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Es gibt immer wieder Dinge, die für die einen ganz selbstverständlich, für andere dagegen überhaupt nicht nachvollziehbar sind. Der Bereich, in dem in dieser Hinsicht besonders oft, besonders kontrovers und so unendlich vielfältig diskutiert wird, ist sicherlich der Bereich „Beziehungen“.

Vom Lande kommend gehörte ich einst eher zur konservativen, monogamen Heterofraktion. Etwas anderes gab es in meinem Denken nicht… und dann kam ich nach Berlin! Irgendwann – ich saß beim Friseur — las ich in einer Zeitschrift einen Artikel über ein bisexuell lebendes Paar, welches eine offene Beziehung führte, trotz Kind – und war fasziniert. Seit einer Weile hatten mich damals Frauen schon mehr als sonst beschäftigt  – das an sich war ja schon eine kleine Revolution -und so nahm ich schließlich Kontakt zum bisexuellen Netzwerk (BiNe e.V.) auf, wodurch sich mein Leben grundlegend veränderte…

Je mehr ich mich mit meiner eigenen Bisexualität und den damit zusammenhängenden, anderen Beziehungsformen beschäftigte, umso öfter tauchten Begriffe auf wie Mehrfachbeziehungen, Dreiecksbeziehungen und Treue, und ich begann meine Entdeckungsreise. Anfangs stürzte ich mich förmlich hinein in dieses Abenteuer und schoß dabei auch manchmal über meine eigenen Grenzen hinaus.

Dann hatte ich das Glück,in einer für meine damaligen Verhältnisse ungewöhnlichen Dreierbeziehung mit zwei Männern zu landen. Mein damaliger Freund konnte mich gehen lassen und fand es sogar ganz spannend, dass ich mich neu verliebt hatte, obwohl das eigentlich alles nicht so geplant war. Mein zweiter Freund hatte bis dahin monogam gelebt, wollte sich aber auf dieses Experiment einlassen.

Die Beiden kannten sich, wurden aber nie richtig warm miteinander, wodurch sich kein wirkliches Dreieck ergab und es darauf hinaus lief, daß ich zwei Partnerschaften hatte.
Frei nach dem Motto „Konkurrenz belebt das Geschäft“ erlebten wir eine sehr turbulente Zeit, die sehr schön, sehr aufregend, aber oft auch sehr anstrengend war, weil wir irgendwann die Spontaneität und den Spaß verloren hatten. Dann gab es einen Zeitpunkt, an dem mir auffiel, dass ich bei der ganzen Sache selbst zu kurz kam. Ich war nur noch am koordinieren und versuchte, es beiden recht zu machen, so dass ich mich und meine Bedürfnisse dabei total vergaß.

Aus Schaden wird man klug, wie es so schön heißt, und so wurde es beim nächsten Mal anders. Diesmal jedoch waren meine „beiden Jungs“ freundschaftlich und ein paar Mal auch auf körperlicher Ebene miteinander verbunden… (Das hört sich vielleicht wüst an, klingt aber schlimmer, als es war. Aufregend war es aber allemal!)

Im Lauf der Jahre kam dann eine neue Situation auf mich zu, in der mal nicht ich im Mittelpunkt stand, sondern mein damaliger Freund, mit dem ich sowohl zweisame wie auch vielsame Zeiten erlebt habe. Auch er war dem eigenen Geschlecht nicht abgeneigt, und so wurde ich sowohl mit anderen Männern als auch mit anderen Frauen konfrontiert, die plötzlich eine Rolle spielten.

Bei den Männern war das alles überhaupt kein Problem, denn die konnten ihm ja etwas geben, was ich ihm nicht hätte bieten können, es gab keine Konkurrenz. Bei den Frauen war es etwas anderes, abhängig davon, wie gut oder schlecht der Draht zur jeweiligen neuen Flamme war. Hatte ich das Gefühl, nicht akzeptiert und respektiert zu werden oder fehlte der freundschaftliche Kontakt (man kann ja durchaus auch  mal zusammen kochen, ins Kino gehen oder…), dann fiel es mir doch manchmal schwer…

Und wie sieht es jetzt aus? Nun, auch diese Beziehung fand irgendwann ihr Ende (nämlich als wir anfingen, daran zu „arbeiten“, die Unstimmigkeiten wieder in den Griff zu kriegen…) und jetzt erlebe ich gerade eine ganz neue Situation: diesmal bin ich die dritte Person, die zu einer bestehenden Kon- stellation hinzu stößt. Diesmal ist es ein Mann, der seit einem Jahr sein Bett mit einer anderen Frau teilt, die ich auch schon näher kennengelernt habe, und ich bin gespannt, wohin das alles führt.

„Wozu das alles?“ fragt sich jetzt der eine oder andere vielleicht. Nun, mittlerweile könnte ich mir eine andere Beziehungsform gar nicht mehr vorstellen!
Mehrfachbeziehungen, egal in welcher Konstellation, bedeuten für mich Freiheit, Toleranz und Respekt von allen und für alle Beteiligten und bieten eine unglaubliche Chance zu wachsen, vorausgesetzt, dass sie mit Ehrlichkeit gelebt werden.

Oft ist es ja so, dass „normale“, monogame Beziehungen nicht funktionieren, dann heißt es, die beiden Menschen passen eben nicht zusammen. Gibt es Schwierigkeiten in einer Mehrfachbeziehung, wird immer gleich die Beziehungsform in Frage gestellt… aber einen Versuch ist es wert!

Werde ich mit unangenehmen Gefühlen konfrontiert, sind es ja meistens meine eigenen alten Wunden, die mir die dritte Person deutlich macht. Im besten Fall kann ich ihr dankbar sein, und wenn ich Glück habe, vielleicht sogar mit ihr gemeinsam durch meinen Schmerz gehen.
Und wenn mir schöne Dinge widerfahren, ist dies auch nur wieder ein neuer Schub, mich auszudehnen, meine Größe zu leben und mein Glück mit anderen zu teilen.

Klingt vielleicht für den ein oder anderen unglaublich. Für mich früher ja auch! Aber an dem Punkt, an dem ich heute stehe, habe ich ja auch nicht angefangen. Ich musste mir über vieles klar werden, mein Weltbild auf den Kopf stellen und Begriffe neu definieren:

Treue z.B. schließt für mich nicht aus, mehr als nur einen Partner zu haben!
Treu sein bedeutet für mich, dem Menschen, mit dem ich gerade bin, treu zu sein, d.h. mit meinem Herzen und meinen Gedanken mit ihm zu sein und nicht, wie vielleicht früher, „offiziell“ treu zu sein und mich damit unglücklich zu fühlen, dass ich an jemand anderen denke… Liebe ist für mich nicht mehr begrenzt! Jetzt gibt es so viel davon in meinem Leben, dass ich sie nicht mehr beschränken muß. Mein Leben ist so schön und so reich, dass ich keine Angst mehr davor haben muss, mich allein oder einsam zu fühlen, wenn mein Liebster keine Zeit hat oder einen anderen Menschen trifft. Und gibt es etwas Schöneres, als den Menschen, den man liebt, glücklich zu sehen, ganz unabhängig davon, was ihn glücklich macht?

Es ist ja alles ständig im Wandel begriffen! Meine Gefühle und Wahrnehmungen genauso wie die der anderen. Wenn ich im Fluß des Lebens schwimme, besteht mein höchstes Glück darin, frei von all den alten Ängsten, Selbstzweifeln und moralischen Begrenzungen zu sein und spontan in jedem Moment, mit jeder Situation neu umzugehen.

2 Responses

  1. Wilkening, Günter

    Hallo,
    Es kann wirklich nichts schöneres geben,als das Lebensglück zu suchen und ich bitte höflich um einen Gratiseitrag eines Gedichtes.:

    Liebe

    Liebe ist ein Geschenk des Himmels, nimm es an.

    Liebe ist, Gefühle auszutauschen, lasse sie zu.

    Liebe ist so köstlich, wie der schönste Wein, geniesse Ihn.

    Liebe ist der Nektar des Lebens, koste Ihn.

    Liebe ist die Quelle, die immer wieder zu neuem Leben erweckt, trinke von Ihr.

    Liebe ist, wie ein Zauber der Natur, lass Dich von Ihr verzaubern.

    Liebe ist der Austausch von Gefühlen, die vom Herzen kommen, erlebe sie.

    Liebe ist, wie das siebte Weltwunder, lasse das Wunder geschehen.

    Liebe ist, Zärtlichkeiten auszutauschen, tausche sie aus.

    Liebe ist, dass unerreichbare zu verwirklichen, verwirkliche es.

    Liebe ist, wenn zwei Herzen zu einer Einheit werden, lasse es zu.

    Liebe ist Hingabe und das höchste Glück dieser Erde, lasse es geschehen.

    Liebe ist, wie der Treibsand einer Düne, lasse Dich treiben.

    Liebe ist, wenn zwei Seelen miteinander verschmelzen, lasse es zu .

    Text: Günter Wilkening (Urheber), Minden

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