit der Studie:
    http://god-knows-what.com/2014/10/08/new-evidence-for-life-after-death/
    http://web.randi.org/swift/no-this-study-is-not-evidence-for-life-after-death

    bottom line: Die Studie belegt nicht was in den Medien behauptet wird.

    Ob das für unser persönliches Wissen um Nahtoderlebnisse und OBE’s einen Einfluss hat, sei dahingestellt.

    Liebe