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Nicht nur Menschen haben ein Potenzial – auch Orte haben besondere Eigenschaften, die durch Bauten oder Bepflanzungen geweckt oder verstärkt werden können. Eine besondere Form der Energieerhöhung stellen Oktogone dar – achteckige Gärten, die nach bestimmten Prinzipien ­angelegt werden. Eine Initiative Spiritual Gardening in Berlin will jetzt oktogonale Begegnungsgärten in den zwölf Bezirken Berlins bauen – in Form eines Schüler­projektes für ­regionale Vernetzung und nach­haltige Stadtkultur.

 

Berlin ist ein guter Nährboden für Urban Gardening, so wie es in Andernach, Kassel oder Minden in der Form der „essbaren Stadt“ bereits sehr eindrucksvoll betrieben wird. Neben den bekannten Prinzessinnengärten in Kreuzberg gibt es viele lokale Initiativen, die den globalen Trend des Social Gardening aufgreifen und mitten im Getriebe der Großstadt Gartenoasen zum Wohle der Bevölkerung errichten.

Die Landschaften Berlins sind aus der letzten Eiszeit hervorgegangen. Als die Siedlung auf der Spreeinsel 1237 zum ersten Mal Erwähnung findet, ist sie noch von einer sumpfigen Flussaue (slawisch berl) im Berlin-Warschauer Urstromtal umgeben. Es soll auch mächtige Laylines (Kraftlinien) und geomantische Kraftorte geben, die vor allem vom heutigen Alexanderplatz und Unter den Linden quer durch die Stadt über den Großen Stern bis zum Theodor-Heuss-Platz führen. Auch die Gedächtniskirche, Apostel-Paulus-Kirche in Schöneberg und der Flughafen Tempelhof  sind auf geomantischen Knotenpunkten gebaut.

Das rasante Wachstum der Stadt Ende des 19. Jahrhunderts und die Überbauung und Versiegelung weiter Flächen hat diese urwüchsige Verbindung zur Erde zwar beeinträchtigt, aber nicht verschließen können. Denn Berlin ist auch eine Stadt der Seen und Wälder, und viele Parkanlagen und Grünflächen sowie zahlreiche Laubenkolonien und ein großer Baumbestand in den vielen Alleen der Stadt sorgen für einen natürlichen Ausgleich. Überall gibt es inmitten der Stadt Gelegenheiten, in Kontakt mit der ­Erde zu treten. Berlin ist eine der naturverbundensten Metropolen der Welt.

 

Spiritual Gardening: Wenn Natur und Geist sich begegnen

Eine besondere Form moderner Gartenbewegungen ist das Spiritual Gardening oder auch das „Geistige Gärtnern“. Dieser ökosophische Ansatz vereint ökologische Herangehensweisen an die äußere Natur mit philosophischen oder spirituellen Aspekten der inneren Natur. „Natur ist unsichtbarer Geist und Geist ist unsichtbare Natur“, sagt der Naturphilosoph Friedrich Wilhelm Schelling. Jeder Mensch, der einen Garten betritt, geht in diesem natürlich gegebenen Heilraum eine Wandlung ein. ­Besonders eindrucksvoll ist dies, wenn sich eine ökologisch verwahrloste Fläche durch gestalterische Kräfte zu einem naturwüchsigen Kraftort verwandelt, so wie in unserem Garten Eden auf Schloss Tornow bereits geschehen (beschrieben in der SEIN-Ausgabe April 2014).

 

Der Garten Eden als soziale Utopie

Der Garten Eden ist viel älter als die monotheistischen Religionen und reicht in die sumerische Kultur zurück, die bereits 1700 v. Chr. zu Ende ging. Guan Eden bedeutet „am Rande der himmlischen Steppe“ und verweist auf die früheste Form menschlicher Bodenbewirtschaftung in Mesopotamien (heute Irak). Kultur bedeutete in den Anfängen noch das Hegen und Pflegen der Erde, um die Götter günstig zu stimmen. Der Guan Eden war ein geweihter Ort der Unschuld und Unmittelbarkeit im Hier und Jetzt. Vom Sündenfall wusste damals noch niemand – der wurde erst viel später mit dem Aufkommen der patriarchalen religiösen Ordnungen eingeführt. Und der Garten Eden als soziale Utopie ist allüberall, ein Ort der menschlichen Begegnung und Verbundenheit. Insofern ist der uralte Garten Eden ein Sinnbild für eine friedliche, liebevolle und zukunftsfähige Kultur, in der Mensch, Tier und Pflanze eine natürliche Einheit bilden, tief mit der Erde verbunden, aus der wir alle hervor­kamen, um zu ihr zurückzukehren.

 

Der Garten als Naturtempel

In der frühen römischen Kultur gab es die Auguren („Mehrer“), deren Aufgabe es war, mit ihrem Krummstab in der Wildnis ein Areal abzustecken, innerhalb dessen dann am Vogelflug das Wetter und das Schicksal gedeutet wurden. Dieses heilige Erdareal hieß Templum, und aus ihm sind alle späteren Tempelanlagen, Paläste und Kathedralen der sogenannten Hochkulturen hervorgegangen. Ursprung aller Kulturen der Welt ist der Garten.

 

Das Heilige und das Profane

Im Spiritual Gardening gewinnt die Tradition des Templum und des Garten Eden eine zentrale Bedeutung. Der kosmische oder auch universale Garten Eden ist ein ganz besonderer Ort, wo Mensch und Natur in eine höhere Verbindung eintreten. Mit Eintritt in den Garten verwandelt sich das Profane des Alltags in eine höhere Schwingungsfrequenz. Es entsteht ein naturheiliger Raum, der auf seine unmittelbare Umgebung ausstrahlt und die desorientierten Menschen der Postmoderne zur Erde und ihrer magischen Ausdruckskraft zurückführt.

Was im alten Rom der Augur war, ist in anderen indigenen Kulturen der Schamane, der Druide oder der Medizinmann. In allen Varianten spiritueller Gartenkultur geht es um Wiederverwurzelung und Heimkehr. Die getriebenen Menschen der Gegenwart haben eine große Sehnsucht nach Verbindung mit Mutter Erde und ihren heilenden Kräften.

 

Sich erbauen

In den mittelalterlichen Städten war es üblich, dass sich die Handwerksgilden am freien Sonnabend in den Domhütten trafen, um gemeinsam und ehrenamtlich eine Kathedrale zu ­errichten. Diese gemeinnützige Tätigkeit beim Errichten eines heiligen Zentrums hat eine besondere, eine erbauliche Wirkung auf die beteiligten Menschen. Mit dem Errichten des ­heiligen Raums, der zum Himmel strebte, fühlten sich auch die Menschen von innen erbaut. Teil eines gemeinnützigen Ganzen zu sein hat eine läuternde und befreiende Wirkung auf Körper, Seele und Geist. Eines der schönsten Beispiele ist die Sagrada Familia in Barcelona, die von dem Künstler Antoni Gaudi  seit 1882 aus Spenden und durch gemeinnützige Tätigkeit vieler Menschen errichtet wurde und vorraussichtlich 2026 vollendet sein wird.

 

Heilige Geometrie: Das Oktogon und seine Symbolik

In den heiligen Bauten unserer Kulturgeschichte spielt das Oktogon (Achteck) eine überragende Rolle. In seiner archetypischen Grundbotschaft ist es ein universaler Chronotopos, ein Raum-Zeit-Kontinuum, an dem sich einerseits die acht Himmelsrichtungen und andererseits die acht Jahresfeste des Naturkalenders ablesen lassen. Das Garten-Oktogon ist eine Art Naturtempel, innerhalb dessen sich Menschen in einem heiligen Raum wie die Pflanzen entfalten und wachsen dürfen. Das Oktogon stellt in seiner universalen Symbolik die Tiefenverbindung von Mensch und Welt wieder her.

Das Oktogon als heilige Geometrie ist sowohl im Judentum, Christentum und Islam ver­treten. Der Felsendom in Jerusalem, die Pfalz­kapelle Karls des Großen in Aachen oder auch der Domturm in Florenz haben eine oktogonale Struktur, die in ihrer Tiefensymbolik Aufbruch zur Vollkommenheit bedeutet. In der biblischen Tradition wurden Adam (hebr.: Ackerboden) und Eva (hebr.: die Belebte) nach dem  Sündenfall aus dem Paradies vertrieben. Jesus Christus kehrt am achten Tage als zweiter Adam auf die Erde zurück, um die Menschen von der Erbsünde zu erlösen und sie im göttlichen Auftrag zur Erde zurückzuführen, sie in ihrer Welt wieder zu beheimaten.

Im oktogonalen Garten tritt der irritierte Mensch der Moderne in einen geistigen Raum ein, um inmitten der Pflanzenvielfalt sich zu besinnen, sich zu erbauen und seinen eigenen Weg in die innere Natur wiederzufinden. Das Oktogon fordert den Menschen heraus, in eine innere Wandlung zu gehen, sich in der Erde zu verwurzeln und als neuer Adam oder neue Eva geläutert daraus hervorzugehen. Denn jeder Mensch ist von Natur vollkommen und wird erst durch Erziehung und Gesellschaft seiner eigenen Natur entfremdet. Adams und Evas Heimkehr in den paradiesischen Garten bedeutet die Wiederentdeckung ihrer Zwillingsnatur, wenn Yin und Yang, Shiva und Shakti, Freya und Freyr in ihren natürlichen Fluss und ihre innere Verbundenheit und Vollkommenheit zurückkehren dürfen.

 

Das Oktogon und seine Geschichte in Berlin

In der Berliner Stadtgeschichte spielt das hochsymbolische Oktogon eine wichtige Rolle. Als König Friedrich Wilhelm I. 1732 eine Zollmauer um die Stadt Berlin bauen ließ, entstanden in barocker Manier drei geometrisch gestaltete Torplätze: Das sogenannte Quarré am heutigen Pariser Platz, das Rondell am heutigen Mehringplatz und das Octogon am heutigen Leipziger Platz. Im 19. Jahrhundert bekamen Schinkel und Johann Peter Lenné den Auftrag zur Ausgestaltung des Octogons. Dieser verkehrsreiche Platz im Herzen der Hauptstadt soll nun das Signal für unser Projekt „Aufbruch zur Vollkommenheit“ geben. Im Geiste Schinkels und Lennés wollen wir gemeinsam mit Schülern aus Berlin zwölf oktogonale Gärten in zwölf Berliner Bezirken erbauen. Installierte Webcams werden im Internet den Fortgang der Projekte darstellen.

 

Erdbotschafter sein

Die Beteiligten an den entstandenen Gärten werden mit einer Unterrichtsmappe „Erdbotschafter sein“ ausgestattet, die ein interdisziplinäres Arbeiten im Projektunterricht der Schulen ermöglicht. Das Lernziel Nachhaltigkeit ist im Lehrplan jedes Schulfaches in der Präambel festgeschrieben. Grundlage unseres gestalterischen Handelns ist die Erdcharta der Vereinten Nationen, die von über 200 Staaten der Welt im Jahre 2000 unterschrieben wurde und von Persönlichkeiten wie Michail Gorbatschow, dem Befreiungstheologen Leonardo Boff oder dem Dalai Lama als Erdcharta-Botschafter ins Leben gerufen wurden.
In Berlin leben Menschen aus über 200 Nationen, denen unsere universalen Gärten in den Stadtbezirken zu einem lebendigen multikulturellen Begegnungsraum werden können.

 

Das Projekt

Das Projekt richtet sich an Berliner Schulen unter Ein­beziehung von interessierten Menschen in den jeweiligen Bezirken, beginnt im August mit dem Schuljahr 2014/15 und endet zu den Sommerferien 2015.

Die Verwirklichung braucht viele Menschen, die mit Herz und Hand dabei sind und unser Vorhaben unterstützen. Dies kann in Form von aktiver Mitarbeit, Spenden und Sponsoring oder auch durch das Vermitteln von wichtigen Kontakten in den Bezirken geschehen.

Wer also mit dabei sein möchte und mit uns gemeinsam eine erbauliche Erfahrung zum Wohle der Stadtkultur machen möchte, melde sich bitte unter: mitmachen@sein.de


Abb. 2: Planskizze Leipziger Platz von Johann Peter Lenné
Abb. 3: © cc by Wikipedia/unify – Leipziger Platz in der Bauphase 2004

Kontakt über
lothar.guetter@sein.de
Vorsitzender von Naturlernwelten e.V.

 

Im Herbst diesen Jahres werden wir auf einer interaktiven Map die Standorte der gegründeten Gärten bekannt­geben und regelmäßig von vor Ort berichten.

Spendenkonto: Naturlernwelten e.V.,
Deutsche Kreditbank Kto: 1020052195, BLZ: 120 300 00
IBAN: E72120300001020052195, Bic: BYLADEM1001

Stichwort: Projekt „Aufbruch zur ­Vollkommenheit“

2 Responses

  1. Kristina

    An den Redakteur David Rotter !

    Hiermit informiere ich, dass mein sachlicher Kommentar vom 23 Juli unzulässig und unbegründet gekürzt wurde und nur ein Satz von 10 Sätzen veröffentlicht wurde.
    Somit erwarte ich vollständige Veröffentlichung meines Kommentars.

    Hier noch mal mein vollständiger Kommentar vom 23 Juli:

    Falls Oktogonfelder eine Energieerhöhung bilden (was der Autor behauptet),
    dann sollte man besonders vorsichtig und bewusst damit umgehen.
    Denn jede Energie und alles was sich im Oktogonfeld befindet (ob wohltuend oder belastend), würde sich verstärkt auf alle Beteiligten, Besucher und die Umgebung auswirken. Und nicht nur die Gegenwart sondern auch die Vergangenheit (samt Gewalt/Kriege die mit den Orten verbunden sind), könnten in solchem Energiefeld wirken (samt ungewünschte Neben-wirkungen).

    Im Staatsgarten wo buntes Leben, Entspannung aber auch viel Klatschtratsch stattfindet, wäre eine Verstärkung ohnehin unnötig und eher ungünstig.
    Der Oktogonboden eignet sich mehr für Kirchen, wo ausschließlich sakrale Klänge und leise Gebete stattfinden, welche von Energieverstärkung profitieren können.

    Bevor jemand eigenwillig Spiritualität, Magie und Rituale spontan anwendet,
    sollte er erkennen, dass damit keine „positiven“ Kräfte garantiert werden und
    dass gerade zur „Voll-kommen-heit“ sowohl „positive“ als auch „negative“ Kräfte gehören.
    Es muss jedem Aktivisten und Unterstützer bewusst werden, dass dogmatische ungeprüfte Befolgung von fremden Ideen – trotz guter Absicht – negativ wirken kann und besonders Kinder verwirren kann.

    Die Werbe-Fotos wirken erstmal sehr ernüchternd, ungemütlich und technologisch, fast wie ein Ufo-Landeplatz oder eine Kaserne. Ich sehe hier keine Verbindung zur Natur und schon gar nicht zum Idealgarten Eden.

    Daher wäre es sinnvoll und sozial, wenn Staatsgärten Neutralität bewahren und möglichst von professionellen Gärtnern konzipiert und bepflanzt werden, wo jeder Besucher auf seine Art entspannen kann, ohne von einem subjektiven Glauben, Ästhetik und Ideologie belästigt zu werden.

    Antworten
  2. Kristina

    Falls Oktogonfelder eine Energieerhöhung bilden (was der Autor behauptet),
    dann sollte man besonders vorsichtig und bewusst damit umgehen.

    Antworten

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