„Der Irrsinn der Lüge und Übertreibung griff wie eine Krankheit auf alle Völker über“, so schrieb 1919 nach dem Ersten Weltkrieg aus eigener Erfahrung der deutsche Kriegsberichterstatter Heinrich Binder. Nehmen es etwa auch die GRÜNEN mit der Wahrheit nicht so genau?

von Aman

Ob es zu einer ähnlichen Bewertung der „veröffentlichten Meinung“ am Ende der kriegerischen Auseinandersetzung zwischen der Ukraine und den ethnischen Russen in der Ostukraine, sowie zu den Feindseligkeiten zwischen China und den USA in der Taiwanfrage kommen wird? Offensichtlich ist heute schon, dass alle direkt beteiligten Lager, einschließlich der jeweiligen Bündnispartner, ihre Völker zensieren, durch die Medien manipulieren und mehr oder weniger gegeneinander aufwiegeln. Im Krieg stirbt die Wahrheit zuerst heißt es, doch gerade der Krieg schreit nach der Wahrheit. Dass es nun auch die GRÜNEN als Teil der amtierenden Regierung mit der Wahrheit über die wahren Hintergründe des Konflikts in der Ukraine nicht so genau nehmen, muss jeden GRÜNEN der ersten Stunde, den Autor dieses Artikels eingeschlossen, fassungslos machen.

Ob sich die heutigen GRÜNEN-WählerInnen noch an die prominentesten Gründungsmitglieder Rudi Dutschke, Joseph Beuys, Herbert Gruhl und Petra Kelly der „Sonstigen politischen Vereinigung Die GRÜNEN“ des Jahres 1979 erinnern können? Wohl am ehesten noch an Petra Kelly, die eine überzeugte Befürworterin einer europäischen Friedenspolitik war. Mit der Zuspitzung des Kalten Krieges in Form des NATO-Doppelbeschlusses 1979 richtete sich ihre Kritik zunehmend an die Militärdoktrin der Vereinigten Staaten. Diese Militärdoktrin besagt, damals wie heute, dass die Sowjetunion, jetzt Russland, im Falle eines nuklearen Schlagabtausches mit den USA auch von Europa aus angegriffen werden kann, um das amerikanische Mutterland größtmöglich zu verschonen. Diese Kritik an der Militärdoktrin der USA wurde von nahezu allen damaligen Bundestagsabgeordneten der GRÜNEN und auch von Teilen der SPD mitgetragen.

Heute haben wir eine ähnliche Situation. Dem Bruch des Versprechens, keine Nato-Osterweiterung in den ehemaligen Sowjetrepubliken durchzuführen, war die Aufstellung eines Raketenabwehrschildes in Polen und Rumänien durch die USA erfolgt. Diese als defensiv bezeichnete Technik lässt sich jedoch binnen weniger Stunden atomar umrüsten und stellt somit eine Angriffswaffe und damit eine atomare Bedrohung für Russland dar. Im Falle der Ukraine, um die es jetzt geht, wäre ein atomares Bedrohungsszenario ähnlich der Kubakrise gegeben, die damals fast zu einem Dritten Weltkrieg geführt hätte.

Angriffskrieg?

Diese Formulierung „Angriffskrieg durch Russland“, finden wir ähnlich einem Mantra, fast tagtäglich in vielen Tageszeitungen. Mit dem Begriff „Angriffskrieg“ wird suggeriert, dass es keine Kampfhandlungen vor dem 24.02.2022 in der Ukraine gegeben hätte. Bewusst ausgeblendet wird dabei, dass dieser Bürgerkrieg schon seit dem Frühjahr 2014 andauert. Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) beobachtet die Lage in der Ukraine genau und soll unparteilich und objektiv darüber berichten. Die OSZE meldete zunehmende Brüche der Waffenstillstandsvereinbarung an der Kontaktlinie in der Ostukraine im Gebiet Donetsk und Luhansk beginnend vom 16. Februar 2022 an. Am 22. Februar eskalierte die Lage und russische Truppen marschierten am 24.02.2022 in die Westukraine ein.

Das OSZE berichtet seit 2014 ukraineweit über Artilleriebeschuss auf Wohngebiete. Wenn nun eine junge deutsche Journalistin aus Hamburg, Alina Lipp, in ihrem Telegram- Kanal nichts anderes tut, wird sie, wie aktuell geschehen, mit einer strafrechtlichen Ermittlung der deutschen Staatsanwaltschaft aufgrund der angeblichen Billigung eines „Angriffskrieges“ durch Russland konfrontiert. Was macht diese mutige junge Frau anderes als jeder gute Kriegsberichterstatter? Sie ist wie einige andere westliche Journalisten auch unter großen Gefahren in den Kriegsgebieten Donezk und Luhansk unterwegs und berichtet von dort z.B. über den tagtäglichen Artilleriebeschuss der Zivilbevölkerung. Sie zeigt das Leben und das Sterben und vor allem das Leiden der Kinder. Sie zeigt die Folgen der tausendfachen Anwendung sogenannter Blattminen durch die ukrainische Armee, die durch die Genfer Konvention verboten sind. Sie führt Interviews mit der Zivilbevölkerung, informiert über humanitäre Aktionen, die medizinische Versorgung und den Wiederaufbau in den Gebieten, die von Ukrainern und ethnischen Russen bewohnt sind. Was soll daran nicht konform mit der Pressefreiheit sein und strafrechtlich relevant? Bei einer Verurteilung droht Alina Lipp eine Haftstrafe von drei Jahren.

Warum schweigen Die GRÜNEN, die stets für die Pressefreiheit in Ländern wie China und Russland eintreten, im Falle Alina Lipp? Soll hier im Westen die Realität in der Ostukraine nicht gesehen werden? Warum schweigen Die GRÜNEN, die einmal ein Teil einer lebendigen Friedensbewegung waren, zu den Hintergründen der eigentlichen Ursachen dieses Konfliktes?

Sanktionen wirken?

Sanktionen und die Lieferung schwerer Waffen werden mit bisher unbewiesenen Kriegsverbrechen wie Massenvergewaltigungen und Hinrichtungen durch russische Truppen begründet. Da immer mehr glaubwürdige Details auftauchen, die diese Anschuldigungen widerlegen, rudern mittlerweile immer mehr westliche Medien, selbst in den USA zurück. Trotzdem sanktionieren Die GRÜNEN einfach weiter, missachten grundlegende diplomatische Regeln und leisten sich verbale Entgleisungen, die, wie Frau Baerbocks Äußerungen, „Russland ruinieren“ zu wollen, oder „Russland setze den Hunger als Waffe ein“, nur ihre Unreife auf dem diplomatischen Parkett widerspiegeln. Von einer deutschen Außenministerin darf Respekt und Demut erwartet werden angesichts der 720.000 Menschen, die durch die Blockade von Leningrad durch die Deutsche Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg verhungert sind. Wie will sie uns erklären, warum keines der bisher aus dem Schwarzen Meer ausgelaufenen Getreideschiffe ein Hungergebiet ansteuerte und stattdessen Händler im satten Europa beliefert werden, die Hühnerfutter importieren?

Habeck gibt Rätsel auf

Dass die Sanktionspolitik gegen Russland ein Rohrkrepierer ist, erleben wir tagtäglich. Kann Herr Robert Habeck aber erklären, warum er bereits 2016 mit folgenden Worten die Reduzierung der Gasimporte aus Russland ankündigte:

„Herr Putin, Sie kennen mich nicht. Das ist auch kein Problem soweit. Aber ich bin gerade Spitzenkandidat meiner Partei geworden und geben Sie uns noch zwei, drei Monate, dann regieren wir diese Republik. Und dann wird sich folgendes ändern. Wir werden erstens „Nord Stream“ nicht bauen und die Handelsbeziehungen des Gastransfers zu Russland sukzessive abbauen, weil wir ein Energiewendeland sind.“

Herr Habeck war von 2012 bis 2018 Landesminister in Schleswig-Holstein für Energiewende, Landwirtschaft und Umwelt und hat dort einen guten Job gemacht. Daher wird er auch sehr genau wissen, wie eine Energiewende auf Basis regenerativer Energien funktioniert. Werden die Grundlastkraftwerke auf Basis von Kohle und Atomenergie durch Solar- und Windkraftwerke ersetzt, wird Regelenergie in den Zeiten benötigt, wenn Wind und Sonne nicht ausreichend Energie liefern, um das Stromnetz auf 50 Hertz Netzfrequenz zu halten.

Diese Regelenergie muss in kürzester Zeit mobilisierbar sein, damit das Stromnetz nicht zusammenbricht. Die Klassiker der Regelenergie sind Pumpspeicherkraftwerke, die aber wie der europäische Netzverbund kein Garant dafür sind, dass Regelenergie jederzeit bereitgestellt werden kann, wie wir gerade durch abgeschaltete Atommeiler in Frankreich und die Ankündigung Norwegens, keinen Strom im Winter liefern zu wollen, erfahren müssen. Genau aus diesem Grunde wurden in den letzten Jahren neue Gaskraftwerke (z.B. in Ingolstadt) gebaut, um Regelenergie zur Verfügung zu stellen. Wie soll die Energieversorgung aktuell ohne Regelenergie mittels Gaskraftwerke funktionieren? Man darf Herrn Wolfgang Kubicki (FDP) zu seinem Mut gratulieren, die Öffnung von Nord Stream 2 zu fordern. Wird Herr Kubicki damit zum Staatsfeind? Den Äußerungen des NRW-Inneninisters Herbert Reul nach zu urteilen, wäre Kubicki ein Fall für den Verfassungsschutz.

 

Tschernobyl darf sich nicht wiederholen!

Im Jahr 1986, dem Jahr der Atomkatastrophe in Tschernobyl, waren Annalena Baerbock (geb. 1980) knapp sechs Jahre und Robert Habeck (geb. 1969) 16 Jahre alt. Welchen Horror dieses Ereignis in Deutschland ausgelöst hat, wird den beiden daher nicht groß in Erinnerung sein. Völlig unverständlich ist aber die magere Reaktion der Alt- GRÜNEN, allen voran Jürgen Trittin, auf den nachweislichen Beschuss der 44. Artilleriebrigade der ukrainischen Streitkräfte auf Europas größtes Kernkraftwerk Saporischschja.

 

Mittlerweile ist die Delegation der Internationalen Atomenergie-Organisation IAEO (International Atomic Energy Agency – IAEA) im Atomkraftwerk Saporischschja eingetroffen.

Mehr als 20.000 Einwohner der Städte und Gemeinden der Region Saporischschja haben einen Appell unterzeichnet und dem Leiter der IAEA Rafael Grossi übergeben, den Beschuss des Kernkraftwerks Saporischschja durch die Streitkräfte der Ukraine zu stoppen.

„Im Bereich des größten Kernkraftwerks Europas – Saporischschja – hat sich eine kritische Situation entwickelt. Die Streitkräfte der Ukraine beschießen regelmäßig das Territorium der Station, heißt es in dem Brief. – Herr Grossi, Führer der IAEO-Mitgliedsländer! Wir, die Bewohner der Region Saporischschja, appellieren an Sie, die Provokationen der Ukraine gegen das Kernkraftwerk Saporischschja zu stoppen! Wir bitten Sie, die Aktionen der ukrainischen Führung zur Eskalation der Situation um das AKW Saporischschja entschieden zu verurteilen und vor der Verantwortung gegenüber der Weltgemeinschaft im Falle eines fortgesetzten Beschusses des Kraftwerks zu warnen.“

Wo blieb der Aufschrei der GRÜNEN bar dieses Nuklearterrorismus?

Warum können die GRÜNEN Herrn Wolodymyr Selenskyi nicht erklären, dass man ein Atomkraftwerk nicht beschießt?

 

Meinen Hass bekommen Die GRÜNEN nicht.

 

Buch-Tipp

Die UKRAINE KRISE,

Wie der neue Kalte Krieg begann,

Thomas Röper,

688 Seiten, gebunden.

 

 

 

 

 

 

 

 

Wer den Ukraine-Krieg verstehen will, sofern man Krieg überhaupt verstehen kann, kommt an diesem Buch nicht vorbei. Thomas Röper beginnt vom Maidan und beleuchtet die Hintergründe, die zum Ausbruch des Krieges 2022 führten. War der Maidan ein Volksaufstand oder ein von den USA orchestrierter Regime Change? Was geschah auf der Krim? Handelte es sich um eine Annektion durch Russland? Warum kam es zum Bürgerkrieg in der Ukraine, der bis heute täglich Menschenleben kostet?

Sehr gut recherchiert, sehr detailliert, überzeugende Hintergrundinformationen, seriöse Quellennachweise.

Eine Chronologie der Ereignisse bis Ende 2021

Das Buch gibt es hier: J.K. Fischer Verlag

Eine umfassende Buchbesprechung folgt!

Bin gerade auf Seite 140 – es verschlägt einem die Sprache.

Über den Autor

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4 Responses

  1. Leo
    Unfassbar unkritisch

    Was für ein schlechter, unreflektierter Artikel, der jeden Anspruch an Bewusstsein und Wandel konterkariert. Persönliche Enttäuschung, unkritische übernahme von Falschmeldungen und selbst suggerierte Bilder, die nur einem Wunschdenken entspringen können. Vielleicht sollte Aman den Artikel von Frau Engelsing lesen und prüfen, ob er nicht doch an Waltrauds Fön glaubt ( Ilian Sagenschneider könnte das auch tun). Ich finde es ja schön, wenn versucht wird, über den Medienbrei unserer Leitmedien hinauszuschauen, aber dann wende ich mich doch nicht solchen Quellen wie „Alina Lipp“ zu, die nachweislich Unwahrheiten berichtet (und noch nichtmal Journalistin ist). Ich finde es auch nachvollziehbar, der US-amerikanischen Außenpolitik kritisch gegenüberzustehen, ebenso der heuchlerischen und hilflosen EU-Politik. Aber sich dann an einer kleinen deutschen Regierungspartei abzuarbeiten zeugt nicht von ganzheitlichem Bewusstsein. Putin zum rechtschaffenen Opfer zu machen ist wirklich das unkritischste, was ich hier bisher gelesen habe.

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  2. Weismueller
    Wo ist der Unterschied zwischen Russlandversteher und Propagandisten?

    Ausgewogener Journalismus wird wohl anders definiert als über die Artikel bezüglich Russlands Überfall der Ukraine im Sein Magazin. Durch die Artikel merkt man, dass sich da jemand auf die Ukraine eingeschossen hat.
    Es sollte niemanden einen Zacken aus der Krone brechen, wenn er sich auch mal kritisch über Putin und sein Reich äussert, denn da gibt es genug regierungsnah verbrecherisches zu erwähnen, aber jegliche Putinkritik fehlt in den Artikeln.
    Sowie eine Notiz, dass der historische sowjetische Imperalismus keineswegs ansatzweise in Russland aufgearbeitet wurde.

    Mir ist bewusst, dass ich meine Meinung darauf bilde was mir andere erzählen. Aber dem Autor geht es bestimmt genauso, ausser er ist ausgiebig in die Konfliktregion gereist.
    Es würde wohl nichts schaden, wenn der Autor die Hintergründe seiner Meinungsbildung auch einmal kritisch untersucht.

    Diese hetzerischen Artikel passen nicht wirklich in das Sein Magazin und törnen ab, textlich etwas zum Magazin beitragen zu wollen.
    Schönen Tag noch!

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  3. Anne Heinemann
    Erschrecken über politischen Kommentar des Herausgebers

    Ich bin überrascht und erschreckt, dass ein solcher Artikel mit wahrheitstrotzenden Behauptungen, dem bewussten Weglassen von Tatsachen und mit diversen politischen Verdrehungen in der Zeitschrift SEIN veröffentlicht wurde. Für mich hat die Zeitschrift ihre bis dahin existierende Zielrichtung verloren. Hier scheinen politische Kräfte am Werk zu sein, die Inhalt und Sinn von SEIN komplett konterkarieren und ich kann vor dem unkritischen Dahinlesen nur warnen.

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    • Kim
      Volle Zustimmung

      Danke sehr! Dem Kommentar kann ich nur beipflichten!! Einfach nur schrecklich.

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