Anzeige

Jomo Kenyatta, der frühere Präsident Kenias kommentiert in seinem Buch Facing Mount Kenya: „Kein richtiger Kikuyu würde auch nur im Traum daran denken, ein Mädchen zu heiraten, das nicht beschnitten ist. Diese Operation wird als conditio sine qua non für die die ganze Lehre der Stammesgesetze, Religion und Ethik betrachtet“ (1938).
Schon anhand dieser Aussage kann man erkennen, das es uns als Europäern wohl schwer gelingen wird, diesen afrikanischen Brauch zu verstehen, der hier als Gesetz, ja gar als Religion betrachtet wird.

Beschneidung bei Frauen ist ein tief verwurzelter Brauch, Tradition seit tausenden von Jahren.

Im alten Ägypten konnten Mädchen nicht heiraten, Eigentum erben oder eine Moschee betreten, es sei denn, sie waren beschnitten. Der pharaonische Glaube der Ägypter besagt: Genauso, wie man daran glaubt, dass bestimmte Götter bisexuell sind, so glaubt man, dass jede Person mit einer maskulinen und femininen „Seele“ ausgestattet ist. Diese „Seelen“ enthüllen ihre jeweiligen physiologischen Merkmale in den und durch die Fortpflanzungsorgane. Auf diese Weise ist die weibliche „Seele“ eines Mannes, so wird behauptet, in der Vorhaut lokalisiert, während die männliche Seele der Frau in der Klitoris sitzt. Dies bedeutet: Wenn der junge Mann heranwächst und schließlich in die männliche Gesellschaft aufgenommen wird, muss er sich seiner weiblichen Merkmale entledigen. Dies geschieht durch Entfernung der Vorhaut, des weiblichen Teils seines ursprünglichen sexuellen Zustands. Dasselbe gilt für ein junges Mädchen, das beim Eintritt in die weibliche Gesellschaft ihrer männlichen Merkmale entledigt wird, indem man ihre Klitoris oder Klitoris und Schamlippen entfernt. Nur so beschnitten kann das Mädchen behaupten, eine vollständige Frau zu sein, und ein entsprechendes Sexualleben zu führen. (Quelle: Hanny Lightfood-Klein, Das grausame Ritual)

Nur eine beschnittene Frau ist eine richtige Frau

Tradition und Mythen sind aber zwei der Gründe, die zur Befürwortung von FGM vorgebracht werden. Die meisten Menschen, die dieses Ritual immer noch durchführen, leben unter ärmsten Verhältnissen und ohne Bildung.

Oftmals glauben sie, es wäre von der Religion vorgeschrieben. Die meisten Bevölkerungsgruppen, die Beschneidung durchführen, gehören dem Islam an. Infibulation wird ausschließlich von Moslems durchgeführt. Dabei gibt es im Koran keinen Abschnitt , der dies vorschreibt.

„Wir unterstützen die Praxis“, heißt es in der offiziellen Position islamischer Juristen in den Ländern, „und sanktionieren sie im Hinblick auf ihre Auswirkungen, das sexuelle Verlangen der Frau zu vermindern und es in die erwünschte Richtung zu lenken.“
Ein wichtiger Grund ist also die Kontrolle der Sexualität der Frau, man will sie von dem Übel ihres Triebes befreien, ihre Jungfräulichkeit garantieren und auch Fremdgehen verhindern. Man will ihre Ehre sicherstellen, das Wichtigste überhaupt. Bei einer Heirat muss eine Braut Jungfrau sein. Falls dem nicht so ist , kann die Frau aus der Gesellschaft ausgestoßen werden, das gilt auch wenn sie unfruchtbar ist. Oft richtet sich der Brautpreis, den ein Mann für ein Mädchen zahlt, nach der Größe ihrer Vaginalöffnung .

„Ich habe viel darüber nachgedacht“, sagt Mariatu Rhode im Interview, „und mir ist aufgefallen – es geht nur um Ehre – all die anderen Gründe sind nur vorgeschoben oder ausgedacht.“

Und wie viele verschiedene Gründe gibt es! Viele afrikanische Gesellschaften glauben, das weibliche Geschlechtsorgane abstoßend hässlich sind, daß sie giftig sind, Kinder töten können und Männer blind und impotent machen. Man nimmt auch an, eine Beschneidung würde die Frau sauber machen und ihr die Geburt erleichtern. Sie soll auch vor Vergewaltigung schützen, vor Irrsinn und Schuleschwänzen.

Die Frauen, die die Beschneidung durchführen, oft Hebammen, wollen natürlich auch nicht auf ihr Einkommen und ihre hohe soziale Stellung verzichten. Sie und die älteren Frauen sind neben den Männern diejenigen, die diese Tradition seit all dieser Zeit tatkräftig aufrechterhalten! So sind die Frauen nicht nur die Betroffenen sondern auch die Haupttäter dieses Verbrechens.

Ursprünge/Geschichte:
Die Ursprünge der FGM ( Female genital mutulation) liegen im Dunkeln. Man nimmt an, dass sie bereits seit dem Beginn der Geschichte der Menschheit existieren und auch, dass Beschneidungen nach und nach begannen Menschenopfer zu ersetzen. Sie wurden eingesetzt, um die Götter zu besänftigen.

Es ist unklar ab welchem Zeitpunkt diese Praktiken begannen, sich mit dem Jungfräulichkeitsideal der islamisch – arabischen Welt zu vermischen. Ab ca. dem 5. Jhd. v. Christus verdichten sich Berichte griechischer Gelehrter, wie z.B. der des berühmten antiken Geschichtsschreiber Herodot, die weibliche Beschneidung als einen Brauch aus Äthiopien oder Ägypten beschreiben. Die durch Reisen in Afrika auf den Brauch aufmerksam gewordenen Griechen erfuhren, dass Beschneidungen an Mädchen durchgeführt werden, die Ihre Mitgift bekamen.

Im Laufe der Zeit beschrieben sie es als einen vorehelichen Ritus, der vor allem an Frauen höherer Kasten vorgenommen wurde. Auch Römer und Araber beschnitten ihre Frauen. In einigen Gesellschaften handelte es sich hierbei um ein Oberschichtenmerkmal, in anderen wurden nur Sklavinnen beschnitten. Dabei wurden unterschiedliche Methoden angewandt – den wohlhabenden Frauen wurde die Klitoris entfernt, während Sklavinnen infibuliert wurden, also komplett bis auf ein kleines Loch zugenäht wurden, wahrscheinlich um diese vor einer möglichen Schwangerschaft zu bewahren. Beschnittene Sklavinnen erzielten auch höhere Preise auf dem Sklavenmarkt als Unbeschnittene.

Der Ursprung der Beschneidung liegt also vermutlich in Ägypten und im Niltal, von wo er später an den Küsten des Roten Meeres von Stämmen arabischer Händler weiterverbreitet wurde. Es gibt Spekulationen darüber, dass Infibulationen vor allem in wasserarmen Gebieten verbreitet waren, um die Bevölkerungsdichte möglichst gering zu halten. Geburtenkontrolle wurde notwendig, da sich durch anhaltende Dürre früher fruchtbare Gebiete immer mehr in Wüsten umwandelten.

Beschneidungen gab es jedoch auch in Europa und den USA im 19. Jahrhundert. Sie wurden von verschiedenen Ärzten eingeführt um Masturbation, Hypersexualität und Hysterie zu verhindern.

Hinterlasse einen öffentlichen Kommentar

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

*