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Es ist kalt. Ein eisiger Wind bläst mir ins Gesicht. Ich schlage den Kragen meines Mantels noch ein bißchen höher. Die Großstadt schläft noch. Es ist Sonntagmorgen in Berlin. Vor ein paar Tagen hat es geschneit. Hier auf dem großen Parkplatz liegen noch kleine Inseln der seltenen, weißen Pracht, aber es überwiegt der klassische braune Wintermatsch unter meinen Füßen.
Endlich – da ist der Eingang! Ich bin auf dem Weg zu einer Lesung, die im Foyer eines großen Theaterhauses stattfinden wird. Im Entree des Theaters ist es schön warm und die Kälte fällt langsam von mir ab. Eine kleine Schlange hat sich bereits vor der Theaterkasse gebildet; die Veranstaltung wird also gut besucht sein heute. Ich stelle mich ordentlich an, als Letzte in die lange Reihe der Kulturinteressierten. Vor mir steht ein älteres Paar, eng beieinander, sie plaudert mit einer gleichaltrigen Frau und offenbar auch Freundin. In einem lockeren Ton tauschen sie Neustes und Belangloses aus und ich höre eher unfreiwillig zu. Der Mann steht nah dabei, beobachtet angeregt und mit lebendig strahlenden Augen das Hin und Her zwischen den beiden Frauen.

Warum ich Ihnen das alles erzähle? Moment – noch ein kleines bisschen Geduld! Dann verstehen Sie, warum ich Ihnen das alles erzähle…
Die Szene begann, meine ganze Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Was war das, was mich so in den Bann zog? Ich kann mir die Frage leicht selbst beantworten: Es war diese menschliche Wärme, die von diesen drei Personen ausging. Kaum war ich mir dessen bewusst, was mich so magisch anzog, wurden meine Gedanken unterbrochen: mittlerweile standen wir dicht vor dem Verkaufs-Häuschen, die Freundin verabschiedete sich noch und verschwand in Richtung Garderobe. Der Mann lächelte seine Begleiterin noch einmal an, bevor er sich der Kartenverkäuferin zuwandte: Ja, zwei Karten bitte… Nein, wir haben nicht reserviert. Hmm… sie haben nur noch eine Karte?! Nein… dann… Mit einer sanften Bewegung zog er seine Begleiterin beiseite und sagte freundlich in meine Richtung: “Ich glaube, Sie sind an dran…!”
Ob Sie es nun glauben oder nicht: ich bekam die letzte Karte. Aus den Augenwinkeln konnte ich beobachten, wie das Paar noch etwas unschlüssig neben dem Ausgang herumstand. Bis der Mann dann der Frau den Arm um die Schultern legte, sie liebevoll an sich drückte und ihr irgendetwas ins Ohr flüsterte, was ihren bis dahin leicht enttäuschten Ausdruck im Gesicht in ein wunderschönes Lächeln verwandelte. Auch er begann zu lachen, und dann waren die beiden zur Tür hinaus.

So. Nun will ich mich erklären: Ich habe Ihnen das alles erzählt, weil ich auf der Glücks-Suche bin. Auf der Suche nach dem, was uns glücklich macht. Und da ist mir das passiert, was ich Ihnen gerade erzählt habe. Dieses “Glück zu zweit”, das uns doch allen bekannt ist aus Kunst, Literatur und Film präsentierte sich mir in dem Beobachten dieses Pärchens, das trotz Frust, keine Karten mehr bekommen zu haben, sicherlich trotzdem noch einen schönen Tag miteinander erlebt hat – und das im stolzen Alter von geschätzt Ende Fünfzig. Machen Sie das erstmal nach! Die heutigen Statistiken von Scheidungstendenz und Trennungshäufigkeit in festen Beziehungen oder Ehen, mit und ohne Kindersegen, lassen da eher ein erschreckendes Bild entstehen.
Gibt es ein Rezept für eine glückliche Partnerschaft? Bedeutet Glück hier vielleicht einfach nur Zufriedenheit und so etwas Ähnliches wie Gut-miteinander-Auskommen?

Wenn man den spirituellen Meistern dieser Welt Glauben schenken will, dann findet sich das Glück einzig im Alleinsein – und nicht in irgendeiner Form von Paar-Beziehung. Da geht es dann um Meditation, still-werden und Erleuchtung. Nicht um den Abwasch, die Kinder und das Auto. Die Sache mit dem Kloster hat schon seine Gründe…
Natürlich habe ich mich auch im Alleinsein probiert. Und der Effekt war überwältigend! In Meditation versunken, beinahe selig, jedenfalls glücks-selig und voller Selbst-verliebtheit – so habe ich den Zustand der Meditation in einem Wochenend-Workshop kennengelernt. Den Abwasch hat da jemand anders gemacht, meine Kinder waren bei Freunden untergebracht, und ein Auto besitze ich schon gar nicht.
Das war echt ein Glücksrausch!
Aber es entstand auch noch ein anderes Glücksgefühl: Allein schon mich sicher und geborgen zu fühlen in dieser Gruppe von Menschen während dieses Workshops, machte mich glücklich. Ich fühlte mich einfach gut aufgehoben und mit den Anderen verbunden. Vielleicht kennen Sie das von Rockkonzerten. Gruppen-feeling nennt man das wohl auch.

Dann stellt sich natürlich die Frage: Hätte ich diese Glücksgefühle während der Meditation auch erlebt, wenn ich nicht in die Geborgenheit der Gruppe eingebetet gewesen wäre?
Wahrscheinlich bin ich zu weit entfernt von jeglicher Buddhaschaft, aber ich kann mir kaum vorstellen, solche Gefühle von seliger Geborgenheit auch alleine in meinem Wohnzimmer zu bekommen – egal, wie lange ich in Meditation versinke!

Oder sind die Gefühle abhängig vom Geschlecht eines Menschen? Hätte ein Mann sich womöglich total verkrampft gefühlt in der emotionalen Enge einer solchen Workshop-Meditations-Gruppe? Vielleicht brauchen Männer eher die Einsamkeit und Abgeschiedenheit, wie Buddha, unter einem Baum. Sind Glücksgefühle, beziehungsweise die Bedingungen für das Entstehen von Glücksgefühlen geschlechterabhängig?
Haben Männer und Frauen unterschiedliche Auffassungen, Vorstellungen, Erlebnisse vom Glück??

“Die Fähigkeit, Emotionen zu empfinden, ist keine Frage des Geschlechts” findet John Gray in seinem Ratgeber “Mars & Venus”. Das ist doch schon mal eine beruhigende Tatsache, finden Sie nicht? Beiderlei Geschlechts dürfen also (Glücks-) Gefühle haben. Trotzdem bleibt die Frage offen, wie und warum wir Glück empfinden. Was macht uns glücklich? Wo liegen unsere Bedürfnisse?
“Es ist ein tiefverwurzeltes Problem”, meint Osho und unterscheidet sehr klar zwischen dem Bedürfnis des Mannes nach absoluter Freiheit und dem Bedürfnis der Frau nach absoluter Bindung; nachzulesen in seinem Büchlein “Liebe beginnt nach den Flitterwochen”. Na, da haben wir doch etwas Feines endeckt! Freiheit und Bindung im ewigen Widerstreit?
Dann wäre der Lonesome Cowboy aus der Marlboro-Werbung doch der Traum eines jeden Mannes! Und wir Frauen? Wollen wir doch auch  nur das eine? Einen glitzernden Diamant-Ring von unserem Liebsten an der rechten Hand?

Nein, nein! So schnell wollen wir nicht aufgeben und uns bei unserer Glücks-Suche in Klischees verlieren, oder?

Gut. Wobei wir trotzdem beim Thema Nr. 1 wären: Männer und Frauen. Und ganz egal, ob Liebe oder Freiheit, Bindung oder Abenteuerlust – am ehesten finden wir uns doch alle im Bett wieder, wenn wir die Begegnung mit dem anderen Geschlecht suchen. Wir nähern uns also dem Thema Sex. Und dabei dem absoluten Höhepunkt der ziviliersierten, westlichen Welt in Sachen Glück: dem Orgasmus. Sicherlich, wir sind schon böse enttäuscht worden beim Wühlen in den Kissen, mehr am Boden zerstört als glücklich, aber dennoch: hier findet sich ein gutes Übungsfeld für alle Glücks-Sucher! Gerade die östliche Lehre bringt mit der “Kunst der Ekstase”, der tantrischen Lust, viele Anreize für ein frustrierendes Liebesleben. Wer ein wenig mehr darüber wissen will, dem empfehle ich das Buch von Margot Anand: “Ekstase für jeden Tag”. Da werden Orgasmus, orgastische Gefühle und Tantra zu einem Lebensgefühl, ähnlich einer Art Dauer-Orgasmus, beim Abwaschen, Kinder hüten und Auto putzen, alles verschmilzt zu einem einzigen großen ekstatischen Glücksgefühl. Das klingt extrem verlockend und ist spannend zu lesen.
Auf mich persönlich wirkt es dann doch zu experimentell, als das ich ab sofort danach leben könnte. Also gehe ich weiter in meiner Glücks-Suche…

Wenn es bei Ihnen mit der tantrischen Lebensweise auch nicht so recht klappen will:
Da verspricht Sabine Asgodom in ihrer Neuerscheinung “Erfolg ist sexy!” ein neues Experiment: Hier geht es um die weibliche Selbstverwirklichung am Arbeitsplatz, ganz im Sinne des neuen Millenium-Frauentyps, der den Karrierefrauen der Achtziger mit Leichtigkeit vormacht, wie sich Erfolg und Sinnlichkeit gleichermaßen in der Arbeit ausdrücken können.
Macht Erfolg glücklich? Verdiene ich zu wenig, um glücklich zu sein? Brauche ich einfach mehr Geld?
Das Glück im Erfolg finden. Erfolgreich leben. Am Ende eines Lebens sagen können: “Ich habe  erfolg reich gelebt”. Was ist das denn eigentlich: Erfolg? Bedeutet das nicht für jeden etwas anderes? “Das höchste Ziel” ist es,”stimmig zu sein”. So formuliert es der Erfolgs-Autor Kurt Tepperwein. Stimmigsein. Schon wieder ein neues Glücks-Rezept! Auf allen Ebenen stimmig sein. Wenn auf irgendeiner Ebene ein Mangel herrscht, dann bin ich nicht stimmig und also nicht erfolgreich. Dafür ein Beispiel: ich bin steinreich, sehe toll aus, habe habe keinen Partner und bin nicht gesund. Dann besteht in punkto Partnerschaft und Gesundheit ein Mangel. Und ergo bin ich nicht erfolgreich, nicht “stimmig”, nicht glücklich. So weit zu den Theorie von Kurt Tepperwein. Aber wie auch immer: langsam wird klar, dass eigentlich nur jeder Einzelne für sich selbst entscheiden kann, mit was, und wie, er oder sie glücklich ist – oder nicht. Denn sich stimmig fühlen mit dem, was man tut, ist sicher ein guter Ansatz für das Empfinden von Glücklichsein. Aber wir haben alle ganz unterschiedliche Vorstellungen von dem Leben, das wir lebenswert finden. Eigentlich kann mann sagen: so verschieden unsere Nasen sind, so verschieden sind auch unsere Vorstellungen! Und deshalb sieht auch das Glück für jeden von uns ganz unterschiedlich aus. Der eine räkelt sich gerne in einer Hängematte am Südseestrand, trinkt Baccardi und träumt von leichtbekeideten Karibik-Schönheiten. Ein anderer seufzt zufrieden, wenn er sich spätabends nach einem anstrengenden Arbeitstag in das vorgewärmte Ehebett an seine, mit den Jahren etwas molliger gewordene Ehefrau kuscheln darf, während im Nebenzimmer der gemeinsame Sohn leise vor sich hin schnorchelt…

Im Erleben von Glücksmomenten zeigt sich also unsere Individualität. Und das ist gut so. Denn wenn es nur eine einzige Glücksformel gäbe, dann würde es ganz schön eng: entweder in der Hängematte – oder im Ehebett…
So kann jeder selber wählen. Glücksmomente – was sind das für Momente? Otto Normalverbraucher würde sich sicherlich kein global funktionierendes Glückskonzept ausdenken, wenn wir ihn das fragen würden.
Und Sie? Wann hatten Sie zum letzten Mal einen richtig guten “happy moment”?
Das bezaubernde Lächeln einer Mutter, die ihrem Baby beim Schlafen zuschaut. Ein Romeo nach einer heißen Nummer, der zufrieden in den Armen seiner Julia vor sich hin döst. Die Gruppe Jugendlicher, die sich mit ihrem Snowboards im Schnee kullert, weil die Jungs versuchen, die Mädels abzukitzeln. Happy Moments. Und das Gute daran ist: alles gratis! Schauen, Dösen, Kitzeln – das kostet Sie keinen Pfennig!!
Es ist eben doch die Kunst des Weglassens, das Reduzieren auf den Moment und das Suchen des Glücks im Augenblick, was uns wirklich glücklich machen kann.
Und vielleicht machen Sie es wie ich: Seit meiner Glücks-Recherche hängt ein Spruch aus dem Roman “Reine Leere – Erfahrungen eines respektlosen Zen-Schülers” von Janwillem van de Wetering in meiner Küche:

“DAS GLÜCK KOMMT ZU DEN GLÜCKLICHEN!”

Zum Schluß noch ein kleiner Tipp, wenn es mal wieder nicht so richtig klappen will mit dem Glück: Schon die alten Ägypter haben sich mit schönen Steinen beholfen. Insbesondere der orange-gefärbte Edelstein Karneol (Orange ist die Farbe der Freude!) galt schon früher als magischer Kraftstein, der Lethargie, Depressionen und Antriebschwäche vertreiben soll. Selbstverständlich können Sie sich ihren ganz persönlichen Glücksbringer zulegen. Hauptsache, er hat die richtige Glücks-Energie…

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