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Es war ein sonniger Spätnachmittag, als Michael durch die Straßen von Berlin spazierte. Eigentlich wollte er zum nahen Park, um nach einem langen Arbeitstag ein wenig zu entspannen. Doch plötzlich zog etwas seine Aufmerksamkeit auf sich – ein helles, rötlich leuchtendes Licht über den Bäumen. Er schaute sich um. War es die tiefstehende Sonne? Nein, die hatte er ja die ganze Zeit im Rücken gehabt. Wie war das möglich? Da stimmte doch etwas nicht. Das Licht fing nun an, seine Farben zu wechseln. Aus Orangerot wurde Grün, dann Blau… was hatte das zu bedeuten? Aber was noch seltsamer war – die anderen Menschen um ihn herum schienen es gar nicht zu bemerken. Sie gingen unbeeindruckt ihres Weges, fast wie in Zeitlupe.
Michael hingegen konnte jetzt seinen Blick nicht mehr von dem Licht lösen.

Die Erscheinung zog ihn vollkommen in ihren Bann. Er kam zu dem Schluss, dass das Licht nur für ihn leuchtete. Es musste ihm etwas zu sagen haben. Aber was? Doch je mehr er das Licht mit den Augen fixierte, desto mehr fing es an zu verschwimmen und sich aufzulösen. Nein – nicht nur das Licht – die ganze Umgebung wurde unscharf und löste sich auf. Michael öffnete seine Augen. Um sich herum fand er das vertraute Schlafzimmer. Es war früher Morgen. Alles, was er gerade erlebt hatte, war ein Traum gewesen.

Im Nachhinein versuchte Michael, die Symbolik zu entschlüsseln. War es ein Hinweis, dass ihm in irgendeiner Lebenssituation „ein Licht aufgehen“ sollte? Oder bedeutete es etwas ganz anderes? – Er kam nicht auf eine Lösung, die ihn innerlich zufrieden stellte. Dabei hatte er noch kurz zuvor den Schlüssel in der Hand gehabt. Noch während er träumte, war er ja schon stutzig geworden, hatte er bemerkt, dass da etwas nicht stimmte, dass das Licht da eigentlich nicht hingehörte. Und doch war er – wie wir alle – zu schnell bereit gewesen, die ihn umgebende Realität als gegeben hinzunehmen, so ungewöhnlich sie auch sein mochte. Was aber, wenn er sich seine Skepsis bewahrt hätte, wenn er sich schon während des Traums gesagt hätte: „Nein, das geschieht nicht wirklich.“
In diesem Moment hätte Michael die Chance gehabt zu erkennen, dass er träumte. Es wäre der erste Schritt in einen Klartraum gewesen, einen Bewusstseinszustand, in dem der Mensch die Möglichkeit hat, steuernd in seinen Traum einzugreifen.
Unser neues Buch „Spektrum der Nacht“ widmet den Klarträumen und der Möglichkeit, diese gezielt zu erlernen, breiten Raum. Zum Beispiel heißt es dort: „Auf diese Weise kann der Träumende nicht nur die Inhalte des Traumes verändern. Ein Klartraum ist vor allem ein außerordentlich profundes Mittel zur Selbsterkenntnis, aber auch zum Erlernen der unterschiedlichsten Fähigkeiten.
Ein Klartraum unterscheidet sich von einem gewöhnlichen Traum in grundlegender Weise. Es handelt sich um einen eigenen Bewusstseinszustand, in dem für das menschliche Bewusstsein praktisch keine Beschränkungen mehr bestehen. Man kann Reisen durch Raum und Zeit unternehmen, die – wie unsere Beispiele zeigen werden – keineswegs nur auf Phantasie beruhen. Auf diese Weise kann der Mensch durchaus auch im wissenschaftlichen Sinne vollkommen neues Wissen und Informationen erwerben.
Der Klarträumer hat die Macht, während seines Traums praktisch alle Naturgesetze außer Kraft zu setzen. Er kann, wenn er will, wie ein Zauberlehrling fliegen oder auch auf einem Besen reiten, er kann auf Wunsch Gegenstände verwandeln oder mit einer Handbewegung ganze Realitäten fortwischen und neue schaffen.“

Wie wir sehen, sind Klarträume so etwas wie die Wiederbelebung der „Magie“ in unserer sonst so nüchternen und technischen Zeit. Deshalb bezeichnen wir die Möglichkeit, im Klartraum durch die bloße Macht der Gedanken die Realität zu verändern, auch als den „Harry-Potter-Effekt“. Das warnende Beispiel von Goethes „Zauberlehrling“ zeigt uns aber auch, dass die Kunst des Klarträumens gelernt sein will.
Der erste Schritt zum Klarträumen ist es, während des Traums zu erkennen, dass man träumt. Es geht also gerade um den Schritt, der Michael in unserem einleitenden Beispiel nicht gelungen war. Angesichts des seltsamen Lichts am Himmel und des eigenartigen Benehmens seiner Mitmenschen war er zwar stutzig geworden, hatte aber die entscheidende Erkenntnis, dass dies nicht die normale Tagesrealität war, nicht geschafft.
Vorbedingung zum Klarträumen ist es also, dass man sein Bewusstsein auf Kritikfähigkeit trainiert, indem man sich mehrmals täglich in unterschiedlichen Situationen die sogenannte kritische Frage stellt: Wach‘ ich oder träum‘ ich?

 

Bizarre Traumfiguren, zum Beispiel ohne Gesichter (wie hier auf dem Gemälde „La grande guerre“ von René Margritte) deuten häufig auf archetypische Trauminhalte oder Hyperkommunikationsvorgänge hin.

   
Diese Frage ist das zentrale Element aller Bemühungen, bewusster zu träumen, denn wenn wir schon am Tage unsere Realität nicht kritisch hinterfragen, wieso sollten wir es in der Nacht während des Traums tun, wenn in der Hauptsache unser Unterbewusstsein aktiv ist, das ja im wesentlichen nicht aus freiem Willen heraus, sondern aus Gewohnheit handelt?
Es reicht allerdings nicht aus, sich die kritische Frage nur zu stellen, man muss sie sich dann auch beantworten. Ist die Realität, die ich momentan erlebe, so, wie sie sein soll, oder träume ich vielleicht im Moment? Woran kann man das eigentlich erkennen?
Hierzu schreiben wir in „Spektrum der Nacht“: „Die Chance, einen Traum als solchen zu erkennen, bietet sich uns immer dann, wenn wir auf Ungereimtheiten treffen, auf Dinge, die nicht so sind, wie sie unserer Meinung nach sein sollten. Die Möglichkeiten, in unseren Träumen derartige Ungereimtheiten zu finden, sind vielfältig. Das liegt an der anderen Art, wie das Unterbewusstsein denkt. Es vollzieht keine logisch-linearen Schlüsse wie unser wacher Verstand, wo immer alles nach einer streng zeitlichen Ordnung hübsch nacheinander geschieht, sondern arbeitet assoziativ und emotional.
Wenn wir zum Beispiel während des Tages ein Bild sehen, das in ähnlicher Form auch in der Wohnung der lange verstorbenen Großmutter gehangen hatte, so wird dies sicher in uns spontan Erinnerungen an die Großmutter und damit verbundene Emotionen auslösen. Im Traum dagegen, wo sich jeder Gedanke augenblicklich realisiert, würde dies vermutlich dazu führen, dass die Großmutter in diesem Moment in unserem Traum erscheinen würde. Solche Ungereimtheiten in unseren Träumen bezeichnen wir als Traumsymbole. Es geht uns nicht um Traumdeutung, das heißt, es interessiert uns im Moment nicht, was diese Symbole bedeuten und weshalb sie in unserem Traum erscheinen. Diese Fragen werden wir bald schon viel eleganter beantworten können, als es die klassische Traumdeutung in der Lage war zu tun.
Wichtig ist jetzt nur, dass diese Traumsymbole in unseren Träumen existieren. Diese Tatsache ist für uns die einzige Chance, sicher zwischen Traum- und Wachzustand zu unterscheiden. Um die ganze Sache etwas systematischer anzugehen: man kann die möglichen Traumsymbole in vier unter- schiedliche Kategorien einordnen:

Wenn Sie unserer Empfehlung folgend regelmäßig ein Traumtagebuch führen und sich an einige Träume erinnern, so werden Sie schnell erkennen, dass auch Ihre Träume voll mit solchen Symbolen sind. Hätte Michael sich also zum Beispiel angesichts des seltsamen Lichts die kritische Frage gestellt, dann hätte er – möglicherweise – erkennen können, dass er träumte.
Was hätte ihm dies Erkenntnis genutzt?
Nun, der Klartraum bietet mehr Entfaltungsmöglichkeiten, als wir im Rahmen dieses Artikels ansprechen können. Michael hätte zum Beispiel das Licht fragen können: „Was bist du? Was willst du von mir? Was bedeutest du als Symbol?“ Wenn er etwas Glück hätte, würde ihm das Licht im Traum darauf antworten. Der Klartraum bietet uns also die Möglichkeit zu üben, worauf es auch bei so manchen seltsamen Zeichen und Symbolen unserer Wachrealität ankommt: ihre Bedeutung zu erkennen.

Kategorien der Traumsymbole

  • Kontext – Dinge, Personen oder der Träumer selbst erscheinen am falschen Ort oder zur falschen Zeit. (Beispiele: die verstorbene Großmutter erscheint in unserer heutigen Umgebung, in einem modernen Laden stehen alte Möbel, man geht mit Königin Elizabeth, Prinz Charles und Prinzessin Diana ins Kino – alles schon vorgekommen!).
  • Aktion – Der Träumer, andere Personen oder Dinge vollführen unmögliche oder unwahrscheinliche Handlungen. (Beispiele: man kann fliegen, Gegenstände bewegen sich von selbst, Ihre Geschirrspülmaschine kommt ins Wohnzimmer und sagt Bescheid, dass das Geschirr fertig abgewaschen ist).
  • Form – Der Träumer, Dinge oder Personen sehen anders aus als sonst oder verwandeln sich. (Beispiel: die Kreditkarte verwandelt sich in eine Landkarte, man besitzt plötzlich ein anderes Auto als sonst).
  • Innere Wahrnehmung – Der Träumer hat ungewöhnliche Gefühle, ein unerklärliches Wissen, Ahnungen etc. (Beispiel: mehrere Menschen haben vorausgeträumt, dass die Titanic sinken würde und daraufhin ihre Tickets zurückgegeben).

Die Dreamcard

Die „Dreamcard“ ist ein von uns enwickeltes, einfaches Hilfsmittel, das Unterbewusstsein auf die ständige Überprüfung der erlebten Realität zu trainieren – und so im Falle von Ungereimtheiten die Initiierung eines Klartraums zu ermöglichen. Überprüfen Sie dazu ihre Umgebung im Tagesverlauf regelmäßig immer wieder anhand des gleichen Gegenstandes – eben unserer Dreamcard. Auf diese Weise wird eine Gewohnheit etabliert, die sich leicht bis in das Traumleben fortsetzen kann: steht tatsächlich der erwartete Satz auf der Karte? Wie sieht es mit der Rückseite aus (die leer sein sollte)? Oder beginnt etwa z.B. die Schrift, sich aufzulösen oder zu verwandeln? Dann haben Sie gerade eine gute Gelegenheit, zu erkennen, dass Sie sich in einem Traum befinden – und dessen Regie zu übernehmen … Die Dreamcard ist unserem Buch „Spektrum der Nacht“ beigelegt, in dem wir auch weitere Hinweise zu ihrer praktischen Handhabung geben.

2 Responses

  1. David

    Sehr interessant das Ganze. Habe es selber schon geschafft Klarträume zu haben. Das ist einfach der Hammer! Demnächst werd ich mal ausprobieren ob es mit sogenannten „Traumkräutern“ www.klartraum-kraut.de/ noch intensiver wird – Mal schaun! Ich werde dann mal bericht erstatten 🙂

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  2. Nicky

    Also bei mir hat das mit dem Klarträumen immer nie geklappt. Die ganzen Techniken habe ich auch ausprobiert. Erst mit dem richtigen „Klartraum“ Kraut hat es dann geklappt.

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