Anzeige

Rund sechs Millionen Wildtiere werden jährlich von Jägern erlegt – die meisten davon zum Spaß und Zeitvertreib, denn als Nahrung dienen nur die wenigsten. Das Hauptargument für dieses Tun sei der Arten- und Naturschutz, argumentieren die Jäger und die Politik, die den rechtlichen Rahmen für dieses Massaker bietet.

Das es bei uns keine Bären und Wölfe mehr gibt, muss eben der Mensch für das natürliche Gleichgewicht sorgen – für sein Feingefühl in Sachen natürliche Kreisläufe ist er schließlich weithin berühmt. Und so opfert er heldenhaft seine Freizeit, um die Tierbestände stabil zu halten und das zarte Geschöpf Natur vor der Selbstzerstörung zu bewahren.

 

Tierbestände regeln sich selbst

Das allerdings ist kompletter Unsinn – wie wissenschaftlich auch hinlänglich bewiesen ist. Überhaupt weiß gar niemand, wie groß die Bestände der einzelnen Tierarten überhaupt sind. Die Bestandzahlen werden nämlich aus den Abschusszahlen hochgerechnet: „Wenn wir so viele erwischt haben, dann werden’s wohl recht viele sein.“ Die wissenschaftliche Methode in der konkreten Anwendung.

Tatsächlich ist es genau andersrum: Durch das Abschießen werden sozialen Strukturen im Tierreich zerstört und eine Selbstregulation sogar verhindert. Am Ende ist genau das Gegenteil der ursprünglichen Absicht erreicht: die Bestände erhöhen sich, Krankheiten breiten sich aus – alles wissenschaftlich dokumentiert.

 „Die Raubtiere haben nie bei uns die Wildbestände nennenswert reguliert. Es waren immer Krankheiten, Winterhärte und der Nahrungsmangel. Und genau die letzteren schaltet der Jäger systematisch aus. Und die Raubtiere hat er auch ausgeschaltet. Die Winterfütterung und die Wildpflege soll ja auch bewirken, dass der Bestand besonders hoch wird. Und das haben die Jäger ja auch erreicht“, so der Zoologe Professor Josef Reichholf. Die Jäger produzieren also erst das Ungleichgewicht, das sie dann wieder zurechtmorden.

„Der Wald ist die Schießbude der Jäger. Dort haben sie das Wild optimal für sich aufgestellt.“ Sie nutzen „die Wälder als Wildzuchtanlage für ihren privilegierten Freizeitspaß“, schreibt Frank Wittig vom SWR anlässlich der Sendung „Kritik an der Jagd“.

Selbstkontrolle

Warum ist es dann nicht längst verboten? Weil die Jäger eine starke Lobby haben. Bei vielen Urteilssprüchen zum Thema Jagd sind die Richter sogar gleich selbst Jäger, weshalb die Rechtsprechung rund ums Jagen inicht selten jeder wissenschaftlichen Grundlage entbehrt. Auch unterliegt die Jagd keiner umfassenden behördlichen Kontrolle, der „Jagdschutz“ obliegt vielmehr den Jägern selbst.

Felder und Wälder sind zum Teil in Privatbesitz, zum Teil in Staatsbesitz. Der Staat ist per Verfassung Sachwalter des Volksvermögens; Wildtiere gehören somit dem gesamten Volk und nicht einer Minderheit von Jägern. Trotzdem dürfen Jäger sowohl auf Privat- als auch auf Staatsbesitz jagen – weshalb schon einige Bürger gegen das Jagen geklagt haben.

Mordlust

„Bei der Betrachtung der Strukturen in der Jägerschaft und dem Agieren der politischen Instanzen ist nur ein konsequenter Schluss möglich: die in Deutschland praktizierte Jagd ist eine Hobby- und Spaßjagd, bei der Trophäenkult, das gesellschaftliche Erlebnis und die Lust am Töten mit dem damit verbunden Ausleben von Machtgefühlen im Vordergrund steht“, schreibt die Albert-Schweizer-Stiftung anlässlich der Veröffentlichung ihrer Grundthesen zur Jagd.

Das es nach allen aktuellen Forschungsergebnissen für die Jagd ganz sicher keine Rechtfertigung im Naturschutz gibt, formuliert die Albert-Schweizer-Stiftung provokant die These: „Jagd ist die letzte legale Möglichkeit, in Friedenszeiten mit der Waffe ungestraft zu töten. Sie ist die letzte Möglichkeit, dem Tötungstrieb hemmungslos nachzugehen.“

Jagd sei demnach reine Mordlust, der durch dubiose Ausreden ein rationaler Anstrich gegeben werden soll. Die Wissenschaft sieht das mittlerwiele ähnlich.

 

Die „Grundthesen zur Jagd“ können hier heruntergeladen werden.

 

Weitere Artikel zum Thema auf Sein.de

1. Oktober: Welt-Vegetariertag

 

 

7 Responses

  1. Jäger

    Dem kann ich mich nur anschliessen:
    so einen tendenziellen „Bericht“ habe ich schon lange nicht mehr gelesen.
    Gott sei Dank scheinen das hier ja nicht viele Leute zu lesen bzw. ernst zu nehmen.
    Ich esse ubrigens den überwiegende Teil des Wildes, dass ich erlege.
    Der Rest wird verkauft oder muss entsorgt werden, weil ungeniessbar (zb. Füchse, krankes Wild).

    Antworten
  2. Rainer

    Sehr gut und objektiv geschrieben. Es ist eine Schande, daß eine Minderheit der Bevölkerung, Mißbrauch und Mord in unseren Volkswäldern an unseren Volkswildtieren ungestraft begehen darf. Nur weil der Industriezweig Mord, ein paar Steuereuro in die Staatskasse bringt, darf es so nicht weitergehen. Es ist die Ausrottung UNSERER Wälder und Tiere und nicht nur für eine kleine, elitäre Mörderbrut – STOPPT dieses Pack !

    Antworten
  3. carola

    Ja, warum bleiben die Tiere nicht mehr in ihrem Wald oder Feld und sind auch in Städten zu finden?. Bestimmt nicht weil es zu viele Wildtiere gibt, sondern weil der Mensch die Natur zubetoniert, durch Siedlungs und Strassenbau der Lebensraum immer mehr eingeengt wird. Außerdem wird es bestimmten Arten durch die Vermüllung in den Siedlungen leicht gemacht, an Nahrung zu kommen. Auch bei uns gibt es ne Menge Füchse, aber ebenso auch ne Menge Hasen. Bodenbrüter werden ebenfalls garantiert nicht durch Rabenvögel , Fuchs und Co ausgemerzt, auch da ist es wieder der Mensch, der durch die Nutzung der landwirtschaftlichen Flächen unter dem Einsatz der Landmaschinen zu den Brutzeiten zu dem Tode unzähliger Bodenbrüter führt. Warum gibt es weniger Rebhühner, auch da ist wieder der Mensch schuld, da er den notwendigen Lebensräume dieser Vögel zerstört. Hier werden wieder Strauchlandschaften aufgeforstet und siehe da, sie werden wieder vermehrt gesichtet. Der Mensch ist Mitschuld an dem Rückgang so einiger Tierarten, aber es ist ja einfacher Fuchs und Co anzuprangern und abzuschlachten, als einzusehen das unsere Unfähigkeit und Verantwortungslosigkeit die Ursachen sind.

    Antworten
  4. Peter

    Was für ein schlecht recherchierter und einseitiger Artikel!
    Wieso plädieren dann viele Grüne und selbst der NABU dafür, daß z.B. mehr Rehe und Hirsche in den Wäldern erlegt werden müssen?
    Hier macht sogar der Spruch „der Schädling Rehwild“ die Runde.
    Wald vor Wild ist scheinbar das neue Motto.
    Raubtiere regulieren sehr wohl die Bestände! Ich sehe es hier doch überdeutlich täglich wenn ich vor die Haustüre gehe: Es gibt hier seit Jahren weder Hasen, noch bodenbrütende Vögel mehr, aber immer mehr Füchse und auf jedem zweiten Baum sitzt ein Bussard. Bei uns sind die Füchse mittlerweile sogar in der Stadt und laufen bei uns im Garten herum.
    Das war vor über 25 Jahren genau umgekehrt: Jede Menge Hasen, sogar Rebhühner und kaum mal ein Fuchs, bzw. Greifvogel zu sehen. Und falls doch, maximal in der Nähe von Wald und Feld, aber niemals innerorts.
    Wenn so Natur- und Tierschutz aussehen soll, frage ich mich, ob diejenigen, die das propagieren überhaupt noch wissen, was Natur ist!
    Diesen Genozid an vielen Tierarten überhaupt als Tierschutz zu bezeichnen kommt für mich demselben gleich, als ob man den Nazis den Friedensnobelpreis verleihen würde.

    Antworten
  5. Fuchs

    rund 6 Mill. Wildtiere werden jedes Jahr erlegt. Woher hat der Autor diesen Unsinn? wird hier gefragt.

    Ganz einfach: dazu braucht man sich nur die Streckenstatistiken der einzelnen Landesjagdverbände und des DJV anzusehen. Daraus errechnet sich das von selbst.

    Wohin die nicht gegessenen Tiere verschwinden: In die Tierkörperbeseitigungsanstalt oder sie werden verbuddelt.

    Natürlich gehen die abgeschossenen Tiere in die Bestandsermittlung mit ein. Haben Sie schon mal versucht, Wiesel, Marder oder Krähen zu zählen?

    Antworten
  6. Kersten Meier

    Zitat aus obigem Text:
    >>Rund sechs Millionen Wildtiere werden jährlich von Jägern erlegt – die meisten davon zum Spaß und Zeitvertreib, denn als Nahrung dienen nur die wenigsten.<< Woher hat der Autor denn diesen Unsinn ? Wohin verschwinden denn all die Wildtiere, die nicht als Nahrung dienen ? Bitte um belastbare Quellen zu dieser These. Übrigens ist der ganze Artikel schlecht recherchiert: die Bestände der Wildtiere werden mitnichten aus den Abschußzahlen hochgerechnet. Jeder Jäger (übrigens kann auch jeder Nichtjäger daran teilnehmen) erhält zu Jahresbeginn einen mehrseitige Beobachtungsbogen, auf dem die gezählten und beobachteten Tierarten verzeichnet und den zuständigen Behörden mitgeteilt werden müssen. Das gleiche macht übrigens der NABU seit zwei Jahren mit Singvögeln über Privatpersonen. Wo der Staat Besitzer des Waldes ist (sog. Staatsforsten) sind es auch Staatsbedienstete, die auf Weisung der Forstämter (die den Landwirtschaftsministerien unterstellt sind) die Abschüsse tätigen. Nicht Hobbyjäger. Diese höchstens, wenn sie auf Anweisung der Forstämter in von Ihnen gepachteten Revieren kostenpflichtige Abschüsse erledigen müssen. Diese Abschüsse sind übrigens weitaus rigider als in den sog. "Hobbyjagden" ausgelegt. Nichtabschüsse werden auch schon mal mit Geldbußen belegt. Zu Frank Wittig, der sich als "Journalist" bezeichnet, dabei aber unter diesem Deckmäntelchen seine Jagdgegner- und radiale Tierschützer-Anhängerschaft verschleiert, äußere ich mich lieber nicht. Der hätte mal eine Rüge des Presserates zu soviel nicht-objektiver "Bericht"-Erstattung verdient. Wälder als "Schießbuden" zu bezeichnen zeugt eigentlich von immenser fachlicher Unkenntnis.

    Antworten

Hinterlasse einen öffentlichen Kommentar

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

*