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Hallo Irina, wie geht’s? Kannst du mal bitte diesen Dauerregen abstellen?“ begrüßt mich Peter flapsig. „Tut mir ja leid“ antworte ich schlagfertig, „für das Wetter bin ich leider nicht verantwortlich.“ Wir lachen und gehen weiter im Gespräch… doch ich komme ins Grübeln. Wie ist das mit meiner alten, grünen Gerda, Typ Opel Caravan. Müsste sie nicht eigentlich in Rente, auch wenn sie es gerade über den TÜV geschafft hat. Sollte sie nicht einem umweltfreundlicheren Fahrzeug weichen, mit Erdgas zu betanken? Und warum gibt es im Supermarkt, der Göttin sei Dank für die Öffnungszeit bis 22 Uhr, Bioäpfel in Plastik? Und was sagt eigentlich die Familie der Kassiererin zu den Öffnungszeiten? Hat sie kleine Kinder, die sie bei Spätschicht nicht ins Bett bringen kann? Gibt es einen Mann im Haushalt, der den Job liebevoll übernimmt? Ist es in Ordnung hier einkaufen zu gehen, weil ich bei meinem Megapensum an Arbeit zu den regulären Öffnungszeiten des Biomarktes nicht einkaufen kann?

Die Papierwahl für meinen Verlag, weiß gebleicht oder umweltschutzbraun, habe ich für mich persönlich schon lange geklärt. Doch muss ich immer wieder Kompromisse eingehen, da das Umweltschutzpapier nicht überall gut ankommt. Wie weit kann ich mich als junges Unternehmen über meine KundInnen hinweg setzen?

Komme ich zurück zu meinem Anfangsgedanken, wofür bin ich verantwortlich? Für mich, ist meine Antwort. Das ist alles? Für meine Liebsten, ist der nächste Gedanke. Ja, aber für meine Lieben bin ich immer da. Meine Kinder habe ich sogar zur Selbständigkeit und Eigenverantwortung erzogen, behaupte ich. Ich spreche ja sogar mit meinen Pflanzen und achte darauf, dass es ihnen gut geht. Ich trenne den Müll, beziehe atomfreien Strom. Ich versuche Verpackungsmaterial zu vermeiden und backe eigenes Brot. Ich mische mich überall ein und sage meine Meinung, auch wenn sie mein Gegenüber nicht hören will. Ich war in Brokdorf dabei, habe unzählige Petitionen unterschrieben, und das Konto bei der Bank mit den großen blauen Buchstaben habe ich gekündigt. Geht es in die richtige Richtung, wenn ich mich für die regionale Währung Hansemark interessiere und das bedingungslose Grundeinkommen? Aus Protest habe ich die Krankenkasse verlassen und mich der Solidargemeinschaft Artabana angeschlossen. Ich spende für eine Patentochter in Afrika und publiziere regelmäßig Texte über alternative Medizin, besonders zum Thema Homöopathie. Und doch habe ich das Gefühl, dass es nicht ausreicht…

Meine Vision ist ein neues System. Gleichheit, Freiheit, Brüder/Schwesterlichkeit? Ökologie und Wirtschaft miteinander zu verbinden. Umsatz trotz oder gerade durch Spiritualität?

Meine absolute Lieblingsstelle in Star Trek: Deanna Troi (wunderbar in der Science Fiction-Serie Raumschiff Enterprise – The next Generation gespielt von Marina Sirtis) führt einen Besucher von der Erde durch das Raumschiff Enterprise. Der Besucher berichtet davon, dass im 22. Jahrhundert (muss es denn wirklich noch so lange dauern?) die Menschen auf der Erde soziale und wirtschaftliche Schwierigkeiten überwunden haben. Es gibt keine Kriege mehr. Alle Menschen haben ein eigenes Heim, Zugang zu Bildung. Nahrung, Kleidung und alternative medizinische Versorgung sind Grundwerte und selbstverständlich. Kommentar des Besuchers: Dafür lohnt es sich sogar das Rauchen aufzugeben. Welch ein Ziel, welch ein Kommentar! Packen wir DAS gemeinsam an!

Bild oben: © Jeffrey_van_daele-Fotolia.com

Eine Antwort

  1. rux ,gernot

    ich muste den text erst 2 mal auf mich wirken lassen….
    sowas wortgewandtes mit ironie und doch noch auf den punkt gereizt….
    schön das es sich lohnt ….
    gruß
    Scharmützel

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