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Für die Huichol-Indianer ist das ­Leben ein Geben und Nehmen: Die Erde ernährt uns und wir nähren sie mit ­unserer Achtsamkeit und Liebe, zum Beispiel, wenn wir beten und in Kontakt mit dem großen Geist treten. Der Huichol-Schamane und Heiler Brant Secunda gibt dieses alte Wissen seit vielen Jahren auch bei uns im Westen weiter.

 

 

Oben in den Bergen auf 1.700 Meter Höhe. Wenn die Sonne scheint, ist es wunderschön hier auf dem Hochplateau. Die majestätischen Dreitausender und Viertausender in den italienischen Alpen haben eine Präsenz, die sie vor dem stahlblauen Himmel fast greifbar erscheinen lassen. Die Gebirgswiesen ­feiern den Frühling in farbenprächtiger Blütenvielfalt. Weht der Wind aus der Richtung des schneebedeckten Hausberggipfels, bleibt ein Hauch von Winter in der Luft.

Es hat etwas Magisches, vor dieser Kulisse zusammen in einem großen Kreis zu sitzen und Erfahrungen in einer uralten Tradition zu machen. Durch Übungen tauchen wir in die Tiefen unseres Selbst ein. Negativität wird losgelassen. Kraftvolle, farbenprächtige Visionen können auftauchen oder einfach auch nur ein leises Gefühl, das doch in der Tiefe berührt. Im Kreis sitzen wir um das manchmal sanft brennende, manchmal auch wild lodernde Feuer, dessen Wesen spürbar in unser Zusammensein hineinwirkt. So vieles wird wahrnehmbar, wenn man die geschäftige, an der Sensation und Schnelligkeit ausgerichtete moderne Welt für eine Weile hinter sich lässt. 

Brant Secunda, Huichol-Schamane und Heiler, erzählt Geschichten aus seiner Zeit im Huicholdorf, Geschichten voller Humor und Lebensfreude. Und wie das bei indianischem Story-Telling so ist: Du bist nie sicher. Wenn du Pech hast, trifft dich die Geschichte an einem empfindlichen Punkt und ermöglicht einen Lernprozess. Brant Secunda erzählt Geschichten, und durch den ausgerichteten Fokus, der von den Zuhörenden gehalten wird, kann sich jeder in diesen Geschichten wiederfinden. Die Geschichten sind sozusagen in dem Raum zwischen uns lebendig.

 

Neue Kraft finden

Durch schamanisches Trommeln und Rasseln in der Gruppe und das Singen spiritueller Lieder findet eine Veränderung im Bewusstsein statt. Der Verstand kommt zur Ruhe. Dies erlaubt es der pulsierenden, lebendigen Umgebung und den Klängen die Seele zu berühren und sie zu nähren. Durch Übungen vor dem Feuer kann sie sich mit Licht auftanken und neue Kraft finden, durch Übungen am Wasser ist es möglich, Dunkles abzugeben. Mutter Erde versorgt uns nicht nur mit Lebensmitteln, sie nährt uns auch auf einer tieferen Ebene als spirituelle Wesen. Es ist faszinierend zu sehen, wie die Erde, die Sonne, der Wind, das Wasser, wie sie alle miteinander in beziehungsreichem Austausch stehen und dieser (Nähr-)Stoffaustausch und der tiefere spirituell-feinstoffliche Austausch auch mit uns stattfindet. Die Huichols sagen, dass wir als Zweibeiner verantwortlich sind, die Erde zu nähren. Wir tun das, wenn wir auf Pilgerschaft gehen und Zeremonien machen. Eine interessante Aussage für die Komtemplation: Wenn wir in den Kontakt mit dem großen Geist treten, nährt das die Erde. Wenn wir für die Erde beten, zieht das Gutes für sie nach sich.

 

Gebende Menschen werden

5.150 Kilometer Luftlinie weiter östlich, in den Bergen der Sierra Madre in Mexiko, leben die Huichol-Indianer, verstreut in kleinen Stammesgruppen. Durch ihren Rückzug in die Berge konnten sie sich ihre präkolumbianische, schamanische Tradition unverfälscht erhalten. Vor rund 40 Jahren begann Brant Secunda dort bei Don José Matsuwa, einem ihrer Ältesten und einem der größten Schamanen, eine zwölfjährige Lehrzeit. Seit deren Abschluss lehrt er Schamanismus für die Menschen der modernen Welt und heilt Menschen, die teilweise mit schweren Erkrankungen zu ihm kommen.

Ja, heute sind wir modernen ­Menschen geniale, weltweit verbundene Kommunikationskünstler per Email, Facebook und einem Wald von Apps geworden, aber die Kommunikation zu unserem ­ursprünglichen Wesen ist uns verloren gegangen. Schamanische Retreats können diesen Kommunikationskanal öffnen und ermöglichen, dass wir in der Tiefe unserer Seele genährt werden, etwas, wonach uns unbewusst dürstet. Verbunden mit dem eigenen Ursprung können wir so selbst zu gebenden Menschen für andere und Mutter Erde werden. Im Schamanismus ist die Erde in ihrer bedingungslosen Art zu lieben und zu nähren dabei das große Vorbild.

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