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Selbstbestimmte Lebensführung setzt voraus, dass wir mit unseren wahren Bedürfnissen in Kontakt sind. Doch manchmal stehen wir uns mit blockierenden Überzeugungen selbst im Weg und vermeiden diesen Kontakt. Die ­Gestalttherapie bietet einen ganzheitlichen Weg zu unseren ursprünglichen Bedürfnissen und damit zu einer tiefgreifenden Auflösung dieser Selbstblockaden.

 

Hin und wieder lese ich Texte, die bloße Ablehnung oder Verachtung ausdrücken und deren Lektüre sich anfühlt wie der Verzehr einer Plastiktüte: unverdaulich bis schädlich. Solche Essays kann man differenzieren und mit seriösen Quellen unterfüttern – nahrhafter werden sie dadurch kaum. Zeitungen voller schlechter Nachrichten ermuntern nicht dazu, die Welt zu verbessern, und sie werden schnell uninteressant. Stattdessen verstärken sie die Mangelerscheinungen im Herzen. Natürlich gibt es Menschen, die sich mit diesen Informationen auseinandersetzen, konstruktive Zusammenhänge herstellen, aktiv werden und daraus etwas zum Gemeinwohl beitragen. Dafür brauchen sie jedoch für Herz und Geist eine Art Nahrungsergänzung, die sie in Form von anderer Literatur und gemeinschaftlichen Kontakten zu sich nehmen.

Womit beschäftige ich mich und was „verleibe ich mir ein“? Was brauchen wir Menschen für ein erfülltes Leben? 

  • Gute Körpernahrung, physisch und sinnlich (Essen, Wärme, Körperkontakt, Bewegung), die unseren Körper stärkt und unseren Geist beruhigt.
  • Gute Herznahrung, die uns berührt und unsere innere Beweglichkeit unterstützt.
  • Gute Seelennahrung, die uns in Kontakt mit dem Mysterium des Lebens bringt und uns staunen lässt.
  • Gute Kopfnahrung, die unseren Geist erweitert, uns inspiriert und unseren Körper beflügelt.

Es ist wichtig, dass wir herausfinden, was uns auf den verschiedenen Ebenen unseres Daseins wirklich nährt. Je klarer wir das erkennen, desto tiefer können wir in den großen Kreislauf von Geben und Nehmen eintauchen. Und desto zufriedener und lebendiger sind wir auch.

 

Reden wir über den Hunger

Der Hunger nach physischer Körpernahrung ist sehr konkret und existenziell. Das gilt fürs Essen sowie für den Körperwärmehaushalt. Wenn mir kalt ist, spüre ich das sofort und weiß genau, dass ich Wärme brauche, wie sich das anfühlt und was eine Wärmequelle sein kann. Wenn es mir in der Sonne zu heiß wird, suche ich Schatten auf. Diese Empfindungen sind ganz direkt mit simplen Handlungen der Selbstfürsorge verknüpft.

Ein bisschen anders verhält es sich mit anderen „Hungern“ (es gibt leider keinen Plural für Hunger). Wir brauchen liebevollen Körperkontakt. Wir suchen körperliche Zuwendung, und wenn wir bekommen, was wir brauchen, sind wir gesättigt und wenden uns anderen ­Dingen zu. Das Bedürfnis nach Körperkontakt ist nur ein Beispiel für diesen immer wiederkehrenden Verlauf. Es ist ein Zyklus, der Prozess des Lebens. ­Organisch, natürlich und überall:

  • Es entsteht ein Bedürfnis nach Körper­kontakt.
  • Dieses Bedürfnis erzeugt eine gewisse ­Aufregung in meinem System.
  • Ich nehme das Bedürfnis wahr, das heißt, es wird mir bewusst. Gleichzeitig bekomme ich eine Idee, wie ich es befriedigen kann, und damit einen Handlungsimpuls.
  • Wenn die Möglichkeit besteht, suche ich mir jemanden zum Kuscheln, vielleicht eine kurze oder längere Umarmung.
  • Ich genieße den Kontakt, nehme die „Nahrung“ auf, während meine Aufregung verebbt.
  • Nach einer Weile tritt die Sättigung ein und das Bedürfnis löst sich auf.
  • Ich löse mich aus dem Körperkontakt und genieße die Befriedigung.

 

Wenn Sie mögen, prüfen Sie diesen Kontaktzyklus in Ihrer eigenen Erfahrung. Wie ist das mit dem Bedürfnis nach Sex, nach geistigen Anregungen, nach kreativem Schaffen, nach einem guten Wechsel zwischen Arbeit, Ruhe und Spiel? Haben Sie ein Bedürfnis nach sprituellem oder religiösem Leben, nach Gott? Gibt es für Sie das Bedürfnis, Dankbarkeit auszudrücken?

Gute Ernährung setzt voraus, dass ich meinem Körper, meiner Seele, meinem Herzen, meinem Verstand zuhöre und ihrer Weisheit vertraue. Im Grunde wissen wir alle vom Beginn unserer Entstehung an, was wir brauchen, damit es uns gut geht und um uns zu entwickeln. Wie viel Zeit nehmen Sie sich, um zu spüren, was Sie jetzt und hier brauchen? Können Sie für sich sorgen, indem Sie die für Sie richtigen Maßnahmen ergreifen? 

Sehen wir uns doch einmal eine ganz alltägliche Situation genauer an. Just während ich das hier in meine Computertastatur tippe, bemerke ich eine ganz unangenehme Spannung in meinem Nacken. Was ist da los? Ich bewege mich ein bisschen und spüre, dass die Spannung durch meine aktuelle Kopf- und Rückenhaltung entsteht. Mein Bedürfnis ist, den Schmerz aufzulösen, und es entsteht in mir der Impuls, meine Sitzposition zu verändern, meine Bauchmuskeln zu entlasten und meine ­Wirbelsäule aufzurichten. Das führt dazu, dass ich Lust bekomme, meine Arbeit zu unterbrechen, vom Schreibtisch aufzustehen, mal tiefer durchzuatmen und eine Pause zu machen.

 

Huch, das geht aber gar nicht!

„Ich kann doch hier nicht einfach weg! Immerhin habe ich einen Termin und der Text muss  fertig werden! Und überhaupt, wo kämen wir denn hin, wenn jeder einfach so seine Bedürfnisse ausleben würde! Wenn man sich zusammenreißt, kann man sich ja auch an die Nackenschmerzen gewöhnen. So schlimm ist es ja auch nicht. Sei nicht so wehleidig! Wenn ich mich richtig konzentriere, merke ich das doch gar nicht. Ich darf halt nicht drüber nachdenken und notfalls lenke ich mich mit irgendwas ab. Dabei muss ich zwar ständig dieses Spannungsgefühl in meinem Nacken ausblenden und irgendwann werde ich vermutlich die berüchtigten Spannungskopfschmerzen bekommen. Naja, dann nehme ich halt ein paar Schmerztabletten und damit geht’s schon. Und gegen die Müdigkeit gibt es Koffeinpillen. Ohne Fleiß kein Preis.“

Ist Ihnen das vertraut? Es ist ein bisschen überzeichnet, klar. Doch solche Sätze dienen einem Zweck. Der Kern dieser Botschaften ist: „Halte dich von deinen Bedürfnissen fern!“ Es handelt sich dabei um tatsächliche oder unterschwellige Lebensanweisungen, die wir übernommen haben.

Manche Menschen sind in einer Welt aufgewachsen, in der bestimmte Bedürfnisse keinen Platz hatten. Beispielsweise das Bedürfnis nach Sicherheit und liebevoller Zuwendung, nach Respekt vor den eigenen Körpergrenzen, nach Entwicklung und Abenteuer, nach Ruhe und ausreichend Schlaf, nach stressfreier Freizeit. Und wenn ein Kind im Mangel lebt und an der Situation nichts ändern kann, findet es Möglichkeiten, sich irgendwie zu retten. Schlimmstenfalls geht es um das pure Überleben. Nicht selten leben schon die Eltern und Bezugspersonen des Kindes selbst mit chronisch unerfüllten Bedürfnissen und  sind sich dessen nicht bewusst. 

 

Selbstwahrnehmung reduzieren

Wenn die Frustration oder der Schmerz zu groß werden, sind wir Menschen imstande, unsere Selbstwahrnehmung zu reduzieren. Das ist eine sehr hilfreiche und bisweilen überlebenswichtige Fähigkeit und wir können uns damit das Leben erleichtern. 

Wir schützen uns, indem wir insgesamt weniger spüren, allerdings verlieren wir dadurch auch an „Geschmack“ für das, was wir für Körper, Herz, Seele und Geist an Nahrung brauchen. An manchen Stellen können wir nicht mehr so gut unterscheiden, was sich richtig anfühlt und was nicht. Dann nehmen wir vielleicht in Kauf, was wir gerade bekommen, auch wenn wir damit eigene Grenzen überschreiten, uns auf Ersatznahrung beschränken oder uns schädigen. Und das Leben kann lange gut gehen mit diesen Unklarheiten, solange es dementsprechend funktioniert.

Manchmal jedoch verändern sich die äußeren Umstände oder das unterschwellige Nagen der Unzufriedenheit wird zu stark und damit unüberhörbar. Das Bedürfnis wird immer stärker, auch wenn es noch nicht benannt werden kann. Möglicherweise entdecken wir  dann eben solche Sätze (Botschaften, Glaubenssätze, Überzeugungen, auch Introjekte genannt), mit denen wir uns selbst blockieren. Doch ­solange wir sie als Schutz brauchen, benutzen wir sie, obwohl sie nicht wirklich ein Teil von uns werden. Letztlich sind sie unverdaulich. Wie also werden wir sie los?

 

Die gute Botschaft

Körperlich scheiden wir unverdauliche Stoffe aus, wenn wir es zulassen. Psychisch können wir das ebenso! Unsere blockierenden Überzeugungen haben wir im Kontext von Beziehungen gelernt. Fast immer sind sie entstanden, weil sie in einem schädlichen Beziehungsumfeld unsere Rettung waren. Deshalb können sie zumeist auch nur in einem anderen, heilsamen Beziehungsumfeld aufgelöst werden. In der Gestalttherapie wird so ein Umfeld geschaffen und die tiefe Wirkung entsteht aus der unmittelbaren, wohlwollenden Begegnung auf Augenhöhe und der guten therapeutischen Beziehung. Wir sind eingeladen, uns auf unsere wahren Bedürfnisse und auf uns selbst als ganzer Mensch einzulassen. Wir sind mit allem willkommen, was uns ausmacht und was wir mitbringen. 

Unsere Selbstblockaden haben eine wichtige Schutzfunktion und unsere Psyche lässt nicht zu, dass sie einfach verschwinden und ein Loch hinter­lassen. Doch wenn wir das entdecken, was wir schützen, und uns unseren ­unerlösten Bedürfnissen zuwenden, dann können wir auch Verantwortung dafür übernehmen. Und dann entfalten wir wieder unsere Selbstliebe und Selbstwahrnehmung, mit der wir von Anfang an ausgestattet sind. Aus dieser Haltung heraus werden wir uns die ­bisher fehlende Nahrung geben oder ­holen können. Wir entdecken vielleicht ganz neu, was gut und was schädlich für uns ist, und werden sorgfältig auf unsere Weise wählen. Und dann können wir die schädlichen Überzeugungen gehen lassen, ausspucken oder mit klarer Selbstbestimmung und Autorität von uns weisen. Und schließlich werden wir ganz von selbst unsere eigene ­Sprache für ­unsere Bedürfnisse wieder­finden: Unsere Körpersprache (Bewegung), unsere Herzsprache (Gefühle), unsere Seelensprache (Verbindung) und unsere Verstandessprache (Erkenntnis und verbaler Ausdruck). Veränderung geschieht, wenn wir unsere Wahrheit willkommen heißen, die wir bisher vor uns selbst verborgen haben.


Abb: © nancy10 – Fotolia.com

Kostenlose Info-­Verantaltungen

„Wenn Verborgenes ruft…“ – Gestalt­therapie erleben

Ein offener Abend, um die ­Gestalttherapie kennen­zulernen

Di, 9.9.2014 und Di, 4.11.2014

jeweils von 18 bis 19.30 Uhr

 

Info und Kontakt unter Tel.: 0163-743 46 16 oder

hallo@lebendiger-kontakt.de

http://lebendiger-kontakt.de

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