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Normal, denkt man. Religion, an Moslems und Juden, denkt man. Aber das ist noch nicht die ganze Wahrheit.
„Ich habe die Theorie, dass beschnittene Männer aggressiver sind.“ war der Satz der in der Redaktion in der Luft hing und uns alle mehr oder weniger dazu brachte, uns am Kopf zu kratzen. Dazu gab es empörte Ausrufe wie „Nein!“ oder überlegtere wie „Also damit wäre ich sehr vorsichtig.“. Ein kurzer Seitenblick auf Amerika, wo eine sehr hohe Prozentzahl an Säuglingen routinemäßig beschnitten wird, oder auf Sadam Hussein ließ uns alle nur skeptischer werden.

Wir traten also eine Spurensuche an und befragten z.B. Prof. Rathert, einen Spezialisten zum Thema Beschneidung, bei dem wir herausfanden, dass wir doch nicht so revolutionär mit dieser Idee waren, sondern schon einige vor uns darüber nachgedacht haben. Und natürlich lasen wir viel, viel, viel.

Die Ursprünge:
Beschneidung am Mann ist in verschiedenen Teilen der Welt voneinander unabhängig aus verschiedenen Gründen heraus entstanden.
Ähnlich wie bei der weiblichen Beschneidung entstammt sie wohl einem Opferritus. Opfern heißt immer, dass sich die Aggression einer Gruppe kanalisiert, um sich von etwas zu reinigen.

Meistens bereinigte sich die Gruppe von ihrem schwächsten Mitglied, später nahm man die Vorhaut, als ein Teil der Fortpflanzungsorgane, um die Fruchtbarkeit und den gesamten Prozess der Reproduktion zu sichern.
Natürlich diente dieser Brauch auch für die Aufnahme in die Gemeinschaft der Männer.

In manchen tropischen oder wasserarmen Gebieten wird häufig Hygiene als Grund für die Beschneidung angegeben. Man nutze sie, um Fremdkörper wie Sandkörner, Insekten oder Maden zu entfernen, die sich unter der Vorhaut angesammelt hatten.

Man kann zwei Ebenen der Beschneidung unterscheiden – eine davon ist die religiöse, obligatorische. „Bei den Juden ist es ein religiöser Akt, der den Bund mit Gott immer aufs Neue herstellt. Dabei werden Jungen mit Erbkrankheiten oder Blutgerinnungsstörungen nicht beschnitten. Es steht geschrieben, dass, wenn zwei Söhne einer Frau schon an einer Beschneidung gestorben sind, muss der dritte nicht mehr beschnitten werden. Und er gehört trotzdem zum Bund.“ erklärt Prof.Rathert

Moslems sehen die Beschneidung eher als eine Reinigung bzw. Hygiene und weniger als Bündnis mit Gott. Es wird darüber auch nichts im Koran geschrieben, Referenzen dazu gibt es nur in den Traditionen des Propheten.

Die Verfechter der weltlichen, freiwilligen Art der Beschneidung behaupten es hätte ausschließlich gesundheitliche Vorteile, das es z.B. vor einem Peniskarzinom schützen würde, was aber bereits medizinisch wiederlegt ist.

Als Heilmittel gegen Masturbation sollte Beschneidung im 18. und 19. Jahrhundert dienen; besonders in der englischsprachigen Welt, aber auch in Deutschland. Teilweise wurden sogar Vorhängeschlösser mit Hilfe eines Drahtes an der Vorhaut befestigt, um den Penis am Erigieren zu hindern. Diese Praxis wurde ursprünglich für Schauspieler verwendet, die nackt auf der Bühne auftraten. Das „Einsamkeits-Laster“, wie Selbstbefriedigung damals genannt wurde, wurde als Ursache sehr vieler Krankheiten angesehen und bemühte so einige Ärzte, die sich gewagte Methoden einfallen ließen um es zu kurieren.

Heute lässt sich ein weltweiter Rückgang von männlichen Beschneidungen verzeichnen. Es gibt inzwischen ca. 15 verschiedene Selbsthilfeorganisationen für Männer, die sich entweder dafür (z.b. Eucirc – circ = circumcision = Beschneidung) oder dagegen aussprechen ( z.b.: Nocirc).
Medizinische Indikation zur Beschneidung besteht nur bei Phimose, einer Vorhautverengung.

Beschneidung an Männern

Der eigentliche Vorgang: „Die Vorhaut wird von Klammern gehalten und von der Glans (Eichel) weggezogen. Eine Rasierklinge oder ein Skalpell wird zwischen die Vorhaut und die Eichel geschoben, und die Vorhaut wird die ganze Länge entlang durchgeschnitten, bis die Glans freiliegt. Dann wird die Vorhaut auseinandergebreitet und schließlich mit einem Skalpell oder einer Schere vollständig abgeschnitten. Blutungen können gewöhnlich durch Druckkompressen kontrolliert werden, Nähte sind selten erforderlich.“ Quelle: Hanny Lightfood-Klein

 


Abb.1: Türkischer Junge nach der Beschneidung

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